06.03.2018

"WER NAZI IST, BESTIMME ICH"


Der Arme Sascha, der Kollege, wohl eher "Kollege" aus Marzahn, aber eigentlich aus Stuttgart, hat es im Moment nicht leicht. Aber er hat mal wieder nicht auf mich gehört, denn ich hatte ihn gewarnt. Ein einfaches Weltbild wie das seine, in dem es auf der einen Seite die Guten und auf der anderen die Bösen gibt, obwohl jedes Kind weiß, dass sowohl das Gute als auch das Böse in jedem von uns steckt, kann von Vorteil sein, hat aber auch seine Grenzen. Beispielsweise wenn man zwei besoffene, ähnlich einfach strukturierte Menschen zu sich ins Taxi einlädt, deren Horizont dumme Sprüche und schlechte Musik nicht überschreitet. OK, immerhin springt noch ein kleiner Umweg dabei heraus, der den Fahrpreis etwas attraktiver aussehen lässt, wofür sie auch noch selbst verantwortlich sind. Dazu muss man wissen, dass dem Armen Sascha Geld sehr wichtig ist, in seinem Blog schreibt er am liebsten über Klein- und Kleinstbeträge. Dazu zählen die fünf Euro, die ihm diese Fahrgäste Trinkgeld geben, nicht. Der Arme Sascha ist sonst kleinere Beträge gewöhnt, aber in dem Fall waren die fünf Euro wohl so eine Art Schmerzensgeld, das man nehmen kann, aber eben nicht muss, denn sowohl Trinkgeld geben, als auch Trinkgeld nehmen, sind eine Frage der Ehre. Zur Not kann man Trinkgeld auch spenden, das geht auch. Der Arme Sascha wäre nicht der Arme Sascha, wenn er das Trinkgeld, das wie gesagt in dem Fall eher ein Schmerzensgeld war, nicht genommen hätte. So weit keine Überraschung. Nun wird es aber skurril, denn der Arme Sascha schreibt nicht nur über seine beiden Fahrgäste, sondern fragt darüber hinaus bei der lokalen Antifa nach, ob man nicht gemeinsam dieses "Ungeziefer" bzw. diese "Untermenschen", nein diese Worte hat er nicht verwendet, auf diesen Teil seiner Rhetorik warte ich noch, "aufmischen" könne, wobei das "aufmischen" von ihm ist. Des Armen Saschas Aufruf gibt aus zwei Gründen zu denken. Einmal, weil man sich fragt, warum der Arme Sascha und selbsternannte Nazijäger nicht schon längst fester Bestandteil der Antifa in seinem Kiez ist. Immerhin ist er bereits vor zehn Jahren von Stuttgart nach Marzahn gezogen. Zum anderen fragt man sich, warum der Arme Sascha das mit dem "aufmischen" nicht gleich selbst besorgt hat. Ich meine, er hat die beiden Typen bei sich im Taxi, eine bessere Gelegenheit findet sich nicht. Gut, vielleicht wäre dann nichts aus dem Trinkgeld geworden, das mag wohl sein. Fällt mir gerade ein, ein Tip für alle die, die immer behaupten, dass Geld ihnen gar nicht so wichtig sei: Einfach mal Geld verbrennen! Aber richtiges Geld, kein Spielgeld.

Text TaxiBerlin

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