27.01.2017

DAMIT DAS AUCH SO BLEIBT ...


Seit gestern bin ich nun wieder in Berlin, und was muss ich sogleich feststellen? Ja, genau das: Das Taxigeschäft in unserer schönen Hauptstadt ist immer noch im Eimer. Eigentlich keine Überraschung, ich hatte es auch genau so vorausgesehen, und zwar hier.

Nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, begann mir die Sache Angst zu machen. Meine größte Sorge ist nämlich, dass ich irgendwann wieder richtig arbeiten muss. Wenn ich ehrlich sein soll, ist Taxifahren nun wahrlich nicht nur kein richtiger Beruf, sondern auch keine richtige Arbeit. Das weiß ich, weil ich schon mal richtig gearbeitet habe. Es ist schon ein paar Jahre her, aber es war so richtig körperliche Arbeit, einmal in der Landwirtschaft, aber auch inner Fabrik mit schweren Maschinen, gerne auch mit Arbeitsbeginn um 3:30 Uhr in der Frühe und geteilter Schicht, so dass es um 12:30 noch mal los ging. Dagegen ist Taxifahren permanenter Urlaub, der reinste Luxus. Und genau der steht gerade zur Disposition.

Deswegen war ich heute gleich mal 'ne Runde Taxifahren, also als Fahrgast, sozusagen prophylaktisch. Denn wir haben es selbst in der Hand, ob unsere schöne Gesellschaft eine Dienstleistungsgesellschaft, wo nicht mehr gearbeitet, sondern nur so Dienst getan wird, bleibt oder nicht. Ich finde die Dienstleistungsgesellschaft total geil, wenngleich ich sie nicht wirklich verstehe. Ich meine, die Dienstleistungsgesellschaft verstehe ich schon, nur die Trennung zwischen Dienstleistungsgesellschaft und wie hieß gleich noch mal die andere Gesellschaft? (Gulag?), diese Teilung verstehe ich nicht. Aber egal, Hauptsache ich weiß, was ich nicht will, und das ist arbeiten. Deswegen bin ich für den Erhalt unserer schönen aber langweiligen Dienstleistungsgesellschaft, und zwar radikal und total.

Und so kam es dazu, dass ich heute spontan ein Taxi gerufen habe, was schon ewig nicht mehr passiert ist. Taxifahrten finden bei mir sonst nur gut geplant und mit einem dementsprechenden zeitlichen Vorlauf statt. Mein Fahrer war ein junger Mann von vielleicht Mitte dreißig, der seit dreizehn Jahren Taxi fährt. Sein Daimler Kombi war wie er gepflegt, nur ein eingeschalteter mittelgroßer Monitor mit vieler bunter Werbung im Hochformat, weil zwischen den beiden Vordersitzen, ich saß hinten, irritierte mich nicht nur, nein, er störte mich, und zwar sehr. Das Problem war rasch gelöst, der Stecker einfach gezogen, so dass wir uns ohne größere Ablenkung, sah man mal vom Verkehr ab, unterhalten konnten.

Nachts führen nur Verrückte, meinte mein Fahrer, weswegen er nur am Tage Taxi fährt, und damit auch das so bleibt, widersprach ich ihm nicht. Auch weil wir uns auf den Kompromiss einigen konnten, dass es Idioten überall und zu jeder Zeit gibt. Natürlich willst du, der du mir bis hierhin mit dem Lesen gefolgt bist, wissen, wohin die Reise mit dem Kollegen ging. Keine große Sache ehrlich gesagt, was ich aber auch so angekündigt hatte, auch das sei nicht vergessen. Es war mein obligatorischer Kiezspaziergang, den ich nach längeren und auch kürzeren Abwesenheiten als eines der ersten Dinge nach meiner Rückkehr absolviere, diesmal eben im Taxi.

Nach gut zehn Minuten standen wir wieder vor meiner Tür. Alles so weit in Ordnung bei mir im Kiez und auch mit der Taxifahrt: Zehn Euro plus zwei Euro Trinkgeld. Das war es mir Wert, etwas gegen meine Angst getan zu haben, irgendwann wieder richtig arbeiten zu müssen. Wir haben es schließlich selbst in der Hand, ich sagte es bereits, das Zauberwort heißt: Konsum! Ich weiß natürlich auch, dass im Leben nichts sicher ist. Im dümmsten Fall bringt uns dieser verfluchte Kapitalismus wieder dazu, richtig zu arbeiten, oder gar richtig zu denken, das wär' doch mal was, aber wie bereits gesagt, eine Garantie gibt es dafür nicht ...

Text TaxiBerlin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen