06.03.2018

WIDER DEM DEUTSCHEN SONDERWEG




Ich komme drauf, weil heute eine Ministerialmitarbeiterin aus dem Familienministerium auf die Idee kam, den Text unserer Hymne, oder auch "Das Lied der Deutschen", wie sie im Ausland genannt wird, von der wiederum nur die dritte Strophe die eigentliche Hymne ist, in eine "geschlechterneutrale Sprache umzuwandeln." Auch wenn mir persönlich die Kinderhymne von Bertolt Brecht wichtiger ist, bin ich der Meinung, dass man, wollte man allen Ernstes den Text der offiziellen Hymne verändern, dazu Hoffmann von Fallersleben fragen sollte, denn der hat sie geschrieben. Da Hoffmann von Fallersleben aber bereits seit vielen Jahren tot ist (genauso wie George Orwell fällt mir gerade ein, der an der Idee einer Umschreibung sicherlich seine helle Freude hätte - Stichwort: Neusprech), was auch der Ministerialbeamtin im Familienministerium bekannt sein dürfte, ist ihr Vorschlag nur Eines: Nonsens.

Ob auch die Aussage unserer Integrationsbeauftragen vom vorigen Jahr, dass eine spezifisch deutsche Kultur, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar sei, auch Nonsens ist, darüber möchte ich mir kein Urteil erlauben. Als jemand, der schreibt, ist mir unsere Sprache wichtig, aber auch die Musik, beispielsweise die von Joseph Haydn, der unter anderem den Text von Hoffmann von Fallersleben vertont hat. Im Moment höre ich die "Londoner Symphonien" von ihm, was ich nur jedem empfehlen kann.

(Kurzer Taxitechnischer Einschub: Ich würde mir wünschen, dass auch einige Kollegen unsere gemeinsame Sprache besser beherrschen. Und so ist nicht immer, aber meistens die Bemerkung "endlich mal ein deutscher Taxifahrer" von Fahrgästen zu verstehen. Denn mich können sie damit nicht meinen.)

Doch zurück zu der Aussage unserer Integrationsbeauftragen über die, zumindest jenseits der Sprache, nicht vorhandene deutsche Kultur, die, und da bin ich mir relativ sicher, wenn sie diese über Frankreich, Italien oder wegen mir auch der Türkei getätigt hätte, auf heftige Kritik gestoßen wäre. Hinzu kommt, dass eine solche Feststellung nur im Vergleich Sinn macht. Auch deswegen, weil, sollte es sich wirklich um ein Alleinstellungsmerkmal unsere nicht vorhandene Kultur betreffend handeln, wir aufs Neue in Gefahr wären, einen deutschen Sonderweg zu gehen. Wohin uns dieser geführt hat, ist bekannt.

Die Sache ließ mir keine Ruhe, weswegen ich vor kurzem bei unserer Integrationsbeauftragten nachfragte. Ich bekam auch eine Antwort, wenn auch nicht von ihr persönlich, aber immerhin. Um es kurz zumachen: Die Frage, wie es bei anderen Kulturen aussieht, konnte nicht beantwortet werden, schlichtweg weil es dazu keine Meinung gibt, weswegen meine Frage hinfällig sei.

Wir alle können, so denke ich, nunmehr ruhig schlafen. Die Gefahr eines deutschen Sonderweges ist gebannt.

PS: In dem Schreiben der Integrationsbeauftragen fiel auch der Begriff "Rechtsaussen", wovon es sich abzugrenzen gilt. Leider wurde der Begriff "Rechtsaussen" nicht definiert, und so kann er alles und nichts bedeuten. Da es sich auf jeden Fall davon abzugrenzen gilt, so viel scheint festzustehen (oder ist es nur der nächste Sonderweg?), hält man sich am besten von allem fern, von dem andere meinen könnten, dass es das wäre, wovon es sich abzugrenzen gilt.

Die Welt kann so einfach sein.

PSPS: Im Moment sind Lafontaine und Wagenknecht "Rechtsaussen". Bin gespannt, wie es morgen aussieht.

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Text TaxiBerlin

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