06.04.2017

DIE FAHRSTECKE DES ANIS AMRI


Zum ersten Mal, zumindest meines Wissens nach, veröffentlich die ZEIT heute in ihrer Printausgabe die Fahrstecke, die der Tunesier Anis Amri vor gut einem Vierteljahr mit dem gestohlenen LKW aus Polen gefahren ist. Seine Fahrt beginnt an diesem 19.Dezember mit einem Fußweg von der Fussilet-Moschee in der Perleberger Straße ziemlich direkt zum Friedrich-Krause-Ufer. Man kann da auch nicht viel verkehrt machen, einfach geradeaus Richtung Nordosten und dann links nach Nordwesten in die Straße am Kanal abbiegen, wo sich auch die Ausländerbehörde befindet. Die ist aber nicht das Ziel von Anis Amri, sondern der polnische LKW von Lukasz Urban. Nachdem Anis Amri diesen überwältigt hat, beginnt die eigentliche Fahrt. Der Tunesier macht sogleich einen katastrophalen Fehler, die Taxiprüfung hätte er so niemals bestanden, denn er biegt vom Friedrich-Krause-Ufer links Richtung Nordosten in die Fennstraße Straße. Amri muss seinen Fehler aber bald bemerkt haben, so dumm war er nun auch wieder nicht, und korrigiert seine Fahrstrecke, indem er zwei Mal hintereinander rechts abbiegt, das erste Mal in die Müllerstraße und gleich darauf in die Sellerstraße. Jetzt ist er wieder auf Kurs, würde man die Sellerstraße immer geradeaus fahren können, was aber nicht geht, weil sie bereits an der Heidestraße endet, so würde man, Luftlinie sozusagen, ziemlich genau am Breitscheidplatz, dem Fahrziel von Anis Amri, herauskommen. Da der Tunesier, der so vieles konnte, aber nicht fliegen kann, biegt er von der Sellerstraße links Richtung Südosten in die Heidestraße und muss dann eigentlich nur noch geradeaus fahren, und zwar durch den Tiergartentunnel. Die ZEIT stellt mit Erschütterung fest, dass Anis Amri damit direkt unter Muttis Kanzleramt und dem Bundestag im Reichstag drunter weg gefahren sei, was ihn aber nicht zu interessieren schien, vielleicht wusste er es nicht einmal. Bereits am Potsdamer Platz verlässt Anis Amri den Tunnel, das ist gar nicht schlecht, wo er doch bis zum Ende an der Uferstrecke hätte durchfahren können, was aber ein, zwei Meter weiter ist. Amri hätte nun eigentlich gleich nach rechts Richtung Westen in die Tiergartenstraße einbiegen können, aber das war ihm wohl zu eng, weswegen er am Musikinstrumentenmuseum vorbei fährt und erst danach rechts Richtung Südwesten in die Potsdamer Straße abbiegt. Auf der fährt er bis zur Neuen Nationalgalerie und biegt dann rechts Richtung Westen in die Uferstrecke ab, was auch etwas eng sein dürfte für einen LKW. Jetzt muss er nur noch einmal links in die Schillstraße und dann gleich wieder rechts in Kurfürstenstraße einbiegen und ist bereits mehr oder weniger an seinem Fahrziel angekommen. Anis Amri hat jetzt nur noch ein Problem: Er kommt aus der verkehrten Richtung, ist somit auf der verkehrten Straßenseite. Klar, mit einem Taxi hätte er am Waldorf Astoria einfach wenden können, aber nicht mit seinem LKW. Er muss jetzt noch die komplette Hardenbergstraße mit ihren tausend Baustellen Richtung Nordwesten hochfahren, um am Kreisverkehr am Ernst-Reuter-Platz zu wenden. Die ZEIT weiß zu berichten, dass der Tunesier den Breitscheidplatz mit einer Geschwindigkeit von "nur 37km/h" passiert haben soll. Keine Ahnung, ob das jetzt wichtig ist. Gefährlicher scheint mir zu sein, wenn ein LKW erst langsam vorbeifährt, um gleich darauf aus entgegengesetzter Richtung mit erhöhter Geschwindigkeit angerast zu kommen, wobei die genaue Geschwindigkeit, mit der Anis Amri in den Weihnachtsmarkt auf den Breitscheidplatz gefahren ist, nicht genannt wird. Doch bleiben wir bei der Fahrstrecke des Tunesiers, die ist aus Taxifahrersicht alles andere als optimal, und das nicht nur wegen dem kleinen Umweg ganz am Anfang. Anis Amri wäre besser bereits direkt am Friedrich-Krause-Ufer nach rechts Richtung Südwesten in die Perleberger Straße abgebogen. Vielleicht wollte er genau das nicht, denn dann wäre noch mal bei der Fussilet-Moschee vorbeigekommen, von der er gerade gekommen war. Das sind aber jetzt nur Spekulationen. Auf jeden Fall hätte er sich besser über Strom-Lessing-Bach bis zum 17.Juni vorarbeiten sollen, um dann über Müller-Breslau und Fasanen zur Hardenberg zu kommen. Das ist zwar auch alles etwas eng, aber dann hätte er sich den Ernst-Reuter-Platz komplett sparen können. Zusammenfassend kann man sagen, und das ist die gute Nachricht: Amri hätte mit der von ihm gefahren Strecke vom Friedrich-Krause-Ufer zum Breitscheidplatz niemals einen Taxischein bekommen.

Text TaxiBerlin

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