31.05.2017

TAXIBERLIN ALS HERAUSGEBER


"Bai Ganju, unsere Liebe", Herzlich - Norbert Randow

Noch in diesem Jahr erscheint das zweite Buch vielleicht nicht des bedeutendsten, dafür hat er, der mit nur 34 Jahren einem Attentat zum Opfer fiel, nicht lange genug gelebt, aber mit Sicherheit des bekanntesten bulgarischen Autoren des 19. Jahrhunderts Aleko Konstantinow beim Wieser-Verlag im österreichischen Klagenfurt. Nachdem im letzten Jahr die erste deutsche Übersetzung seines Erstlingswerkes "Nach Chicago und zurück" das Licht der Welt erblickte, kommt nun sein wichtigstes Werk "Bai Ganju, der Rosenölhändler", das in viele verschiedene Sprachen und vier Mal alleine ins Deutsche übertragen wurde, erneut heraus, und zwar in, da sind sich die Fachleute ausnahmsweise einmal einig, der besten Übersetzung von Norbert Randow, zusammen mit Hartmut Herboth und Georg Adam. Das schmale Reclambändchen, das einmal eine Mark fünfzig der DDR gekostet hat und seit einiger Zeit nur noch antiquarisch für teuer Geld erhältlich ist, kann ab September für 11,95 Euro käuflich erworben werden. So ist es zumindest geplant.

Warum sollst du nun dieses Buch lesen, fragst du dich nicht ganz zu unrecht. Und vor allem: Was hat es mit Taxifahren zu tun? Letzteres ist leicht beantwortet: Der Autor Aleko Konstantinow wurde, wenn man so will, in einem Taxi erschossen, das seinerzeit noch eine Pferdekutsche war. Die Kutsche, in der unser Autor saß, war eine offene Kutsche, denn es war Ende Mai, wenn es in Bulgarien schon angenehm warm ist. Ob es an der offenen Kutsche lag oder daran, dass sein Mörder einfach ein guter Schütze war, lässt sich nach so vielen Jahren, das Attentat fand 1897 statt, nicht mehr herausfinden. Sicher ist, dass das durchschossene Herz des Dichters in seinem Geburtshaus, das heute ein Aleko-Konstantinow-Museum ist, im Ort Swischtow an der Donau in einem Glas mit konservierender Flüssigkeit zu bestaunen ist. Einer bekannten bulgarischen Karikatur zur Folge, hat "Bai Ganju", also die von Aleko Konstantinow geschaffene literarische Figur, seinen Autor auf dem Gewissen.

Natürlich kann auch in Bulgarien keine literarische Figur seinen Autor erschießen. Die Frage ist auch eher, ob "Bai Ganju" einen Grund gehabt hätte, dies zu tun. "Der mobile Rosenölhändler", wie er wegen seines Gewerbes auch genannt wird, ist sicherlich kein Sympathieträger, das kann man nun wirklich nicht sagen. Trotzdem liefert er genug Gründe, herzhaft über ihn zu lachen, beispielsweise wenn er sich in Prag bei Jirecek einzuquartieren versucht, nur weil der einmal Minister in Bulgarien gewesen ist. Bisher gab es zwei Erklärungsmuster, was es mit der Person "Bai Ganju" auf sich hat. Die einen sagen, dass er ein "bulgarischer Archetyp" ist. Andere wiederum sehen in ihm den bösen Kapitalisten. An beiden Sichtweisen ist sicherlich etwas dran, aber das entscheidende fehlt mal wieder. Ich meine damit den Umstand, dass in jedem von uns ein kleiner "Bai Ganju" steckt. Also jemand, der sich gerne von anderen einladen, sich gerne beschenken lässt oder auch einfach nur Komplimenten hinterher-rennt, -fährt oder auch -schreibt. Wenn du so willst, ist die Neuherausgabe von "Bai Ganju, der Rosenölhändler" eine Einladung an alle, den "Gemeinen Grabbler" in sich zu entdecken und zu feiern.

PS: Die Gefahr heute ist, nachdem sowohl der Autor als auch sein Mörder nicht mehr leben, dass ein Leser, der sich selbst, oder besser: seiner eigenen Natur, beim Lesen zu Nahe gekommen ist, den Herausgeber, also mich, um die Ecke bringen will. Dieses Risiko ist nicht neu für mich und ich gehe es gerne ein, und zwar deswegen, weil auch bei mir im Taxi jeder alles sagen darf, sogar die Wahrheit.

Foto&Text TaxiBerlin

30.05.2017

DAS QUIZ BEI "HIER SPRICHT TAXIBERLIN"


Wer meine Sendung am Freitag verpasst hat, der hat wirklich was verpasst. Ich war noch mal nach Tegel zum Flughafen gefahren, aber bis sie mir endlich einstiegen, war die Zeit knapp geworden, so dass ich sie nicht zum Hotel fahren konnte, sondern kurzerhand mit ins Studio nahm. Die Rede ist von Don und Ray aus Long Beach in Kalifornien, die meine ersten Fahrgäste im Studio überhaupt waren. Das hieß auch, dass ich die ganze Zeit über englisch und deutsch sprechen musste, obwohl ich eigentlich nur letzteres so halbwegs beherrsche. Um irgendwie die Zeit zu überbrücken, hatte ich ein kleines Musik-Quiz vorbereitet, bei dem es eine Berliner Kurzstrecke zu gewinnen gab. Das Quiz wurde nicht gelöst, weder von meinen Gästen im Studio, noch von meinen zahlreichen Zuhörern, was vermutlich daran lag, dass es zu schwer war. Vielleicht ist die kleine Melodie von Haydn aber auch bereits verboten, wer weiß das schon so genau. Die erste Strophe soll es wohl sein, wenn ich es richtig verstehe, aber ich hatte sowieso nur Instrumentalversionen dabei. Das Hotel von Don und Ray, also das eigentliche Fahrziel, befand sich übrigens in der Castingallee, wie die Kastanienallee auch genannt wird. Das ganze im Prenzlauer Berg - versteht sich. Da mussten sie dann aber hinlaufen, denn auch sie hatten das Quiz ja nicht gelöst.

Text TaxiBerlin

26.05.2017

HEUTE 21 UHR: HIER SPRICHT TAXIBERLIN # 12


TaxiBerlin in Tegel (TXL)

Es ist schon die 12. Sendung, wer hätte das gedacht, die da heute um 21 Uhr auf "Pi"-Radio startet. Das "Pi" steht übrigens für Pirat, weil der Sender irgendwann einmal ein Piratensender war, und nicht für "politisch inkorrekt", obwohl das sicherlich auch mal interessant wäre. Beispielsweise heute, wo ich, das muss aber unter uns bleiben, geplant habe, Fahrgäste ins Studio zu entführen. Wahrscheinlich vom Flughafen Tegel (TXL) aus, an dem ich Freitags immer stehe, und wahrscheinlich werden es Ausländer sein, weil Berliner selbst kaum noch Taxi fahren. Ich werde denen einfach sagen, dass sie den Auftritt in meiner Show gewonnen hätten und dafür die Fahrt nicht bezahlen bräuchten, dann werden die meisten weich. Bestimmt sind sie im Urlaub und haben demzufolge Zeit. Was soll auch immer diese Unruhe und Hast. Das führt doch zu nichts. Eine Stunde für Radio hat jeder, auch du! Stell einfach um 21 Uhr 88.4 ein, wenn du in Berlin bist, 90.7 für Potsdam oder klick hier für den Internet-Live-Stream.

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25.05.2017

"DEPRESSION IS THE GERMAN WAY" - THUS SPOKE TAXIBERLIN



"Verzweiflung ist der Englische Weg" von 5:39 bis 5:53

Klar bin ich inspiriert von Pink Floyds "Desperation Is The Englisch Way" von ihrem unvergessenen Album "The Dark Side Of The Moon". Und doch hat die deutsche Depression noch einmal eine ganz eigene Komponente, die mit der Suche/Sucht nach Kontrolle und Ordnung einhergeht. Insbesondere letzteres, also die Ordnung, die sich auch gerne in Rechthaberei ausdrückt, hat es dem Deutschen angetan. Da er aber seine eigene Ordnung nicht kontrollieren kann (wer kann das schon?), wird er nur allzuoft depressiv. Also sprach TaxiBerlin

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24.05.2017

"GERINGVERDIENER SCHLIESSEN ZUR MITTE AUF"


"Geringverdiener schließen zur Mitte auf" - so lautet der Titel eines Online-Artikels eines Magazins, das sich irgendwann einmal (viele Jahre ist es her) durch eine gewissen Anspruch an die Qualität ihrer Journalistischen Tätigkeit auszeichnete. Während ich mich (jeder hat eine zweite Chance verdient) noch ernsthaft frage, von welcher Mitte wohl die Rede ist (Berlin Mitte ist mit Sicherheit nicht gemeint), zu der die vielen in prekären Arbeitsverhältnissen aufschließen sollen (wahrscheinlich zu sich selbst), fällt mir (gerade noch rechtzeitig) der zweite des Teil Satzes ins Auge: "- aber die Spitze zieht davon." - Bei 8,50 € die Stunde keine Überraschung. Der Satz richtig lautet: Mittelschicht immer prekärer nach unten gezogen, weswegen es sie schon gar nicht mehr gibt, sondern nur noch Oben und Unten.

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UBER NOCHMAL


Der Vollständigkeit halber soll gesagt sein, dass in Berlin mehr Taxen mit Werbung für UBER durch die Gegend fahren, als, so wie gestern, mit Slogans gegen den Feind aller ehrlichen Taxifahrer. Das ist leider die Wahrheit. Wahr ist auch, das sagen mir die vielen Jahre, die ich auf der Straße zugebracht habe, dass insbesondere die, die gestern noch über UBER abgelästert haben und heute ganz stumm bleiben, morgen schon ein Hohelied auf den neuen Brotgeber singen werden, denn, das ist auch wahr: "Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing." Auch der Preis dafür ist bereits bekannt: "2-Tage-im-Taxi-sitzen."

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23.05.2017

BERLINER TAXI DEMO HEUTE


Ausnahmsweise - trotz "Facebook-Freier-Zone"

Knapp 100 Berliner Taxen erreichten hupend, wie es sich für ein richtiges Auto-Korso gehört, die P-Schein-Stelle, auch LABO genannt, in der Putkamer Straße in Kreuzberg, und das sogar noch pünktlich wie geplant um 14 Uhr. Der Grund war keine türkische Hochzeit, auch wenn viele türkische Kollegen mit von der Partie waren, sondern der Feind aller ehrlichen Taxifahrer, gegen den sich offensichtlich sogar schon eine Facebook-Fangruppe gebildet hat. Das lässt zumindest obiger Slogan vermuten, den ich, obwohl meine Seite normalerweise "Facebook-Freie-Zone" ist, einfach mal veröffentliche. Dazu muss man wissen, dass die ursprüngliche Kampagne "Gib Aids keine Chance", auf die "Gib Uber keine Chance" zurückgeht, ziemlich genau 30 alt ist und erst letztes Jahr in "Liebesleben. Es ist deins. Schütze es." umbenannt wurde. Mal sehen, was aus "Gib Uber keine Chance" und natürlich auch aus Uber&Co in 30 Jahren geworden ist.

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WENN DER FEIND BEKANNT IST ...


hat der Tag Struktur

Wenn der Feind bekannt wäre (und das ist er im Taxigewerbe), dann hätte der Tag Struktur, sagte neulich ein kluger Kopf, der den Satz von einem anderen klugen Kopf übernommen hatte, was ihn deswegen nicht falsch macht - ganz im Gegenteil. Der Feind des ehrlichen Taxifahrers, er ist seit langem bekannt bekannt, ist UBER aus dem sonnigen Kalifornien, genau genommen aus San Francisco. UBER ist deswegen der Feind, zumindest im Moment noch (das kann morgen schon wieder ganz anders sein), weil er, und damit liegt er wiederum voll im Trend, aus einem prekären Arbeitsverhältnis, und genau das ist Taxifahren, ein noch prekäreres machen möchte. Das ganze natürlich nur wegen der total geilen und vor allem ganz neuen Idee der "shared economy" (wann erfindet eigentlich mal jemand "shared money"?), die, also die "shared economy", allerdings nur einen noch reicher macht, und das ist UBER. Zugegeben, der Fahrgast spart auch den ein oder anderen Cent, und deswegen wird sich der Feind aus Amerika auch über kurz oder lang durchsetzen, denn es geht bekanntlich immer nur um den Konsumenten, der, wie wir alle wissen, König ist, und nicht UBER, wie man vermuten könnte. Gegen UBER ist nur die heutige Taxi-Demo. Sie beginnt Punkt zwölf Uhr, der Amerikaner sagt auch "high noon", am Saatwinkler Damm, was in der Nähe vom Flughafen Tegel ist, und endet um vierzehn Uhr in der Putkamer Straße in Kreuzberg vor der P-Schein-Stelle. Wer, so wie ich, um zwölf kein Taxi hat, um an dem Auto-Korso gegen UBER teilzunehmen, weil der Kollege Tagfahrer noch seinem prekären Arbeitsverhältnis nachgeht, um seine Familie zu ernähren, der kann trotzdem um Zwei in die Putkamer kommen, beispielsweise, ebenfalls so wie ich, mit dem Fahrrad. Denn noch gibt es einen gemeinsamen Feind, Gott sei Dank, der dem Tag Struktur gibt, was bereits morgen schon, ich erwähnte das, ganz anders sein kann.

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22.05.2017

DU HAST ES SELBST IN DER HAND


So oder nicht?

Berlin ist nicht nur reich an Baustellen, sondern auch an den obligatorisch dazugehörigen Toiletten. Keine Baustelle ohne Dixi-Klo, wie die Dinger hier heißen. Das lernt man auf der Straße, dazu muss man keine Bauverordnung studieren. Man muss auch nicht studiert haben, um zu wissen, dass obiges Dixi-Klo-Logo mit dem wirklichen Leben nichts zu tun hat. Oder hat schon mal jemand irgendwo einen Mann mit auch nur annähernd ähnlich gekreuzten Beinen rumstehen sehen? Wie bitte sehr soll das gehen, ohne dass sich der Mann dabei seine primären Geschlechtsmerkmale, für dessen optimale Funktionalität TaxiBerlin (das sei an dieser Stelle noch einmal erwähnt) den Hodenhalter entwickelt hat, zerquetscht. Meine Erfahrung nach vielen Jahren auf der Straße sagt mir, dass wenn überhaupt, nur Frauen mit gekreuzten Beinen irgendwo rumstehen, meist aus Unsicherheit, manchmal wohl auch zum Schutz. Schützen muss die Frau sich nicht wie ein Fussballer, der in der Mauer steht, wie uns ebenfalls obiges Logo suggeriert, und zwar einfach deswegen, weil wo nichts ist, auch nichts geschützt werden kann. Das ganze gilt natürlich nur, wenn wir von anatomischen Fakten reden und nicht von sozialen Konstrukten, aber das hat ja jeder selber in in der Hand ...

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21.05.2017

WAS ICH AUCH MAL GERNE MACHEN WÜRDE


Was ich auch gerne mal machen würde, ist, bevor ich aus meinem Auto aussteige, einen Schlägertrupp vorschicken, der alle, die etwas gegen mich haben, gleich mal zusammenschlägt. Das Problem ist, dass ich keinen kenne, der etwas gegen mich hat. Obwohl, wenn ich's mir recht überlege, gibt es wohl den ein oder anderen, der nicht gut auf mich zu sprechen ist, aber der wagt sich nicht aus der Deckung, was die eigentliche Sauerei ist. Um genau zu sein, bräuchte ich also eher jemanden, der alle die, die etwas gegen mich haben, erst aus ihrer Deckung prügelt und dann noch zusammenschlägt. Am Besten einen wie den hier, der auch vor Frauen nicht zurückschreckt. Früher nannte man solche Leute "Jubel-Perser". Heute sind es eher "Prügel-Türken", wobei die Nationalität keine Rolle spielt. Also, lange Rede - kurzer Sinn, wer Lust auf den Job hat, meldet sich einfach bei mir.

