09.01.2017

ICH BIN BREITSCHEIDPLATZ


Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, dass alle Welt "Charlie" sein wollte, um genau zu sein "Charlie Hebdo", die Satirezeitschrift aus Frankreich. Damals trugen nicht nur viele Leute ein T-Shirt mit dieser Aufschrift, sogar in Hollywood wurden welche gesichtet, sondern Hunderttausende gingen auf die Straße. Nach dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz haben diese Fünf dort demonstriert, wobei demonstriert nicht das richtige Wort ist. Sie haben nur demonstrativ fünf weiße Rosen dort abgelegt. Fünf weiße Rosen für zwölf Opfer. (Manche zählen auch den Attentäter zu den Opfern, dann wären es dreizehn.) Das war's. Keine Demonstration. Keine T-Shirts. Nichts.

Über den Attentäter wissen wir sehr viel. Dass er vierzehn Identitäten besaß, wie viele Geschwister er hat, wer seine Mutter ist und was sein Vater macht. Über die Opfer weiß man dagegen so gut wie nichts. Gut, dass das erste Opfer ein polnischer LKW-Fahrer war, daran erinnern sich die meisten noch. Aber wer weiß schon, dass unter den Opfern auch Personen mit tschechischer, ukrainischer, italienischer und israelischer Nationalität waren? Dass zwei der Opfer aus Brandenburg kamen? (Ein 32 Jahre alter Mann aus Brandenburg an der Havel und eine 53-Jährige Frau aus dem Landkreis Dahme-Spreewald.) Und wer weiß, ob Berliner unter den Opfer sind?

Für mich ist der Attentäter kein Opfer. Für mich ist er nur eine dumme und feige Drecksau, und ich hoffe, dass die 72 Jungfrauen seiner impotenten Seele keine Ruhe lassen im Paradies. Aber das wichtigste: Sollte einer dieser eierlosen Gesellen, die so gerne von Ehre reden, egal ob er aus dem Süden, Osten, Westen oder Norden kommt, oder von hier ist, in die Fußstapfen von Anis Arschloch treten wollen, so möge er sich vorher bei mir melden, damit wir das austragen können. Von Mann zu Mann. Wie es sich gehört. Ich hole dich auch mit dem Taxi von zu hause ab, wenn du keinen LKW hast.

PS: Mir ist es egal, wie du mich nennst. Es ist mir auch Schnuppe, ob Trauer und Wut gerade angesagt sind oder nicht. Berlin ist nicht nur meine Stadt - Berlin ist für mich Mutter und Vater. Und wer nicht traurig oder wütend ist, wenn im Schatten der Gedächtniskirche Unschuldige Opfer eines kranken Hirns werden, dann ist denen nicht mehr zu helfen und nicht mir. Nenn mich rechts, nenn mich Nazi. Pack mich in die Schublade, die dir gefällt. Du hast ja sonst nichts besseres zu tun. Es ist mir egal. I give a shit! Ich bleib so wie ich bin.

Text TaxiBerlin

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