26.02.2018

DIE ABSCHAFFUNG DER SCHAM


Sie ist schwanger, und natürlich will jeder wissen, wann das Kind kommt. So weit, so gut. Daraufhin auf das Datum der Zeugung zurückzurechnen, ist schon recht ungewöhnlich, zumal wenn der Mann die schwangere Frau gar nicht kennt, zumindest nicht persönlich. So geschehen der Neuseeländischen Premierministerin. Selber Schuld könnte man sagen, immerhin hat Jacinda Ardern, die ihre Pflichten als Premierministerin genauso ernst nehmen will wie die als Mutter, im Januar auf Twitter und Facebook selbst ihre Schwangerschaft bekannt gegeben. Was Jacinda Ardern, so weit ich informiert bin, nicht getan hat, ist ein Foto ihres ungeborenen Kindes zu veröffentlichen. Du lachst, aber Menschen machen so was. Menschen, die keiner kennt, und die auch keiner kennen möchte, nicht mal der eigene Nachwuchs. Menschen, die so bedürftig sind, dass sie für ein wenig Aufmerksamkeit alles tun. Moment, in einem Punkt bin ich mir nicht sicher, und zwar ob es sich um Menschen handelt. Ich denke, es sind Schwachsinnige, die mit allen Mitteln den Rest der noch bestehenden Scham abschaffen wollen. Vor ihnen hat Kollege Freud bereits seinerzeit gewarnt. Nicht nur, weil der Verlust der Scham das erste Zeichen des Schwachsinns ist, sondern weil darüber hinaus die Zerstörung der Scham eine Enthemmung auf allen anderen Gebieten, eine Brutalität und Missachtung der Persönlichkeit der Mitmenschen bewirkt, wie man auch an dem Interview mit der Premierministerin von Neuseeland Jacinda Ardern sehen kann.

Text TaxiBerlin

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