Text TaxiBerlin

GESTERN UM HALB ZEHN AM WISMARPLATZ


Heute um halb Zehn

Der Wismarplatz ist eine Taxihalte im Friedrichshain, was mein Wohnzimmer ist, wo ich ab und zu mal stehe. Daneben ist eine Bar, ich glaube sie heißt "Sheriff Teddy" oder so, wo die Leute gestern draußen saßen. Gegen halb Zehn Uhr abends tauchte dann das Ordnungsamt auf am Wismarplatz, zwei Frauen und ein Mann. Dazu muss man wissen, dass es hier in meinem Kiez seit einiger Zeit Parkraumbewirtschaftung gibt. Deswegen die drei vom Ordnungsamt, so dachte ich. Plötzlich ging ein Blitzlicht. Das Ordnungsamt fotografierte etwas, aber es war kein falsch geparktes Auto, sondern der Bürgersteig, und zwar der vorm "Sheriff Teddy". Danach, es war wie gesagt um halb Zehn Uhr abends, wurde das amtliche Bandmaß herausgeholt und abgemessen. Also die Leute, um genau zu sein die Fläche, auf der sie saßen, und die Ergebnisse notiert. Der Kollege hinter mir war ausgestiegen, stand an meinem Fenster und meinte, dass der, der schreibt, bekanntlich bleibt. Zum Schluss wurde noch einmal mit Blitz fotografiert, und zwar den äußeren Tisch, der hatte sich wohl zur Hälfte schon zum daneben liegenden "Gold Hotel" bewegt. Und dann ging es auch schon weiter, also mit mir und meinem Taxi. Ich bekam Fahrgäste. Das Pausenprogramm hatte es aber in sich gehabt, um halb Zehn Uhr abends am Wismarplatz.

Text TaxiBerlin

19.05.2017

QUALLE AUS MARZAHN NOCHMAL


Man sieht sich immer zweimal, und so war es auch mit Qualle aus Marzahn. Brachte er seinerzeit "nur" fünf Zentner auf die Waage, so sind es jetzt bereits zehn, was ich ihm vor gut einem Jahr auch schon vorhergesagt hatte. Diesmal war Qualle auf dem Weg zum Schneider, der wohnt zwar nur um die Ecke, aber wie sollte er das schaffen? Ich schlug "rollen" vor, wovon Qualle aus Marzahn natürlich nichts wissen wollte. Wozu er denn diesen Anzug brauchen würde, erlaubte ich mir nachzufragen, auch um die Fahrt irgendwie abbiegen zu können, denn leider haben wir als öffentliches Verkehrsmittel nicht nur den Bildungsauftrag, sondern auch die Beförderungspflicht. Bei dieser Frage kam Qualle ins Schwitzen. Genau genommen schwitzte er aber bereits, als er aus seinem Block kam. Im Taxi saß er mir noch nicht. Es ist auch nicht klar, ob er dort überhaupt reingepasst hätte. Denn Qualle entschied sich kurzerhand dann doch gegen die Idee mit dem Anzug. Wahrscheinlich auch, weil ich wissen wollte, was der denn kosten solle für jemanden, der zehn Zentner auf die Waage bringt. Dazu muss man wissen, dass Qualle nicht nur verdammt dick, sondern auch unglaublich geizig ist. Und das war mein Glück, also der Geiz von Qualle aus Marzahn, dass dieses dicke Ei, also die Fahrt um die Ecke, an mir vorüberging. Als beförderungspflichtiger Taxifahrer mit Bildungsauftrag schlage ich eine Diät und mehr Bewegung vor, bevor sich Qualle aus Marzahn endgültig ein Zirkuszelt schneidern lässt.

Text TaxiBerlin

BERLIN BRAUCHT KEINE START-UPS


Bald auch den "Konsum-Bauarbeiter"?

Um was genau es bei dem Start-Up geht, wo er neuerdings arbeitet, konnte mir mein Fahrgast nicht sagen, aber auf jeden Fall gäbe es einen Kicker, an dem er die meiste Zeit verbringt, was mich auf die Frage brachte, ob es sich bei den vielen Straßenbaustellen in unserer Stadt, auf denen es einfach nicht vorangehen will, möglicherweise ähnlich verhält. Da der junge Mann, kaum hatten wir das Fahrziel erreicht, es sehr eilig hatte zu seinem neuen Kicker-Arbeitsplatz zu kommen, wir hatten auf unserer Fahrt dahin auch viel Zeit mit der Umfahrung diverser Straßenbaustellen verloren, möchte ich das, was ich ihm mit auf den Weg geben wollte, auf diesem Wege nachholen: Berlin braucht keine Start-Ups - Berlin braucht Bauarbeiter!

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17.05.2017

BERLINER TAXI DEMO AM 23. MAI UM 12 UHR


Aushang / "Pilotenbude" / Flughafen Tegel (TXL)

Ob es jetzt wirklich "unsere letzte Chance" ist, wie in dem Aufruf geschrieben - wer weiß das schon so genau. Auf jeden Fall ist es eine Chance etwas gegen den letzten Versuch von Uber&Co, ich hatte an dieser Stelle darüber geschrieben, den Verdienst des ehrlichen Taxifahrers noch weiter nach unten zu schrauben, zu unternehmen. Langfristig, daran dürfte kein Zweifel bestehen, werden sich die Milliardenschweren Herren aus San Francisco wohl auch in Europa durchsetzen. "Nur" ein weiteres Mosaiksteinchen der allgemeinen Pauperisierung (auf Deutsch: Verarmung), bei der letztendlich jeder selbst sehen soll, wo er bleibt - auch "Teile und Herrsche" genannt - will er nicht auf der Strecke bleiben oder auf der Straße enden.

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16.05.2017

DRÜCKEN VERBOTEN


Jetzt auch im Taxi

Das dumme Gequatsche vieler Fahrgäste ist schon schlimm, und eigentlich könnte man vermuten, dass es schlimmer nicht werden könnte. Es gibt auch nicht viele Dinge, die schlimmer sind. Genau genommen bleibt nur der Körperkontakt, wobei mir persönlich der zu Frauen meist leichter fällt. Ich kann da aber nur für mich sprechen. Und vielleicht fühlen sich Frauen aufgrund der roten Farbe gerade angesprochen. Wobei man auch da vorsichtig sein muss heutzutage, wo mehr oder weniger alles ein soziales Konstrukt ist. Jedenfalls sorge ich mich ein klein wenig wegen dem Rot. Macht Rot nicht aggressiv? Vielleicht probiere ich das Schild erst einmal nachts aus.

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15.05.2017

A NEW KING IS BORN


Money is King

Gestern nach dem Kirchgang habe ich mich mal wieder unters Volk gemischt, wobei Volk nicht das richtige Wort ist. Es waren ganz genau Touristen, und zwar in der Castingallee, wo ich auf obiges Graffito stieß. Gut, dass Geld die Welt regiert, ist nun nichts wirklich Neues. Es soll aber immer noch Leute geben, die ernsthaft daran glauben, wobei glauben hier wiederum das richtige Wort ist, dass auch nur irgendjemand wegen dem Grundgesetz früh aufstehen würde.

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12.05.2017

IM TAXI MIT DEM AVOCADOBAUM


Vor der Fahrt

Seit einiger Zeit nehme ich, wann immer es geht, meinen kleinen Avocadobaum mit ins Taxi. Das ist wichtig bei Zimmerpflanzen, die ja sonst nie rauskommen, dass man ihnen auch mal etwas von der Welt zeigt, auch damit sie nicht wie manch Tier im Zoo enden. Nun habe ich erfahren, dass Avocado eine ganz gefährlich Pflanze sein soll, allerdings nicht der Baum, sondern die Frucht, die es bei meinem Avocadobäumchen zum Glück noch nicht gibt (sonst wäre ich in Gefahr), der immerhin aus dem Kern der Frucht von mir eigenhändig gezogen worden ist. Die Gefahr beim Avocado, das sei rasch noch erklärt, bevor ich gleich wieder zusammen mit meinem kleinen Avocadobaum ins Taxi steige (es ist ja Avocado-Show-Wetter), geht aber genau genommen nicht, wie man uns einzureden versucht, von der Frucht, sondern vom Menschen aus. Umso mehr müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht durch Avocados selbst ausrotten. Auch deswegen, wenn du so willst als Warnung, fahre ich ab sofort immer öfter mein selbst gezogenes Avocadobäumchen durch die Gegend.

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11.05.2017

ÜBERS HAND UND KÜSSCHEN GEBEN, KOFFER TRAGEN UND TÜR AUFHALTEN


Wenn küssen, dann richtig!

Das Erste, was mir im Westen auffiel, war, dass man sich nicht die Hand gibt. Warum man nun ausgerechnet dort, wo man sich bisher nicht mal die Hand gab, darauf besteht, dies zu tun, und darüber hinaus auch noch Küsschen auf die Wange einfordert, will mir nicht einleuchten. Das können meiner Meinung nach nur virtuelle, sprich Luftküsse sein, auf die ich gerne verzichte. Ich selbst gebe heute nicht jedem die Hand. Das ist ja auch eine Frage der Ehre. Frauen gebe ich eigentlich immer die Hand. Warum auch nicht. Manchmal trage ich sogar ihren Koffer oder halten ihnen die Tür auf, wobei ich mir nicht sicher bin, ob man das denn noch darf. Ich mach's einfach.

Text TaxiBerlin

10.05.2017

DIE RÄUMUNGSBOX VOM FLUGHAFEN TEGEL


So sieht sie aus

Die Räumungsbox gibt es wirklich, und zwar am Flughafen Tegel. Neulich, also vor zehn Tagen, da musste Tegel geräumt werden, und da war ich natürlich neugierig zu erfahren, was in der grünen, versiegelten Räumungsbox wohl drin wäre, die direkt von außen an den Security-Schalter am Gate E angeschraubt ist. Aber genau das konnten mir die Security-Mitarbeiter, die dahinter ihren wichtigen Dienst versahen, nicht sagen. Sie wissen nicht, was für eine grüne Box das ist, die von außen an ihren Schalter angeschraubt ist, geschweige denn, dass sie wüssten, was sich darin befindet, in so einer Räumungsbox, schließlich arbeiten sie nur hier, also hinterm Schalter.

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09.05.2017

"AHOI, HERR KAPITÄN!"


"Kapitän TaxiBerlin"

Als Taxifahrer mit "Chef" angesprochen zu werden, ist sozusagen der Klassiker, und eigentlich gibt es zum "Chef" auch keine wirkliche Alternative (sieht man mal von der einfallslosen Anrede "Herr Taxifahrer" ab), weil man ja wirklich der "Chef" im Taxi ist (oder auch "vont Janze", wie wir in Berlin sagen). Dass ich neulich mit "Ahoi, Herr Kapitän!" angesprochen wurde, war dann aber doch eine kleine Überraschung. Dazu kam es, weil ich (wohl auch wegen dem April-Wetter im Mai) meine alte Marine-Jacke noch einmal auftrug. Ja, genau die mit den Goldenen Knöpfen, und die müssen wohl einen tiefen Eindruck hinterlassen haben, was aber auch kein Wunder ist. Die Jacke ist nicht der Rede wert, aber die Knöpfe sind wirklich aus purem Gold, wie sich das für einen richtigen "Kapitän" gehört.

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08.05.2017

DAS SCHÖNE AN FACEBOOK


Vergiss Facebook

Das Schöne an Facebook, dass ich das einmal schreibe würde, hätte ich auch nicht gedacht, ist, dass man jetzt schön sehen kann, was für ein großer Quatsch Facebook ist, weil es seit einiger Zeit bestenfalls stagniert, im Normalfall sogar rückläufig ist. Irgendwann ist eben auch einfach die maximale Anzahl der Idioten erreicht, die dich gut finden. Auch hier gibt es offensichtlich eine Obergrenze, so weit dieses Wort noch verwendet werden darf. Was man noch kann, das ist zitieren, weswegen ich an dieser Stelle noch einmal den Kollegen Nietzsche zu Wort kommen lassen möchte, der seinerzeit bereits das Phänomen Facebook kannte, obwohl es Facebook noch gar nicht gab: "Was? du suchst? du möchtest dich verzehnfachen, verhundertfachen? du suchst Anhänger? - Suche Nullen! -

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07.05.2017

DU HAST DIE WAHL


Am Kühlregal

Wer lange nicht geflogen ist, weiß möglicherweise noch gar nicht, dass man keine vollen oder auch nur halb vollen Flaschen mit durch die Sicherheitskontrolle nehmen darf. Leere dafür schon. Dann hat man nur noch das Problem mit dem Auffüllen. An anderen Flughäfen gibt es dafür Wasserspender, oft sogar mit einem speziellen Hahn für Wasserflaschen. Nicht so in Berlin. Hier muss man auf die Toilette, will man etwas Wasser trinken. Wer schon einmal auf einer hiesigen Toilette war, macht da vielleicht noch sein kleines oder auch sein großes Geschäft, aber Wasser trinkt er dort mit Sicherheit nicht. Demjenigen bleibt nur noch übrig Wasser zu kaufen - die Flasche für drei Euro. Zum Glück gibt es hierzulande die Marktwirtschaft, die soziale, und die lebt bekanntlich von der freien Konkurrenz. Seit Neuestem muss man noch siebzig Cent drauflegen, um nicht nur einen Softdrink anstelle von Wasser zu bekommen, sondern sogar noch einen Riegel obendrauf. Du hast also die Wahl! Aber Vorsicht: Manchmal gibt es auch am Kühlregal "Hackerangriffe".

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06.05.2017

TAXIBERLIN - DER FAHRENDE WIDERSPRUCH


Beförderung ohne Internet

Habe ich gestern noch das Internet als Quelle der Information empfohlen, muss ich meine Empfehlung heute bereits einschränken. Bei mir im Taxi gibt es kein Internet. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. In meinem Taxi gibt es auch kein Mobilfunk. Alles zu seiner Zeit, das ist nur konsequent. Es ist auch nicht so, wie viele denken, dass ich das ganze Gequassel via Smartphone&Co bei mir im Taxi erdulden muss, nur weil ich Dienstleister bin. Das ist kein Quatsch, was ich schreibe, so ticken die meisten Fahrgäste heute. Aber das ist mir Scheißegal. Ich bin an erster Stelle Mensch!

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05.05.2017

MIT TAXIBERLIN NACH DRESDEN UND BAUTZEN



Vortrag in Bautzen

Wer würde schon freiwillig nach Dresden oder Bautzen fahren? Das ist doch im Osten, wo sowieso alle rechts sind! Selbständig denkende Menschen gibt es dort mit Sicherheit nicht. Zum Glück muss man heute nirgendwo mehr hinfahren, um seine Vorurteile zu pflegen, sondern nur den Fernseher einschalten. Einige wenige ärgern sich darüber. Ich sage immer: Ärgere dich nicht, schalt einfach ab. Scheiß auf die Zwangsabgabe! Mach dir dein eigenes Programm. Dann hast du die Chance, beispielsweise den Syrienkrieg zu verstehen, in dem seit Neuestem auch wir verwickelt ist. Unsere Flugzeuge betreiben dort eine Luftaufklärung und versorgen mit ihren Bildern auch Islamisten, vor denen auch die Flüchtlinge aus Syrien geflohen sind. Das sagt zumindest der Schweizer Historiker Daniele Ganser in seinem Vortrag in Bautzen. Es lohnt sich wirklich diese zwei Stunden ans Bein zu binden, du musst auch nicht nach Bautzen oder Dresden fahren.

