31.03.2018

"UND TÖTET SIE, WO IMMER IHR AUF SIE TREFFT"


"Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben, denn Verfolgung ist schlimmer als Töten." - so lautet das vollständige Zitat, das zur Tötung von Ungläubigen aufruft, und es ist nicht aus "Mein Kampf". Ich komme drauf, weil ich seit einiger Zeit immer öfter zum Lesen bei mir im Taxi komme, wenn ich nicht Radio höre, wo ich beispielsweise auch den Koran lese, aus dem obiges Zitat stammt, aber auch weil immer wieder gesagt wird, dass die Leute Anfang der Dreißiger hätten wissen müssen, worauf sie sich einließen, sie hätten nur ja Hitlers "Mein Kampf" lesen müssen. Hand auf's Herz, hast du den Koran gelesen? Dann "Urteile selbst!"

Text TaxiBerlin

30.03.2018

TAXIBERLIN ALS RELIGIONSSTIFTER




Heute darf zwar nicht getanzt werden hierzulande, und auch bestimmte Filme sollte man sich heute besser nicht ansehen, aber eine Religion am heutigen Tag zu stiften, dagegen ist, zumindest so weit mir bekannt ist, nichts einzuwenden. Ich komme auch drauf, weil mir die Geschichte mit "Ihr Ungläubigen!" nicht aus den Kopf gehen will. Wie denn auch, wo ich doch die meiste Zeit ganz alleine in meinem Taxi bin. Nur das Radio ist mir geblieben, und vielleicht liegt es auch am vielen Radio hören, wie gesagt, gepaart mit dem vielen allein sein (einsam bin ich nicht!), dass heute Gott plötzlich höchstpersönlich zu mir sprach. Er sagte mir, ich solle es wie immer machen, also alle bisherigen Religionen in meine neue Religion aufnehmen, dann könne eigentlich nichts schief gehen. Einen aktuellen Anlass, dass Gott ausgerechnet heute in Sachen eigener Religion zu mir sprach, gab es auch, den ich nicht verschweigen möchte. Am Dienstag, es war der 27. (eigentlich meine Glückszahl), gab es wieder einen Stau am Handwaschbecken von der Toilette direkt neben der Pilotenbude am Flughafen in Tegel, weil ein Kollege dort seine Füße waschen musste. Als Ungläubiger traute ich mir verständlicherweise nichts dagegen einzuwenden, ich meine, wer will schon so kleinlich sein, und auf seinem Handwaschbecken bestehen. Nun wies mich Gott aber darauf hin, dass in seinem göttlichen Plan dort nur ein Handwaschbecken und kein Fußwaschbecken vorgesehen ist, und das aus gutem Grund, nämlich um jeglichen Stau an dieser Stelle zu vermeiden. Auch deswegen die neue Religion, der auch du beitreten kannst, du musst mir dazu nur folgendes nachsprechen:

"Es gibt keinen Gott aus Taxi, TaxiBerlin ist sein Prophet, und Stadtpläne* sind meine Religion."

* Es gibt auch hier das "Alte Testament", darüber hinaus aber das "Alte Neue Testament" und das "Neue Neue Testament". Das "Alte Testament" ist der "Kauperts" von Dr. Walter Kaupert, das "Alte Neue Testament" sind "Berlins Straßennamen" von Klaus Katzur, es beinhaltet allerdings nur West-Berlin, weswegen es seit einiger Zeit das "Neue Neue Testament" gibt, das ist das "Alte Neue Testament" mit den "Apokryphen", also mit Ost-Berlin, heißt "Lexikon Berliner Straßennamen", und ist von Sylvia Lais und Hans-Jürgen Mende.

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Text TaxiBerlin

HIER SPRICHT TAXIBERLIN ÜBER TOILETTEN




Die Höhepunkte der Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" zum Thema Toiletten, ausgestrahlt  am 8.März 2018 auf Pi-Radio, auf vielfachem Wunsch jetzt endlich zum Nachhören. Viel Spaß und Frohe Ostern!

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Text TaxiBerlin

29.03.2018

SENSIBILISIERUNG MIT TAXIBERLIN


In der Vergangenheit hatte ich schon öfters mal die Idee, mich und mein Taxi als Kuschel- bzw. Streichel-Taxi zu spezialisieren, weswegen ich mich auch von der uns Taxifahrern empfohlenen "Sensibilisierung" angesprochen fühle. Die Aufforderung zur "Sensibilisierung" kommt von keinem geringeren als unserem Berliner Polizeipräsidenten, der sitzt in der Kreuzberger Friesenstraße, und zwar höchstpersönlich und auch höchst aktuell. Der komplette Titel des Schreibens vom Dienstag, den 27. März, lautet: "Überfälle auf Taxifahrer - Sensibilisierung". Über einen Überfall hatte ich bereits an dieser Stelle berichtet. Nun sind wohl mindestens noch zwei weitere hinzugekommen, bei denen Taxifahrer im Bereich Kreuzberg-Neukölln von männlichen Tätern mit arabisch-türkischem Aussehen überfallen und ausgeraubt wurden. Das Anliegen unseres Polizeipräsidenten formuliert er in seinem Schreiben an die Berliner Taxi-Innung wie folgt: "Wir möchten Sie bezüglich möglicher weiterer Taten sensibilisieren." Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn richtig verstehe, aber ich interpretiere unseren Polizeipräsidenten jetzt mal so, dass die Zeit für's Kuschel- bzw. Streichel-Taxi nun gekommen ist.

Text TaxiBerlin

IM TAXI MIT CARLES PUIGDEMONT




Wladimir Iljitsch Uljanow ist (vermutlich sogar ohne Fahrschein?!?) seinerzeit in einem eigenen Eisenbahn-Waggon durch Deutschland gereist, das ist ziemlich genau einhundert Jahre her. Er wurde damals nicht verhaftet, sondern ganz im Gegenteil, man passte hierzulande gut darauf auf, dass Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt als Lenin, pünktlich zur Revolution nach Russland kam. Zugegeben, der Waggon war "verplombt", so dass er nicht vorher aussteigen konnte. Carles Puigdemont i Casamajó ist nicht Wladimir Iljitsch Uljanow, aber vielleicht war das unabhängig davon der Fehler von Carles Puigdemont i Casamajó, dass sein Wagen nicht "verplombt" war, als er durch unser Land fuhr, und man ihn deswegen verhaftet hat. Ob man auch einen Personen-Kraft-Wagen "verplomben" kann, entzieht sich meiner Kenntnis. Was ich weiß, ist, dass man beispielsweise in meinem Taxi die Zentralverriegelung von innen betätigen kann, so dass sich weder Türen noch Heckklappe von aussen öffnen lassen.

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Text TaxiBerlin

28.03.2018

RUSSLAND WETTET AUF DAX-CRASH


Da es seit einiger Zeit ziemlich mau mit Fahrgästen aussieht, kann mein Chef den CD-Player nicht reparieren lassen, weswegen ich jetzt immer öfter Radio im Taxi höre, und das ungestört, wenn ich nicht lese, was wahrscheinlich besser wäre. Denn heute passierte es, dass die Nachrichten dort ineinander über gingen. Erst ging es nämlich um die russischen Diplomaten, die ausgewiesen wurden, oder war es doch die Fussball-WM, die jetzt nicht mehr in Russland stattfinden soll, naja, jedenfalls ging es danach gleich weiter mit dem Crash des deutschen Aktienindex, auch Dax genannt, auf den Russland wettet. Nein, Moment rasch, gerade kommt die Berichtigung, es war nicht Russland, sondern jemand aus Amerika, diesmal nicht UBER, sondern ein Hedgfond, früher auch Heuschrecke genannt. Der darf auf den Dax-Crash wetten, das ist in Ordnung, denn es ist vor allem rechtens, also kann es nicht verkehrt, sondern nur gut und auch richtig sein.

Text TaxiBerlin

HANDELN UND PUTZEN MIT TAXIBERLIN


Am Alexanderplatz / früher Mitte / heute Neue Mitte

Der Taxifahrer-Kollege aus Tel Aviv in Israel hatte seine ganz eigenen Vorstellungen, was so eine Taxifahrt vom Alex zum Flughafen Tegel kosten soll. Das hätte auf der Hinfahrt zwanzig Euro gekostet, also kostet es auf der Rückfahrt genauso viel. Im Prinzip richtig, wenn die Fahrt vom Flughafen zum Alex auch wirklich nur zwanzig Euro kosten würde. Wenn er mit mir fahren will, und das wollte er, bezahlt er, was auf der Uhr steht. Also genau umgekehrt, wie ich es neulich in Neapel erlebt hatte, wo bezahlt wurde, was der Fahrer ansagte, ohne dass er das Taxameter je eingeschalten hätte. So gesehen war es Karma, dass der Kollege aus Tel Aviv, dem auch ich eine klare Ansage bezüglich des Fahrpreises machte, auch wenn diese ganz anders war als wie die von dem Kollegen in Neapel, sich für mich entschied. (Dass ich vor vielen Jahren auch schon mal in Israel war, wo es meiner Meinung nach die schönsten Frauen gibt, erzählte ich ihm erst auf der Fahrt nach Tegel.) Der Kollege aus Tel Aviv hätte sich auch für den Kollegen und seinen Mercedes hinter mir entscheiden können. Kaum saß er bei mir im Taxi, und noch bevor ich wenden konnte, um überhaupt mal Richtung Tegel fahren zu können, fing er an das Taxi zu putzen (Foto), was durchaus angezeigt war, was aber auch darauf hinwies, dass für ihn die Verhandlung über den Fahrpreis noch nicht vollständig abgeschlossen war. In dem Fall, das Taxameter war bereits einschaltet, muss man hart bleiben, dann gibt es zum Schluss nicht nur immerhin einen guten Euro Trinkgeld bei einem Fahrpreis von knapp fünfundzwanzig, sondern mit etwas Glück auch noch einen Bonus in Form eines Apfels und einer Flasche Mineralwasser hinzu.

PS: Hätte ich mich an der Strecke orientiert, für die der Kollege in Neapel zwanzig Euro aufgerufen hat, hätte ich für die Fahrt vom Alex zum Flughafen Tegel gut und gerne das doppelte aufrufen können.

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25.03.2018

TAXIBERLIN UND SEINE BEFREITEN ZONEN


Eine von Zweien

Mit Zonen kennt er sich aus der Berliner, so gesehen ist es keine Überraschung, dass TaxiBerlins Taxi auch eine ganz eigene Zone ist, und zwar eine Handy-Freie-Zone. Dabei habe ich natürlich nur und ausschließlich das Wohl meiner Fahrgäste im Auge, denn die Abhängigkeit von nichtstofflichen Drogen, wozu die von Smartphone und Internet gehört, ist viel schlimmer als die von stofflichen, wie beispielsweise von Alkohol und Nikotin. In diesem Zusammenhang und aus aktuellem Anlass erlaube ich mir darauf hinzuweisen, dass die "Unwahren Geschichte aus dem wahren Leben eines Berliner Taxifahrers", also diese Seite, auf der du dich gerade befindest, ebenfalls eine ganz eigene Zone ist, und das von Anfang an, nämlich eine Facebook-Freie-Zone. Dass es dazu kam, damit hat wiederum der Kollege Nietzsche zu tun, der seinerzeit auch Taxifahrer war, was zugegeben relativ unbekannt ist. Zu Kollege Nietzsches Zeiten waren das noch Pferdedroschken, Nietzsche hatte es ja mit Pferden, das ist noch weitgehend bekannt. Kollege Nietzsche hat, das wissen schon weniger, sogar zwei Bücher übers Taxifahren geschrieben. Zum einen "Der Mensch im Verkehr" und zum anderen "Der Mensch mit sich allein", denn das "allein sein" ist neben dem "warten" eine unserer Kernkompetenzen. Gänzlich unbekannt dagegen ist, dass sich der Kollege Nietzsche auch schon zu Facebook geäußert hat, das sehr klug und wie folgt: "Was? du suchst? du möchtest dich verzehnfachen, verhundertfachen? du suchst Anhänger? - Suche Nullen! -"

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LEIDER VERPASST




In Berlin ist das Taxigeschäft seit einiger Zeit sehr ruhig geworden, weswegen man sich umso mehr freut, wenn es zumindest in Leipzig gerade richtig gut läuft. Es stimmt also wirklich, was man sich seit einiger Zeit erzählt, dass Leipzig im Kommen ist, genauer gesagt im Fahren, und das im Taxi. Wenn nicht Öffentlich/Rechtlich darüber berichtet hätte, man würde es sich gar nicht trauen zu glauben, geschweige denn darüber zu schreiben wagen, zum Beispiel über die Verwunderung, dass jemand, der seinen weiten Weg gefunden hat, sich dann hier plötzlich nicht mehr zu recht finden soll. Man hat den Eindruck, dass hier Menschen nicht nur von Amts wegen entmündigt, sondern darüber hinaus auch gegen andere ausgespielt werden, das ganz bewusst, und zwar nach dem Motto: "Teile und Herrsche!" Auch und gerade deswegen macht es keinen Sinn, etwas gegen Flüchtlinge zu haben, sondern ganz im Gegenteil, man sollte sich mit ihnen verständigen, um gemeinsam oder auch jeder für sich gegen die ungleiche und bösartige Behandlung auf die Barrikaden zu gehen. Leider kommt das sehr selten vor, ganz ähnlich übrigens wie in den meisten Familien, wo sich die Geschwister untereinander lieber die Augen auskratzen, ehe sie sich gegen die Eltern zusammenzutun.

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24.03.2018

TAXIÜBERFALL IN NEUKÖLLN


 Gestern in Neukölln

Heinz Buschkowsky schreibt in seinem Bestseller "Neukölln ist überall", dass in Neukölln eine andere Straßenverkehrsordnung herrscht, und als ehemaliger Bürgermeister von Neukölln wusste er, was er da schreibt. Gestern erfuhr ich nun, dass die veränderte Straßenverkehrsordnung auch vor dem Taxi nicht Halt macht und genausowenig vor dem Baumschulenweg. Doch bleiben wir bei der Sonnenallee in Neukölln, die auch "Arabische Straße" genannt wird. Als Taxifahrer, der schon einige Jahre auf den Berliner Straßen unterwegs ist, finde ich es eine positive Entwicklung, ich würde sogar so weit gehen und von gelungener Integration sprechen, wenn man dort nun auch in akzentfreiem Deutsch überfallen und ausgeraubt wird. Als erfahrener Berliner Taxifahrer empfehle ich dafür folgende Wortwahl: Dies ist ein Überfall, bitte übergeben Sie uns Ihre gesamten Einnahmen, bleiben Sie, nachdem wir ausgestiegen sind, noch fünf Minuten stehen, dann können Sie weiterfahren.


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ERKLÄRUNGSDEJAVU


Was ich mir heute wieder so alles bei mir im Taxi mangels funktionierendem CD-Player, aber auch wegen nicht vorhandener Kundschaft, im Radio anhören musste, das geht auf keine Taxifahrerkuhhaut. Es wurde sehr viel geredet über eine gewisse Erklärung, viele schöne aber noch mehr unschöne Worte fielen, nur worum es dabei genau ging, das wollte man mir wieder einmal nicht verraten. Jetzt nach der Arbeit, die gar keine Arbeit war, erfahre ich, dass erwähnte Erklärung 2018 gerade mal zwei Sätze und nur 33 Wörter hat. Das scheint recht übersichtlich und auch verständlich zu sein, zumindest war es das wohl den zahlreichen Unterzeichnern, aber das reicht mal wieder hinten und vorne nicht, geschweige denn links oder rechts. Und das erinnert mich nun an folgenden einen Satz mit nur 12 Wörtern, denn es stimmt wirklich, dass nach 28 Jahren so einiges wiederkehrt: "In unserem Land ist die Kommunikation zwischen Regierung und Gesellschaft offensichtlich gestört."

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23.03.2018

IM TAXI MIT BASHAR AL-ASSAD




Man kann es nicht oft genug wiederholen: Bashar al-Assad ist ein Diktator und seine Regierung ein Regime. Aktuell sind Diktator Assad und seinem Regime, so scheint es zumindest, sowohl die Fahrer als auch die kugelsicheren Limousinen ausgegangen, weswegen Diktator Assad sich selbst ans Steuer eines Kleinwagens der Marke Honda setzen muss, um durch das von seinem Regime heherrschte Land zu fahren. Diktator Assad fährt aber nicht einfach nur so durch das von seinem Regime beherrschte Land, sondern Diktator Assad findet darüber hinaus auch noch die Zeit über das von seinem Regime beherrschte Land in die Kamera zu sprechen. Diktator Assad, soweit es sich nicht um einen Doppelgänger handelt, hat offenbar keine Angst, dass man ihn so ganz ohne Fahrer und kugelsicherer Limousine erkennt und den Garaus macht, wie manch anderem Diktator und dessen Regime in seiner Region. Man mag von Diktator Assad und seinem Regime halten, was man will, aber Mut scheint der Mann zu haben, auch wenn es vermutlich nur der Mut eines Todgeweihten ist.

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22.03.2018

TAXIBERLIN ALS PHALLOKRAT


Potsdamer Platz, früher Mitte, heute Neue Mitte

Dass ich in letzter Zeit viel zum Lesen komme im Taxi, liegt auf den ersten Blick an einem Chef, der zu geizig ist, den CD-Player im Taxi zu erneuern, was wiederum, sieht man etwas genauer hin, daran liegt, dass UBER gerade dabei ist, das Taxigeschäft in Berlin zu übernehmen. Und da ich nicht ständig Radio hören kann, wer es schon einmal versucht hat, weiß wovon ich rede, lese ich ein Buch nach dem anderen in meinem Taxi. Eine Krise ist immer auch eine Chance - das stimmt wirklich. In einem der letzten Bücher, die ich bei mir im Taxi gelesen habe, und das in der Zukunft spielt, steht ein Italiener, genauer gesagt ein Arzt mit italienischen Wurzeln im Mittelpunkt, der dort, also in der Zukunft, als Phallokrat beschimpft wird. Abgesehen davon, dass das Wort Phallokrat nicht besonders gut klingt, wird nicht so recht klar, warum der liebenswürdige Arzt, übrigens ein Amerikaner, wenngleich wie gesagt mit italienischen Wurzeln, als solcher beschimpft wird. Dazu muss man wissen, dass in dem utopischen Roman von dem Franzosen Robert Merle, der wohl bald umgeschrieben werden wird, die Frauen die Macht übernommen haben. Aber obwohl die Frauen die Macht übernommen haben, kann sich der amerikanische Arzt mit italienischen Wurzeln vor Frauen kaum retten. Ganz im Gegenteil, alle wollen sie mit ihm schlafen. Und so ist es kein Wunder, dass ich persönlich der Machtübernahme durch die Frau relativ gelassen gegenüberstehe, auch wenn diese, wenn ich den Aufkleber (Foto) am Potsdamer Platz richtig deute, wohl noch einige Zeit auf sich warten lassen wird. Zum Einen, weil der Hoden paarig angelegt ist, es also richtigerweise "die Hoden" heißen muss, was aber keinen Sinn macht, weil der Mann, der offensichtlich gemeint ist, Singular ist, und weswegen er auch nie "die Titten" zu einer Frau sagen würde. Zum Anderen, weil Pussy das primäre weibliche Geschlechtsorgan der Frau ist, Hoden und Titten sind sekundäre, weswegen der Mann richtigerweise mit Phallus oder wegen mir noch Herr Phallus angesprochen werden muss. Phallokrat ist heute ein Schimpfwort und wird es wohl auch morgen bleiben.

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21.03.2018

DIE ISLAM ANTIFA CONNECTION


Der Islam bestimmt, welche Kunst nicht gut für mich ist, wie neulich in Karlsruhe geschehen, und die Antifa welche Bücher ich nicht lesen soll, wie gerade in Leipzig wiederholt passiert. Insofern scheint es nicht nur eine solche Verbindung zu geben, sondern es gibt sie ganz reell. Es gibt aber auch Unterschiede. Der Islam kann religiöse Todesurteile aussprechen, beispielsweise über Autoren, das kann die Antifa nicht, was vor allem daran liegt, dass die keine Religion im klassischen Sinne ist. Der größte Unterschied ist aber, dass die Antifa, wie auch die gesamte Linke im Westen, sich im Niedergang befindet, während der Islam gerade in der Gegenrichtung unterwegs ist, und man sich sozusagen auf halbem Wege begegnet. So wird jetzt beispielsweise selbst von Öffentlich/Rechtlich immer häufiger betont, dass die Scharia, die für genannte Todesurteile gegen Autoren und Karikaturisten verantwortlich ist, mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Wer irgendwann einmal aufstehen wollte, um das Grundgesetz zu verteidigen, kann also getrost liegen bleiben. Den Wecker zu stellen, lohnt sich trotzdem für ihn, denn zweimal im Jahr darf er mit einem Megaphon bewaffnet zur Buch-Messe fahren, um dort sein allseits beklatschtes Kasperle-Theater aufzuführen.

Von wem war jetzt gleich noch mal: "Es ist klar, dass jeder, der einen Menschen, seinen Bruder, wegen dessen abweichender Meinung verfolgt (von töten ist nicht die Rede!), eine erbärmliche Kreatur ist."?
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20.03.2018

TAXIBERLIN ALS UNGLÄUBIGER


Ich bin mir nicht sicher, ob das Geschehen vom letzten Dienstag, es war der 13. März 2018, wirklich wichtig ist. Noch unsicherer bin ich mir nur noch, ob ich darüber schreiben soll und auch darf. Um dies herauszufinden, tue ich es einfach. Ich stand als zweites Taxi an einer Halte irgendwo im Nirgendwo. Der Kollege vor mir war schon seit einiger Zeit mit potentiellen Fahrgästen in ein Gespräch vertieft, das, je länger es dauerte, umso lauter wurde. Offensichtlich wollten sie zu fünft bei dem Kollegen einsteigen, was aber nicht ging, wegen der gesetzlichen Obergrenze im Taxi. Zwei Taxis wollten sie nicht nehmen, worüber ich auch gar nicht unglücklich war, und auf ein Großraumtaxi wollten sie auch nicht warten. Ich hielt mich komplett heraus, da mir mein Gefühl sagte, dass das kein gutes Ende nehmen wird, und erwähnenswert ist auch nur der Abgang der Truppe. Der Wortführer schrie sehr laut genau folgendes: "Ist hier wie DDR, ich gehe nach Bayern, ihr Ungläubigen!" Wie gesagt, ich bin mir nicht sicher, ob das jetzt wirklich wichtig war. Nun war es das erste Mal, dass ich, wenngleich nur indirekt, als Ungläubiger bezeichnet wurde, und es war, wie gesagt, Dienstag der 13. März 2018 um 17:23 Uhr.

Text TaxiBerlin

DIE RECHTSCHREIB-SCHARIA


Nach dem Betreuten Trinken, was sehr gut war, und das Tankbier gibt es auch wirklich, habe ich meinen Ex-Chef noch zur U-Bahn gebracht, wie es sich für einen guten wenngleich ehemaligen Taxi-Angestellten gehört. Dabei kamen wir an einem Laden vorbei, vor dem zwei junge Männer standen, der unser Interesse (genauer gesagt das von meinem Ex-Chef) erregte. Warum genau er unser Interesse erregte, kann ich jetzt gar nicht mehr sagen. Was ich mit Sicherheit sagen kann, ist, dass er noch nicht eröffnet hatte. Die Eröffnung sollte erst in ein Paar Wochen erfolgen, worüber ein Hinweis an der Tür informierte, wobei das Wort Paar groß geschrieben war, der Rest des Textes war, so weit ich das sozusagen im Vorübergehen überblicken konnte, in Ordnung. Trotzdem (wir hatten ja keine wirkliche Eile) erlaubte ich mir (mein Ex-Chef hat damit nichts zu tun, das möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich und mit Nachdruck betonen) darauf hinzuweisen, dass Paar in dem Fall klein geschrieben wird. Da ich mich von den beiden Männer am Eingang von dem Laden, der wie gesagt noch nicht eröffnet hatte, nicht wirklich verstanden, geschweige denn Ernst genommen fühlte, wagte ich spontan hinzuzufügen, dass wir von der Rechtschreib-Scharia seien, wir also schon wüssten, wovon wir reden. Das kam dann endlich an, obwohl ich schon den Eindruck hatte, dass die beiden eigentlich nur das Wort Scharia verstanden hatten.

Text TaxiBerlin

19.03.2018

HEUTE: BETREUTES TRINKEN



Heute beginnt für mich das Wochenende, welches bis Mittwoch oder Donnerstag anhält (je nachdem), und dafür habe ich mir so einiges vorgenommen. Beispielsweise treffe mich später noch mit meinem Ex-Chef, dem Erfinder des Betreuten Fahrens, ein Geschäftsmodel, das sich leider in der Taxibranche nicht wirklich durchgesetzt hat. So, wie es aussieht, werden wir uns heute dem Tankbier widmen, wie es sich für echte Taxifahrer gehört. Tankbier ist, das erfahre ich gerade von meinem Ex-Chef (wusste ich bisher nicht): unpasteurisiert und wird beim Zapfen auch nicht karbonisiert - Hauptsache es dreht!

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IM TAXI MIT RÜDIGER SAFRANSKI


Rüdiger Safranski, wer ihn nicht kennt, ist Professor für Philosophie an der Freien Universität zu Berlin und hat darüber hinaus viele Bücher geschrieben, beispielsweise über Goethe und Schiller und auch über Schopenhauer und Nietzsche, die ich mangels Kundschaft und nicht funktionierendem CD-Player alle gerade in meinem Taxi lese. Seit gestern nun ist Rüder Safranski Rechts, nein, was sage ich, Nazi, um genau zu sein Faschist. Warum er das ist, weiß ich nicht, das sagen auf jeden Fall die Antifaschisten, und die müssen es wissen. Rüder Safranski folgt damit Oskar Lafontaine und Uwe Tellkamp, um nur zwei Namen zu nennen, die plötzlich und über Nacht Rechte, nein, was sage ich, Nazis sind, um genau zu sein zu Faschisten gemacht wurden. Auch hier ist nicht bekannt warum genau, weil niemand gehört oder gelesen hat, was sie gesagt oder geschrieben haben, geschweige denn darüber nachgedacht hätte. Sicher ist dagegen, was Antifaschisten gesagt haben, und zwar dass Rüdiger Safranski, Oskar Lafontaine und Uwe Tellkamp Rechte, nein, was sage ich, Nazis, um genau zu sein Faschisten sind. Nun ist es aber so, dass jemand anders bereits vor vielen Jahren gesagt hat, dass der Faschismus, wenn er eines keines wiederkehrt, nicht sagen wird: "Hallo, ich bin der Faschismus!", sondern dass er sagen wird: "Hallo, ich bin der Antifaschismus!" Man munkelt, dass das ein Ausländer war (ein Spagettifresser, aber was wissen die schon?!), der das gesagt hat, noch dazu ein ehemaliger Antifaschist, der es wissen müsste.

Text TaxiBerlin

18.03.2018

BETEN JETZT AUCH IM TAXI VON TAXIBERLIN


Schon einige Male hatte ich darüber geschrieben, dass hier in Berlin immer mehr auch ganz junge Kollegen einen kleinen Gebetsteppich bei sich im Taxi mitführen, auf dem sie regelmäßig beten, beispielsweise am Flughafen Tegel. Auf dem dortigen Parkplatz nur für Taxen ist den Gläubigen die südöstlichste Ecke, wo sie bisher gemeinsam beteten, zu klein geworden, weswegen seit einiger Zeit auch vor, hinter und neben dem Taxi gebetet wird. Das brachte mich auf die Idee, auch in meinem Taxi, in dem man bisher bereits alles sagen durfte, sogar die Wahrheit, auch für alles und jeden beten zu lassen. Ganz aktuell für den Sieg Erdogans, natürlich total friedlich, aber vor allem damit die Gläubigen dazu nicht mehr in die Moschee fahren müssen. Denn der Sieg von Erdogan ist für uns wichtig, weil wir ihm auch morgen noch unsere tollen Waffen verkaufen wollen.

Text TaxiBerlin

"DAS WESEN UND DIE FREIHEIT DER KUNST SIND BEDROHT"


Akademie der Künste, Pariser Platz
früher Mitte, heute Neue Mitte

"Das Wesen und die Freiheit der Kunst sind bedroht, wenn man sie zu instrumentalisieren versucht", so steht es in einer Pressemitteilung der Akademie der Künste am Pariser Platz, die dort am Empfang ausliegt. Gemeint ist der Diskurs über ein Gedicht eines Mitglieds der Akademie, der durch "kunstferne Begriffe" geprägt sei. Worüber in der der Pressemitteilung nichts steht, was aber der eigentliche Gegenstand des Diskurses ist, ist die Entfernung eines Gedichtes von Eugen Gomringer von der Fassade einer Berliner Hochschule. Das Gedicht, das dort auf spanisch steht, lautet auf Deutsch so:

Alleen
Alleen und Blumen

Blumen
Blumen und Frauen

Alleen
Alleen und Frauen

Alleen und Blumen und Frauen und
ein Bewunderer

und ist offensichtlich sexistisch, deswegen soll es weg. Die Antwort der Akademie der Künste ist ein anderes Gedicht von Eugen Gomringer an ihrer Fassade am Pariser Platz, und zwar "Schweigen" (Foto).

PS: Bevor nun bald das völlige Schweigen ausbricht und gleich ganze Bücher nicht mehr gelesen dürfen, empfehle ich jedem, sich einen abschließbaren "Giftschrank" zuzulegen, und zwar dort, wo ihn keiner findet. Ich habe bereits angefangen sämtlichen Freiraum in meinem Taxi mit Büchern aufzufüllen, darunter "Die geschützten Männer" von Robert Merle, das demnächst umgeschrieben oder gar ganz aus dem Verkehr gezogen werden soll, wie neulich im Radio zu hören war.

Foto&Text TaxiBerlin

17.03.2018

IM TAXI MIT DEM SCHWARZEN MANN


Mit Ausblick auf Stadtautobahn und Kraftwerk

"Sounds terrible", das war mein spontaner Kommentar, nachdem ich mir das Fahrziel, ein Hotel, das das schöne englische Wort "Freude" in seinem Namen trägt und sich irgendwo in Wilmersdorf direkt an der Stadtautobahn befindet, in meinem analogen Navigationssystem, auch Stadtplan genannt, angeschaut hatte. Ich weiß gar nicht mehr, wie wir darauf kamen, aber mein Fahrgast stellte irgendwann in unserem Gespräch fest, dass es in seiner Heimat in Afrika schon ganz genauso sei wie hierzulande: Jeder denkt nur noch an sich. Es muss also niemand mehr verreisen, jeder kann bleiben, wo er ist, und überhaupt: Niemand kann weiter kommen, als bis zu sich selbst.

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16.03.2018

MOBILE LEBENSBERATUNG


Nach mehr als zwanzig Jahren auf der Straße gibt es kaum noch etwas, was man nicht kennt, obwohl man da vorsichtig sein muss. Routine ist auch hier keinesfalls angebracht. Man übersieht dann leicht den einen schmackhaften Pilz, der zwischen den viel zu vielen giftigen steht. Nicht völlig unbekannt, aber lange nicht gehört, war die Frage eines weiblichen Fahrgastes gestern Abend, wie teuer die mobile Lebensberatung sei, die ich, neben der Personenbeförderung, auch bei mir im Taxi anbiete. Sicherlich, ich habe da einen gewissen Betrag im Kopf, und der liegt mit Sicherheit über den 3,37 Dollar, die UBER-Fahrer in Amerika pro Stunde verdienen, so viel kann ich verraten. Es liegt mir aber fern, und wer mich kennt, den überrascht das nicht, eine bestimmte Summe für die Dreiviertelstunde, Lebensberatungen gehen nie über die volle Stunde, zu nennen. Da ich nun aber aktuell danach gefragt wurde, möchte ich so viel verraten: Einerseits hängt es natürlich von der Schwere des Einzelfalls ab, aber nicht nur, nein, vor allem ist es anhängig vom Vermögen der zu Beratenden, und da gibt es, zumindest nach oben, keine Obergrenze, was den Preis für eine mobile Lebensberatung bei mir im Taxi angeht.

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14.03.2018

RETTET DIE SOZIALSTAATLICHKEIT


Wenn UBER-Fahrer heute in Amerika im Durchschnitt 3,37 Dollar pro Stunde verdienen, dann kann sich jeder selbst ausrechnen, wie viel ein Taxifahrer morgen in Berlin verdienen wird, dazu muss man kein Einstein sein. Aber Vorsicht, wer sich angesichts dessen auf den Sozialstaat verlässt oder ihn gar retten will, denn der gerät schnell in Gefahr ein "nationaler Sozialist" zu sein, und wer will das schon. Das musste jüngst auch Oskar Lafontaine erfahren. Er hätte besser auf den Suhrkamp Autor Durs Grünbein gehört, der neulich in Dresden, dem Ort allen Bösen, gesagt hat, dass dieser Staat sowieso bisher weder die Chance gehabt, noch den Versuch unternommen hätte und auch gar nicht Willens sei, soziale Gerechtigkeit herzustellen.

Text TaxiBerlin

13.03.2018

"WER HUNGER HAT, BESTIMME ICH!"


"Wer Hunger hat, bestimme ich!", ist, wenn man so will, die gemäßigtere Form von "Wer Nazi ist, bestimme ich!", aber deswegen nicht weniger harmlos, immerhin kommt die Aussage von unserem zukünftigen Gesundheitsminister und müsste demzufolge eigentlich lauten "Wer krank ist, bestimme ich!", nämlich nur der, der es sich auch leisten kann. Das mit dem Hunger, um noch einmal daran zu erinnern, hört auch auf den Namen Hartz und wurde seinerzeit von den Sozialdemokraten zusammen mit den Grünen beschlossen. Letzteren kann man zu Gute halten, dass sie der verordneten Massenverarmung das Dosenpfand als flankierende Maßnahme hinzugefügt haben. Das kann von jedem selbständig überprüft werden. Dazu muss man kein Taxifahrer sein, dazu braucht man sich nur einmal für einige Zeit neben einem der orangenen Mülleimer der Berliner Stadtreinigung postieren, neben denen sich vielerorts zumindest hier in Berlin auch Taxihaltestellen befinden.

Text TaxiBerlin

12.03.2018

DER ROLLENDE ALT-HERREN-WITZ


TaxiBerlin ist, das ist kein Witz, ein rollender Alt-Herren-Witz, das habe ich sogar schriftlich. Aber es kommt noch besser. TaxiBerlin ist darüber hinaus auch ein mobiler Hinterwäldler. Das steht im Neuen Deutschland, dem Zentralorgan der Partei, also muss es stimmen, denn die Partei hat immer Recht. Beim Hinterwäldler bin ich mir nicht sicher, ob nicht eventuell doch der Hinterweltler gemeint ist. Hinterwäldler und Hinterweltler sind nicht dasselbe! Was den Alt-Herren-Witz angeht, so drückt sich in seiner Verachtung vor allem mangelnder Respekt dem Alter gegenüber aus. Alte Menschen konsumieren meist weniger. Einige konsumieren gar nicht mehr, sondern müssen von der Tafel, also von uns allen, durchgefüttert werden. Mit Computer und Smartphone kennen sich die Alten auch nicht aus. Eigentlich können sie auch gleich weg. Man könnte sie also in den Wald schicken und keiner würde sie vermissen. Oder besser gleich hinter den Wald. Oder gar hinter die Welt. Naja, auf jeden Fall um die Ecke, wo sie keiner sieht. Genau da, wo ich immer öfter mit meinem Taxi stehe und in Ruhe Radio höre. Manchmal lese ich auch Zeitung. Es scheint sich offensichtlich immer öfter wieder zu lohnen.

PS: Natürlich nur, wenn man zwischen den Zeilen zu lesen versteht, woher auch der Begriff Intelligenz kommt, aber das nur nebenbei.

Text TaxiBerlin

11.03.2018

TAXIBERLIN ALS VERSUCHSKANINCHEN


Da "Dank" UBER im Schafspels "Mietwagenservice" die Taxigeschäfte seit einiger Zeit immer besser laufen, musste ich mich entscheiden: Entweder Leselampe oder CD-Player im Taxi. Ich habe mich für die Leselampe entschieden, ich bin schließlich kein Uhu. Ohne CD-Player Taxi zu fahren ist also ein Experiment, von dem ich nicht nur Kenntnis habe, sondern für das ich mich bewusst entschieden habe, wenngleich notgedrungen. Dass ich keinen CD-Player im Taxi habe, führt dazu, dass ich dort mehr Radio höre, und da es keine Fahrgäste gibt, kann ich das auch noch völlig ungestört. Aus dem Radio habe ich nun erfahren, dass ich noch an einem anderen, viel größerem, gerade stattfindendem Experiment partizipiere. Übrigens nicht nur ich, sondern auch du - wir alle. Das hat zumindest ein Herr aus Harvard gesagt, und der muss es wissen. Der nette junge Mann war sich sicher, dass dieses Experiment gelingen kann, aber auch, dass es dabei zu Verwerfungen kommen wird. Ich habe jetzt also nicht nur Kenntnis über das Experiment, an dem ich neben dem Experiment mitohne CD-Player im Taxi teilnehme, sondern darüber hinaus auch eine Vorstellung, was mit den Verwerfungen gemeint sein könnte.

Text TaxiBerlin

09.03.2018

UBER? NEIN DANKE!


Wer mit offenen Augen durch unsere Stadt geht oder auch fährt, dem werden die vielen Toyotas, andere bekannten Marken wie Mercedes sind auch vertreten, in weiß, grau, braun, schwarz und manchmal auch rot, mit Kennzeichen aus LN, LDS, KW, NAU und B ist auch dabei, nicht entgangen sein. Die Fahrzeuge sind meist neu und gepflegt, und am Steuer sitzt in der Regel ein junger Mann, der manchmal auch schon etwas in die Jahre gekommen ist. Mittlerweile dürfte eine Flotte von mehreren hundert solcher Fahrzeuge, wenn nicht gar Tausend, auf den Berliner Straßen unterwegs sein, die unter dem Deckmantel des Mietwagenservice eine Taxidienstleistung anbieten, in Berlin meistens für UBER. UBER-Fahrer, das hat eine aktuelle Studie in Amerika ergeben, verdienen in den USA im Durchschnitt 3,37$ pro Stunde, weswegen nur 4% der Fahrer länger als ein Jahr für UBER fahren. Auch in diesem Fall dürfte gelten: Heute in Amerika - morgen hier! Ich weiß nicht, wie es dir geht und was deine "Exit-Strategie" ist, aber dagegen habe ich etwas. Zugegeben, Berlin ist nicht Bangladesch, wo du am liebsten die Welt rettest. Es ist kein Geheimnis: Der gute Mensch tut Gutes - Der Gutmensch delegiert die gute Tat. Aber, und falls du es noch nicht bemerkt haben solltest: Die Einschläge kommen näher! Gestern Athen - Morgen Berlin! Denn heute gilt: Jedem sein kleines Bangladesch!

Text TaxiBerlin

08.03.2018

UBER - NO THANKS!


UBER am Kotti

Die Griechen sind uns näher als gedacht. Dort hat UBER die Athener Kollegen auch gehörig gefickt, also genau dasselbe, was uns gerade in Berlin geschieht. Die Kollegen aus Athen haben allerdings etwas gegen ein weiteres kleines Bangladesch in ihrer Stadt und sind auf die Barrikaden gegangen, und zwar vorgestern, sagt Reuters.

PS: Auch in der Griechenland Zeitung.
Text TaxiBerlin

07.03.2018

HIER SPRICHT TAXIBERLIN #23 ZUM THEMA TOILETTE


Pullern wie Gott in Frankreich
im Himmel von Berlin

Am morgigen Internationalen Frauentag werde ich in meiner Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" (es ist bereits die dreiundzwanzigste und nicht die zweiundzwanzigste, wie es im Internet steht - nicht alles, was im Internet steht, stimmt auch!) über das Thema Toilette sprechen. Toiletten sind ein wichtiges Thema, insbesondere für Taxifahrer, denn die wenigsten haben eine Toilette an Bord. Auch für Touristen ist das Thema wichtig. Wer viel reist, kennt die beiden Ks, nach denen jeder Reisende als erstes in fremder Umgebung Ausschau hält: die Kirche und das Klo. Da die Sendung vorproduziert ist, weiß ich bereits jetzt, worüber ich morgen nichts sagen werde, weil ich ich es schlichtweg vergessen haben. Es ist das Thema Händewaschen, und ich möchte das, was ich zum Händewaschen sagen wollte, jetzt nachholen. Als Taxifahrer fassen wir vieles an, was wir besser nicht angefasst hätten, insbesondere in Zeiten von Infektionen. Im Fahrzeug sind das, um nur einige Beispiele zu nennen, das Lenkrad, meist eine "Kloschüssel", die Knöpfe vom Taxameter und vom Radio. Hinzu kommt der Griff des Gepäcks beim Ein- und Ausladen und, vielleicht die größte Infektionsquelle, das Geld, vor allem Münzen, von manch einem völlig zu Recht als Schmutz bezeichnet. Ich bin übrigens keiner von denen, die permanent aufpassen, was sie anfassen, oder die sich ständig die Hände waschen. Aber ein- oder zweimal während einer Taxischicht sollte es schon sein. Wo das für Taxifahrer und auch Nicht-Taxifahrer neben dem Toilettengang, das eigentliche Thema der Sendung, in Berlin möglich ist, das erfährst du am morgigen Internationalen Frauentag ab 19Uhr auf dem legendären Pi-Radio. In Berlin ist das die 88.4, in Potsdam bereits die 90.7 und auch weltweit im Internet als Live-Stream. Ich werde nicht nur verraten, wo sich die zweitschönste Toilette (Foto) in unserer Stadt befindet, sondern auch wo die definitiv schönste Toilette Berlins ist.

PS: Am Telefon wird der große (sic) Bulgarienkenner, Übersetzer, Autor und Lyriker Thomas Frahm über seine Erfahrungen mit der bulgarischen Toilette, einem "Ort der Verrichtung", berichten.

Foto&Text TaxiBerlin

06.03.2018

"WER NAZI IST, BESTIMME ICH"


Der Arme Sascha, der Kollege, wohl eher "Kollege" aus Marzahn, aber eigentlich aus Stuttgart, hat es im Moment nicht leicht. Aber er hat mal wieder nicht auf mich gehört, denn ich hatte ihn gewarnt. Ein einfaches Weltbild wie das seine, in dem es auf der einen Seite die Guten und auf der anderen die Bösen gibt, obwohl jedes Kind weiß, dass sowohl das Gute als auch das Böse in jedem von uns steckt, kann von Vorteil sein, hat aber auch seine Grenzen. Beispielsweise wenn man zwei besoffene, ähnlich einfach strukturierte Menschen zu sich ins Taxi einlädt, deren Horizont dumme Sprüche und schlechte Musik nicht überschreitet. OK, immerhin springt noch ein kleiner Umweg dabei heraus, der den Fahrpreis etwas attraktiver aussehen lässt, wofür sie auch noch selbst verantwortlich sind. Dazu muss man wissen, dass dem Armen Sascha Geld sehr wichtig ist, in seinem Blog schreibt er am liebsten über Klein- und Kleinstbeträge. Dazu zählen die fünf Euro, die ihm diese Fahrgäste Trinkgeld geben, nicht. Der Arme Sascha ist sonst kleinere Beträge gewöhnt, aber in dem Fall waren die fünf Euro wohl so eine Art Schmerzensgeld, das man nehmen kann, aber eben nicht muss, denn sowohl Trinkgeld geben, als auch Trinkgeld nehmen, sind eine Frage der Ehre. Zur Not kann man Trinkgeld auch spenden, das geht auch. Der Arme Sascha wäre nicht der Arme Sascha, wenn er das Trinkgeld, das wie gesagt in dem Fall eher ein Schmerzensgeld war, nicht genommen hätte. So weit keine Überraschung. Nun wird es aber skurril, denn der Arme Sascha schreibt nicht nur über seine beiden Fahrgäste, sondern fragt darüber hinaus bei der lokalen Antifa nach, ob man nicht gemeinsam dieses "Ungeziefer" bzw. diese "Untermenschen", nein diese Worte hat er nicht verwendet, auf diesen Teil seiner Rhetorik warte ich noch, "aufmischen" könne, wobei das "aufmischen" von ihm ist. Des Armen Saschas Aufruf gibt aus zwei Gründen zu denken. Einmal, weil man sich fragt, warum der Arme Sascha und selbsternannte Nazijäger nicht schon längst fester Bestandteil der Antifa in seinem Kiez ist. Immerhin ist er bereits vor zehn Jahren von Stuttgart nach Marzahn gezogen. Zum anderen fragt man sich, warum der Arme Sascha das mit dem "aufmischen" nicht gleich selbst besorgt hat. Ich meine, er hat die beiden Typen bei sich im Taxi, eine bessere Gelegenheit findet sich nicht. Gut, vielleicht wäre dann nichts aus dem Trinkgeld geworden, das mag wohl sein. Fällt mir gerade ein, ein Tip für alle die, die immer behaupten, dass Geld ihnen gar nicht so wichtig sei: Einfach mal Geld verbrennen! Aber richtiges Geld, kein Spielgeld.

Text TaxiBerlin

WIDER DEM DEUTSCHEN SONDERWEG




Ich komme drauf, weil heute eine Ministerialmitarbeiterin aus dem Familienministerium auf die Idee kam, den Text unserer Hymne, oder auch "Das Lied der Deutschen", wie sie im Ausland genannt wird, von der wiederum nur die dritte Strophe die eigentliche Hymne ist, in eine "geschlechterneutrale Sprache umzuwandeln." Auch wenn mir persönlich die Kinderhymne von Bertolt Brecht wichtiger ist, bin ich der Meinung, dass man, wollte man allen Ernstes den Text der offiziellen Hymne verändern, dazu Hoffmann von Fallersleben fragen sollte, denn der hat sie geschrieben. Da Hoffmann von Fallersleben aber bereits seit vielen Jahren tot ist (genauso wie George Orwell fällt mir gerade ein, der an der Idee einer Umschreibung sicherlich seine helle Freude hätte - Stichwort: Neusprech), was auch der Ministerialbeamtin im Familienministerium bekannt sein dürfte, ist ihr Vorschlag nur Eines: Nonsens.

Ob auch die Aussage unserer Integrationsbeauftragen vom vorigen Jahr, dass eine spezifisch deutsche Kultur, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar sei, auch Nonsens ist, darüber möchte ich mir kein Urteil erlauben. Als jemand, der schreibt, ist mir unsere Sprache wichtig, aber auch die Musik, beispielsweise die von Joseph Haydn, der unter anderem den Text von Hoffmann von Fallersleben vertont hat. Im Moment höre ich die "Londoner Symphonien" von ihm, was ich nur jedem empfehlen kann.

(Kurzer Taxitechnischer Einschub: Ich würde mir wünschen, dass auch einige Kollegen unsere gemeinsame Sprache besser beherrschen. Und so ist nicht immer, aber meistens die Bemerkung "endlich mal ein deutscher Taxifahrer" von Fahrgästen zu verstehen. Denn mich können sie damit nicht meinen.)

Doch zurück zu der Aussage unserer Integrationsbeauftragen über die, zumindest jenseits der Sprache, nicht vorhandene deutsche Kultur, die, und da bin ich mir relativ sicher, wenn sie diese über Frankreich, Italien oder wegen mir auch der Türkei getätigt hätte, auf heftige Kritik gestoßen wäre. Hinzu kommt, dass eine solche Feststellung nur im Vergleich Sinn macht. Auch deswegen, weil, sollte es sich wirklich um ein Alleinstellungsmerkmal unsere nicht vorhandene Kultur betreffend handeln, wir aufs Neue in Gefahr wären, einen deutschen Sonderweg zu gehen. Wohin uns dieser geführt hat, ist bekannt.

Die Sache ließ mir keine Ruhe, weswegen ich vor kurzem bei unserer Integrationsbeauftragten nachfragte. Ich bekam auch eine Antwort, wenn auch nicht von ihr persönlich, aber immerhin. Um es kurz zumachen: Die Frage, wie es bei anderen Kulturen aussieht, konnte nicht beantwortet werden, schlichtweg weil es dazu keine Meinung gibt, weswegen meine Frage hinfällig sei.

Wir alle können, so denke ich, nunmehr ruhig schlafen. Die Gefahr eines deutschen Sonderweges ist gebannt.

PS: In dem Schreiben der Integrationsbeauftragen fiel auch der Begriff "Rechtsaussen", wovon es sich abzugrenzen gilt. Leider wurde der Begriff "Rechtsaussen" nicht definiert, und so kann er alles und nichts bedeuten. Da es sich auf jeden Fall davon abzugrenzen gilt, so viel scheint festzustehen (oder ist es nur der nächste Sonderweg?), hält man sich am besten von allem fern, von dem andere meinen könnten, dass es das wäre, wovon es sich abzugrenzen gilt.

Die Welt kann so einfach sein.

PSPS: Im Moment sind Lafontaine und Wagenknecht "Rechtsaussen". Bin gespannt, wie es morgen aussieht.

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Text TaxiBerlin

05.03.2018

UBER FICKT DAS ARSCHLOCH NAMENS TAXI


Konzessioniertes Kundengespräch

Manches erfährt man auch heute noch aus der Zeitung, beispielsweise dass UBER, der Feind aller rechtschaffenen Taxifahrer, neulich dem Tagesspiegel mitgeteilt hat, dass man "inzwischen nur noch mit konzessionierten Unternehmen zusammenarbeite", und nicht wie in der Vergangenheit mit "unkonzessionierten Privattaxen". Hintergrund der Mitteilung ist, dass ein 21-jähriger UBER-Fahrer unter Alkohol und auf der Flucht vor der Polizei am Alexanderplatz eine 76-jährige Fußgängerin schwer am Kopf und an den Beinen verletzt hatte. Dass ein UBER-Fahrer schnell mal zum ÜBER-Fahrer wird, ist nicht neu. Neu ist allerdings, dass es "UBER-Konzessionierte-Unternehmen" gibt. Oder, wenn ich's mit meinen eigenen Worten formulieren darf: UBER fickt gerade das Arschloch Namens Taxi: - und zwar ganz gewaltig!

Foto&Text TaxiBerlin

04.03.2018

MEIN FREUND, DER UBER-FAHRER


UBER und Freund "Arschloch Taxi"

Unsere Freundschaft begann im Prenzlauer Berg, wo auch sonst?! Genau genommen war es in der Danziger, früher Dimitroff, Ecke Greifswalder. Gut, er sieht nicht aus wie ein Taxi, er kommt auch nicht aus Berlin, aber er bietet ja auch keinen Taxi-Service an. Trotzdem hatte er einen Fahrgast, und ich nicht. Der verließ in der Szredski den Wagen aus Lübben, wonach dieser nur um die Ecke in die Husemann fahren musste, wo unser beider Fahrgäste bereits warteten: - für mich war's immerhin der erste. Dann ging es für uns beide in den Friedrichshain. Unsere Fahrgäste wohnten dort Tür an Tür. Was es manchmal für Zufälle gibt. Dann geschah merkwürdiges. Mein Freund aus Lübben, aber eigentlich aus Berlin, fuhr in die Rigaer ein, dort wartetet sein nächster Fahrgast, wie auch meiner. Oder war es doch der Weg zurück zum Betriebssitz für ihn, denn dorthin muss er nach dem Gesetz nach jeder Fahrt zurückkehren. So oder so, es wurde nichts draus, die Rigaer ist dort eine Sackgasse. Er musste also wenden, während ich bereits bei unseren Fahrgästen wartete, Zugezogene mit neuen Wohnungen (sie, also die Zugezogenen, sind ja auch neu), um sie zu beruhigen, wegen der Verspätung des Freundes aus dem Brandenburgischen. Vom Friedrichshain ging es für uns beide nach Mitte, wo die meisten Zugezogenen mit ihrem Smartphone wohnen, weswegen es da wieder ganz schwierig mit der nächsten Kundschaft für mich wurde, während bei meinem neuen Freund bereits der nächste Auftrag auf dem Display aufploppte. Ich muss dazu sagen, er war wirklich 'ne echte Fachkraft (zumindest was das Smartphone anging), weswegen ich einen Fachkräftemangel beim Lübbener Taxi-Mietwagen-Service in Berlin nicht bestätigen kann. Da ich mit meinem Taxi aber nun mal vor ihm war, war ich auch vor ihm am Hotel TITANIC in der Französischen. Dort hatte ich allerdings schlechte Karten, dort fahren die Menschen*innen, genauer: Touristen*innen aus dem fernen Amerika, überhaupt kein Taxi mehr. Sie konnten weder mit meinem elfenbeinfarbenen Auto, noch mit meinem gelben Taxischild auf dem Dach etwas anfangen. Mein neuer Freund von UBER hatte nun aber Schwierigkeiten das Hotel TITANIC zu finden. Wie gesagt, 'ne echte Fachkraft. Dann, so nach zwanzig Minuten, tauchte er aber doch noch auf. Die drei Damen im Pelz waren nicht amüsiert, sie wollten jetzt bereits im GRILL ROYAL bei Steak und Burger sitzen, weswegen sie meinen neuen Freund aus dem Brandenburgischen gleich mal anschrien. Nun musste ich ihn aber in Schutz nehmen: - Er, also mein armer Freund aus Lübben, befindet sich doch noch in der Probezeit. Das ist dem Partyvolk natürlich egal. Und überhaupt: - Probezeit kennt es genauso wenig wie Taxi. Zum Schluss trennte ich mich von meinem neuen Freund, wie ich ihn kennengelernt habe: - Er hatte Fahrgäste, - und ich keine.

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03.03.2018

"JEDER VON UNS KANN SICH IN DIESER FIGUR WIEDERFINDEN"


Der obligatorische Post-Lesung-Penisvergleich

"Jeder kann sich in dieser Figur wiederfinden": - das ist nicht nur das einzige Zitat, sondern darüber hinaus das einzig richtige Zitat von mir in dem sehr ambitionierten Artikel mit einer ganz eigenen Agenda der jungen Journalistin Samuela Nickel im Neuen Deutschland über die Lesung "Bulgarisches Rosenöl und andere Fettnäpfchen", die ich am Donnerstag zusammen mit Thomas Frahm vor über dreißig Zuhörern im Bötzowviertel in Form eines Zwiegespräches gestaltete. So hatte ich, um nur ein Beispiel zu nennen, nie behauptet, dass der von mir herausgegebene Aleko Konstantinow in seinem Buch "Bai Ganju, der Rosenölhändler" die Geschichte Bulgariens unter dem Osmanischen Reich und die Befreiungskämpfe mit der Unterstützung Russlands thematisieren würde. Ganz im Gegenteil hatte ich gesagt, dass es sich um ein "Roadmovie" handelt, das in den Zeiten des Umbruchs nach der Befreiung spielt. Aber was weiß davon schon ein Berliner Taxifahrer, wenn Mann, in dem Fall Frau, es besser weiß. Der, also der Berliner Taxifahrer, kann ja nur Hinterwäldleranekdoten und Alt-Herren-Witze zum Besten geben, und vielleicht noch Penisvergleiche. Warum Frau Nickel nicht spätestens hier ihren politisch korrekten Protest anmeldete, sondern die Lesung als Erste und ohne Gegenfrage verließ, wird klar, wenn man ihren Artikel ganz ließt. Ich gebe ja zu, dass es keine schöne Erkenntnis ist, auch insbesondere für junge Menschen, dass sie's vielleicht auch nicht besser wissen, geschweige denn dass sie gar besser wären. Das ist nicht schön. Aber muss frau deswegen auf meine Kosten Werbung für zwei Verlage machen, die mit der Lesung nichts zu tun haben? Das ist auch das einzige, was mich an dem Artikel stört, dass ich noch für die Reklame für andere herhalten soll. Das ist Journalismus in Perversion, oder wie George Orwell meinte: JOURNALISM IS PRINTING WHAT SOMEONE DOES NOT WANT PRINTED: EVERYTHING ELSE IS PUBLIC RELATIONS. Die beiden Verlage, die in der Lesung eine Rolle spielten, sind der Wieser-Verlag in Klagenfurt und der Chora-Verlag von Thomas Frahm in Duisburg.

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BANGLADESCH IN BERLIN UND BRANDENBURG


Denk niemals nie

Die Schicht begann wenig vielversprechend. Dass das Taxi nicht gleich ansprang, soll neben Kälte und alter Batterie auch daran liegen, dass das sogenannte Fiskaltaxameter, womit jedes Berliner Taxi seit einiger Zeit ausgestattet sein muss, permanent GPS-Daten für den Großen Bruder aufzeichnet, was jede Menge Strom frisst, zumindest nach Aussagen unseres Schraubers. Einmal unterwegs konnte man kaum was verkehrt machen, ausser vielleicht den Motor abstellen. Fahrgäste gab es bei minus sieben Grad jede Menge. Um Mitternacht verschlug es mich noch mal zum Flughagen Tegel. Wir waren zwei freie Taxen und es gab zwei letzte Partien - alles hätte gut werden können. Wenn, ja wenn die Herrschaften nicht lieber mit einem UBER gefahren wären. Eins von den beiden schien dafür extra aus Nauen anzureisen, zumindest deutete das NAU-Kennzeichen darauf hin. Am Steuer eine arme Sau, die ich morgen schon sein werde, wenn auch ich für drei Dollar siebenunddreißig fahre. Ein Gefühl, in die Zukunft sehen zu können. Aber auch Unverständnis: Warum werde ich in meiner Stadt permanent überwacht, während die arme Sau aus Brandenburg hier Narrenfreiheit hat. Vielleicht genau deswegen.

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