02.04.2018

"WO UNRECHT ZU RECHT WIRD, WIRD WIDERSTAND ZUR PFLICHT!"


"Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!" - wer kennt ihn nicht, diesen Satz. Die wenigsten wissen, dass er so ähnlich auch in unserem Grundgesetz steht. Dazu später mehr. Ich hatte schon mehrfach darüber berichtet, dass gerade eine feindliche Übernahme des Berliner Taxigewerbes stattfindet, auch wenn es offiziell nicht feindliche Übernahme genannt wird, sondern "Deregulierung". Die "Deregulierung des Taxigewebes" ist erklärtes Ziel unserer neuen Bundesregierung, so steht es im Koalitionsvertrag, wenngleich mit anderen Worten. Das heißt, dass aus dem bereits heute prekären Job eines Taxifahrers ein Bangladesh-Job mitten in Berlin werden wird, oder wie man auch sagen kann: "Jedem sein kleines Bangladesh!"

Übernommen wird das Taxigewerbe vor allem von UBER, dem smarten Start-Up aus San Francisco, das uns auch schon mal als "Arschloch Taxi" bezeichnete, als es für UBER noch nicht so gut lief. Das hat sich jetzt geändert, die Soft-Boys aus Kalifornien haben ganze Arbeit geleistet, was bei den vielen Milliarden, die sie zusammen mit Goldman-Sachs darin investieren, die Personenbeförderung für sich zu monopolisieren, um morgen selbst die Preise bestimmen und die Gewinne abschöpfen zu können, keine wirkliche Überraschung ist, schließlich hat man lange genug Verluste in Kauf nehmen müssen.

Überraschend ist dagegen, wie wenig das Treiben der Heuschrecken aus Amerika durchschaut wird, beispielsweise von Thomas Loy vom Tagesspiegel, mit dem ich vor kurzem noch am Telefon über die Problematik sprach, bevor er am Mittwoch diesen schönen Lobby-Artikel veröffentlichte. Eine tolle Arbeit, das muss man schon sagen, und ich wünsche dem Herrn Loy von ganzem Herzen, dass sich UBER erkenntlich zeigen wird, sicher würde ich mir an seiner Stelle aber nicht sein. Möglicherweise ist es auch wirklich nur Naivität, wenn Journalisten Public Relations machen und dabei auch noch nett in die Kamera lächeln, da bin ich mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher.

("Journalism is printing what someone else does not want printed. Everything else is public relations." - George Orwell)

Immerhin habe ich einen Journalisten gefunden, für den ganz klar ist, dass UBER ohne Regulierung zerstörerisch wirkt, was er so in seinem Gastbeitrag mit dem Titel "UBERs neues Fahrdienstmodell sollte reguliert werden" vom 22.3.18 fürs Handelsblatt geschrieben hat. Sein Name ist Steven Hill, er ist Amerikaner, weilt gerade in Berlin und hat sein Kommen zu meiner nächsten Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin" am Donnerstag, 5. April um 19 Uhr verbindlich zugesagt. Verbindlich zugesagt haben auch Leszek Nadolski, Vorsitzender der Berliner Taxi-Innung, und Stephan Berndt, Mitbegründer von Taxi Deutschland und Berliner Taxiunternehmer, der vor genau einem Jahr schon einmal ein gut informierter Gast in meiner Sendung war.

Genau wie vor 28 Jahren wird es am Donnerstag einen Runden Tisch geben, an dem möglichst viele, die mit dem Thema "Deregulierung" und UBER zu tun haben, Platz nehmen können. Eingeladen habe ich u.a. Vertreter der zuständigen Genehmigungbehörden in Berlin und Königs Wusterhausen bzw. Lübben, Berliner Taxifahrer und ihre Interessenvertreter, genauso wie UBER-Fahrer und natürlich UBER selbst. Ich lasse mich überraschen, wer von ihnen alles kommt. Du kannst beim Runden Tisch dabei sein, denn er wird live auf "Pi-Radio" übertragen, in Berlin auf der 88.4, in Potsdam ist es bereits die 90.7 und auch weltweit als Live-Stream unter piradio.de sind wir zu hören.

Ich hatte eingangs unser Grundgesetz erwähnt. Dort wird unter Artikel 20 festgestellt, dass die Bundesrepublik Deutschland ein demokratischer und sozialer Bundesstaat ist. Im Falle einer feindlichen Übernahme durch UBER, wenn aus einem prekären Job ein Bangladesh-Job wird, greift, so denke ich, Artikel 20 Absatz 4 Grundgesetz, der besagt: "Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist."

Text TaxiBerlin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen