21.04.2017

KRITIK DER KRITIK DER KRITIK


Maxim Biller, ein deutschsprachiger Autor mit jüdischen Wurzeln, beklagt sich in der Zeit, die ich aufgrund zahlreich vorhandener Zeit immer öfter bei mir im Taxi lese, in seinem Artikel "Zurzeit bin ich nicht so gerne jüdischer Schriftsteller in Deutschland" über seine Kritiker von der Süddeutschen, der Frankfurter Allgemeinen, der Zeit Online und vielen anderen mehr, die seinen "bisher jüdischten und persönlichsten" Roman Biografie kritisiert, oder, wie der Autor es sieht, nicht verstanden haben. Mir ist ehrlich gesagt egal, ob einer Jude, Moslem oder Christ ist, ich halte mich da an den Alten Fritz, dass jeder nach seiner Facon selig werden soll, wenn er denn ehrlich ist. Bestimmt gab es das schon mal, dass ein Autor seine Kritiker in einer Kritik kritisiert hat, mir will im Moment bloß partout keiner einfallen. Nachdem Biller seinen Kritikern Unverständnis vorwirft ("wurde von der Literaturkritik nicht im Ansatz verstanden"), stellt er sich die Frage, ob nicht noch mehr dahinterstecken könnte, beispielsweise böse Nazis, in dem Fall die Eltern der Kritiker, weswegen die Kritiker selbst einfach nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, "dass sie von jemandem geliebt wurden, der auch Hitler liebte". Das scheint dem ein oder anderen heute etwas weit her geholt, dabei ist es das gar nicht, denn schon "Die Unfähigkeit zu Trauern" von Alexander Mitscherlich beschäftigt sich mit genau diesem Thema, auch wenn das schon ein paar Jahre her ist. Ob die Kritiker aus diesem Grund zu Tätern wurden, indem sie das Buch von Maxim Biller kritisierten, lässt sich schwer sagen. Was man sagen kann, ist, dass es keine Kollektivschuld gibt. Schuld ist immer individuell. Doch nun zum Höhepunkt der Kritik der Kritik, und der ist erreicht, als Maxim Biller sich selbst mit Bob Dylan vergleicht, von dem, im Gegensatz zu ihm, auch keiner genervt sei. Da muss man Maxim Biller, der nicht auf dem neuesten Stand ist, nun wirklich mal kritisieren. Vielleicht hätte er es einfach 'ne Nummer kleiner versuchen und sich mit Wolf Biermann vergleichen sollen, der ebenfalls jüdischer Abstammung ist. Obwohl, wenn ich's mir recht überlege, sind von dem auch schone einige genervt, und zwar extremst. Dabei trägt er, genauso wie Bob Dylan, sein jüdisch sein gar nicht vor sich her, sondern versucht einfach nur ehrlich zu sein.

Kritik TaxiBerlin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen