15.05.2018

VOM DIENEN UND HERRSCHEN IM TAXI




"Zum Dienen zu groß und zum Herrschen zu klein" ist, zumindest meiner Meinung nach, der zentrale Satz in "HERRliche Zeiten", dem neuen Film von Oskar Roehler, der an sich nicht wirklich gut ist. Sie (Katja Riemann) sieht Scheiße aus und Er (Oliver Masucci) kann nicht einmal Hochdeutsch, und dabei handelt es sich doch um die Hauptprotagonisten. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, hat der Streifen ganz andere, eigene Erkenntnisse zu bieten. Beispielsweise die Erkenntnis, dass Taxifahren auch eine Leistung ist, bei der es an erster Stelle ums Dienen geht. Nun bin ich weder Diener noch Sklave, auch wenn immer mehr Fahrgäste dieser Meinung sind. Man kann es auch einfach mangelnde Empathie nennen, also die Unfähigkeit, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen. Eine Erkrankung, die sich seit einiger Zeit immer rasanter ausbreitet.

Das Gegenstück zur Empathielosigkeit wäre die Herzensbildung, die immer mehr abnimmt, aber das nur nebenbei. Jedenfalls führt diese zunehmende Empathilosigkeit meiner Fahrgäste bei mir zu einer Radikalisierung, die sich beispielsweise im Handy-Verbot bei mir im Taxi ausdrückt, was kaum ein Fahrgast versteht. Die meisten halten es für einen Witz. Die Wahrheit ist, dass ihr dummes Handy-Gequatsche eine Zumutung ist, denn mich interessiert Null, was sie wieder für geistigen Dünnschiss von sich geben müssen. Zumutung trifft es auch nicht ganz. Es ist, wenn man es sich ganz genau ansieht, eine Körperverletzung, dieses ständige Handy-Geseiere.

Eine Körperverletzung deswegen, weil man nicht absichtlich weghören kann. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Aus dieser einfachen Lärmbelästigung wird dadurch eine Körperverletzung, dass das Gehirn automatisch versucht, auch dagegen kann man nichts tun, dieses halbe "Nothing About Nothing" zu komplettieren. Die Folge ist eine zunehmende Radikalisierung, zumindest bei mir (Ich bin aber auch schon etwas länger "On The Road", vielleicht liegt es einfach nur daran - Who knows?!), beispielsweise durch die entsprechenden Aufkleber "Handy-Verbot", deren Ziel mir durch den Film jetzt ganz klar geworden ist: Es ist das Herrschen! Das Herrschen bedarf allerdings einer gewissen Größe - ohne der geht es nicht.

PS: "Diese Leute gehorchen uns nur, so lange sie uns fürchten." - Ebenfalls ein wichtiger Spruch aus dem Film, den man 1:1 auf Fahrgäste und aufs Taxifahren allgemein übertragen kann.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

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