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DIE LETZTE ABHOLUNG


Eben im Kiez

Heute morgen war es so weit. Der Nachbar war in letzter Zeit aber auch wirklich dick geworden. Was der Grund dafür war, dass der Nachbar so an Kilo zugelegt hat, lässt sich nicht genau sagen. Der nicht enden wollende Winter mit seinem ewig bedeckten Himmel mag eine Rolle spielen. Aber auch der Umstand, dass sich niemand mehr für ihn interessierte. Dabei hatte er so viele Freunde, wenn auch nur im Internet. Gründe gibt es am Ende immer genug (bei manch einem ist es auch einfach nur die schlimme Kindheit), sich gehen zu lassen und alles und jedes in sich reinzustopfen. Zum Schluss soll er sich schon selbst Briefe geschrieben haben, damit er überhaupt mal Post bekam. Das sagt zumindest die Postfrau, und die muss es wissen, denn sie hat seine Briefe am Vortag immer bei ihm abgeholt (einen Brief soll sie sogar selbst geschrieben haben, einen Liebesbrief - das musst du dir mal vorstellen! Aber Menschen machen sowas ...), um sie ihm bereits am nächsten Tag frankiert und abgestempelt in seine Wohnung zu bringen. Damit ist es jetzt vorbei. Gerade kam der Helikopter, ihn zu holen, der nicht mehr durch die Tür passte. Die Kinder fanden's toll, also den Helikopter, der extra zur Bergung eingeflogen war. Die Postfrau fand's Schade. Bestimmt hat sie immer was extra bekommen. Des einen Freud ist wirklich des anderen Leid.

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04.05.2017

SCHREIBEN ALS SUCHT


Graffito / Kindertagesstätte / Liebigstraße
früher Friedrichshain / jetzt Friedrichshain-Kreuzberg

Das ist jetzt aber wirklich das letzte, was ich noch schreibe. Wer kennt es nicht, diese typischen Symptome eines Abhängigen. Die letzte Zigarette. Das letzte Glas Bier. Der letzte Joint. Die letzte Linie. Wobei die letzte immer mindestens schon eine zuviel ist. Und genauso ist es auch beim Schreiben. Man denkt, das muss man aber jetzt noch unbedingt sagen, und dabei hätte man sich eigentlich schon das vorletzte sparen können. Beim Schreiben fällt das nicht so auf, weil heute jeder im Prinzip nur noch Dünnsinn von sich gibt, Liked und dieser ganze Quatsch. Viel Oberfläche, aber nichts dahinter. Einen wahren Freund erkennt man in der Not und nicht am Like. Du wirst noch an meine Worte denken, wurde uns als Kinder immer gesagt. Und sie sollten Recht behalten, die das damals gesagt haben. "Opi", die lebende Taxilegende aus der Schreinerstraße im Friedrichshain fasste diese Oberflächlichkeit neulich als mein Gast in "Hier spricht TaxiBerlin" mit nur einem Wort zusammen: SEELENLOS.

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03.05.2017

"4 BLOCKS" - VERSUCH EINER KRITIK


Toni Hamady alias Kida Ramadan möchte eingebürgert werden, so die offizielle Geschichte in dem am 8. Mai anlaufenden Neuköllner Sozialdrama "4 Blocks", damit er endlich aus seinem kleinen spießigen Leben in Neukölln ein offiziell spießiges wahrscheinlich in Zehlendorf machen kann. Das ganze geht mich deswegen etwas an, weil meine Familie zur Hälfte aus Neukölln kommt, und es zugleich auch ein echtes Problem ist, genau genommen ein Versäumnis, und das meine ich ernst. Denn ein Einwanderungsgesetz, das diesen Namen verdient, kennt man hierzulande nicht. Deswegen muss Toni alias Kida auch Drogen verticken, das ist klar. Dabei spricht er sehr gut deutsch, ist darüber hinaus noch intelligent, das muss man sich mal vorstellen. Das hätte alles so auch in einer Finnischen und sogar auch in einer Neuseeländischen Großfamilie passieren können, sagt zumindest Toni Hamady alias Kida Ramadan. Keine Ahnung, ob er das ernst meint. Im Gespräch fragt er weiter: "Wie geht man mit Menschen um?" Ich finde das eine gute Frage. Wie geht er mit Menschen um, denen er seinen Stoff verkauft? Die Jungs auf den Neuköllner Straßen sind jedenfalls stolz auf ihn, sagt er. Worauf jetzt genau? Auf seine neue Wohnung in Zehlendorf? Oder "nur" auf sein nächstes Drogenopfer in Neukölln?

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NATURAL FEELING BERLIN


Berliner Stillleben

Da verlasse ich einmal am Tag meine "Berliner-Boheme-Bude", über die ich noch gesondert berichten werde, und dann das: Eine leere Kondompackung "Naturel Feeling" neben einer Kapsel mit irgendwas. Mit den "Naturel Feelings" wird es da wohl nicht weit her gewesen sein, denke ich so bei mir, da fällt mir ein: Was weiß ich denn?!? Vielleicht sollte ich sogleich von meiner "Berliner-Bohemen-Bude" erzählen. Ich fange einfach mal damit an, dass ich neuerdings immer pünktlich um sechs Uhr geweckt werde: also für mich kurz nach dem Schlafen gehen. Die Bauen natürlich keine Straße direkt vor meiner Bude, ist was anderes. Da sind diverse Maschinen im Einsatz, die alle zwischen sechs und sieben ausprobiert werden müssen. Danach ist erstmal Ruhe - ungefähr bis Mittag. Diese Ruhe habe ich genutzt, um mir die Baustelle mal genauer anzusehen. Was genau gebaut wird (wie gesagt, eine Straße ist es nicht), konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Spricht ja keiner mehr Deutsch auf solchen Baustellen, was aber nicht damit zusammenhängt, dass kein Deutscher mehr auf dem Bau arbeiten möchte. Das halte ich für ein Gerücht. Es hängt wohl mehr mit der Bezahlung zusammen. Aber ich komme vom Thema ab. Mangels Gespräch sah ich mich ein wenig um, und was fand ich da? Genau! Obiges Stillleben. Das hab ich dann gleich mitgenommen in meine "Berliner-Boheme-Bude", über die ich wie gesagt auch noch schreiben werden, aber jetzt erstmal übers Stillleben, wenn schon nicht über das Bauvorhaben vor meiner Tür. Was es mit der Kapsel auf sich hat, kann ich nicht sagen. Vielleicht probiere ich sie einfach mal aus. Ihr werdet ja sehen, ob und wann ihr noch einmal von mir hört. Geschrieben in "Berliner-Boheme-Bude" am Geburtstag des Buddhas'.

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02.05.2017

NEULICH IN NEAPEL


Sanierungsbedarf ohne Ende

Neulich war ich in Neapel. Gut, das ist jetzt auch schon wieder ein paar Tage her, aber bevor es vollends in Vergessenheit gerät, wollte ich noch kurz darüber berichten. Warum Neapel, wird sich der ein oder andere fragen. Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht mehr. Ich glaube es war wegen der Pizza, die soll nämlich aus Neapel kommen. Am Ende haben wir aber meisten Fisch gegessen, Neapel liegt ja bekanntlich am Wasser. Touristen gibt es auch in Neapel, das muss ich leider zugeben. Die meisten sprachen allerdings italienisch und nicht englisch, wie bei uns in Berlin. Etwas anderes ist auch anders in Neapel: Obwohl es dort mindestens genausoviel zu sanieren gibt wie in Berlin, wird dort rein gar nichts saniert. Es geht also auch ohne. Und noch eine Sache war anders in Neapel: Die Taxen haben zwar ein Taxameter, aber niemand fährt nach Taxameter. Das war auch der Grund, warum ich mich gleich am Anfang mit dem Kollegen in die Haare bekam. Taxifahrer sind einfach die schlimmsten Fahrgäste - das ist leider auch wahr. Am Ende der Fahrt habe ich mich beim Kollegen entschuldigt. Es ist wirklich so, dass wenn der Taxifahrer in Neapel das Taxameter einschaltet, es nicht nur für den Fahrgast teurer kommt, sondern auch der Fahrer weniger hat. Kannste glooben!

Foto&Text TaxiBerlin

DER TRINKGELDLEUCHTER VON TAXIBERLIN


So sieht er aus!

Ich bin so ein Typ, wer mich kennt, der weiß das, dass ich mich wirklich von allem und jedem inspirieren lassen kann. Neulich zum Beispiel, da war ich in der Kirche, um genau zu sein in einer katholischen. Früher konnte man dort Kerzen stiften, der ein oder andere erinnert sich. Aber auch bei den Katholiken geht man mit der Zeit. Heute muss man nur einen Euro in den Leuchter werfen und sogleich geht eine elektrische Kerze für einen an. Und genau diese Idee möchte ich jetzt für einen Trinkgeld-Leuchter in meinem Taxi verwenden, und ich kann das auch nur allen empfehlen, die ständig über ihr Trinkgeld reden oder gar schreiben müssen, was so mit das schlimmste ist, was man als Taxifahrer machen kann. Wer nichts zu sagen hat, schreibt über's Trinkgeld. Das ist nun nicht mehr nötig – meinem von den Katholiken inspirierten Trinkgeld-Leuchter (mein neuestes Patent nach dem von mir entwickelten Eierhalter!) sei Dank.

Bild,Idee&Text TaxiBerlin

"HEIMAT NEU ENTDECKEN"


In Kreuzberg

Am 1. Mai fahre ich traditionell kein Taxi, sondern da mische ich mich unters Volk, so auch gestern. Dass der "Tag der Arbeit", wie der 1. Mai auch genannt wird, ein offizieller Feier- und damit arbeitsfreier Tag ist, geht übrigens auf die Nazis zurück, aber ich bin mir nicht sicher, ob man das noch sagen darf. Mich zieht es am 1. Mai immer nach Kreuzberg, und dort haben es mir die "Kurdischen Klänge" angetan. Das darf man, so hoffe ich, noch sagen. Für manch einen ist das noch "Heimat neu entdecken" (Foto Mitte). Für mich ist der Klang der Zurna und das Schlagen der Davul (Links im Bild) bereits Heimat. Es ist immer nur eine Frage der Zeit, bis auch ich mich in den Tanz einreihe (Foto Rechts). Als alter "Freestyler" fällt mir das nicht gerade leicht, und auch der Umstand, dass Frauen getrennt tanzen, ist für mich gewöhnungsbedürftig - ist aber auch nur einmal im Jahr.

Foto&Text TaxiBerlin