29.09.2017

ZUSAMMEN SCHEISSEN UND PISSEN IN BERLIN


Hier ist es möglich

Der Toilettengang ist ein wichtiges Thema für Taxifahrer, denn die wenigsten Taxen haben eine Toilette an Bord. Dementsprechend sind wir immer auf der Suche nach Toiletten und werden auch nach vielen Jahren auf der Straße immer noch fündig. Gestern zum Beispiel fand ich obige Toilette, wo der Begriff "zusammenscheissen", allerdings auseinander geschrieben, also "zusammen scheissen", eine ganz neue Bedeutung bekommt. Gut, genau genommen ist es so, dass nur einer scheissen, der andere aber im selben Moment immerhin pissen kann. Ich habe es zusammen mit einem Kollegen ausprobiert. Es geht wirklich! Um ganz genau zu sein, war es so, dass der Kollege gerade beim Scheissen war, während ich rein kam und am ihm vorbei musste, um zum Pissbecken zu gelangen. Auch das geht. Die Toilette ist übrigens kostenneutral, und das sowohl fürs Scheissen als auch fürs Pissen. Man spart also nichts, wenn man zusammen reingeht. Das nur als Information an alle Spargroschen, von denen es auch unter Taxifahrern den ein oder anderen geben soll. Wo du die Toilette findest, in der du zwar nicht "zusammen scheissen", aber immerhin "zusammen scheissen und pissen" kannst, wird noch nicht verraten, denn ich plane eine eigene Tour mit dem Titel "Zusammen Scheissen und Pissen in Berlin", wo ich genau diese Information bald für sehr sehr viel Geld an den Mann und auch an die Frau bringen werde.

Foto&Text TaxiBerlin

28.09.2017

MEIN ZWEITES LUXUSPROBLEM


So sieht es aus!

Mein zweites Luxusproblem, wer sich das Bild ansieht, der weiß bescheid, ist die Werbung auf meinem Taxi. Keine Ahnung, ob Kölsch überhaupt Bier ist. Ich habe schon ewig weder Bier noch Kölsch getrunken. Aber Werbung für ein Kölner Getränk (noch dazu in ganz kleinen Gläsern, XS sozusagen) in Berlin - das geht gar nicht! Was auch nicht geht, ist, dass ich ständig beim Stammhaus in der Dorotheenstraße vorbeifahren muss, um an meine Kohle zu kommen. Eigentlich wollten mich die Kölner mit Naturalien abspeisen, aber ich bin ja nicht dumm. Die blöde Werbung ist auf jeden Fall ein Grund mehr, mich immer öfter in die erwähnte dunkle Ecke zurückzuziehen, wo uns keiner sieht, um endlich auch mal in Ruhe ein Buch zu lesen.

Foto&Text TaxiBerlin

27.09.2017

MEIN LUXUSPROBLEM


Bücher - So sehen sie aus!

Heute nun die sechste Schicht nach sechs Monaten Auszeit und ich muss sagen, das gute Geschäft der ersten Schicht, ich hatte an dieser Stelle darüber berichtet, hält bis heute an. Trotzdem bin ich nicht zufrieden und kann es nicht sein, denn ich habe in den vergangenen sechs Tagen kein einziges Buch gelesen, zumindest nicht im Taxi, was sehr ungewöhnlich ist, denn normalerweise lese ich mindestens eins pro Schicht. Ich meine, was nützt mir das ganze Geld, wenn ich es nicht in Bücher anlegen kann, einfach weil ich nicht mehr zum Lesen komme?!? Wenn das so weiter geht, werde ich mich wohl bald mit meinem Taxi in eine dunkle Ecke unserer Stadt stellen (davon gibt es zum Glück noch genug!), das gelbe Taxischild über mir auf dem Dach ausschalten und einfach mal ein Buch lesen. Ich schreibe dass auch, damit mir keiner von euch an meine schöne Scheibe klopft, weil er irgendwas wissen will. Wenn du was nicht weißt, dann schau in ein Buch. Es steht nicht alles im Internet. Dort findest du nur so blöde Geschichten beispielsweise von Taxifahrern mit Luxusproblem ...

Foto&Text TaxiBerlin

26.09.2017

TAXIBERLIN ALS FAHRGAST


Bloß keine Hektik!

Gestern war es mal wieder so weit, das Jahr war rum, da saß ich selbst als Fahrgast im Taxi. Mein Fahrer war ein älterer Kollege und richtiger Berliner, der schon über 30 Jahre Taxi fährt und seit knapp 60 Jahren Berufskraftfahrer ist. Neulich feierte er seinen 55. Hochzeitstag, aber das nur nebenbei. Mein Fahrer war nicht nur "älter", sondern man kann schon sagen "alt", und dementsprechend "weise". Was er gar nicht kennt, und so auch nicht in seinem Taxi, ist Hektik. Dass andere Fehler machen im Verkehr, darauf ist er gefasst, und somit kein Grund sich aufzuregen. Ganz im Gegenteil: Er freut sich immer, wenn die anderen auch fahren können. Taxi fährt er maximal sechs Stunden am Tag und das sechs Tage die Woche. Obwohl, oder vielleicht gerade weil er die Einladung Gast in meiner Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" nicht annehmen wollte, das war für ihn schon viel zu viel Hektik, verabschiedete er sich von mir nach der Fahrt mit den Worten: "Es war mir ein Fest!" - Und so auch mir.

Text TaxiBerlin

24.09.2017

TXL FOREVER


Heute am Flughafen Tegel (TXL)

Keine Ahnung, ob vor dem AMEN gebetet wurde. Auf jeden Fall hat es geholfen. Vorausgesetzt, man nimmt den Volksentscheid ernst ...

Foto&Text TaxiBerlin

"DIEJENIGEN, DIE ENTSCHEIDEN, SIND NICHT GEWÄHLT, UND DIEJENIGEN, DIE GEWÄHLT WERDEN, HABEN NICHTS ZU ENTSCHEIDEN."


Die Kreuze machen andere

Als wenn es nicht schlimm genug wäre, dass wir die Regierung bekommen, nein, heute haben wir auch noch die dazugehörige Wahl, die wir verdienen, so langweilig wie unsere Zeit. Es ist wie früher mit unseren Fußballern: Zum Schluss gewinnt immer Mutti! Da kannst du dein Kreuz machen, wo du willst, am Ende machen andere das Kreuz für dich. Genauso wie auf der Straße (siehe Foto!). Von Schöneberg kommend ist nur die Fahrt nach rechts Richtung Kreuzberg frei. Doch zurück zur Politik und ganz im Ernst: Wer braucht eigentlich noch eine SPD? Oder die Grünen? Von Schwarzen und Gelben ganz zu schweigen. Wirklich spannend ist nur, wie viele Stimmen die AfD bekommt. Alles andere ist uninteressant. Und überhaupt: "Wenn Wahlen etwas ändern würden, dann wären sie verboten." Soll von Kurt Tucholsky sein. Das Titelzitat ist garantiert von Horst Seehofer.

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23.09.2017

DER JACKPOT


 So sieht er aus!

Nachdem meine erste Schicht schon so gut lief, war es keine Überraschung, dass gestern bereits der Jackpot auf mich wartete. Genau genommen wartete ich auf ihn, und zwar in der Knaackstraße im Prenzlauer Berg. Da ich nicht klingeln durfte, bat ich meine Zentrale, die den Jackpot für mich gezogen hatte, doch mal bei ihm anzurufen, damit ich ihn auch nicht verpasse. Dann passierte das, was leider viel zu oft passiert, der Jackpot stornierte, die Angaben waren mal wieder ohne Gewähr. Wahrscheinlich war er einfach die einhundert (100) Meter um die Ecke in die Kollwitzstraße gelaufen.

Angaben ohne Gewähr!

Fotos&Text TaxiBerlin

22.09.2017

MEINE ERSTE SCHICHT


Ob's noch stimmt?

Gestern nun meine erste Schicht nach über einem halben Jahr, in dem ich "aus dem Verkehr gezogen" war, wie man so schön sagt. Das ganze übrigens (mehr oder weniger) auf eigenem Wunsch. Das gute gleich am Anfang: Taxifahren verlernt man nicht. Berlin ist auch immer noch Berlin, irgendwie, und so auch die Fährgäste. Was sich verändert hat, ist das Geschäft. Mein Chef hatte mich bereits "vorgewarnt". Und er hatte Recht. Es läuft wirklich besser, zumindest bei mir. Woran das liegt, kann ich nur vermuten. Mein Chef ist sich sicher, dass es am Fiskaltaxameter liegt, das jetzt endlich bei allen Berliner Taxen eingebaut sein sollte, mit der Betonung auf SOLLTE. Jedenfalls sind die Betrugsmöglichkeiten nun recht eingeschränkt, was, so mein Chef, einige Kollegen, wohl eher "Kollegen", zur Aufgabe zwang. Flaschen werden sie deswegen aber nicht sammeln gehen, denn auch das birgt ein gewisses Potential mit der Justiz in Berührung zu kommen, zumindest in Bayern, wie dieser aktuelle Fall beweist.

Foto&Text TaxiBerlin

21.09.2017

DIE FRÜCHTE DES GENDER MAINSTREAMING


Keine Kunst für Bücklinge

Es ist nicht alles schlecht bei Spiegel, Süddeutsche und Co. Bei meiner Rückfahrt vom Balkan nach Berlin fiel mir beispielsweise die österreichische Ausgabe der Zeit (5,20 anstelle von 4,80 €!) ins Auge, wo bereits auf der ersten Seite Neo Rauch zu Wort kam, und zwar so: "Heute dominiert der Typus des gendersensiblen Bücklings, der sich nicht ins Leben hineinwagt, weil dort zu viele Gefahren lauern." Ist wie gesagt nicht von mir, hätte aber von mir sein können. Und wenn die Zeit mich gefragt hätte, hätte sie vermutlich viel Geld gespart.

Foto&Text TaxiBerlin

20.09.2017

DER ARME SASCHA HAT NICHTS ANZUZIEHEN


Dass ich immer mal wieder über den Kollegen, besser „Kollegen“, Sascha aus Marzahn, aber eigentlich aus Stuttgart, schreibe, liegt nicht daran, dass ich ihn nicht leiden kann. Vielmehr sorge ich mich um ihn, der am liebsten über Klein- und Kleinstbeträge schreibt, seiner wohl größten Leidenschaft. Kaum zurück in Berlin muss ich feststellen, dass der arme Sascha immer noch keine Schuhe hat. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er sich neulich noch einen Anzug in der Friedrichstraße für fünfhundert (in Zahlen: 500) Euro Maßschneidern ließ. Das ganze übrigens wegen einer Hochzeit in Bayern, zu der er eingeladen war, also nicht seine eigene, denn selber Hochzeit machen, das kann der arme Sascha sich nicht noch mal leisten. Genauso wie eigenes Schuhwerk, weswegen es bis heute auf seinem Wunschzettel, böse Zungen nennen es auch Bettelliste, steht und deswegen auch dieser Aufruf: Liebe Leute, kauft dem armen Sascha endlich Schuhe! Sie kosten auch nur 64,25 und keine 500 (fünfhundert) Euro wie der Anzug, damit er nicht weiter barfuß durch Berlin laufen muss!

Text TaxiBerlin

19.09.2017

NEULICH AM NEUSIEDLER SEE


Die vorletzte Nacht verbrachte ich zwar nicht in meinem Taxi, aber immerhin mit einem Automobil am Neusiedler See, wobei mit Nacht nicht die ganze Nacht sondern nur ein kurzer Moment gemeint ist.

Das ganze kam so: Nachdem ich "meinen kleinen Gulag" am Rande unseres schönen Kontinents für dieses Jahr dicht gemacht hatte, begab ich mich am Sonntagmorgen auf den Weg nach Berlin. Als Autor von "Autofiktion" entschied ich mich, wie bereits auf der Hinfahrt, wegen dem "Autoput" für Serbien und gegen Rumänien.

Dass ich damit auch einem schweren Unwetter dort aus dem Weg gehen würde, das mindestens acht Tote gefordert hat, konnte ich nicht ahnen. Im Gegenzug musste ich dafür Grenzkontrollen von und nach Serbien in Kauf nehmen, die zusammen mehr als zwei Stunden in Anspruch nahmen. Aber ich will mich nicht beklagen, und überhaupt gehört das Warten zum Kerngeschäft im Taxi. Ich hatte jedenfalls genug Zeit zum Nachdenken, und aus unerfindlichen Gründen musste ich an den Kollegen Nietzsche denken, der sich seinerzeit darüber beklagte, dass ein Jedermann lesen lernen darf.

