31.01.2017

"EIN GANZ NORMALER VORGANG"


Wenn extra betont werden muss, dass etwas "ein ganz normaler Vorgang" sei, ist in der Regel das Gegenteil der Fall. Im aktuellen Fall arbeitete eine Frau für einen großen deutschen Automobilkonzern, zufälligerweise genau der, der gerade dabei ist, den Bach runter zu gehen, und soll nun, nachdem sie selbst gekündigt hat, für jeden Monat, den sie tätig war, eine Million Euro "Entschädigung" erhalten. Versuch das mal bei deiner Firma! Aber: Ein ganz normaler Vorgang in unserem schönen - es ist auch dein Land - im Jahre 2017. Wie bereits erwähnt, und das sagt auch meine Lebenserfahrung im Taxi: Wenn extra betont werden muss, dass etwas "ein ganz normaler Vorgang" sei, dann ist meist das Gegenteil der Fall. Oder mit Brechts Worten: "Reicher Mann und armer Mann standen da und sah'n sich an, und der arme sagt bleich: 'Wär ich nicht arm wärst du nicht reich.'"

Text TaxiBerlin

VON MASSENORGANISATIONEN UND SOZIALEN NETZWERKEN


Beim Reisen heute völlig unwichtig: Das Gepäck

Es gibt, ich kann mich da nur wiederholen, nichts Neues unter der Sonne. Was früher im Osten die Massenorganisationen waren, sind heute im Westen die sozialen Netzwerke. Weshalb die Leute einst drin waren, ist klar. Warum sie es heute sind, ausser dass die "geliked" werden wollen, hat spätestens jetzt auch der letzte begriffen. Wer sich nicht verdächtig machen will, und wer vor allem auch morgen noch in die USA reisen möchte, sollte noch heute einen Account in irgendeinem sozialen Netzwerk eröffnen. Ich werde auch weiterhin Facebook&Co meiden. Mein Bedarf an Amerika ist vorerst gestillt.

Foto&Text TaxiBerlin

29.01.2017

SCHLUSS MIT LUST


Es geht auch ohne

Fürs neue Jahr nehmen sich alle immer etwas vor, so auch ich. Dass ich bisher nicht darüber geschrieben habe, hat damit zu tun, dass ich es langsam angehen lassen wollte. Die meisten machen sich ja nur lächerlich, indem sie es vorher ausposaunen, später aber dann den Schwanz einziehen - womit ich beim Thema wäre. Ich bin nämlich zu dem Schluss gekommen, dass ich in meinem Leben genug Sex gehabt habe. Das Thema ist ab sofort durch bei mir, auch weil es zu viel Zeit nimmt. Es war ein klein wenig wie bloggen - nur mit etwas mehr Satisfaktion. Das muss ich schon sagen. Und trotzdem höre ich auf mit dem Sex, oder: I quitt - wie der Anglophile sagt. Das war übrigens auch ein Grund, warum ich aktuell in Amerika war. Die Amerikaner sind so prüde, ich weiß ehrlich gesagt bis heute nicht, wo bei denen die Kinder herkommen. Und noch etwas anderes ist mir aufgefallen, was aber nicht nur in Amerika sondern überall gilt: Als Mann hätte man eigentlich mehr als genug Möglichkeiten in Sachen Sex aktiv zu werden, so viele Frauen kämen in Frage, meine ich. Nur, wie was im Leben oft so ist ("Hätte, hätte ..."), passiert in der Praxis gar nix. Und wenn dann mal der wirklich extrem seltene Fall eintritt, dass etwas passieren könnte, dann passiert meist auch nichts, weil man als Mann darauf gar nicht mehr vorbereitet ist, das da was passieren könnte. Das ist zumindest meine Erfahrung, auch im Taxi, genauso wie die, dass Sex total überbewertet wird. Alle reden zwar von ihm, aber niemand hat ihn mehr. Schließlich wollte auch ich einmal im Leben einer Mehrheit angehören. Dass es nun ausgerechnet die Mehrheit der in Keuschheit Lebenden ist, konnte ich nicht ahnen. Man kann sich die Mehrheit, zu der man gehört, nicht immer aussuchen. Bevor ich nun endgültig in die totale Enthaltsamkeit eintrete, wollte ich wenigstens noch einmal darüber schreiben. Also über den Sex, um den geht es hier in diesem Betrag - ein letztes Mal. Beispielsweise hatte ich auch schon mal welchen im Taxi, und nicht nur einmal. Das ist nicht unbedingt bequem, das kannst du mir, der vielleicht zu der Minderheit gehört, die noch Sex hat, glauben. Bei mir ist das mit dem Sex im Taxi aber schon wieder so lange her, dass es die dazugehörigen "FakeTaxi" Pornos im Internet noch nicht gab, so alt bin ich schon. Ich kenne sogar noch den Witz, was man bei einer "Autonummer" beachten muss. Dazu muss man wissen, dass "eine Nummer" auch "Sex machen" bedeuten kann. Wie jetzt genau der Witz ging, habe ich vergessen, aber den würde heute sowieso keiner mehr verstehen, weil ja kaum noch einer Sex hat. Mit meinen Besuchen im "Artemis" ist jetzt, wo ich dem Sex "Lebewohl" gesagt habe, auch Schluss. Das ist aber nicht schlimm. Die letzten Male war ich sowieso nur noch wegen dem kostenlosen Essen dort. Ein klein wenig Sorge habe ich allerdings, was nun mit meinen Hormonen und den beiden Hoden wird. Ob es da möglicherweise zu einem Stau kommt, oder ob die sich eventuell zurückbilden oder gar in Luft auflösen. Dazu kann ich bisher nichts sagen. Vielleicht bin ich auch schon in einem Alter, wo gar nichts mehr nachgebildet wird, weil alles schon in Rückbildung begriffen ist. Man wird im Alter ja auch kleiner. Seit einiger Zeit soll es sogar die Wechseljahre für den Mann geben. Ich habe zwar bisher nicht daran geglaubt, aber das ändert nichts daran, dass es stimmen könnte. Ein klein wenig ärgert mich, dass ich nie Viagra genommen habe. Alleine deswegen, weil ich sonst eigentlich immer alles ausprobiere. Aber bei Viagra hatte ich bisher keinen Bedarf. Und nun ist es zu spät. So werde ich wohl nie erfahren, wie es sich anfühlt, als alter Sack eine Zwanzigjährige durchzupflügen. Das ist schon ärgerlich, aber, so wie es aussieht, nicht zu ändern. Vielleicht hat jetzt jemand Lust bekommen, nachdem ich meine Erfahrungen mit dem Zölibat mitgeteilt habe, es auszuprobieren und seine Erlebnisse mit dem Viagra und der Zwanzigjährigen mit uns zu teilen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das auch den ein oder anderen meiner Leser interessieren könnte, auch wenn bei denen, wie bei den meisten, in Sachen Sex nicht mehr viel läuft, aber vielleicht gerade deswegen.

