22.05.2018

"FALLS KRISEN ODER KRIEG KOMMEN"


"Wenn die Oberen vom Frieden sprechen, Mann auf der Straße, lass alle Hoffnung fahren. Wenn die Oberen Nichtangriffspakte schließen, kleiner Mann, mache dein Testament." So weit der Originaltext von Bertolt Brecht zum von Hans Eisler vertonten Song "Gegen den Krieg". Das Lied muss jetzt auch in Schweden angekommen sein, denn die Schwedische Regierung lässt in der kommenden Woche eine Broschüre mit dem Titel "If Crisis Or War Comes" an ihre Bürger verteilen. Das ist alleine deswegen verwunderlich, weil Krieg heute nicht mehr Krieg genannt wird. Krieg heißt heute "Verwerfung" und manchmal auch "Experiment". Interessant am Originaltext ist, dass Brecht ausgerechnet den "Mann auf der Straße", also uns Taxifahrer, auffordert, alle Hoffnung fahren zu lassen. Interessant deswegen, weil wir Taxifahrer meist die ersten sind, die solche "Verwerfungen" und "Experimente" am eigenen Leib erfahren dürfen, was Brecht offensichtlich nicht wusste. Warum sollte er uns sonst auffordern, alle Hoffnung fahren zu lassen? Von welcher Hoffnung spricht er?

Text TaxiBerlin

21.05.2018

IM TAXI MIT DEM HAUSBESETZER


Hausbesetzer "informieren"

Sie haben es wirklich wahr gemacht, nach vielen Jahren mal wieder Häuser in Berlin zu besetzen. Vorher haben sie ordnungsgemäß mittels Aushang am Schwarzen Brett (Foto) darüber informiert. (Was ist bloß aus den Hausbesetzern geworden?) So gesehen war es keine Überraschung, dass einer von ihnen bei mir im Taxi landete, nachdem sie innerhalb von 24 Stunden (trotz Pfingsten, Karneval der Kulturen und Pokalfinale!) von der Berliner Polizei geräumt wurden. "Was haben wir verkehrt gemacht?" - "Habt ihr ein Ultimatum gestellt?" - "Was für ein Ultimatum?" - "Was ist egal! Hauptsache 2 Minuten!"

Foto&Text TaxiBerlin

ICH HATTE EINEN TRAUM


Gestern bin ich am Flughafen Tegel, auch weil ich keinen mit meiner Musik belästigen wollte, einfach mal so weggedämmert. Das ist nun nichts besonderes, das geht einigen so. Ich hatte allerdings einen Traum, an den ich mich sogar noch erinnere. Ich hatte Ärger mit der Polizei - wegen nichts. Irgendwann wurde mir die Sache zu bunt, und ich sagte zu den Beamten: "Wenn ihr euch jetzt nicht geräuschlos  entfernt, dann rufe ich meine Cousins. Ihr habt zwei Minuten!" Dazu muss ich sagen, dass ich nur zwei Cousins habe und die sind auch nicht in Berlin, aber das sagte ich den Beamten natürlich nicht. Nach zwei Minuten ging es weiter und von den Berliner Bullen keine Spur.

Traum&Text TaxiBerlin

19.05.2018

RELIGION IST PRIVATSACHE! - WIRKLICH?


Flughafen Tegel (TXL)

Religion ist Privatsache - sagt man. Hier trifft das sogar zu, denn der große Parkplatz nur für Taxis und ihre Fahrer am Flughafen Tegel ist Privatgelände. Immer mehr auch ganz junge Kollegen beten dort regelmäßig gen Mekka. Da die äußerste südöstliche Ecke dafür nicht mehr ausreicht, wird seit einiger Zeit auch vor, neben und hinter den Taxen gebetet. Der dafür notwendigen Gebetsteppich wird im Taxi mitgeführt. Stehe ich mit meinem Taxi neben dem Kollegen, bin ich mir sich sicher, ob ich, jetzt mit offenem Fenster, während er betet, bei mir im Taxi laut Musik hören kann, und wenn ja: welche? Ich weiß auch nicht, wie es mit der kostenpflichtigen Toilette ist: Darf ich als Ungläubiger den Gläubigen darauf hinweisen, dass ich was gegen das Füße waschen im Handwaschbecken habe? Das regelmäßige Beten und auch die rituellen Waschungen sind Pflichten eines jeden gläubigen Moslems. Fünf Mal am Tag zu beten, geht auf Mohamed zurück, der seine Anhänger noch um sich scharte. Mohamed betete seinerzeit mit ihnen gemeinsam, um sich ihrer Gefolgschaft zu versichern. Gebetet wird heute, wie man sieht, auch einzeln. Die Kontrolle über den anderen Gläubigen ist, zumindest am Flughafen Tegel, geblieben. Jeder kann sehen: Betet der Kollege regelmäßig oder eben nicht.

Foto&Text TaxiBerlin

18.05.2018

KEINE ROLLENDE TELEFONZELLE UND AUCH KEINE ROLLENDE BÖRSE UND NUR MANCHMAL EIN ROLLENDER BAUCHLADEN


Immer wieder muss ich Fahrgäste darauf hinweisen, dass mein Taxi keine rollende Telefonzelle ist. Neulich bekam ich darauf zur Antwort, dass mein Fahrgast doch jetzt Business machen müsse am Handy. Mein Taxi ist auch keine rollende Börse, und das einzige Business*, worum es beim Taxifahren geht, ist das Taxifahren. Das ist doch nun wirklich nicht schwer zu verstehen, oder? In der Praxis ist es so, dass die vermeintlich cleversten Bürschchen, immer auch die dümmsten sind. Wobei, ich erwähnte das bereits, das Wort dumm es nicht wirklich trifft. Es handelt sich, das kommt der Sache näher, eher um Emphatielosigkeit, also der Unfähigkeit, sich in den anderen Menschen hineinzuversetzen. Wer möchte schon, dass ein anderer direkt neben seinem Ohr telefoniert, und das stundenlang? Ich kenne keinen! Mir ist es am liebsten, wenn ich mit dem Fahrgast ins Gespräch komme. Da kommen wir immer auf ähnliche Sichtweisen auf aktuelle Probleme, egal ob Baustellen oder Businesssucht, die allesamt in der offiziellen Propaganda nicht vorkommen. Dabei sind wir ganz normale Menschen, meine Fahrgäste und ich, sollte man denken. Es scheint einen Zusammenhang zu geben, zwischen normalen Menschen und gesundem Menschenverstand, gepaart mit einer gewissen Herzensbildung, und das nicht nur im Taxi.

* Manchmal geht es, was das Business angeht, in meinem Taxi auch um meinen kleinen Bauchladen. Das ist (leider) auch die Wahrheit.

Text TaxiBerlin

16.05.2018

TAXIBERLIN ALS HERAUSGEBER NOCHMAL


Am Tatort

Ich hatte schon mehrfach darüber geschrieben, dass ich zwei Bücher von einem der bekanntesten bulgarischen Autoren des neunzehnten Jahrhunderts herausgegeben habe. Nun bin ich mit ihnen zum Tatort zurück gekehrt, also an den Ort, der mich auf die Idee brachte, mich als Herausgeber zu betätigen. Es ist ein Graffito in der bulgarischen Hauptstadt Sofia, welches auch das Cover beider Bücher schmückt. Erschienen sind die Bücher beim Wieser-Verlag im Österreichischen Klagenfurt, sie heißen "Nach Chicago und zurück" und "Bai Ganju, der Rosenölhändler", und geschrieben hat sie Aleko Konstantinow.

PS: Die Bücher sind selbstverständlich Bestandteil meines kleinen Bauchladens, können also auch bei mir im Taxi erworben werden.

Foto&Text TaxiBerlin

15.05.2018

IM TAXI MIT MEINEM PRÄSIDENTEN


Im Radio wird gerade immer wieder die Freiheit betont, die wir haben, sich mit dem Präsidenten seiner Wahl ablichten zu lassen. Gemeint ist dieselbe Freiheit, die beispielsweise Frauen haben, wenn sie vor der Entscheidung stehen, Stöckelschuhe oder Kopftuch zu tragen. Du lachst, aber Stöckelschuhe und Kopftuch wurden neulich wirklich gleichgesetzt, genauso wie jetzt Erdogan und Steinmeier. Da ich weder Kopftuch noch Stöckelschuhe trage, und Erdogan und Steinmeier zum gemeinsamen Ablichten bereits vergeben sind, habe ich ein Problem. Mit wem könnte ich mich fotografieren lassen? Was ist mit Trump? Immerhin bin ich jetzt halber Amerikaner. Oder Victor Orban? Schließlich fahre ich regelmäßig durch sein schönes Land. Ich hab's: Kim Jong-Un! Am besten bei mir im Taxi. Und darüber schreibe ich unter dem Titel: Im Taxi mit meinem Präsidenten! Ich bin so frei.

Text TaxiBerlin

VOM DIENEN UND HERRSCHEN IM TAXI




"Zum Dienen zu groß und zum Herrschen zu klein" ist, zumindest meiner Meinung nach, der zentrale Satz in "HERRliche Zeiten", dem neuen Film von Oskar Roehler, der an sich nicht wirklich gut ist. Sie (Katja Riemann) sieht Scheiße aus und Er (Oliver Masucci) kann nicht einmal Hochdeutsch, und dabei handelt es sich doch um die Hauptprotagonisten. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, hat der Streifen ganz andere, eigene Erkenntnisse zu bieten. Beispielsweise die Erkenntnis, dass Taxifahren auch eine Leistung ist, bei der es an erster Stelle ums Dienen geht. Nun bin ich weder Diener noch Sklave, auch wenn immer mehr Fahrgäste dieser Meinung sind. Man kann es auch einfach mangelnde Empathie nennen, also die Unfähigkeit, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen. Eine Erkrankung, die sich seit einiger Zeit immer rasanter ausbreitet.

Das Gegenstück zur Empathielosigkeit wäre die Herzensbildung, die immer mehr abnimmt, aber das nur nebenbei. Jedenfalls führt diese zunehmende Empathilosigkeit meiner Fahrgäste bei mir zu einer Radikalisierung, die sich beispielsweise im Handy-Verbot bei mir im Taxi ausdrückt, was kaum ein Fahrgast versteht. Die meisten halten es für einen Witz. Die Wahrheit ist, dass ihr dummes Handy-Gequatsche eine Zumutung ist, denn mich interessiert Null, was sie wieder für geistigen Dünnschiss von sich geben müssen. Zumutung trifft es auch nicht ganz. Es ist, wenn man es sich ganz genau ansieht, eine Körperverletzung, dieses ständige Handy-Geseiere.

Eine Körperverletzung deswegen, weil man nicht absichtlich weghören kann. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Aus dieser einfachen Lärmbelästigung wird dadurch eine Körperverletzung, dass das Gehirn automatisch versucht, auch dagegen kann man nichts tun, dieses halbe "Nothing About Nothing" zu komplettieren. Die Folge ist eine zunehmende Radikalisierung, zumindest bei mir (Ich bin aber auch schon etwas länger "On The Road", vielleicht liegt es einfach nur daran - Who knows?!), beispielsweise durch die entsprechenden Aufkleber "Handy-Verbot", deren Ziel mir durch den Film jetzt ganz klar geworden ist: Es ist das Herrschen! Das Herrschen bedarf allerdings einer gewissen Größe - ohne der geht es nicht.

PS: "Diese Leute gehorchen uns nur, so lange sie uns fürchten." - Ebenfalls ein wichtiger Spruch aus dem Film, den man 1:1 auf Fahrgäste und aufs Taxifahren allgemein übertragen kann.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

14.05.2018

NOCH EIN FILMTIP


Irgendwo am Ostkreuz

Just in dem Moment, in dem wir über den Film sprachen, tauchte diese Werbung für ihn rechts neben dem Taxi auf. Ich habe den Film noch nicht gesehen, mein Fahrgast aber schon, weswegen er ihn mir nur wärmstens empfahl. Ich muss dazu sagen: Seit einiger Zeit nehme ich nur noch persönliche Empfehlungen von Leuten ernst, die mir sympathisch sind, wenn ich die Dinge nicht selber finde. Mit Dinge sind Bücher, Filme, Musik und wegen mir noch Restaurants gemeint, wobei letztere am ehesten mein Budget übersteigen, aber das ist ein anderes Thema. Den Rest, also Bücher, Filme und Musik finde ich auf dem Flohmarkt oder im Antiquariat. Mein Fahrgast, der mir nicht einfach nur sympathisch sondern sogar extrem sympathisch war, empfahl mir ausdrücklich auch Das Buch, auf dem Der neue Film von Oskar Roehler basiert. Falls das jemand hat, so kann er sich gerne bei mir und meinem Taxi melden, in dem ich immer mehr Zeit verbringe, weil mich nur dort nichts und niemand mehr beim Lesen stört.

PS: Das wichtigste mal wieder vergessen: In dem Film müssen Bulgaren die Grube für ein Swimmingpool im Grunewald ausheben, weil das kein Deutscher mehr kann/macht. Ein Hinweis mehr darauf, dass ein Bulgare irgendwann den Laden hier übernehmen wird.

PPS: Samuel Finzi, einer der Hauptdarsteller des Films, ist in der Stadt Plowdiw in Bulgarien geboren!

Foto&Text TaxiBerlin

13.05.2018

HANDYS UND HEMDEM IM TAXI


Den zweiten Abend in Folge hat nun man versucht, mir einen total Besoffenen ins Taxi zu setzen, und nun überlege ich, was das zu bedeuten hat. Im Leben geschieht nichts zufällig, ganz im Gegenteil, alles hat seinen Sinn, man muss ihn nur finden. Meine erste Idee war, dass ich nun vielleicht auch Aufkleber anbringen soll, dass Besoffene bei mir keine Chance haben, weil ich unter einer Alkoholallergie leide - die gibt es wirklich. Zu viele Aufkleber sind aber auch nicht gut, denn ich habe bereits welche, die auf das Handyverbot bei mir im Taxi hinweisen. Bei denen denken viele Fahrgäste immer noch, dass es sich dabei um einen Spaß handeln würde, den ich mir mit ihnen erlaube. Dabei sehe ich gar nicht aus, als würde ich Spaß machen!

Neuerdings trage ich sogar ein Hemd bei mir im Taxi. Dass ich erneut die Hemden-Saison eröffnet habe, liegt am Wetter aber auch an dem nicht funktionierenden CD-Player bei mir im Taxi. Dort lief sonst immer Mozart, weil bei der Musik von Mozart nicht nur Kühe mehr Milch geben, was wissenschaftlich erwiesen ist, sondern Fahrgäste auch mehr Trinkgeld, was ich in langjährigen Studien herausgefunden habe. Das Hemd hat mehr oder weniger die Funktion übernommen, die die Musik von Mozart bisher hatte, wo die CDs aber nicht mehr laufen bei mir im Taxi. Deshalb schalte ich manchmal Radio-Kultur ein (Klassik-Radio kannst du vergessen, das ist Kaufhaus-Musik - ganz schrecklich!), denn auch der gewählte Radio-Sender wirkt sich aufs Trinkgeld aus. Mit Radio-Kultur ist aber Vorsicht geboten (zu viel Kultur vertragen die meisten Menschen heutzutage nicht mehr), das funktioniert nicht immer und da sollte man auch flexibel bleiben.

Text TaxiBerlin

12.05.2018

DEPRESSION IS THE GERMAN WAY


called Taxi

"Desperation Is The English Way" - das wissen wir seit Pinks Floyds "Dark Side Of The Moon". "Depression Is The German Way" - das sage ich nach vielen Jahren im Taxi auf den Berliner Straßen und Plätzen und nach unzähligen Gesprächen mit Kollegen und Fahrgästen. "Die Deutsche Depression" - nicht die "Die Deutsche Angst"! - hat allerdings ein Vorspiel, und das heißt KONTROLLE. Der Deutsche möchte nach Möglichkeit alles kontrollieren, deswegen möchte er auch alles wissen, weswegen manche denken, es würde dem Deutschen um Wissen gehen. Das ist aber verkehrt. Es geht immer nur um Kontrolle. Da aber niemand alles kontrollieren kann, auch nicht der Deutsche, wird er irgendwann zwangsläufig depressiv. Das ist die logische Konsequenz, die aber kaum bekannt ist. Deswegen dieser Beitrag.

Foto&Text TaxiBerlin

11.05.2018

NIGHT ON EARTH AUF BULGARISCH: POSOKI - DIRECTIONS - RICHTUNGEN


War ich gestern noch mit drei Kollegen zum Filmstart im Kino Krokodil, berichtet heute bereits der "Spiegel" darüber. Also jetzt nicht darüber, dass ich mit drei Kollegen in dem kleinen Kino in der Greifenhagener Straße 32 im Prenzlauer Berg war, sondern über den Film, den wir dort gesehen haben. Der heißt im Original "Posoki", was auf englisch "Directions" und auf deutsch "Richtungen" heißt. Hatte ich den Film vor drei Monaten im Bulgarischen Kulturzentrum in der Leipziger Straße noch mit englischen Untertiteln gesehen, läuft er jetzt bereits mit deutschen, die dazu noch recht gut gemacht sind. Ohne zuviel zu verraten, möchte ich zumindest so viel sagen, dass nach dem bevorstehenden großen Knall auf jeden Fall ein Bulgare den Laden hier, auch Erde genannt, übernehmen wird. Das wird, nachdem du dir den Film angesehen hast, auch dir klar sein.

PS: Man mag die Szene, in welcher der Kollege aus Sofia, dessen Sohn kürzlich verstorben ist, einen Straßenköter mit bulgarischer "Pizza" versorgt, gut finden oder eben nicht, nur ein "Schoßhündchen", wie der "Spiegel" ihn beschreibt, ist dieser Streuner auf keinen Fall.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

FREIBIER IM ARTEMIS


Demnächst auch Freier- und Fahrgastwunschzentren

Gestern gab's Freibier im Artemis. Ich wusste das auch nicht, aber eine Frau, die im Artemis arbeitet und dort bei mir einstieg, weil sie früher als sonst nach hause wollte, weil absolut nichts lief, also mit den Männern. Und so war es auch im Taxi. Hier gab es zwar kein Freibier, aber draußen setzte irgendwann im Laufe des Tages Regen ein:- und trotzdem lief es nicht mit dem Taxi. Mehr kann man als Taxifahrer nicht machen, als sich bereit halten und für Regen sorgen.

Foto&Text TaxiBerlin

10.05.2018

DIE HIMMELFAHRTSHODEN



Dass ich nach mehr als drei Wochen Abstinenz ausgerechnet am Himmelfahrtstag wieder mit dem Taxifahren anfange, ist einerseits reiner Zufall. Andererseits aber auch nicht, da nichts im Leben Zufall ist. Worin nun dieser nicht vorhandene Zufall besteht, wird sich später zeigen, wenn ich mich mit meinem Taxi auf die Berliner Straßen, Plätze und auch in die Gartenkolonien begebe. Bis es so weit ist, möchte ich dir erzählen, wie es früher am Herrentag zuging. Da er noch kein Feiertag war, musste man Urlaub nehmen oder krank machen. Der Herrentag war, wie der Name es bereits sagt, eine reinen Männerveranstaltung. Frauen waren, wenn überhaupt, nur als Bedienung zugelassen. Die Männer begaben sich mit ihren mit Ästen und Zweigen geschmückten Fahrrädern auf große Fahrt und nicht nur in die nächstbeste Kneipe. Ganz Pfiffige hatte Anhänger an ihren Rädern, die mit all dem gefüllt waren, was ein Mann so braucht auf freier Wildbahn. Man fuhr von einem Dorf zum anderen, weswegen es ewig dauerte, bis Mann irgendwie betrunken wurde. Manchem Mann gelang es gar nicht betrunken zu werden, weil er den Alkohol gleich wieder ausschwitzte. Und das, obwohl das Bier damals nur ein Bruchteil von heute gekostet hat. Taxi wurde früher am Herrentag übrigens nur im Ausnahmefall gefahren. Dafür hatte man ja die Fahrräder. Frauen waren, wie gesagt, am Herrentag nur als Servicepersonal zugelassen, das dann aber auch zu hause. Dass eine Frau mit auf die Fahrradtour des Mannes kam, war undenkbar. Um dies durchzusetzen, dazu braucht Mann natürlich Eier. Heute mehr als früher. In der Schwanzlosen Gesellschaft, in der wir leben, sind diese allerdings Mangelware - das ist keine Überraschung. Bei mir im Taxi darf heute auch jeder, egal ob Mann oder Frau, mitfahren. Für Geld mache auch ich alles, da lasse ich jeden an mich ran. Im Prinzip bin ich auch nur 'ne Nutte. Das wird mir heute am Herrentag und nach drei Wochen Abstinenz vom Taxifahren einmal klarer denn je.

PS: Welcher Mann noch Eier hat, dem sei der von mir entwickelte Hodenhalter empfohlen - so viel Merchandising darf/muss sein.

Foto&Text TaxiBerlin

09.05.2018

KOLLEGE IVO ALS GASTARBEITER


Depression am Taxistand

Im April hat der Flughafen Frankfurt Gastarbeiter in Südosteuropa gesucht. Da war der Kollege Ivo schon wieder zurück in Bulgarien. Seine Frau und er haben zuvor knapp zwei Jahre auch an einem hiesigen Flughafen gearbeitet, und zwar an dem in München. Sie als Putzfrau und er als Fahrer. Viel Arbeit und wenig Geld, damit hat er nun diese Zeit zusammengefasst. Sicherlich, man verdiene mehr in Deutschland, aber man gibt auch mehr aus. Alleine an Miete habe er über tausend Euro gezahlt. In Bulgarien hat er ein Haus, da bezahlt er keine Miete. Überhaupt hat er in Bulgarien alles, und das meiste viel preiswerter. Aber vor allem habe er eines wieder - seine Ruhe. Diese permanente Unruhe und das ständige Bereit sein müssen, das konnte der Kollege Ivo nicht mit seiner Ehre vereinbaren. Man ist doch an erster Stelle Mensch und keine Maschine. Noch muss Kollege Ivo nicht arbeiten in Bulgarien. Dort herrscht Depression, und wer schon mal unter Depressionen gelitten hat, der weiß, dass man in dem Fall eines nur sehr selten tut: mit dem Taxi fahren. Dass der Kollege Ivo bisher nicht wieder Taxi fahren muss, hängt aber auch damit zusammen, dass er es irgendwie geschafft hat, dass er und seine Frau noch etwas Kohle aus München bekommen. Das muss aber, das habe ich dem Kollegen Ivo aus Bulgarien versprechen müssen, unter uns bleiben.

Foto&Text TaxiBerlin

08.05.2018

NIEMAND MUSS NACH INDIEN FAHREN


Indien in Europa

Vor einiger Zeit hatte ich eine junge Frau bei mir im Taxi, die wollte mit mir nach Indien fahren. Das stimmt wirklich. Aus der Fahrt ist nichts geworden, was gar nicht mal am Geld lag, das hätte sie wohl auftreiben können, sondern daran, dass wir uns nicht über das Fahrziel einigen konnte. Sie meinte natürlich das Indien, das jeder kennt, ich aber ein ganz anderes. Ich bin nämlich der Meinung, dass niemand nach Indien muss, weder fahren noch fliegen. Eine Reise an den Rand unseres schönen Kontinents tut es auch. Auch dort kann sich jeder von den Eingeborenen als weißer Prinz und auch Prinzessin anhimmeln lassen, und immer mehr Inder sind jetzt auch schon da.

Foto&Text TaxiBerlin

06.05.2018

IM TAXI MIT HAMED ABDEL-SAMAD




Sicherlich hast du auch schon mal daran gedacht, eine Mohamed-Karikatur zu zeichnen. Warum du es bisher nicht getan hast, erfährst du aus dem Vortrag von Hamed Abdel-Samad. Der Titel ist übrigens, wie du bereits richtig vermutet hast, gelogen: Hamed saß mir noch nicht im Taxi. Das liegt aber nicht an mir, sondern an Hameds vielen Personenschützern, die leider nicht alle in mein kleines Taxi passen.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

04.05.2018

"POSOKI - DIRECTIONS": IM KINO KROKODIL


Die Tage erreichte mich in Bulgarien eine e-mail vom Kino Krokodil in der Greifenhagener Straße im Prenzlauer Berg, in der mir mitgeteilt wurde, dass dort am 10. Mai der Film POSOKI - DIRECTIONS über Taxifahrer in der bulgarischen Hauptstadt Sofia anlaufen wird. Ich habe den Film vor kurzem im bulgarischen Kulturinstitut in der Leipziger Straße gesehen und daraufhin dem Kino Krokodil, das auf Filme aus Russland und Osteuropa spezialisiert ist, einen Hinweis gegeben. Dieser wurde offensichtlich ernst genommen, und so freue ich mich mit den Leuten vom Kino Krokodil, dass der Film POSOKI - DIRECTIONS über Taxifahrer in der bulgarischen Hauptstadt Sofia in wenigen Tagen dort im Original mit deutschen Untertiteln anläuft. Der Film ist ein absolutes Muss für alle Taxifahrer und die es noch werden wollen, nicht nur in der bulgarischen Hauptstadt Sofia!

Video YouTube
Text TaxiBerlin

29.04.2018

HIER SPRICHT TAXIBERLIN ÜBER TRINKGELD


So sieht es aus

Am Donnerstag den 3.Mai ist die nächste Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin". Das ganze auf "Pi-Radio", in Berlin ist das die 88.4, in Potsdam bereits die 90.7 und auch weltweit sind wir zu hören, und zwar hier (oben rechts) als Live-Stream. Los geht es wie immer um 19Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit, und das Thema diesmal ist das "Trinkgeld". Es wird spektakuläre Enthüllungen über die Geschichte des Trinkgeldes geben, persönliche Erfahrungen und den ein oder anderen "Tip" an Kollegen und auch an "Kollegen". Verpass' es nicht!

PS: Eine persönliche Erfahrung möchte ich bereits verraten: Bei der Musik von Mozart geben nicht nur Kühe mehr Milch, was mehrere Studien bestätigt haben, sondern Fahrgäste auch mehr Trinkgeld.

Foto&Text TaxiBerlin

17.04.2018

IM TAXI MIT STEVEN HILL


Pflichtlektüre

Genau genommen saß mir Steven nicht im Taxi, sondern er kam zu mir ins Studio. Donnerstag vorvergangener Woche hatte ich dort zu einem Runden Tisch zum Thema "Deregulierung des Taxigewerbes" geladen. Es ist wieder Zeit der Runden Tische, falls es der ein oder andere noch nicht mitbekommen hat. Doch zurück zu Steven, den ich bis zu dem Runden Tisch in meiner Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" auf "Pi-Radio" nicht kannte. Aufmerksam geworden bin ich auf ihn, weil einige Tage zuvor ein Artikel von ihm im "Handelsblatt" mit dem Titel "UBERs neues Fahrdienstmodell sollte reguliert werden" erschienen war, in dem alles drin steht, was man zum Thema UBER und "Deregulierung des Taxigewerbes" wissen muss. Aus dem Artikel erfuhr ich beispielsweise, dass Steven, der aus Silicon Valley kommt und auch für die "New York Times", den "Guardian" und "Le Monde" schreibt, gerade Gast des Wirtschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) in Schöneberg ist.

Kurzerhand kontaktierte ich Steven und lud ihn in meine Radiosendung ein. Er meldete sich auch bald und sagte sein Kommen zu. So war es dann auch, Steven erschien sehr pünktlich zur Sendung, so dass wir uns vorher noch etwas miteinander bekannt machen konnten. Ich erfuhr, dass Stevens Tante Taxifahrerin war und auch sein Vater einige Zeit Taxi gefahren ist. Aber nicht nur das, denn wir unterhielten uns auch über die Start-up Szene in Amerika und Deutschland, um die es in seinem Buch "Die Start-up Illusion - Wie die Internet-Ökonomie unseren Sozialstaat ruiniert" geht, das ich gerade gelesen hatte, und das ich nur jedem empfehlen, der bei dem Thema "Start-up" etwas tiefer gehen will. Vorsicht ist allerdings geboten, denn wer in die Tiefe geht, tut dies auf eigene Gefahr.

Die meiste Zeit unterhielten wir uns aber über UBER, dem reichsten Start-up überhaupt, obwohl UBER in den vergangen beiden Jahren so viel Geld verloren hat, wie kein anderes Start-up in der Geschichte. In den USA bestellt oder nimmt niemand mehr ein Taxi, alle nehmen oder fahren ausschließlich UBER. Das Wort Taxi ist praktisch aus der amerikanischen Sprache verschwunden. Trotzdem verliert UBER immer noch jeden Tag eine Menge Geld, und zwar deswegen, weil jede Fahrt mit UBER zur Hälfte von UBER subventioniert wird. Die Leute fahren UBER, weil UBER kaum teurer ist wie die öffentlichen Verkehrsmittel. Das führt dazu, dass kaum noch jemand mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt und schon gar keiner mehr mit dem Taxi. UBER bedeutet also nicht nur das Aus fürs Taxi, sondern auch für den öffentlichen Nahverkehr.

In New York, dessen Straßenbild bisher von den Yellow-Cabs, den offiziellen Taxis geprägt war, gab es in den letzten Monaten sechs Suizide von Taxifahrern. Einige Kollegen sind auch schon obdachlos. Was ist der Grund? Derzeit gibt es 20.000 Fahrzeuge in New York, die für UBER fahren, Tendenz steigend. Ihnen stehen 12.000 Yellow-Cabs gegenüber. Hat ein Yellow-Cab-Fahrer bisher in einer Zwölf-Stunden-Schicht 150 bis 200 Dollar gemacht, ist er heute froh, wenn er auf 100 Dollar kommt, weil die Leute lieber mit einem preiswerteren UBER fahren. Hinzu kommt der Dauerstau auf den New Yorker Straßen, der auch als "UBER-Stau" bezeichnet wird.

UBER hat sein Ziel, ein Monopol bei der Personenbeförderung zu errichten, in den USA nahezu erreicht. Deswegen kann es dort auch schon die Preise bestimmen. Die richten sich nach keinem Tarif, sondern ausschließlich nach Angebot und Nachfrage. Eine Fahrt, die "normalerweise" 10 Dollar kostet, kann beispielsweise bei einem Unwetter dann schon mal das Zehnfache, also 100 Dollar kosten. UBER-Fahrer verdienen aber noch weniger als Yellow-Cab-Fahrer, weswegen auch die Mehrheit nicht länger als ein Jahr für UBER fährt. Es rechnet sich einfach nicht, und manchmal muss man als Fahrer sogar noch Geld mitbringen. UBERs tolle "Ökonomie des Teilens" ist also nicht nur asozial, sondern hat auch mit Umweltschutz nichts am Hut, auch wenn viele dies immer noch glauben.