Glücklicherweise sind wir da heute einen Schritt weiter, denn heute wissen wir, dass, wer lesen kann, nicht automatisch auch liest. Und so, oder so ähnlich, verhält es sich wohl auch mit dem Reisen. Will sagen: Nicht ein Jedermann weiß etwas zu erzählen, nur weil er reist. Andererseits gibt es heute immer noch jede Menge Leute, die nicht reisen dürfen, oder denen es zumindest sehr schwer gemacht wird, die aber jede Menge übers Reisen erzählen könnten.

Ich weiß über meine Rückreise nichts wirklich wichtiges zu berichten, ausser vielleicht, dass sowohl in Österreich als auch in Deutschland die Toiletten auf den Autobahnen gebührenpflichtig sind, was ich grundsätzlich für menschenverachtend halte, wobei es aber auch Unterschiede gibt. In Österreich zum Beispiel kostet die Toilette nur fünfzig Cent, wofür man sogar eine Gutschein über den denselben Betrag für das Buffet bekommt. In Deutschland kostet dieselbe Toilette schon siebzig Cent und man bekommt trotzdem nur einen Gutschein über fünfzig Cent fürs Buffet, was eine Riesensauerei ist.

Das war wohl auch ein Grund, genau kann ich das nicht mehr sagen, warum ich mich wie gehabt an den Neusiedler See begab, der sich in Österreich direkt hinter der ungarischen Grenze befindet, auch um mich etwas ausruhen. Das war diesmal nicht so einfach, denn es dauerte nicht lange, da tauchten Zivilbullen (zumindest behauptete sie, dass sie welche wären) auf, um zu erfahren, was ich an ihrem schönen See machen würde. Irgendwie schien ich die Frage nicht richtig beantwortet zu haben, denn ich durfte nicht nur, sondern musste sogar sogleich weiterreisen. Aber was soll ich dir erzählen: Zum Glück hatte ich da bereits in ihren schönen See gepi...

Text TaxiBerlin

15.09.2017

NOCHMAL NATIONALE KRAFTANSTRENGUNG


dem Neusprech!

Vor ziemlich genau zwei Jahren hatte ich über die "Nationale Kraftanstrengung" geschrieben, Flüchtlinge Willkommen zu heißen, wobei der Begriff nicht von mir ist. Keine Ahnung, wer ihn sich ausgedacht hat, was aber auch egal ist. Fest steht jedenfalls, dass der Begriff dieses Jahr eine Wiedergeburt erlebte, wenngleich unter ganz anderen Vorzeichen. Diesmal geht es um eine "Nationale Kraftanstrengung" bei Abschiebungen. So ändern sich die Zeiten.

PS: Die ganze Geschichte erinnert an Ex-Kanzler Schröder, der, nachdem er den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit eingestellt hatte, den gegen die Arbeitslosen begann. Die späte Merkel wiederum erinnert an Honecker, der auch immer nur gewählt werden wollte, ohne zu sagen, wohin die Reise denn gehen soll. Der Unterschied ist, dass es damals noch nicht den Begriff "Systemrelevant" gab. Hätte es ihn seinerzeit gegeben - Honecker hätte niemals abtreten dürfen!

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13.09.2017

GULAG MIT AUSSICHTEN


Ab heute geschlossen

MEIN KLEINER GULAG, auch bekannt als TREASURE ISLAND, ist komplett umgegraben und schließt heute seine Pforten. Die gute Nachricht, wegen mir auch Aussicht, ist, dass er nächstes Jahr wieder aufmacht, damit weiter nach dem erwähnten Schatz gesucht werden kann. Gutscheine für MEINEN KLEINEN GULAG für die nächste Saison können ab kommenden Donnerstag direkt bei mir im Taxi oder auch telefonisch in meiner Sendung HIER SPRICHT TAXIBERLIN erworben werden. Ich erwähne dass auch, weil Weihnachten mal wieder vor der Tür steht und dieses Jahre ausgefallene Geschenke für die Liebsten der neueste Trend sind. HIER SPRICHT TAXIBERLIN gibt es bereits am 5. Oktober ab 19 Uhr das nächste Mal auf Pi-Radio zu hören, was in Berlin die 88.4 ist, in Potsdam die 90.7 und weltweit als Live-Stream im Internet. Meine letzte Sendung wurde sogar in Tunesien gehört, zumindest meldete sich von dort der deutsche Autor ILIJA TROJANOW mit bulgarischen Wurzeln mit den Worten GUTES PROGRAMM, WEITER SO! Genau das mache ich, ich fahre nicht nur weiter Taxi, sondern mache eine neue Sendung, in der ich auch wieder etwas für die Frauenquote tun werde. Das Thema wird noch nicht verraten. Das erfährst du rechtzeitig hier auf dieser Seite. STAY TUNED, nicht nur in MEINEM KLEINEN GULAG, der auf Englisch TREASURE ISLAND heißt, sondern auch auf AUTOFIKTION!