Foto&Text TaxiBerlin

28.01.2017

FACEBOOK VERSUS FREUNDE


Eine Frage konnte mir bisher noch niemand beantworten, weswegen ich sie hier noch einmal stelle: Wieso brauche ich Facebook, um mit Menschen zusammen zu kommen? Genau das wird immer wieder von Leuten als Grund dafür angegeben, warum sie bei Facebook sind. Sollte es möglich sein, mit Menschen ganz ohne Facebook zusammen zu kommen, wovon ich fest überzeugt bin, dann muss kein Mensch mehr bei Facebook sein, oder?

Ich bin jedenfalls nicht bei Facebook und komme mit jedem Menschen zusammen, der auch mit mir zusammen kommen möchte. Zumindest war das bisher so, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich daran etwas ändern würde. Dementsprechend, und das ist vielleicht das, worum es den meisten geht, die bei Facebook sind, kann man mich auch nicht "liken". Das finde ich sehr schade, denn auch ich möchte gemocht werden, und das von möglichst vielen. Um ehrlich zu sein, leide ich nicht nur manchmal sondern ausgesprochen oft unter dieser mangelnden, nennen wir es "Annahme". Aber deswegen gleich Facebook beitreten? Also ich weiß nicht! Gibt es da keinen anderen Weg, von anderen gut angenommen zu werden, möglichst so, wie man ist, und nicht so, wie andere einen haben wollen oder wie man gerne sein möchte. Das klingt einfach, und das ist es auch: "Es ist das Einfache, was schwer zu machen ist."

Ist man, so wie ich, nicht bei Facebook, hat man keine virtuellen Freunde. Auch das gilt es zu bedenken. Manchmal hat man auch keine richtigen Freunde, aber das kann Leuten, die bei Facebook sind, auch passieren. Meine richtigen Freunde kann ich an einer Hand abzählen. Manchmal reicht auch ein Finger, das hängt vom Tag ab. Das schöne an richtigen Freunden ist, dass man sich von ihnen auch richtig "entfreunden" kann. Eigentlich kann man sich nur von richtigen Freunden "entfreunden", aber das führt jetzt zu weit. Es ging ja um die Frage, wozu ich Facebook brauche, was ohne Facebook nicht auch geht. Und wenn ich da etwas vergessen haben sollte, so möge man mir bitte bescheid geben. Danke!

