20.01.2018

DER FLUGHAFEN ALS KONZENTRATIONSLAGER


Die ersten Tage im Januar läuft das Taxigeschäft noch einigermaßen, dann bricht es traditionell ein. Der richtige Zeitpunkt, die Stadt zu verlassen. Man verpasst nichts, obwohl man auch sonst nichts verpasst. Das ist die Wahrheit. Einmal mehr hatte ich mich entschieden, mich an den Rand unseres schönen Kontinents, manch einer sagt auch Brennpunkt, zu begeben. Wohin mich meine Reise genau führte, dazu später mehr. Nur soviel vorneweg: Es war auch eine Woche ohne Internet und auch ohne Smartphone, was ich sowieso nicht besitze. Ausgangspunkt war der Berliner Flughafen, der ganz und gar ohne Berliner Taxis auskommt. Schönefeld, mit dem mich viele Erinnerungen an eine Zeit verbinden, als Fliegen noch etwas exklusives hatte, gleicht heute einem modernen Konzentrationslager. Das ist keine Übertreibung. Das letzte Mal stand ich vor knapp dreißig Jahren so viel Schlange wie jetzt dort. Im Unterschied zu früher teile ich heute mit dem Mitwartenden NICHTS, und sie teilen auch untereinander NICHTS. Eine Sache gibt es vielleicht doch, die SIE gemeinsam haben: Sie lassen sich alles (also wirklich alles!) gefallen, so lange sie nur an ihrem Smartphone rumspielen können. Wenn das Netz zusammenbrechen würde, dann würde sich daran vielleicht etwas ändern, aber selbst das ist nicht sicher. Dass wartende Busse uns ihre Abgase uns nun schon eine halbe Stunde ins Gesicht bliesen, weil unser Flieger noch gar nicht gelandet war, wir aber bereits draußen wie Vieh zusammengepfercht auf ihn warten musste (vermutlich aus Platzgründen?), daran störte sich niemand. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die ersten einfach umfallen würden. Unbemerkt natürlich, von ihnen selbst, aber auch von anderen. Deswegen erlaubte ich mir beim von alledem nichts mitbekommenden, weil an seinem Smartphone rumspielenden Busfahrer nachzufragen, ob er nicht den Motor ausstellen könne. Nach einem kurzen Moment der Orientierung bekam ich eine bemerkenswerte Antwort: "Das geht nicht - aus Sicherheitsgründen!" Da kann man natürlich nichts machen, wenn die Sicherheit in Gefahr ist. Wer das nicht kapiert, hat es nicht besser verdient, als im Konzentrationslager von heute zu enden, wenngleich auch nur als Kollateralschaden, dafür aber mit Smartphone in der Hand.

Text TaxiBerlin

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