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11.09.2017

AUCH ICH EIN CLEVERES BÜRSCHCHEN


Verkaufstresen des Bürgermeisters

Einmal in der Woche verlasse ich „meinem kleinen Gulag“ und gehe ins Internet. Dazu muss ich runter von meinem Berg und in die knapp zwei Kilometer entfernte Kneipe vom Bürgermeister. Es gibt noch eine andere Kneipe (wo ich noch nie war), die „Beim Bürgermeister“ heißt, obwohl der Betreiber gar nicht Bürgermeister ist und es wohl auch nicht werden wird, denn „Beim Bürgermeister“ gibt es kein Internet. Die Kneipe vom richtigen Bürgermeister heißt einfach nur Kneipe, sein Inhaber nennt sich Emil, wird aber von allen nur „Emu“ oder auch (von seinem jüngeren Fan-Publikum) „Onkel Emu“ gerufen, was wörtlich gemeint ist. In der Kneipe vom Bürgermeister „Emu“ oder auch „Onkel Emu“ gibt es nicht nur Internet, sondern auch allerhand zu kaufen, wie der Verkaufstresen beweist. Neben Toilettenpapier sind Küchentücher, Waschmittel, Parfum, aber auch Alleskleber und Deckel für Einweckgläser im Angebot. Bürgermeister „Emu“, der auf dem Foto rechts unten an der Seite von „Boiko“ (rechts im Bild), den alle nur „Bruder Boiko“ nennen und der den größten Gulag hierzulande betreibt, zu sehen ist, ist nicht nur ein cleveres Bürschchen wie Gulag Gründer Sergeij einer war, den ich in meinem letzten Beitrag erwähnte, sondern auch einer, der sich, wie man sieht, um seine Leute kümmert, wie man das von einem guten Bürgermeister erwarten kann. Bevor ich wie angekündigt auf Gulag Gründer Sergeij zurückkomme, noch ein Wort zu „Bruder Boiko“, der wie gesagt den größten Gulag sein Eigen nennt, und der immer auch mal in „meinem kleinen Gulag“ vorbeischauen wollte, es aber immer nur bis zu „Onkel Emu geschafft hat, vermutlich um von ihm zu lernen, wie man sich gut um seine Leute kümmert. Dem Gründer von „meinem kleinen Gulag“, der gar nicht so klein ist, aber weit davon entfernt ist der größte zu sein, wird nachgesagt, dass auch er sich gut um seine Leute gekümmert hat, weswegen Sergeij bis heute als ziemlich cleveres Bürschchen gilt. Bis heute hält sich auch das Gerücht, dass in „meinem kleinen Gulag“, von dem er der Gründer ist, ein riesiger Schatz vergraben sei. Du wirst lachen, aber mittlerweile glaube selbst ich daran, obwohl ich nie auch nur irgendetwas von dem Schatz gefunden habe, aber immerhin nach ihm suchen lasse. Das ist auch der Grund, warum ich mich in „meinem kleinen Gulag“ vor Besuchern kaum retten kann und weswegen er auch bereits nahezu komplett umgegraben ist. Gut, auch von meinen Besuchern wurde bisher nichts von dem riesigen Schatz gefunden, aber um den geht es ja auch gar nicht, zumindest mir nicht. Mir geht es ausschließlich darum, übrigens genauso wie bei mir im Taxi, mich gut um meine Leute zu kümmern. In „meinem kleinen Gulag“ muss auch nur der Transfer bezahlt werden, Kost und Logi sind frei, ebenso der Ausblick und die frische Luft. Und, jetzt kommt das wichtigste: Wer den Schatz findet, darf ihn selbstverständlich behalten! Du solltest mal sehen, wie fleißig da manch einer plötzlich wird ...

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04.09.2017

ALLEIN ABER NICHT EINSAM


Gulag-Gründer Sergeij mit Ehe-Frau

„Mein kleiner Gulag“ am Rande unseres schönen Kontinents, den ich von seinem Gründer Sergeij (Foto), einem extrem cleveren Bürschchen (ich komme in meinem nächsten Beitrag auf ihn zurück), übernommen habe, von dem ich jetzt der Manager bin (heute sagt man CEO oder so dazu), ist eher ein offener Vollzug, bei dem jeder kommen und gehen kann, wie er will. Hauptsache er geht mir nicht auf die Nerven dabei, was schneller passiert, als man gemeinhin denkt, und was daran liegt, dass die meisten Menschen mit sich alleine in der Natur nichts anzufangen wissen. Es stimmt nämlich wirklich, dass es in „meinem kleinen Gulag“ weder Internetempfang noch Mobilfunknetz gibt und damit kommen die wenigsten klar, weswegen sie bald die Maske der Wohlanständigkeit fallen lassen und ihr wahres Gesicht zeigen, wie man so schön sagt. Du glaubst mir nicht? Dann probier’ es selber aus! Schalte dein Handy ab und auch den Computer und schau mal, wie lange du das aushältst ohne schlechte Laune zu bekommen. Und dann stell dir noch vor, du wärst draußen in der Natur, ganz alleine mit dir. Kein Telefon (also auch keine Anrufe!), kein Fernsehen und auch keine Spielkonsole. Nur du und die Natur. Ob du es glaubst oder nicht: Heute ist das für die meisten Menschen der definitive Alptraum.

Unsere Zeit, das ist nicht nur meine Beobachtung, sondern leider auch die Wahrheit,  zeichnet sich vor allem durch eine extreme Langeweile aus, in der die Menschen, wie sollte es anders sein, nicht nur immer langweiliger werden, sondern mit sich auch immer weniger anzufangen wissen, weswegen auch die Süchte zunehmen, wobei die größte Sucht wohl die nach Ablenkung ist, weil das schlimmste, was einem Menschen des Westens passieren kann, ist, dass er seine innere Leere spürt. Das kann ihn regelrecht wahnsinnig machen. Ich habe das zum Glück nur einmal in meinem Taxi bei einem Fahrgast erlebt, als das Radio mal für einen Moment schwieg, wobei man dazu sagen muss, dass diejenigen, die überhaupt noch etwas fühlen, schon einen Schritt weiter sind als die viel zu vielen, die völlig abgestumpft sind.

Über solche Sachen und auch andere Themen, wie beispielsweise den Unterschied zwischen „allein sein“ und „einsam sein“, spreche ich mit dem Hallenser Psychotherapeuten, Psychoanalytiker und Autor Hans-Joachim Maaz, der mir vor einiger Zeit auch schon mal in Berlin im Taxi saß, in der vor meiner Auszeit vorproduzierten Sendung „Hier spricht TaxiBerlin # 16“. Hans-Joachim Maaz erklärt in dem Interview auch, warum Langeweile ein ernstes Symptom ist; warum Außenseiter zwar einerseits das Salz in der Suppe sind, aber andererseits auch gerne verteufelt werden; warum der, der andere in einer Demokratie als „Pack“ bezeichnet, kein wirklicher Demokrat sein kann und, last but not least, warum er, Maaz, unserer narzisstischen Gesellschaft eine krankhafte Normopathie bescheinigt – ein Begriff, der wahrscheinlich auf Hannah Arendt zurückgeht. Du kannst dabei sein, und zwar bereits diesen Donnerstag, den 7. September, ab 19 Uhr auf dem legendären Pi-Radio, in Berlin auf 88.4 MHz, in Potsdam auf 90.7 MHz und auch weltweit  im Internet unter www.piradio.de. Dort musst du irgendwo links „Radio hören“ oder „Stream hören“ anklicken – ich bin mir gerade nicht sicher, wie es genau heißt. Du wirst es schon irgendwie finden, bist doch auch ein cleveres Bürschchen ...

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