04.09.2017

ALLEIN ABER NICHT EINSAM


Gulag-Gründer Sergeij mit Ehe-Frau

„Mein kleiner Gulag“ am Rande unseres schönen Kontinents, den ich von seinem Gründer Sergeij (Foto), einem extrem cleveren Bürschchen (ich komme in meinem nächsten Beitrag auf ihn zurück), übernommen habe, von dem ich jetzt der Manager bin (heute sagt man CEO oder so dazu), ist eher ein offener Vollzug, bei dem jeder kommen und gehen kann, wie er will. Hauptsache er geht mir nicht auf die Nerven dabei, was schneller passiert, als man gemeinhin denkt, und was daran liegt, dass die meisten Menschen mit sich alleine in der Natur nichts anzufangen wissen. Es stimmt nämlich wirklich, dass es in „meinem kleinen Gulag“ weder Internetempfang noch Mobilfunknetz gibt und damit kommen die wenigsten klar, weswegen sie bald die Maske der Wohlanständigkeit fallen lassen und ihr wahres Gesicht zeigen, wie man so schön sagt. Du glaubst mir nicht? Dann probier’ es selber aus! Schalte dein Handy ab und auch den Computer und schau mal, wie lange du das aushältst ohne schlechte Laune zu bekommen. Und dann stell dir noch vor, du wärst draußen in der Natur, ganz alleine mit dir. Kein Telefon (also auch keine Anrufe!), kein Fernsehen und auch keine Spielkonsole. Nur du und die Natur. Ob du es glaubst oder nicht: Heute ist das für die meisten Menschen der definitive Alptraum.

Unsere Zeit, das ist nicht nur meine Beobachtung, sondern leider auch die Wahrheit,  zeichnet sich vor allem durch eine extreme Langeweile aus, in der die Menschen, wie sollte es anders sein, nicht nur immer langweiliger werden, sondern mit sich auch immer weniger anzufangen wissen, weswegen auch die Süchte zunehmen, wobei die größte Sucht wohl die nach Ablenkung ist, weil das schlimmste, was einem Menschen des Westens passieren kann, ist, dass er seine innere Leere spürt. Das kann ihn regelrecht wahnsinnig machen. Ich habe das zum Glück nur einmal in meinem Taxi bei einem Fahrgast erlebt, als das Radio mal für einen Moment schwieg, wobei man dazu sagen muss, dass diejenigen, die überhaupt noch etwas fühlen, schon einen Schritt weiter sind als die viel zu vielen, die völlig abgestumpft sind.

Über solche Sachen und auch andere Themen, wie beispielsweise den Unterschied zwischen „allein sein“ und „einsam sein“, spreche ich mit dem Hallenser Psychotherapeuten, Psychoanalytiker und Autor Hans-Joachim Maaz, der mir vor einiger Zeit auch schon mal in Berlin im Taxi saß, in der vor meiner Auszeit vorproduzierten Sendung „Hier spricht TaxiBerlin # 16“. Hans-Joachim Maaz erklärt in dem Interview auch, warum Langeweile ein ernstes Symptom ist; warum Außenseiter zwar einerseits das Salz in der Suppe sind, aber andererseits auch gerne verteufelt werden; warum der, der andere in einer Demokratie als „Pack“ bezeichnet, kein wirklicher Demokrat sein kann und, last but not least, warum er, Maaz, unserer narzisstischen Gesellschaft eine krankhafte Normopathie bescheinigt – ein Begriff, der wahrscheinlich auf Hannah Arendt zurückgeht. Du kannst dabei sein, und zwar bereits diesen Donnerstag, den 7. September, ab 19 Uhr auf dem legendären Pi-Radio, in Berlin auf 88.4 MHz, in Potsdam auf 90.7 MHz und auch weltweit  im Internet unter www.piradio.de. Dort musst du irgendwo links „Radio hören“ oder „Stream hören“ anklicken – ich bin mir gerade nicht sicher, wie es genau heißt. Du wirst es schon irgendwie finden, bist doch auch ein cleveres Bürschchen ...

Foto&Text TaxiBerlin

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