UBER ist nur ein, wenngleich das bekannteste Start-up. Alle Start-ups arbeiten aber wie UBER. In seinem Buch bezeichnet Steven die Entwicklung zu immer mehr prekären Jobs als eine Rückentwicklung zum Feudalismus. Das mag dem ein oder anderen erstmal komisch vorkommen, da wir Fortschritt immer mit einer Entwicklung zum Besseren in Verbindung bringen. Möglicherweise ist das auch der Grund, warum den meisten nicht klar ist, dass das gar nicht so selbstverständlich ist, wie es sich anhört.

Bereits Kollege Nietzsche, der seinerzeit auch Taxi gefahren ist, hatte da seine Zweifel. Zu Nietzsches Zeiten waren Taxis noch Pferdedroschken, Nietzsche hatte es bekanntlich mit Pferden, was die meisten noch wissen. Schon weniger bekannt ist, dass der Kollege Nietzsche zwei Bücher übers Taxifahren geschrieben hat. Das eine heißt "Der Mensch im Verkehr" und das andere "Der Mensch mit sich allein", denn das "Allein sein" ist neben dem "Warten" eine unserer Kernkompetenzen. Über den erwähnten Fortschritt hat sich der Kollege Nietzsche wie folgt geäußert:

Die Menschheit stellt nicht eine Entwicklung zum Besseren oder Stärkeren oder Höheren dar, in der Weise, wie dies heute geglaubt wird. Der "Fortschritt" ist eine moderne Idee, das heißt eine falsche Idee. Der Europäer von heute bleibt in seinem Werte tief unter dem Europäer der Renaissance, Fortentwicklung ist schlechterdings nicht mit irgendwelcher Notwendigkeit Erhöhung, Steigerung, Verstärkung.

Das klingt nicht gerade optimistisch. Es geht aber nicht darum, wie etwas klingt, sondern ob es wahr ist. Bisher war es so, dass das, was heute in Amerika ist, morgen auch bei uns sein wird. Und so wird es auch mit UBER laufen, zumal die Mehrheit auch hierzulande glaubt, dass UBER und die ganze so genannte "Ökonomie des Teilens" ein Fortschritt, also eine Entwicklung zu etwas Besserem sei. Auch wenn ich diesen Glauben, genauso wie der Kollege Nietzsche, nicht teile, und wenn ich auch nicht glaube, dass UBER hierzulande zu stoppen ist, tut es trotzdem gut, wenn einem zumindest Solidarität signalisiert wird, so wie es Steven (oben) getan hat.

Foto&Text TaxiBerlin

15.04.2018

VERTIEFTES IM TAXI


Gestern gab es eine große Demo gegen den Mietenwahnsinn in Berlin, zu der ich persönlich eingeladen war. Da ich ab morgen frei mache und den Rest des Monats sozusagen "vorarbeiten" muss, fand ich mich dann aber doch mit meinem Taxi und nicht als Demonstrant auf der Straße wieder. Ich hatte sogar einen Fahrgast, eine sich zumindest im Taxi in letzter Zeit immer rarer machende Spezies. Genau genommen war es eine Fahrgästin, um ganz genau zu sein eine Stewardess der Lufthansa. Da wie gesagt gerade die Demo im Gange war, die ich irgendwie umfahren musste, aber nicht wusste, wie, musste ich die Polizei fragen, deinen Freund und Helfer, und die das sogar wusste, was nicht selbstverständlich ist. Oft sperrt die ja nur ab und weiß ansonsten von gar nichts. Die Fahrstrecke wurde nun nicht nur länger, sondern auch die Fahrt dauerte länger, auch weil seit Montag die Verkehrssituation auf den Berliner Straßen, wenn du so willst, explodiert ist. Die Stewardess nahm auch das gelassen, was nicht selbstverständlich ist heutzutage. Da wir genug Zeit hatten, obwohl das Fahrziel gar nicht weit weg war, zumindest Luftlinie, konnten wir das ein und auch das andere Thema abarbeiten. Auch sie beklagte sich darüber, dass immer mehr prekäre Menschen sich im Flugzeug wieder finden, die zum Teil gar nicht wüssten, wohin sie fliegen würden. Dass im Flugzeug das Telefonieren mit dem Handy und auch mit dem Smartphone verboten ist, liegt nicht etwa daran, dass das technisch nicht möglich sei (das ist Quatsch!), sondern ausschließlich daran, dass dies für einen unnötigen Stress sorgt. Das wurde neulich auch durch eine Studie bestätigt, die in einem Großraumbüro gemacht wurde, wo alle ständig telefonieren müssen. Zum Schluss verriet mir die Stewardess noch ihren Trick, wie sie mit diesen penetrant in der Öffentlichkeit Telefonierenden umgeht, den ich gerne verraten möchte. Die Stewardess hat immer einen kleinen Voice-Recorder dabei, mit dem sie einfach die Typen, die ihr mit ihren öffentlichen Telefonaten auf die Nerven geht, aufnimmt, um es ihnen noch während des Telefonats ebenfalls in der Öffentlichkeit vorzuspielen. Ich finde das eine geniale Idee und möchte nicht versäumen, sowohl allen Demonstranten als auch der Polizei zu danken, die dafür gesorgt haben, dass die Stewardess und ich genug Zeit hatten, ein wichtiges Thema im Taxi auch einmal zu vertiefen.

Text TaxiBerlin

14.04.2018

WIEDER WAS GELERNT


Es fing alles ganz harmlos an, und zwar mit einer Fahrt zur Messe, genauer gesagt zum Echo. Später hörte ich die gleichen Typen im Radio, und ich muss sagen, sie sind auf der Bühne genauso bescheuert wie im Taxi. Das ist nichts Neues. Neuer ist, dass ich nur oft genug behaupten muss, dass ich Künstler bin (ein Migrationshintergrund kann auch nie schaden, aber den habe ich ja auch, sogar einen doppelten, ach was sage ich da, einen dreifachen!), dann darf ich hierzulande auch Antisemit sein. Ganz Neu ist nun, dass ich das nicht nur darf, sondern dass ich dafür auch noch einen Preis bekomme.

PS: Frage mich gerade, ob man den "Künstler" auch mit einem Preis bedacht hätte, wenn er keinen Migrationshintergrund hätte und darüber hinaus vielleicht noch als AfD-Wähler bekannt wäre?

Text TaxiBerlin

TRUMP, MACRON UND MAY SIND KRIEGSTREIBER


Letzte Nacht, ich hatte das Taxi schon abgestellt, auch weil zu dem Zeitpunkt erfahrungsgemäß eher anstrengendes Publikum unterwegs ist, ich aber bereits zu abgegessen bin, mich auch noch um dieses kümmern zu können, wurde Syrien mit Raketen beschossen. (Beweise, dass Assad Giftgas gegen seine eigene Bevölkerung eingesetzt hat? Ein UNO-Beschluss für den Beschuss? Fehlanzeige!) Deutschland soll nicht dabei gewesen sein. Wir liefern traditionell "nur" die Koordinaten der Angriffsziele. Natürlich wurden nur militärische Ziele angegriffen. Die Zivilbevölkerung hatte sich wahrscheinlich den Wecker gestellt, um am Boden die "smarten" Raketen von Trump, Macron und May zu begrüßen. Was ich ein wenig vermisse, ist der Aufstand der Anständigen hierzulande, auch weil sie bekanntermaßen immer gerne Gutes am anderen Ende der Welt tun. Vielleicht ist Syrien einfach nicht weit genug weg. Ich weiß es nicht.

PS: Unsere aller Angela befürwortet übrigens den Beschuss nicht nur, sondern ihn hält ihn auch für "erforderlich und angemessen".

Text TaxiBerlin

12.04.2018

HANDY- UND SMARTPHONE FREIE ZONE TAXI


Kopenhagener Str. / früher Prenzlauer Berg / heute Pankow

Der Aufkleber ist direkt vor ihrer Nase angebracht, und zwar an der Kopfstütze ihres Vordermannes, und trotzdem wagen es immer noch einige Fahrgäste, ungefragt in meinem Taxi mit dem Telefonieren anzufangen. Ich meine jetzt keine Notfall-Anrufe, so etwas gibt es ja auch. Nein, das übliche Nothing about Nothing, was man sich halt am Handy so erzählt, was keinen Menschen interessiert, weswegen es sich auch keiner anhören möchte, und so auch ich. Sie hätten den Aufkleber, der sich wie gesagt nur fünfzig Zentimeter vor ihren Augen befindet, nicht gesehen. Ob der denn auch Ernst gemeint ist? Wieso sollte er nicht Ernst gemeint sein? Sie könnten doch überall telefonieren! Auch im Flugzeug? Auch in Zugabteilen mit denselben Aufklebern? Also wie kommen sie darauf, dass sie es im Taxi dürften?

Der Mensch kann nicht absichtlich weghören, das ist wissenschaftlich erwiesen. Entweder passiert es einfach so, oder es passiert nicht. Mir passiert es im Taxi so gut wie nie, was daran liegt, dass ich schon etwas länger Taxifahrer bin, ich neben dem Taxifahren also über freie Kapazitäten verfüge. Ich mute aber niemandem eines meiner seltenen Telefonate zu, also warum muten mir regelmäßig wildfremde Menschen ihre Telefonate zu? Mich interessiert einfach nicht, wo sich der andere gerade befindet und was gerade er macht! Gut, könnte man sagen, ich bekomme ja nur die Hälfte des Blödsinns mit. Nun ist es aber so, dass das Gehirn automatisch jedes inkomplette Ding zu komplettieren sucht, auch so ein Automatismus, auf den man keinen Einfluss hat. Zu dem halben Blödsinn denkt sich nun das Gehirn noch die Antwort, also den anderen Blödsinn, hinzu.

So wird aus einer "einfachen" Lärmbelästigung eine Körperverletzung. Denn das Gehirn ist bekanntlich Teil des menschlichen Körpers, also bei mir ist das zumindest so, aber vielleicht sollte ich in dem Punkt mal nicht von mir ausgehen. Na ja, jedenfalls ist mein Taxi jetzt Handy- und Smartphone Freie Zone.

Foto&Text TaxiBerlin

10.04.2018

HÖCHSTWAHRSCHEINLICH KRIEG


Sollte es neulich noch gegen Russland gehen, geht es nun wohl doch gegen Syrien. Beweise gibt es weder gegen Russland, noch gegen Syrien. Höchstwahrscheinlich soll Russland (genauer: Putin!) sein eigenes Nervengift eingesetzt haben, und zwar in England, und Syrien Giftgas gegen seine eigene Bevölkerung, obwohl klar ist, dass der Westen genau darauf wartet, um endlich losschlagen zu können. Also wenn du mich fragst: Ich find's ein wenig durchsichtig. Um genau zu sein: Ich fühle mich gerade intellektuell etwas unterfordert von der Kriegspropaganda. Ich denke, es wird genauso kommen wie bei den beiden Irak-Kriegen. Es hat weder die Babys gegeben, die angeblich aus den Brutkästen gerissen und auf den Boden geschleudert wurden, noch die mobilen Giftgas-Trucks von Saddam Hussein. Was Collin Powell in seinem Fläschchen hatte, als er damals vor der UNO den zweiten Irak-Krieg vom Zaun brach, das weiß wahrscheinlich er selbst bis heute nicht. Immerhin hat er sich später dafür entschuldigt, dass es auf keinen Fall ein chemischer Kampfstoff war. Ich bin schon sehr gespannt, ob und wer sich von den heutigen Kriegstreibern in der Zukunft für die bevorstehenden Angriffe auf Syrien auf der Basis von "Höchstwahrscheinlich war es das Regime Assad" entschuldigen wird.

Text TaxiBerlin

DER KLEINE DSHIHAD FÄHRT RÜCKWÄRTS


Er ist rückwärts gefahren, ohne sich vorher umzudrehen. So etwas kommt vor. Leider stand eine Frau mit ihrem Wagen hinter ihm. Der Schaden war nicht groß, weder an ihrem, noch an seinem Auto. Trotzdem rief die Frau, eine Landsmännin, die Polizei an, was dem kleinen Dshihad gar nicht gefiel, und weswegen er sie auch gleich beschimpfte. Es dauerte nicht lange, da kamen die Kumpels von Dshihad, es war in Neukölln, wo er rückwärts gefahren ist. Der kleine Dshihad hatte jetzt nicht nur Kumpels, sondern auch Zeugen, die gesehen hatten, dass alles ganz anders war. Die Frau, wie gesagt eine Landsmännin von ihnen, solle sich das mit der Polizei gut überlegen, schließlich wäre sie dem kleinen Dshihad hinten reingefahren, und nicht er ihr. Jetzt kam der Taxifahrer ins Spiel, also ich, der alles gesehen hatte, weil sich alles direkt neben ihm am Halteplatz abgespielt hatte. Das gefiel dem kleinen Dshihad und seinen Kumpels gar nicht, aber was sollten sie tun. Gemeinsam warteten wir nun auf die Polizei, die auch irgendwann kam. Der kleine Dshihad, so eine runde Boulette auf zwei Beinen, wollte nun so mit der Polizei reden, wie er vorher mit der Frau, der Landsmännin, geredet hatte. Da war er bei den Berliner Beamten allerdings verkehrt, zumal er sich gar nicht ausweisen konnte, und weswegen die Polizei erstmal seine Identität überprüfen musste. Deswegen weiß ich auch seinen Namen, denn der wurde nun mittels Walky Talky laut an die Zentrale weiter gegeben. Ich werde wohl nun bald Post bekommen, nein, nicht vom kleinen Dshihad, sondern vom Polizeipräsidenten. Bevor es so weit ist, hat sich die Frau, deren einziger Zeuge ich jetzt bin, noch bei mir bedankt. Sonst wäre das mit dem kleinen Dshihad wohl "nach hinten" losgegangen, obwohl, das kann ja immer noch passieren ...

Text TaxiBerlin

09.04.2018

WAS WIR GEGEN UBER TUN KÖNNEN




Das verrät die Berliner Rechtsanwältin Alexandra Decker in obigem Interview, dass ich am Donnerstag, den 5. April, in meiner Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" mit ihr geführt habe. Alexandra Decker hat sich ihr Studiums mit Taxifahren finanziert, sie ist also eine Kollegin, und sie hat darüber hinaus lange Zeit für DEN Berliner Anwalt für Taxifahrer, Andreas Just, gearbeitet, der leider bereits vor einiger Zeit von uns gegangen ist. Das Interview ist der zweite Ausschnitt meiner vierundzwanzigsten Sendung, auch wenn sie im Netz als dreiundzwanzigste angekündigt ist. Nicht alles, was im Internet steht, ist auch richtig. Richtig ist, dass weitere Ausschnitte aus der Sendung folgen werden. Das erste von mir ins Netzt gestellte Interview ist das mit Steven Hill, Autor von "Die Start-up Illusion - Wie die Internet-Ökonomie unseren Sozialstaat ruiniert". Steven Hill, der zufällig in Berlin weilt und spontan ins Studio gekommen war, ist ein weltweit renommierter Wirtschaftsjournalist, seine Artikel und Kommentare erscheinen u.a. in der New York Times, in The Guardian, in Le Monde und im Handelsblatt. Steven Hills Heimat ist das Sillicon Valley, weswegen er sich bestens mit Start-ups und im Besonderen mit UBER, dem Start-up, das innerhalb kürzester Zeit so viel Geld verloren hat, wie kein anderes Start-up in der Geschichte, auskennt. Steven Hill ist sich sicher, dass UBER ein Monopol errichten will, welches morgen den Markt dominieren, die Preise diktieren und mehr prekäre Jobs schaffen wird. Das komplette Interview mit Steven Hill findest du hier.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

08.04.2018

PASSEND ZUM BOMBENWETTER


Granatenstraße / früher Reinickendorf / heute Reinickendorf

Die Granatenstraße gibt es wirklich. Sie geht von der Provinzstraße ab, welche wiederum die Verlängerung der Drontheimer Straße ist, die sich noch im Wedding befindet. Westlich gegenüber der Granatenstraße liegt die Hausotternstraße, und im Osten geht die Granatenstraße in die Verlängerte Koloniestraße über. Die Granatenstraße heißt Granatenstraße, weil sich in ihrer Nähe ein Schießplatz der Artillerie befand. Dass ich auf die Granatenstraße komme, daran hat ein Fahrgast Schuld (Es ist immer wichtig, dass jemand Schuld hat, und am besten ein anderer!), der dorthin wollte. (Angeblich wohnt er dort, aber wer weiß das schon. Immerhin war er sehr angetrunken, und ich konnte es nicht kontrollieren.)
Für mich war es jedenfalls ein Zeichen, dass meine zunehmende Radikalisierung, je länger ich Taxi fahre, kein Zufall sein kann. Fällt mir gerade ein: Weiß zufällig jemand, ob morgen auch so sein Bombenwetter (ich hörte was von Wolken!) wie heute sein wird?

Foto&Text TaxiBerlin

07.04.2018

WIE UBER DAS TAXIGEWERBE ZERSTÖRT




Schlimmer als die durch die Deregulierung des Taxigewerbes verursachte Verarmung des Taxifahrers finde ich persönlich die Verdummung desselben. Da soll mir etwas verkauft werden, nämlich UBER, was angeblich super und toll ist, wo aber die Mehrzahl der Fahrer den Laden nach nur einem Jahr wieder verlässt, weil sie kein Geld mit UBER verdienen. Gut, für den Kunden, dessen Motto "Billich? - Willich!" ist, mag das heute interessant sein, aber eben nicht für den Taxifahrer. Deswegen geht er auch weltweit auf die Straße, so geschehen am 6. März in Athen und am 27. März in Brüssel. In New York ist es dafür möglicherweise schon zu spät, denn dort kam es bereits zu mehreren Suiziden unter Taxifahrern. Hierzulande ist UBER dabei, nicht nur das Taxigewerbe und den öffentlichen Nahverkehr zu zerstören, sondern auch den Sozialstaat, indem UBER immer mehr prekäre Jobs schafft (Jobs, von denen man bisher leben konnte!), die vom Staat (also von uns allen!) dauerhaft alimentiert werden müssen, was kein Staat auf Dauer leisten kann, da kann er noch so sozial sein. Da der "soziale Bundesstaat" nun aber in Artikel 20 Grundgesetz festgeschrieben ist, gilt hier, so denke ich, Absatz 4 desselben Artikels: "Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist." Das meinte auch Steven Hill, dessen Interview am Runden Tisch vom Donnerstag in meiner Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" du jetzt nachhören kannst. Steven Hill ist ein weltweit renommierter Wirtschaftsjournalist, dessen Artikel und Kommentare u.a. in der New York Times, im The Guardian, in Le Monde und im Handelsblatt erscheinen. Aktuell ist sein Buch "Die Start-up Illusion - wie die Internet-Ökonomie unseren Sozialstaat ruiniert" erschienen, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

PS: Das Interview wurde aufgenommen am Runden Tisch in meiner Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" am 5. April auf "Pi-Radio". Mit im Studio waren RA Alexandra Decker, Irene Jaxtheimer von "Taxi Deutschland" und Leszek Nadolski, Rolf Feja und Stephan Berndt von der "Berliner Taxi Innung", deren Runder Tisch Beiträge zum Thema UBER ich als nächstes an dieser Stelle veröffentlichen werde.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

