31.03.2017

TAXIFAHREN IST MEHR ALS NUR AUTOFAHREN


Berliner Litfaßsäule / Gryphius- Ecke Boxhagener Str.
früher Friedrichshain / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Genauso wie Berlin mehr als eine Stadt ist, das hatte bereits Jean Paul (nicht Belmondo!) erkannt, ist Taxifahren mehr als einfach nur Autofahren. Das Taxi nimmt gewisse Entwicklungen vorweg, hatte ich neulich hier geschrieben. Man kann es auch so formulieren: "Viele Themen, die jetzt politisch aufgepoppt sind, habe ich schon vor zwei, drei Jahren von Taxifahrern ... gehört." So hat es Jochen Rausch getan, mit dem ich heute Abend ab 21 Uhr am Telefon über sein Buch "Im Taxi" in meiner Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" auf Pi-Radio sprechen werde, in Berlin auf der 88.4, in Potsdam ist es die 90.7 oder auch im Internet als Live-Stream. Vielleicht verändert sie dein Blick aufs Taxifahren, ähnlich wie das Taxifahren den Blick von Jochen Rausch auf unsere Gesellschaft verändert hat. Mein Gast im Studio wird Kollege Stephan Berndt sein, Berliner Taxiunternehmer und Mitbegründer von "Taxi Deutschland", der uns etwas zu den so genannten "20-Monate-GmbHs" erzählen kann und uns darüber hinaus verraten wird, ob es in Berlin eine "Taxi-Mafia" gibt, die eventuell Mitarbeiter des Landeseinwohneramtes (kurz LABO) bedroht.

Foto&Text TaxiBerlin

30.03.2017

"IM TAXI" IM RADIO



"Im Taxi" von Jochen Rausch

Es gibt nicht viele gute Taxibücher (um ganz ehrlich zu sein: ich kenne kein einziges) - "Im Taxi" von Jochen Rausch ist definitiv eins. Aus 200 Taxifahrten 120 Taxifahrerporträts zu machen, ist an sich schon eine Kunst. Dass diese Porträts völlig ohne Kommentar und Wertung des Autors auskommen, ist die Hohe Schule. Blöd ist nur, dass kein einziges Klischee oder Vorurteil bedient wird. Das Buch ist also nicht für jeden. Wer ein festes Bild vom unterbelichteten Taxifahrer im Kopf hat, der sollte es besser nicht lesen. Ob es einen Trick oder Kniff gibt, einem anderen Menschen einfach mal zuzuhören und nicht sofort zu bewerten, beispielsweise das von mir ins Spiel gebrachte Medium, das verrät uns der Autor vielleicht morgen in meiner Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" - oder auch nicht.

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Text TaxiBerlin

29.03.2017

HIER SPRICHT TAXIBERLIN # 10


Ruschestraße / Lichtenberg

Am Freitag ab 21 Uhr ist es wieder so weit, und wenn ich nicht so bescheiden wäre, wie ich nunmal bin, würde ich sagen, dass ich mit der zehnten Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin" einen ziemlichen Coup gelandet habe. Erst wollte ich, der ein oder andere erinnert sich, den Kollegen Hans-Jürgen Watzlawek einladen, wobei Kollege nicht das richtige Wort ist. Diva Hans-Jürgen trifft es wohl besser, weswegen daraus nichts wurde, nichts werden konnte ...

Dafür wird nun Kollege Stephan Berndt, Berliner Taxiunternehmer und Mitbegründer von "Taxi Deutschland", zu uns ins Studio kommen, was nicht nur gut so ist, sondern sogar noch viel besser, denn der Kollege hat einiges zu berichten. Ich will nicht zu viel verraten, aber Stephan hält es durchaus für vorstellbar, dass es in unserer Stadt eine Taxi-Mafia gibt. Die Rede ist nicht von der, die am Flughafen Tegel (TXL) regelmäßig ehrlichen Taxifahrern die Fahrgäste klaut, was schlimm genug ist, sondern von der, die möglicherweise sogar Mitarbeiter des Landeseinwohneramtes (kurz LABO) bedroht. Kollege Stephan hat darüber hinaus erstmals über die so genannten "20-Monate-GmbHs" geschrieben, über die zuvor nur hinter vorgehaltener Hand und unter dem Mantel der Verschwiegenheit gesprochen wurde. Was genau sich dahinter verbirgt, wird uns Stephan Berndt am Freitag erklären.

Das ist aber noch nicht alles! Wenn nichts dazwischen kommt, werde ich mit dem Musiker, Journalisten und Autor Jochen Rausch über sein kürzlich erschienenes Buch "Im Taxi" am Telefon sprechen. Der Autor hat es geschafft, was viele denken zu sein, es aber in Wirklichkeit gar nicht sind, nämlich wirklich offen für Neues und Andere, in dem Fall für Taxifahrer. Aus 200 Taxifahrten hat er 120 Taxifahrerporträts (eine extrem hohe Trefferquote) gemacht, die sich durch Intensität und Kompaktheit auszeichnen. Die Hohe Kunst des Jochen Rausch aber besteht darin, dass seine Porträts ganz ohne Kommentare und Wertungen auskommen. Wie er das geschafft hat, verrät der Autor uns ebenfalls diesen Freitag ab 21 Uhr auf Pi-Radio, in Berlin unter 88.4, in Potsdam ist es die 90.7 und im Internet als Live-Stream.

Foto&Text TaxiBerlin

28.03.2017

WORUM ES BEIM TAXIFAHREN GEHT


Graffito / Mainzer Straße
früher Friedrichshain / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Beim Taxifahren geht es nicht nur darum, Menschen von A nach B zu bringen. Das kann jeder. Nein, beim Taxifahren geht es neben vielen vielen anderem auch darum, seine Stadt wahrzunehmen, wie sie sich verändert, auch wenn sich oft erstmal nur die Graffitis verändern.

Foto&Text TaxiBerlin

26.03.2017

TO AMERIKA


From Berlin

One more time I have many readers in the US. How do I know? I will tell you: I am my own NSA if you know what I mean. But anyway how I do know. My post today is in english and only for you! What you say? OK, I made this clear. But what can I tell you? Let me think. Yes, I'm thinking right now! By the way: Thinking is what I did learn in my taxi. Of course I could think before. No doubt! But in the taxi I became a professional thinker. It's not only because there is so much time to think, but also. I'm sure you understand. Sometimes I have clients in my taxi. Not as much as in New York. This is for sure. Cab driving in Big Apple is cannibalism. Not here. Here cab driving is more normal - yet. Yet because what today is in America tomorrow it will be here too. Even in Berlin! I know: Life is change. But not every change is for good. Back to my clients in the cab. They did teach me a lot. That's why I always say: The street is my university. The most important thing I learned on the street, this secret is only for you my friend in America, is to listen. (And not only the streets and places where my clients want to go to!) In this discipline I became an extreme sportsman. It's really true: I'm an extreme listener. And be sure: I listen better than I can write - especially in english.

Words TaxiBerlin

25.03.2017

KUNST IM TAXI


Nach dem Sex im Taxi gestern, heute nun zur Kunst im Taxi, die immerhin mit dem Sexus zu tun hat, also mit dem Geschlecht. Genauer gesagt geht es um die sekundären Geschlechtsmerkmale, und zwar die der Frau. Ganz genau ist die weibliche Brust gemeint, eine beim Menschen paarig angelegte Drüse, auch Mamma oder im Plural Mammae genannt. Sie sind das Objekt der Begierde von uns Männern allgemein, aber insbesondere vom Kollegen Hans-Jürgen Watzlawek, der diese in seinem Taxi ablichtet, weswegen ich ihn gerne in meine Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" am kommenden Freitag auf Pi-Radio einladen wollte. Ich muss dazu sagen, dass ich selbst schon einmal versucht habe, mir die Brüste meiner weiblichen Fahrgäste "nur" zeigen zu lassen, was sich als extrem schwierig herausstellte, wenn nicht gar unmöglich, wobei ich noch weit weg war vom Fotografieren. Ich wollte, ich kann das an dieser Stelle verraten, dem Kollegen Hans-Jürgen in meiner Sendung an erster Stelle sein Geheimnis, oder vielleicht besser seinen Trick, entlocken, wie er es schafft, dass sich die Frauen reihenweise in seinem Taxi oben frei machen. Möglicherweise hat der Kollege Hans-Jürgen diese Gefahr erkannt oder zumindest gerochen. Er hat zwar nicht direkt abgesagt, er ist einfach untergetaucht, zumindest erreiche ich ihn nicht mehr. (Dass es daran liegt, dass es keine Kohle gibt, kann ich mir nicht vorstellen.) Ich erwähne das alles, weil die Rolle des Studiogastes nun wieder vakant ist. Du musst nicht zwingend etwas mit Brüsten am Hut haben. Es genügt, wenn du Taxifahrer oder regelmäßiger Gast im Taxi bist und darüber Auskunft geben möchtest. Geld gibt es wie gesagt keins, dafür jede Menge Spaß. Und du darfst darüber hinaus sogar drei Musiktitel zur Sendung beisteuern. Bei Interesse schreib einfach eine e-mail an: taxi.berlin(ät)gmx.de

Text TaxiBerlin

24.03.2017

SEX IM TAXI


Immer wieder werde ich gefragt, wie es sich mit dem Sex im Taxi verhält. Fahrgäste sind nun mal neugierig, insbesondere Nachts. So weit, so normal. Das Problem ist auch nur: Ich weiß immer weniger, was ich antworten soll. Natürlich kann ich zum Thema etwas sagen, keine Frage. Ich kann es nur immer weniger einordnen, weswegen ich es immer öfter vorziehe zu schweigen. Bis gestern. Da ging mir ein Licht auf. Es war im Taxi. Wo sonst?! Ein Fahrgast erzählte mir, dass wir hierzulande mal wieder Weltmeister sind. Diesmal beim Porno schauen. Ich habe es überprüft. Es stimmt wirklich. Aber darum geht es nicht. Sondern darum, dass mit dem Pornokonsum eine andere Entwicklung einhergeht, und zwar die, dass immer weniger wirklicher Sex passiert. In den Neunzigern hatten die Menschen hierzulande immerhin noch 60 bis 65 mal Sex, heute nur noch 53 mal im Jahr, also im Schnitt einmal pro Woche. Früher war eben doch einiges besser. Nun gut, nicht zu ändern. Es kann aber durchaus sein, dass selbst der Demographische Wandel, wie unsere Sorge um den Nachwuchs gerne kryptisch umschrieben wird, damit zusammenhängt. Bewiesen ist das aber nicht. Möglicherweise spielt auch die sexuelle Orientierung eine Rolle. Doch zurück zum Sex im Taxi, dem Thema dieses Beitrags. Jetzt, wo ich weiß, wie es um den Sex allgemein bestellt ist, würde ich spontan sagen, dass das Taxi auch diese Entwicklung mal wieder vorweg genommen hat. Gut, die genauen Daten liegen mir noch nicht vor. Ich müsste alles mal zusammenzählen und dann den Durchschnitt ausrechnen. Ja, das könnte ich bei Gelegenheit wirklich mal machen. Auch damit ich in Zukunft meinen Fahrgästen wieder antworten kann.

Übrigens: Auch die jungen Leute von heute sind sexuell weniger aktiv. Die so genannten Millenials und die Generationen nach ihnen haben weniger Sex als ihre Eltern und Großeltern im selben Alter.

Text TaxiBerlin

23.03.2017

BILDER VOM BERLINER BREITSCHEIDPLATZ



Im Taxi immer in der ersten Reihe

Ob du es glaubst oder nicht: Eigentlich wollte ich obiges Video bereits vor einigen Tagen hier auf meinem Blog veröffentlichen, also vor dem aktuellen Attentat in London. Der Anlass war, dass erstmals die Opfer und ihre Angehörigen des Attentats des Weihnachtsmarkts auf dem Berliner Breitscheidplatz vor gut einem Vierteljahr zu Wort kommen, und zwar hier und hier. Dass es bereits heute Aufnahmen vom Londoner Attentat gestern zu sehen gibt, ist keine Überraschung. Gerne kümmert man sich hierzulande ums anderen Ende der Welt (sonst müsste man sich ja mit sich selbst beschäftigen), auch wenn das nur die Stadt an der Themse ist. Trotzdem bleibt es merkwürdig, dass selbst ich, dessen zu hause die Berliner Straßen und auch Plätze sind (nicht umsonst steht oben ein Taxi in der ersten Reihe!), obige Filmaufnahmen zum ersten Mal vor einer Woche gesehen habe. Es wäre interessant zu erfahren, ob du sie schon einmal gesehen hast.

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Text TaxiBerlin

20.03.2017

"DIESE KRISE IST UNVERMEIDLICH"


Ich hatte neulich behauptet, einen Nietzsche des 21. Jahrhunderts gelesen zu haben, und damit vorausgesetzt, dass du mit Nietzsche etwas anfangen kannst. Das tut mir leid. Natürlich kannst du das nicht, weil du den nicht kennst, nicht kennen kannst, weil der ja gar nicht bei Facebook ist. Hm, wie erkläre ich dir jetzt Nietzsche? Vielleicht so: Also Nietzsche war so ein geiler Typ, der noch so richtige Bücher geschrieben hat. Eins davon heißt "Also sprach Zarathustra", übrigens bis heute ein Bestseller, wo so Sachen wie dies hier drin stehen:

"Aber einst wird dich die Einsamkeit müde machen, einst wird dein Stolz sich krümmen und dein Mut knirschen. Schreien wirst du einst: 'Ich bin allein!' Einst wirst du dein Hohes nicht mehr sehen und dein Niedriges allzu nahe; dein Erhabnes selbst wird dich fürchten machen wie ein Gespenst. Schreien wirst du einst: 'Alles ist falsch!'"

Was für Zeiten! Da wurde noch richtig geschrien, und das sogar mehrfach. Möglicherweise ist das der Grund, warum heute keiner mehr den Nietzsche versteht. Auf jeden Fall ist es gut, dass uns mal einer erklärt, warum der Nietzsche seinen Zarathustra hat schreien lassen. Vielleicht wusste das Nietzsche ja selbst nicht - wer weiß?! Was den Zarathustra hat schreien lassen, das weiß jedenfalls der Therapeut meines Vertrauens, der Hallenser Hans-Joachim Maaz:

"... ist niemals Wunderheilung, sondern immer schwere Arbeit, harter Kampf, mutige Ablösung von falscher, aber tragender Gemeinschaft mit gesicherter Versorgung in ein nun selbstverantwortetes Leben, das man praktisch ganz neu erlernen und erfahren muss. Wer aus dem falschen Leben aussteigen will, stuft sich herab zu einem Lehrling des eigenen Lebens, der Produzent, Regisseur und Akteur zugleich sein muss. Wer den Zustand falscher Anpassung aufgibt, der ist zunächst allein mit sich. Diese Krise ist unvermeidlich ..." (Seite 61)

Hans-Joachim Maaz, aus dessen neuestem Buch ich zitiere, ist zwar auch nicht bei Facebook, aber immerhin auf Youtube. Ob das der Grund ist, dass er sich wie ein Nietzsche des 21. Jahrhunderts liest, lässt sich schwer sagen. Am Besten du findest es selbst heraus.

Zitate Nietzsche&Maaz
Text TaxiBerlin

19.03.2017

MEIN TOSKANISCHES ZIMMER


Toskanische Wand

Im Moment fahre ich kein Taxi, was an meinem neuen Toskanischen Zimmer liegt, in dem ich mich so wohl fühle, dass ich es kaum noch verlasse. Das Zimmer an sich ist nicht neu, ich habe es schon seit vielen Jahren. Die Idee auch nicht, sie war schon lange in meinem Kopf. Andere bezahlen einen Haufen Kohle, um nur eine Toskanische Wand ihr Eigen zu nennen - ich hab gleich ein ganzes Zimmer, und das auch noch für lau. Gut, etwas machen musste ich schon. Am Meisten habe ich mich aber mit der Decke meines Toskanischen Zimmers beschäftigt, und nicht mit den Wänden. Die Decke war um einiges schwieriger, obwohl die gar nicht Toskanisch ist, sondern einfach nur weiss, oder so gut wie. Aber weiss kann jeder, nur Toskanisch - das kann keiner. Deswegen biete ich jetzt Führungen an durch mein Toskana Zimmer, wo ich verrate, wie es geht. Die sind natürlich nicht umsonst, das ist klar. Von irgendwas muss schließlich auch ich leben.

Foto&Text TaxiBerlin

18.03.2017

DUMME DEUTSCHE


Zugegeben, eigentlich geht es noch einmal um den LKW, der sich vor ziemlich genau einem Vierteljahr auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz verirrt hatte. Erstmals kommen nun die Opfer und ihre Angehörigen zu Wort. Hier nur eine Geschichte:

"Astrid Passin hat ihren Vater bei dem Anschlag verloren. Sie erwartete Mitgefühl und erlebte deutsche Bürokratie in Reinkultur. Sie sollte Formulare ausfüllen. Es sollte angegeben werden, welche Farbe der LKW hatte, der ihren Vater zerquetschte. Es wurde gefragt nach der Marke und dem amtlichen Kennzeichen des 'KFZ-Gegners'."

Wenn ich's mir recht überlege, geht es doch um Dumme Deutsche, oder? Vielleicht aber auch "nur" um Empathielosigkeit. Wer kann das schon so genau sagen? Es bleibt auch die Frage, was schlimmer ist.

Text TaxiBerlin

"DIE DEMOGRAPHISCHE ENDLÖSUNG"


Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätte sich der türkische Präsident unseres demographischen Problems, wie es immer gerne kryptisch umschrieben wird, angenommen. Zumindest rät er seinen Landsleuten nicht nur hierzulande, sondern in ganz Europa, nicht, wie er früher empfahl, drei, sondern jetzt fünf Kinder zu kriegen. So weit die gute Nachricht. Darüber hinaus empfiehlt er, dass seine Landsleute mit ihren Familien in den besten Vierteln (beispielsweise im Prenzlauer Berg) leben, die besten Autos (fahren sie die nicht schon?) fahren, ihre Kinder die besten Schulen (das sind die Georg-Friedrich-Händel- und die Heinrich-Hertz-Oberschule, das Otto-Nagel-Gymnasium und die Nelson-Mandela-Schule) besuchen und sie selbst in den schönsten Häusern (die stehen im Grunewald) wohnen sollen. Auch das sind keine schlechten Ratschläge. Ganz im Ernst, welche Eltern wollen nicht das Beste für sich und ihre Kinder. Weswegen ich mir ein wenig Sorgen mache, ist die Frage, wer dann noch Taxi fährt.

Text TaxiBerlin

17.03.2017

IM TAXI MIT "IM TAXI"


"Im Taxi" heißt ein kürzlich erschienenes Büchlein von Jochen Rausch, das ich gerade lese. Büchlein deswegen, weil es "nur" 128 Seiten hat, die es aber in sich haben - und zwar 120 Kurzporträts von Taxifahrern aus ganz Deutschland, weswegen es auch "Eine Deutschlandreise" im Untertitel heißt. Was man erst einmal festhalten kann, ist, dass auch im Rest unseres schönen Landes immer weniger deutsche Muttersprachler hinter dem Taxilenkrad sitzen, es also kein Berliner oder Frankfurter Phänomen ist. Aber darum geht es nicht. Was das Buch so besonders macht, ist an erster Stelle die Kompaktheit der Taxifahrer-Porträts, vor allem aber, dass sie völlig ohne Kommentar und Bewertungen des Autors auskommen. Im Prinzip ist es das, bloß umgedreht, was ich meine, wenn ich sage, dass ich mich immer mehr zum Taxifahrer-Medium entwickle, das seine Fahrgäste Dinge sagen lässt, die sie sonst nie und nimmer sagen würden. Lesenswert!

Text TaxiBerlin

16.03.2017

NEULICH IN DER AUSLÄNDERBEHÖRDE


Neulich habe ich einen Fahrgast in die Ausländerbehörde begleitet. Eigentlich wollte er einen Anwalt mitnehmen, aber den konnte er sich nicht leisten. Dazu muss man man wissen, dass mein Fahrgast selbständig ist und nicht alimentiert wird, wie die meisten an diesem Ort. Und das scheint genau das Problem zu sein. Wenn jemand selbständig ist, muss sich niemand um ihn kümmern. Da man sich hierzulande aber gerne um andere kümmert, hat man meinen Fahrgast so viele verschiedene Dokumente besorgen lassen, dass er am Ende dann doch Hilfe brauchte, und zwar mich. Ob die denn auch etwas gebracht hat, erfährt er übrigens bereits im Mai. Viel Glück!

Text TaxiBerlin

15.03.2017

IM TAXI MIT WOLFGANG AMADEO


Mozart, also der Wolfi, der hieß gar nicht Amadeus, sondern Amadeo. Ich weiß, das wissen viele nicht. Dass Kühe bei Mozart mehr Milch geben, ist dagegen weitgehend bekannt. Dass auch Fahrgäste bei seiner Musik mehr Trinkgeld zahlen, ist von mir überprüft und bewiesen. Neulich, da hatte ich so viel Zeit bei mir im Taxi, mir mal seine "Zauberflöte" komplett anzuhören. Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, ob man das mit dem Trinkgeld bei Mozart generalisieren kann. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich mir die Original-Version (Textbeispiel: "Ein Weib tut wenig, plaudert viel." - nicht Nietzsche, sondern Mozart, um genau zu sein Schikaneder) angehört habe und nicht die Gender-gemainstreamte, wenn es die denn schon gibt. Falls nicht, wird es höchste Zeit - also wegen Trinkgeld meine ich.

Text TaxiBerlin

14.03.2017

PRO UND KONTRA


Überall gibt es Pro und Kontra. Beispielsweise bei der Fahrstrecke. Selbst ich bin da nach so vielen Jahren auf der Straße manchmal gar nicht meiner Meinung. Viele Strecken sind auch wirklich gleichwertig. Manche sind auch einfach nur schneller, aber keineswegs kürzer - ganz im Gegenteil. Alternativlos gibt es gar nicht. Das würde ja bedeuten, es gäbe nur diese eine Strecke und keine andere. Ich weiß, es wurde uns auch hierzulande in der Vergangenheit oft und gerne eingeredet, dass etwas alternativlos sei. So gesehen ist der Umstand, das gerade das so genannte Präsidialsystem, richtiger wäre wohl Ermächtigungsgesetz, in der Türkei als alternativlos dargestellt wird, absolut nichts Besonderes. Merkwürdig ist nur, dass es dort Gesetze geben soll, die genau das, also den Wahlkampf im Ausland, verbieten. Dass man sich nicht an sie hält, soll übrigens ganz im Ernst daran liegen, dass es im Ausland niemanden gibt, der ihre Einhaltung kontrolliert. Das erscheint logisch, aber ist es auch alternativlos?

Text TaxiBerlin

13.03.2017

AUCH ICH EIN NAZI


Jetzt ist es raus: Auch ich bin ein Nazi. Das sage ich zwar seit langem schon selbst über mich, aber mir wollte mal wieder keiner glauben. Es muss immer erst einer aus dem Ausland kommen, damit die Leute es einem abnehmen. Das ist irgendwie auch nicht in Ordnung. Darum soll es aber in diesem Beitrag nicht gehen, sondern darum, dass ich mehr will, als nur ein Taxi-Diktator sein. Das ist ganz normal, der Mensch will immer mehr. Es stinkt mir schon lange, dass ich Leute nur zusammenscheißen kann, und das auch nur bei mir im Taxi. Nein, das reicht mir nicht mehr. Wegsperren wäre geil. Am Besten unbegrenzt, und nicht nur zeitlich, sondern auch was die Leute angeht. Platz hätte ich. Ich hab da ja meinen kleinen Gulag am Rande Europas. Eigentlich ganz praktisch, und wo ich einmal dabei bin: Eigentlich wäre die Todesstrafe auch nicht schlecht. Ich meine, was soll das: "Lebenslänglich", und dann ist der nach zwölf Jahren schon wieder draußen? Das ist doch kein lebenslänglich! Wenn einer tot ist, dann ist er tot. Meistens für immer, obwohl es auch da Ausnahmen geben soll.

Text TaxiBerlin

12.03.2017

"NAVIGATIONSGERÄTE MACHEN ORIENTIERUNGSBLÖD."


"Navigationsgeräte machen orientierungsblöd." - der Satz könnte von mir sein, ist er aber nicht. Er ist aus dem neuen Buch, das eigentlich erst am 16. März, also an diesem Donnerstag, erscheint, "Das falsche Leben" des Hallenser Psychoanalytikers und Psychiaters Hans-Joachim Maaz, der mir auch schon mal im Taxi saß, und er steht auf Seite 98 ganz unten. Das Buch vom Therapeuten meines Vertrauens, das auch ansonsten gut in jedes Taxi passt, liest sich insgesamt ein wenig wie ein Nietzsche des 21. Jahrhunderts, um ganz genau zu sein wie eine Erläuterung von "Also sprach Zarathustra". Der geneigte Leser von Hans-Joachim Maaz erfährt, was Friedrich Nietzsche meinte, als er Zarathustra "Ich bin allein!" und "Alles ist falsch!" schreien ließ. Die Essenz von "Das falsche Leben", das darf an dieser Stelle verraten werden, auch weil sie bereits auf Seite 33 zu finden ist, lautet: "Ein falsches Selbst ist niemals frei!" - Danke, Hans-Joachim Maaz.

Text TaxiBerlin

11.03.2017

TELEFONIEREN IM TAXI


Ich rede mit dir! Ja, mit dir, der du hinter mir sitzt und seit einer halben Stunde telefonierst. Setzt du dich im Flugzeug auch direkt hinter den Piloten und holst als erstes dein Handy raus? Wieso ich auf den Piloten komme? Weil du mir am Flughafen eingestiegen bist, falls du dich noch erinnern kannst. Ich weiß, du konntest im Flugzeug nicht telefonieren. Ich weiß aber auch, dass du seitdem jede Menge dummes Zeug erzählt hast und ich es mir anhören musste. Aber darum geht es nicht. Mich interessiert, wie du darauf kommst, dich einfach in mein Taxi setzen und drauflostelefonieren zu dürfen. Ob du es glaubst oder nicht: Es gibt auch heute noch Menschen, die vorher fragen, ob das für den Fahrer OK ist. Zugegeben, sie sind in der Minderheit. Das bedeutet aber nicht, dass du automatisch richtig liegst, nur weil du einer Mehrheit angehörst. Hier bist du nicht nur verkehrt, sondern vor allem unhöflich. Gut, das kommt vor. Stell dir mal vor, ich würde hier vor dir sitzen und die ganze Zeit telefonieren. Wie würdest du das finden? Ich weiß, es gibt solche dummen und dreisten Fahrer. Ich bin ganz bei dir. (Es stimmt übrigens nicht, dass mich das, wenn ich selber telefoniere, mehr ablenkt. Das Gegenteil ist der Fall.) Doch zurück zu dir. Was bedeutet es nun, wenn du mir einsteigst und ohne zu fragen drauflostelefonierst? Ich will es dir sagen: Du bist einfach nur ein dummer und dreister Fahrgast.

Text TaxiBerlin

10.03.2017

HIER SPRICHT TAXIBERLIN #9 - EIN NACHTRAG


Vieles hat mich mein zu hause die Straße gelehrt. Das Wichtigste, das wird mir immer mehr klar, ist das Zuhören. Nach mehr als zwanzig Jahren auf der Straße beherrsche ich die Kunst des Extremen Zuhörens - manchmal mehr und manchmal weniger. Meistens mehr. Das hängt damit zusammen, dass ich mich in meinem Taxi immer mehr zum Medium entwickle, das Menschen Dinge sagen lässt, die sie sonst nie und niemandem erzählen würden. "Extremes Zuhören" und "Medium sein", das weiß ich heute, gehören zusammen. Das eine ist ohne das andere nichts wert. Was nützt es, wenn ich zwar zuhören kann, aber die Person nichts sagt. Und es bringt auch nichts, Medium zu sein, wenn ich nicht zuhören kann. Oscar Wilde sagt, dass der, der unter die Oberfläche geht, dies auf eigene Gefahr tut. Und natürlich hat Oscar Wilde Recht, wie er mit vielem Recht hatte, wenn auch nicht mit allem. Nur, wer begibt sich schon gerne in Gefahr? "Liken"? Ja! Wegen mir auch "entfreunden". Das tut keinem weh. Man kennt den anderen sowieso nicht. Die ganz Mutigen, und wer will nicht zu ihnen gehören, lassen sich vielleicht noch ein Tattoo stechen. Das tut zwar weh, ist aber ansonsten nicht gerade besonders intelligent. Der hippe Taliban-Bart auch nicht, aber das nur nebenbei. All das wäre nicht weiter schlimm, wenn es nur sinnlos wäre. Damit könnte man, so denke ich, leben. Leider ist es aber nicht nur Geist-, sondern auch Seelenlos. Das meinte zumindest "Opi" - die lebende Taxilegende aus der Schreiner in der letzten Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin".

Text TaxiBerlin

06.03.2017

WOLLT IHR DIE TOTALE DEMOKRATIE?


Taxirufsäule = Feuermelder

Ich frage mich, warum jetzt schon "Wahlinformationsveranstaltungen" stattfinden, wo doch erst im Herbst gewählt wird. Hat Amerika etwas damit zu tun oder eher Russland? Aber warum gibt es in Berlin keine von diesen "Wahlinformationsveranstaltungen"? Und überhaupt: Wird es auch welche auf deutsch geben? Jetzt im Ernst: Was muss ich tun, damit auch ich in der Türkei wählen kann? Ich lebe zwar nicht dort (das machen die Türken hierzulande ja auch nicht), aber Urlaub in der Türkei würde ich gerne irgendwann mal wieder machen ...

Foto&Text TaxiBerlin

04.03.2017

SCHWARZER FREITAG


Leere Taxen gab es genug. Daran kann es also nicht gelegen haben. Nur der Berliner, der lag wohl schon im Bett. Das Party Volk ist los zur Party, irgendwann nach Mitternacht, allerdings zu Fuß. Die Luft war auch einfach zu schön. Irgendwann müssen die dann wieder aus ihren Party Löchern gekrochen und ins Taxi gestiegen sein. Ich hab gerade vergessen, wann genau das war. Man muss als Taxifahrer auch Ausdauer haben, und Geduld: - mit dem Party Volk. Gähn ...

Text TaxiBerlin

03.03.2017

HIER SPRICHT TAXIBERLIN # 9


Gleich ist es wieder so weit, und zwar um 21 Uhr auf Pi-Radio, in Berlin ist das die 88.4, in Potsdam die 90.7 und natürlich auch im Internet. Da gibt es die Neunte, nicht von Beethoven, sondern von "Hier spricht TaxiBerlin". Habe gestern sogar einen Fernsehdreh abgesagt (Öffentlich-Rechtlich wollte ernsthaft mich und mein Taxi für vier Stunden für lau - das musst du dir mal vorstellen!), um heute fit zu sein für "Opi" - der lebenden Taxilegende aus der Friedelhainer Schreinerstraße. "Opi", für alle die ihn nicht kennen, könnte die Sendung eigentlich alleine gestalten, so viel hat der zu erzählen. Im Prinzip bin ich nur im Studio, um "mit meiner zarten Stimme" (O-Ton "Opi") die Musik anzusagen, denn dafür muss "Opi" mal einen Moment den Mund halten, was die eigentliche Herausforderung am heutigen Abend sein wird. Natürlich werden wir in der Sendung auch wieder unserem Bildungsauftrag nachkommen, dem wir als öffentliches Verkehrsmittel neben der Beförderungspflicht (nur nicht für lau!) Folge zu leisten haben. "Opi" und ich werden gemeinsam den Stadtplan vorlesen, wovon "Opi" aber noch nichts weiß (er weiß nur, dass er seine Lesebrille mitbringen soll) - das wird ein Spaß!

Text TaxiBerlin

02.03.2017

KRANK ODER NICHT KRANK - DAS IST DIE FRAGE


Gut zwei Monate nach dem Attentat auf dem Berliner Breitscheidplatz, der ein oder andere erinnert sich, wurde nun der Moscheeverein geschlossen, in dem der Attentäter sich offenbar zu hause fühlte und der schon lange vorher im Visier der Behörden war. Ein Verbot wurde bereits im Februar 2016 erwogen, also vor ziemlich genau einem Jahr. Dass man im Sommer desselben Jahres davon abgesehen hat, "hing auch mit der personellen Situation zusammen." - "Der zuständige Mitarbeiter war krank geworden. Dass ein Mitarbeiter erkrankt sei, habe keinen Auswirkungen auf den Zeitpunkt des Verbots gehabt." Hä? Wie jetzt?

Text TaxiBerlin

01.03.2017

"ICH WEISS, DASS DU NICHT WEIT KOMMST!"



Fahrer trifft Chef

"Ich weiß, dass du nicht weit kommst!" - das sage ich gelegentlich zu Fahrgästen, die mich als Protagonisten in ihrem kleinen persönlichen Schmierentheater missbrauchen wollen. Ob du es glaubst oder nicht: Manchmal sage ich das auch zu meinem Chef. Ein Kollege aus Amerika meinte nun dasselbe zu seinem Boss, der gerade noch bei ihm im Taxi saß, wobei Taxi nicht das richtige Wort ist. Es war ein Uber und sein Fahrgast (der Feind aller ehrlichen Taxifahrer) Travis Kalanick. Der Kollege heißt übrigens Fawzi Kamel, und was er seinem Boss vorwarf, war unter anderem, dass der die Standards erhöhen aber die Preise senken würde. Das fand Uber-Chef Travis Kalanick, der nach eigenen Angaben ein hartes Jahr hinter sich hat, alles andere als witzig. Jedenfalls sagte der Travis zu seinem Fahrer Fawzi, dass das alles Schwachsinn sei, was er da erzählen würde, und dass einige Leute, wozu offensichtlich Fawzi gehört (wenn ich's mir recht überlege, wohl auch ich), keine Verantwortung für ihren eigenen Mist übernehmen wollen, und deswegen immer andere für alles beschuldigen, was in ihrem Leben so schief läuft. Naja, und daraufhin meinte eben der Kollege Fawzi, dass der Travis, also sein Chef, nicht weit kommen würde, was, wie gesagt, auch ich meinem Chef immer wieder sage, wenn er weiterhin auch seinen Laden nach "Gutsherrenart" führt.

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