05.04.2018

HEUTE RUNDER TISCH MIT TAXIBERLIN


Der ein oder andere hat es noch nicht mitbekommen: Die Zeit der Runden Tische ist wieder gekommen, wie alles im Leben wieder kommt. Das Taxigewerbe soll dereguliert werden, das sagt die neue Bundesregierung - mit den Taxifahrern wurde mal wieder nicht darüber gesprochen. Als wenn diese Nicht-Kommunikation nicht schon schlimm genug wäre, versucht man uns auch noch dumm zu machen, für mich persönlich das schlimmste. Das mit dem dumm machen funktioniert so: Du meldet beispielsweise in Lübben, das ist eine Kleinstadt im Brandenburgischen knapp 100 Kilometer vom Berliner Zentrum entfernt, einen Limousinenservice an. Deine Limousinen fahren aber nicht in Lübben, wer sollte dort mit einer Limousine fahren wollen, sondern ausschließlich in Berlin. Trotzdem hältst du dich natürlich an die für einen Limousinenservice vorgeschriebene Rückkehrpflicht an deinen Betriebssitz in Lübben nach jeder Fahrt. Dass das betriebswirtschaftlich überhaupt keinen Sinn macht, interessiert dabei keinen, sondern nur, ob ich als Berliner Taxifahrer das Gegenteil beweisen kann. Da ich etwas anderes zu tun habe, als deiner Limousine hinterherzufahren, kannst du auch weiterhin ohne Ortskenntnisse in Berlin den Taxifahrer spielen. Du selber natürlich nicht, sondern deine Fahrer, die sich als Selbständige selber krankenversichern müssen (Kosten, die ich mir mit meinem Arbeitgeber teile), und für die auch nicht der Mindestlohn gilt, weswegen sie auch kaum etwas verdienen und von der Allgemeinheit zusätzlich alimentiert werden müssen. Ich weiß, für den Fahrgast ist der Limousinenservice, der eigentlich für etwas betuchtere Menschen gedacht war, heute billiger als ein Taxi, und der Kunde, dessen Motto: "Billich? - Willich!" ist, ist natürlich König. Nur, die Folge wird sein, dass es morgen schon kaum noch reguläre, an einen festen Tarif gebundene Taxis geben wird, dafür jede Menge Limousinen, die dann auch Limousinenpreise aufrufen werden. Du Limousinenfahrer bleibst auch in Zukunft arm, nicht nur, weil du eine Mietsache bist, denn du wirst zur Limousine nur dazu gemietet, sondern vor allem, weil den Profit vom teuren Limousinenservice mal wieder andere einstreichen und mit Sicherheit nicht mit dir teilen werden, auch wenn es uns allen immer als tolle neue "Ökonomie des Teilens" verkauft wird. Deswegen ist meine heutige Sendung auch in deinem Interesse, du armer UBER-Fahrer, damit du nicht bereits morgen unter die Räder gerätst oder aus dir gar ein ÜBER-Fahrer wird. Die Sendung beginnt um 19 Uhr in der Lottumstraße 9/10 im Prenzlauer Berg, und du bist herzlich eingeladen, an unserem Runden Tisch teil zu nehmen.

Text TaxiBerlin 

04.04.2018

I AIN'T GONNA WORK FOR UBER NO MORE




"I ain't gonna work for Maggie's farm no more", hier in der Live-Version vom Newport Folk Festival, wo man Dylan fast die Kabel durchgeschnitten hätte, weil seine elektrisch verstärkte Band den alternden "Folkis" einfach zu laut war, was weitgehend bekannt ist. Relativ unbekannt dagegen ist, dass der Song "I ain't gonna work for Maggie's farm no more" heute "I ain't gonna work for Uber no more" heißt. Ich weiß, dazu müsste man vorher für Uber gefahren sein. Aber vielleicht ist das ja jemand, der morgen in "Hier spricht TaxiBerlin" darüber berichten möchte. Fest steht jedenfalls, dass die Sendung morgen, Donnerstag 5. April, um 19 Uhr beginnt, in Berlin unter 88.4, in Potsdam unter 90.7 und auch weltweit unter "Pi-Radio" als Live-Stream zu hören ist, live ist, und möglicherweise wieder jemand versuchen wird, dort die Kabel durchzuschneiden. Don't miss it!

Video YouTube
Text TaxiBerlin

02.04.2018

"WO UNRECHT ZU RECHT WIRD, WIRD WIDERSTAND ZUR PFLICHT!"


"Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!" - wer kennt ihn nicht, diesen Satz. Die wenigsten wissen, dass er so ähnlich auch in unserem Grundgesetz steht. Dazu später mehr. Ich hatte schon mehrfach darüber berichtet, dass gerade eine feindliche Übernahme des Berliner Taxigewerbes stattfindet, auch wenn es offiziell nicht feindliche Übernahme genannt wird, sondern "Deregulierung". Die "Deregulierung des Taxigewebes" ist erklärtes Ziel unserer neuen Bundesregierung, so steht es im Koalitionsvertrag, wenngleich mit anderen Worten. Das heißt, dass aus dem bereits heute prekären Job eines Taxifahrers ein Bangladesh-Job mitten in Berlin werden wird, oder wie man auch sagen kann: "Jedem sein kleines Bangladesh!"

Übernommen wird das Taxigewerbe vor allem von UBER, dem smarten Start-Up aus San Francisco, das uns auch schon mal als "Arschloch Taxi" bezeichnete, als es für UBER noch nicht so gut lief. Das hat sich jetzt geändert, die Soft-Boys aus Kalifornien haben ganze Arbeit geleistet, was bei den vielen Milliarden, die sie zusammen mit Goldman-Sachs darin investieren, die Personenbeförderung für sich zu monopolisieren, um morgen selbst die Preise bestimmen und die Gewinne abschöpfen zu können, keine wirkliche Überraschung ist, schließlich hat man lange genug Verluste in Kauf nehmen müssen.

Überraschend ist dagegen, wie wenig das Treiben der Heuschrecken aus Amerika durchschaut wird, beispielsweise von Thomas Loy vom Tagesspiegel, mit dem ich vor kurzem noch am Telefon über die Problematik sprach, bevor er am Mittwoch diesen schönen Lobby-Artikel veröffentlichte. Eine tolle Arbeit, das muss man schon sagen, und ich wünsche dem Herrn Loy von ganzem Herzen, dass sich UBER erkenntlich zeigen wird, sicher würde ich mir an seiner Stelle aber nicht sein. Möglicherweise ist es auch wirklich nur Naivität, wenn Journalisten Public Relations machen und dabei auch noch nett in die Kamera lächeln, da bin ich mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher.

("Journalism is printing what someone else does not want printed. Everything else is public relations." - George Orwell)

Immerhin habe ich einen Journalisten gefunden, für den ganz klar ist, dass UBER ohne Regulierung zerstörerisch wirkt, was er so in seinem Gastbeitrag mit dem Titel "UBERs neues Fahrdienstmodell sollte reguliert werden" vom 22.3.18 fürs Handelsblatt geschrieben hat. Sein Name ist Steven Hill, er ist Amerikaner, weilt gerade in Berlin und hat sein Kommen zu meiner nächsten Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin" am Donnerstag, 5. April um 19 Uhr verbindlich zugesagt. Verbindlich zugesagt haben auch Leszek Nadolski, Vorsitzender der Berliner Taxi-Innung, und Stephan Berndt, Mitbegründer von Taxi Deutschland und Berliner Taxiunternehmer, der vor genau einem Jahr schon einmal ein gut informierter Gast in meiner Sendung war.

Genau wie vor 28 Jahren wird es am Donnerstag einen Runden Tisch geben, an dem möglichst viele, die mit dem Thema "Deregulierung" und UBER zu tun haben, Platz nehmen können. Eingeladen habe ich u.a. Vertreter der zuständigen Genehmigungbehörden in Berlin und Königs Wusterhausen bzw. Lübben, Berliner Taxifahrer und ihre Interessenvertreter, genauso wie UBER-Fahrer und natürlich UBER selbst. Ich lasse mich überraschen, wer von ihnen alles kommt. Du kannst beim Runden Tisch dabei sein, denn er wird live auf "Pi-Radio" übertragen, in Berlin auf der 88.4, in Potsdam ist es bereits die 90.7 und auch weltweit als Live-Stream unter piradio.de sind wir zu hören.

Ich hatte eingangs unser Grundgesetz erwähnt. Dort wird unter Artikel 20 festgestellt, dass die Bundesrepublik Deutschland ein demokratischer und sozialer Bundesstaat ist. Im Falle einer feindlichen Übernahme durch UBER, wenn aus einem prekären Job ein Bangladesh-Job wird, greift, so denke ich, Artikel 20 Absatz 4 Grundgesetz, der besagt: "Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist."

Text TaxiBerlin

01.04.2018

DER OSTBEAUFTRAGTE DER BUNDESREGIERUNG


Es gibt ihn wirklich, den "Ostbeauftragten der Bundesregierung", das erfuhr ich die Tage aus dem Radio bei mir im Taxi, wo ich immer öfter ganz ungestört zum Radio hören komme, weil das Taxigeschäft gerade von der Konkurrenz aus Amerika übernommen wird. Dass die Konkurrenz aus Amerika das Taxigeschäft übernimmt, liegt daran, dass es offizielle Politik unserer neuen Bundesregierung ist. Die "Deregulierung des Taxigewerbes" steht im Koalitionsvertrag, wenn auch mit etwas anderen Worten. Doch zurück zum "Ostbeauftragten der Bundesregierung", der sich zwar nicht um den Erhalt des Taxis kümmert, dafür aber immerhin darum, was man von den Ostdeutschen offiziell zu halten hat. "Der Ostbeauftragte der Bundesregierung" ist, wenn man so will, der große "Ostdeutschen-Erklärer". Geht es nach dem "Ostbeauftragten der Bundesregierung", ist der Ostdeutsche, auch wenn die Mauer bereits vor knapp dreißig Jahren gefallen ist, seither nicht rausgekommen aus seiner ehemals größten DDR der Welt, obwohl er genau deswegen damals auf die Straße gegangen war. Darüber hinaus hat der Ostdeutsche, so der "Der Ostbeauftragten der Bundesregierung" weiter, jede Menge Angst vor Veränderungen, was daran liegt, dass er im Gegensatz zum Westdeutschen damit jede Menge Erfahrungen machen durfte und meistens waren es keine guten. Lieber "Ostbeauftragte der Bundesregierung", bitte hören sie auf, den Ostdeutschen die Welt zu erklären. Der Ostdeutsche kann selber denken, was man von manch Westdeutschen nicht unbedingt behaupten kann, und weswegen Sie besser beraten sind, sich zur Abwechslung mal um diese zu kümmern. Der Ostdeutsche ist bekanntlich klug und stellt sich dumm, beim Westdeutschen ist es anders rum. Oder mit anderen Worten: Im Westen ist alles besser, da sind sogar die Dummen dümmer.

PS: Die feindliche Übernahme des Taxigewerbes durch Uber&Co wird das Thema meiner nächsten Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" am Donnerstag 5. April um 19 Uhr auf "Pi-Radio" sein. Sie wird später noch auf dieser Seite angekündigt werden. Unbedingt dranbleiben!

Text TaxiBerlin

31.03.2018

"UND TÖTET SIE, WO IMMER IHR AUF SIE TREFFT"


"Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben, denn Verfolgung ist schlimmer als Töten." - so lautet das vollständige Zitat, das zur Tötung von Ungläubigen aufruft, und es ist nicht aus "Mein Kampf". Ich komme drauf, weil ich seit einiger Zeit immer öfter zum Lesen bei mir im Taxi komme, wenn ich nicht Radio höre, wo ich beispielsweise auch den Koran lese, aus dem obiges Zitat stammt, aber auch weil immer wieder gesagt wird, dass die Leute Anfang der Dreißiger hätten wissen müssen, worauf sie sich einließen, sie hätten nur ja Hitlers "Mein Kampf" lesen müssen. Hand auf's Herz, hast du den Koran gelesen? Dann "Urteile selbst!"

Text TaxiBerlin

30.03.2018

TAXIBERLIN ALS RELIGIONSSTIFTER




Heute darf zwar nicht getanzt werden hierzulande, und auch bestimmte Filme sollte man sich heute besser nicht ansehen, aber eine Religion am heutigen Tag zu stiften, dagegen ist, zumindest so weit mir bekannt ist, nichts einzuwenden. Ich komme auch drauf, weil mir die Geschichte mit "Ihr Ungläubigen!" nicht aus den Kopf gehen will. Wie denn auch, wo ich doch die meiste Zeit ganz alleine in meinem Taxi bin. Nur das Radio ist mir geblieben, und vielleicht liegt es auch am vielen Radio hören, wie gesagt, gepaart mit dem vielen allein sein (einsam bin ich nicht!), dass heute Gott plötzlich höchstpersönlich zu mir sprach. Er sagte mir, ich solle es wie immer machen, also alle bisherigen Religionen in meine neue Religion aufnehmen, dann könne eigentlich nichts schief gehen. Einen aktuellen Anlass, dass Gott ausgerechnet heute in Sachen eigener Religion zu mir sprach, gab es auch, den ich nicht verschweigen möchte. Am Dienstag, es war der 27. (eigentlich meine Glückszahl), gab es wieder einen Stau am Handwaschbecken von der Toilette direkt neben der Pilotenbude am Flughafen in Tegel, weil ein Kollege dort seine Füße waschen musste. Als Ungläubiger traute ich mir verständlicherweise nichts dagegen einzuwenden, ich meine, wer will schon so kleinlich sein, und auf seinem Handwaschbecken bestehen. Nun wies mich Gott aber darauf hin, dass in seinem göttlichen Plan dort nur ein Handwaschbecken und kein Fußwaschbecken vorgesehen ist, und das aus gutem Grund, nämlich um jeglichen Stau an dieser Stelle zu vermeiden. Auch deswegen die neue Religion, der auch du beitreten kannst, du musst mir dazu nur folgendes nachsprechen:

"Es gibt keinen Gott aus Taxi, TaxiBerlin ist sein Prophet, und Stadtpläne* sind meine Religion."

* Es gibt auch hier das "Alte Testament", darüber hinaus aber das "Alte Neue Testament" und das "Neue Neue Testament". Das "Alte Testament" ist der "Kauperts" von Dr. Walter Kaupert, das "Alte Neue Testament" sind "Berlins Straßennamen" von Klaus Katzur, es beinhaltet allerdings nur West-Berlin, weswegen es seit einiger Zeit das "Neue Neue Testament" gibt, das ist das "Alte Neue Testament" mit den "Apokryphen", also mit Ost-Berlin, heißt "Lexikon Berliner Straßennamen", und ist von Sylvia Lais und Hans-Jürgen Mende.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

HIER SPRICHT TAXIBERLIN ÜBER TOILETTEN




Die Höhepunkte der Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" zum Thema Toiletten, ausgestrahlt  am 8.März 2018 auf Pi-Radio, auf vielfachem Wunsch jetzt endlich zum Nachhören. Viel Spaß und Frohe Ostern!

Video YouTube
Text TaxiBerlin

29.03.2018

SENSIBILISIERUNG MIT TAXIBERLIN


In der Vergangenheit hatte ich schon öfters mal die Idee, mich und mein Taxi als Kuschel- bzw. Streichel-Taxi zu spezialisieren, weswegen ich mich auch von der uns Taxifahrern empfohlenen "Sensibilisierung" angesprochen fühle. Die Aufforderung zur "Sensibilisierung" kommt von keinem geringeren als unserem Berliner Polizeipräsidenten, der sitzt in der Kreuzberger Friesenstraße, und zwar höchstpersönlich und auch höchst aktuell. Der komplette Titel des Schreibens vom Dienstag, den 27. März, lautet: "Überfälle auf Taxifahrer - Sensibilisierung". Über einen Überfall hatte ich bereits an dieser Stelle berichtet. Nun sind wohl mindestens noch zwei weitere hinzugekommen, bei denen Taxifahrer im Bereich Kreuzberg-Neukölln von männlichen Tätern mit arabisch-türkischem Aussehen überfallen und ausgeraubt wurden. Das Anliegen unseres Polizeipräsidenten formuliert er in seinem Schreiben an die Berliner Taxi-Innung wie folgt: "Wir möchten Sie bezüglich möglicher weiterer Taten sensibilisieren." Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn richtig verstehe, aber ich interpretiere unseren Polizeipräsidenten jetzt mal so, dass die Zeit für's Kuschel- bzw. Streichel-Taxi nun gekommen ist.

Text TaxiBerlin

IM TAXI MIT CARLES PUIGDEMONT




Wladimir Iljitsch Uljanow ist (vermutlich sogar ohne Fahrschein?!?) seinerzeit in einem eigenen Eisenbahn-Waggon durch Deutschland gereist, das ist ziemlich genau einhundert Jahre her. Er wurde damals nicht verhaftet, sondern ganz im Gegenteil, man passte hierzulande gut darauf auf, dass Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt als Lenin, pünktlich zur Revolution nach Russland kam. Zugegeben, der Waggon war "verplombt", so dass er nicht vorher aussteigen konnte. Carles Puigdemont i Casamajó ist nicht Wladimir Iljitsch Uljanow, aber vielleicht war das unabhängig davon der Fehler von Carles Puigdemont i Casamajó, dass sein Wagen nicht "verplombt" war, als er durch unser Land fuhr, und man ihn deswegen verhaftet hat. Ob man auch einen Personen-Kraft-Wagen "verplomben" kann, entzieht sich meiner Kenntnis. Was ich weiß, ist, dass man beispielsweise in meinem Taxi die Zentralverriegelung von innen betätigen kann, so dass sich weder Türen noch Heckklappe von aussen öffnen lassen.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

28.03.2018

RUSSLAND WETTET AUF DAX-CRASH


Da es seit einiger Zeit ziemlich mau mit Fahrgästen aussieht, kann mein Chef den CD-Player nicht reparieren lassen, weswegen ich jetzt immer öfter Radio im Taxi höre, und das ungestört, wenn ich nicht lese, was wahrscheinlich besser wäre. Denn heute passierte es, dass die Nachrichten dort ineinander über gingen. Erst ging es nämlich um die russischen Diplomaten, die ausgewiesen wurden, oder war es doch die Fussball-WM, die jetzt nicht mehr in Russland stattfinden soll, naja, jedenfalls ging es danach gleich weiter mit dem Crash des deutschen Aktienindex, auch Dax genannt, auf den Russland wettet. Nein, Moment rasch, gerade kommt die Berichtigung, es war nicht Russland, sondern jemand aus Amerika, diesmal nicht UBER, sondern ein Hedgfond, früher auch Heuschrecke genannt. Der darf auf den Dax-Crash wetten, das ist in Ordnung, denn es ist vor allem rechtens, also kann es nicht verkehrt, sondern nur gut und auch richtig sein.

Text TaxiBerlin

HANDELN UND PUTZEN MIT TAXIBERLIN


Am Alexanderplatz / früher Mitte / heute Neue Mitte

Der Taxifahrer-Kollege aus Tel Aviv in Israel hatte seine ganz eigenen Vorstellungen, was so eine Taxifahrt vom Alex zum Flughafen Tegel kosten soll. Das hätte auf der Hinfahrt zwanzig Euro gekostet, also kostet es auf der Rückfahrt genauso viel. Im Prinzip richtig, wenn die Fahrt vom Flughafen zum Alex auch wirklich nur zwanzig Euro kosten würde. Wenn er mit mir fahren will, und das wollte er, bezahlt er, was auf der Uhr steht. Also genau umgekehrt, wie ich es neulich in Neapel erlebt hatte, wo bezahlt wurde, was der Fahrer ansagte, ohne dass er das Taxameter je eingeschalten hätte. So gesehen war es Karma, dass der Kollege aus Tel Aviv, dem auch ich eine klare Ansage bezüglich des Fahrpreises machte, auch wenn diese ganz anders war als wie die von dem Kollegen in Neapel, sich für mich entschied. (Dass ich vor vielen Jahren auch schon mal in Israel war, wo es meiner Meinung nach die schönsten Frauen gibt, erzählte ich ihm erst auf der Fahrt nach Tegel.) Der Kollege aus Tel Aviv hätte sich auch für den Kollegen und seinen Mercedes hinter mir entscheiden können. Kaum saß er bei mir im Taxi, und noch bevor ich wenden konnte, um überhaupt mal Richtung Tegel fahren zu können, fing er an das Taxi zu putzen (Foto), was durchaus angezeigt war, was aber auch darauf hinwies, dass für ihn die Verhandlung über den Fahrpreis noch nicht vollständig abgeschlossen war. In dem Fall, das Taxameter war bereits einschaltet, muss man hart bleiben, dann gibt es zum Schluss nicht nur immerhin einen guten Euro Trinkgeld bei einem Fahrpreis von knapp fünfundzwanzig, sondern mit etwas Glück auch noch einen Bonus in Form eines Apfels und einer Flasche Mineralwasser hinzu.

PS: Hätte ich mich an der Strecke orientiert, für die der Kollege in Neapel zwanzig Euro aufgerufen hat, hätte ich für die Fahrt vom Alex zum Flughafen Tegel gut und gerne das doppelte aufrufen können.

Foto&Text TaxiBerlin

25.03.2018

TAXIBERLIN UND SEINE BEFREITEN ZONEN


Eine von Zweien

Mit Zonen kennt er sich aus der Berliner, so gesehen ist es keine Überraschung, dass TaxiBerlins Taxi auch eine ganz eigene Zone ist, und zwar eine Handy-Freie-Zone. Dabei habe ich natürlich nur und ausschließlich das Wohl meiner Fahrgäste im Auge, denn die Abhängigkeit von nichtstofflichen Drogen, wozu die von Smartphone und Internet gehört, ist viel schlimmer als die von stofflichen, wie beispielsweise von Alkohol und Nikotin. In diesem Zusammenhang und aus aktuellem Anlass erlaube ich mir darauf hinzuweisen, dass die "Unwahren Geschichte aus dem wahren Leben eines Berliner Taxifahrers", also diese Seite, auf der du dich gerade befindest, ebenfalls eine ganz eigene Zone ist, und das von Anfang an, nämlich eine Facebook-Freie-Zone. Dass es dazu kam, damit hat wiederum der Kollege Nietzsche zu tun, der seinerzeit auch Taxifahrer war, was zugegeben relativ unbekannt ist. Zu Kollege Nietzsches Zeiten waren das noch Pferdedroschken, Nietzsche hatte es ja mit Pferden, das ist noch weitgehend bekannt. Kollege Nietzsche hat, das wissen schon weniger, sogar zwei Bücher übers Taxifahren geschrieben. Zum einen "Der Mensch im Verkehr" und zum anderen "Der Mensch mit sich allein", denn das "allein sein" ist neben dem "warten" eine unserer Kernkompetenzen. Gänzlich unbekannt dagegen ist, dass sich der Kollege Nietzsche auch schon zu Facebook geäußert hat, das sehr klug und wie folgt: "Was? du suchst? du möchtest dich verzehnfachen, verhundertfachen? du suchst Anhänger? - Suche Nullen! -"

Foto&Text TaxiBerlin

LEIDER VERPASST




In Berlin ist das Taxigeschäft seit einiger Zeit sehr ruhig geworden, weswegen man sich umso mehr freut, wenn es zumindest in Leipzig gerade richtig gut läuft. Es stimmt also wirklich, was man sich seit einiger Zeit erzählt, dass Leipzig im Kommen ist, genauer gesagt im Fahren, und das im Taxi. Wenn nicht Öffentlich/Rechtlich darüber berichtet hätte, man würde es sich gar nicht trauen zu glauben, geschweige denn darüber zu schreiben wagen, zum Beispiel über die Verwunderung, dass jemand, der seinen weiten Weg gefunden hat, sich dann hier plötzlich nicht mehr zu recht finden soll. Man hat den Eindruck, dass hier Menschen nicht nur von Amts wegen entmündigt, sondern darüber hinaus auch gegen andere ausgespielt werden, das ganz bewusst, und zwar nach dem Motto: "Teile und Herrsche!" Auch und gerade deswegen macht es keinen Sinn, etwas gegen Flüchtlinge zu haben, sondern ganz im Gegenteil, man sollte sich mit ihnen verständigen, um gemeinsam oder auch jeder für sich gegen die ungleiche und bösartige Behandlung auf die Barrikaden zu gehen. Leider kommt das sehr selten vor, ganz ähnlich übrigens wie in den meisten Familien, wo sich die Geschwister untereinander lieber die Augen auskratzen, ehe sie sich gegen die Eltern zusammenzutun.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

24.03.2018

TAXIÜBERFALL IN NEUKÖLLN


 Gestern in Neukölln

Heinz Buschkowsky schreibt in seinem Bestseller "Neukölln ist überall", dass in Neukölln eine andere Straßenverkehrsordnung herrscht, und als ehemaliger Bürgermeister von Neukölln wusste er, was er da schreibt. Gestern erfuhr ich nun, dass die veränderte Straßenverkehrsordnung auch vor dem Taxi nicht Halt macht und genausowenig vor dem Baumschulenweg. Doch bleiben wir bei der Sonnenallee in Neukölln, die auch "Arabische Straße" genannt wird. Als Taxifahrer, der schon einige Jahre auf den Berliner Straßen unterwegs ist, finde ich es eine positive Entwicklung, ich würde sogar so weit gehen und von gelungener Integration sprechen, wenn man dort nun auch in akzentfreiem Deutsch überfallen und ausgeraubt wird. Als erfahrener Berliner Taxifahrer empfehle ich dafür folgende Wortwahl: Dies ist ein Überfall, bitte übergeben Sie uns Ihre gesamten Einnahmen, bleiben Sie, nachdem wir ausgestiegen sind, noch fünf Minuten stehen, dann können Sie weiterfahren.


Fotos&Text TaxiBerlin

ERKLÄRUNGSDEJAVU


Was ich mir heute wieder so alles bei mir im Taxi mangels funktionierendem CD-Player, aber auch wegen nicht vorhandener Kundschaft, im Radio anhören musste, das geht auf keine Taxifahrerkuhhaut. Es wurde sehr viel geredet über eine gewisse Erklärung, viele schöne aber noch mehr unschöne Worte fielen, nur worum es dabei genau ging, das wollte man mir wieder einmal nicht verraten. Jetzt nach der Arbeit, die gar keine Arbeit war, erfahre ich, dass erwähnte Erklärung 2018 gerade mal zwei Sätze und nur 33 Wörter hat. Das scheint recht übersichtlich und auch verständlich zu sein, zumindest war es das wohl den zahlreichen Unterzeichnern, aber das reicht mal wieder hinten und vorne nicht, geschweige denn links oder rechts. Und das erinnert mich nun an folgenden einen Satz mit nur 12 Wörtern, denn es stimmt wirklich, dass nach 28 Jahren so einiges wiederkehrt: "In unserem Land ist die Kommunikation zwischen Regierung und Gesellschaft offensichtlich gestört."

Text TaxiBerlin

23.03.2018

IM TAXI MIT BASHAR AL-ASSAD




Man kann es nicht oft genug wiederholen: Bashar al-Assad ist ein Diktator und seine Regierung ein Regime. Aktuell sind Diktator Assad und seinem Regime, so scheint es zumindest, sowohl die Fahrer als auch die kugelsicheren Limousinen ausgegangen, weswegen Diktator Assad sich selbst ans Steuer eines Kleinwagens der Marke Honda setzen muss, um durch das von seinem Regime heherrschte Land zu fahren. Diktator Assad fährt aber nicht einfach nur so durch das von seinem Regime beherrschte Land, sondern Diktator Assad findet darüber hinaus auch noch die Zeit über das von seinem Regime beherrschte Land in die Kamera zu sprechen. Diktator Assad, soweit es sich nicht um einen Doppelgänger handelt, hat offenbar keine Angst, dass man ihn so ganz ohne Fahrer und kugelsicherer Limousine erkennt und den Garaus macht, wie manch anderem Diktator und dessen Regime in seiner Region. Man mag von Diktator Assad und seinem Regime halten, was man will, aber Mut scheint der Mann zu haben, auch wenn es vermutlich nur der Mut eines Todgeweihten ist.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

22.03.2018

TAXIBERLIN ALS PHALLOKRAT


Potsdamer Platz, früher Mitte, heute Neue Mitte

Dass ich in letzter Zeit viel zum Lesen komme im Taxi, liegt auf den ersten Blick an einem Chef, der zu geizig ist, den CD-Player im Taxi zu erneuern, was wiederum, sieht man etwas genauer hin, daran liegt, dass UBER gerade dabei ist, das Taxigeschäft in Berlin zu übernehmen. Und da ich nicht ständig Radio hören kann, wer es schon einmal versucht hat, weiß wovon ich rede, lese ich ein Buch nach dem anderen in meinem Taxi. Eine Krise ist immer auch eine Chance - das stimmt wirklich. In einem der letzten Bücher, die ich bei mir im Taxi gelesen habe, und das in der Zukunft spielt, steht ein Italiener, genauer gesagt ein Arzt mit italienischen Wurzeln im Mittelpunkt, der dort, also in der Zukunft, als Phallokrat beschimpft wird. Abgesehen davon, dass das Wort Phallokrat nicht besonders gut klingt, wird nicht so recht klar, warum der liebenswürdige Arzt, übrigens ein Amerikaner, wenngleich wie gesagt mit italienischen Wurzeln, als solcher beschimpft wird. Dazu muss man wissen, dass in dem utopischen Roman von dem Franzosen Robert Merle, der wohl bald umgeschrieben werden wird, die Frauen die Macht übernommen haben. Aber obwohl die Frauen die Macht übernommen haben, kann sich der amerikanische Arzt mit italienischen Wurzeln vor Frauen kaum retten. Ganz im Gegenteil, alle wollen sie mit ihm schlafen. Und so ist es kein Wunder, dass ich persönlich der Machtübernahme durch die Frau relativ gelassen gegenüberstehe, auch wenn diese, wenn ich den Aufkleber (Foto) am Potsdamer Platz richtig deute, wohl noch einige Zeit auf sich warten lassen wird. Zum Einen, weil der Hoden paarig angelegt ist, es also richtigerweise "die Hoden" heißen muss, was aber keinen Sinn macht, weil der Mann, der offensichtlich gemeint ist, Singular ist, und weswegen er auch nie "die Titten" zu einer Frau sagen würde. Zum Anderen, weil Pussy das primäre weibliche Geschlechtsorgan der Frau ist, Hoden und Titten sind sekundäre, weswegen der Mann richtigerweise mit Phallus oder wegen mir noch Herr Phallus angesprochen werden muss. Phallokrat ist heute ein Schimpfwort und wird es wohl auch morgen bleiben.

Foto&Text TaxiBerlin

21.03.2018

DIE ISLAM ANTIFA CONNECTION


Der Islam bestimmt, welche Kunst nicht gut für mich ist, wie neulich in Karlsruhe geschehen, und die Antifa welche Bücher ich nicht lesen soll, wie gerade in Leipzig wiederholt passiert. Insofern scheint es nicht nur eine solche Verbindung zu geben, sondern es gibt sie ganz reell. Es gibt aber auch Unterschiede. Der Islam kann religiöse Todesurteile aussprechen, beispielsweise über Autoren, das kann die Antifa nicht, was vor allem daran liegt, dass die keine Religion im klassischen Sinne ist. Der größte Unterschied ist aber, dass die Antifa, wie auch die gesamte Linke im Westen, sich im Niedergang befindet, während der Islam gerade in der Gegenrichtung unterwegs ist, und man sich sozusagen auf halbem Wege begegnet. So wird jetzt beispielsweise selbst von Öffentlich/Rechtlich immer häufiger betont, dass die Scharia, die für genannte Todesurteile gegen Autoren und Karikaturisten verantwortlich ist, mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Wer irgendwann einmal aufstehen wollte, um das Grundgesetz zu verteidigen, kann also getrost liegen bleiben. Den Wecker zu stellen, lohnt sich trotzdem für ihn, denn zweimal im Jahr darf er mit einem Megaphon bewaffnet zur Buch-Messe fahren, um dort sein allseits beklatschtes Kasperle-Theater aufzuführen.

Von wem war jetzt gleich noch mal: "Es ist klar, dass jeder, der einen Menschen, seinen Bruder, wegen dessen abweichender Meinung verfolgt (von töten ist nicht die Rede!), eine erbärmliche Kreatur ist."?
Text TaxiBerlin