Text TaxiBerlin

VON BÄRTEN UND TATTOOS


Eine kleine Überraschung in Amerika waren für mich diese vielen hässlichen Salafistenbärte, die seit einiger Zeit auch bei uns im Kommen sind. Die Träger dieser Bärte, die sowohl die Supermärkte als auch die Medien füllen, sind keine Salafisten und hängen auch sonst keinem gemeinsamen Glauben an. Ich würde sagen, sie sind einfach nur doof. Dazu muss man wissen, dass ich im Alter nicht nur immer wählerischer, sondern auch immer ästhetischer werde. Bei mir hängt das Eine ganz klar mit dem Anderen zusammen. Und bei diesen blöden Salafistenbärten stört mich vor allem, dass derjenige das höchste Ansehen genießt, dessen Bärtchen der ungepflegteste ist. Nett aussehende junge Männer, um die geht es dabei ausschließlich, mutieren plötzlich vom netten Schwiegersohn von Nebenan zum Mudschahedin vom Hindukusch. Natürlich nur optisch, das ist klar. Im Inneren bleiben sie das kleine dumme Wohlstandskind, das sie schon immer waren. Warum ich überhaupt darauf komme, liegt daran, dass ich in letzter Zeit viel fliege, gerne auch über den Großen Teich. Das hat wiederum damit zu tun, dass ich in geheimer Sache unterwegs bin, was aber unter uns bleiben muss. Obwohl, so geheim ist die Sache nun auch wieder nicht. Man nennt mich in Insiderkreisen auch den Inoffiziellen Balkanbeauftragten der Bundesrepublik. Doch zurück zum Fliegen, was mich enorm anstrengt. Um ehrlich zu sein, geht es mir tierisch auf die noch vorhandenen Eier. Und das liegt nun wiederum nicht nur daran, dass da so wenig Platz im Flugzeug und die Luft so trocken usw. ist ... Nein, bei mir liegt die zunehmende Gereiztheit daran, wie sich der Rest der Welt speziell fürs Fliegen einkleidet. Wer lange nicht geflogen ist, sollte dies alleine aus diesem Grund mal wieder tun. Das ist großes Kino! Die Schlabberhose gehört dort mittlerweile zum Standardprogramm wie hier auf Erden die Jeans. Ohne Schlabberhose bist du der totale Aussenseiter. Zur Schlabberhose gehört meist das Schlabbershirt. Manche tragen auch ein Muskelshirt. Auch die, die es besser nicht täten, womit ich beim nächsten Thema wäre. Nicht etwa die Bäuche, über die könnte man auch mal schreiben, sondern die Tattoos, die sich die Leute stechen lassen heutzutage. Das tut richtig weh in den Augen, was nicht nur an den Farben liegt. Es liegt, das muss ich einmal ganz klar sagen, auch an mir. Ich werde mit dem Alter immer anspruchsvoller, und laufe damit mal wieder völlig gegen den Trend. Die meisten werden, wenn sie alt werden, ja immer gleichgültiger. Manche auch einfach nur senil. Nicht so ich. Ich werde empfindsamer - nicht verwechseln mit empfindlicher! Indem ich das schreibe, wird mir klar, dass es da möglicherweise eine Verbindung gibt zwischen dem Salafistenbart und dem Farbtattoo. Ja, ich glaube wirklich eine gefunden zu haben: Die Leute machen nichts mehr selbst, sie lassen mit sich machen. Ganz egal, ob Bärtchen oder Tattoo, es hat mit den Leuten selbst nichts zu tun. Sie sind nur die Puppen, die diese Sachen tragen.

Text TaxiBerlin

27.01.2017

DAMIT DAS AUCH SO BLEIBT ...


Seit gestern bin ich nun wieder in Berlin, und was muss ich sogleich feststellen? Ja, genau das: Das Taxigeschäft in unserer schönen Hauptstadt ist immer noch im Eimer. Eigentlich keine Überraschung, ich hatte es auch genau so vorausgesehen, und zwar hier.

Nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, begann mir die Sache Angst zu machen. Meine größte Sorge ist nämlich, dass ich irgendwann wieder richtig arbeiten muss. Wenn ich ehrlich sein soll, ist Taxifahren nun wahrlich nicht nur kein richtiger Beruf, sondern auch keine richtige Arbeit. Das weiß ich, weil ich schon mal richtig gearbeitet habe. Es ist schon ein paar Jahre her, aber es war so richtig körperliche Arbeit, einmal in der Landwirtschaft, aber auch inner Fabrik mit schweren Maschinen, gerne auch mit Arbeitsbeginn um 3:30 Uhr in der Frühe und geteilter Schicht, so dass es um 12:30 noch mal los ging. Dagegen ist Taxifahren permanenter Urlaub, der reinste Luxus. Und genau der steht gerade zur Disposition.

Deswegen war ich heute gleich mal 'ne Runde Taxifahren, also als Fahrgast, sozusagen prophylaktisch. Denn wir haben es selbst in der Hand, ob unsere schöne Gesellschaft eine Dienstleistungsgesellschaft, wo nicht mehr gearbeitet, sondern nur so Dienst getan wird, bleibt oder nicht. Ich finde die Dienstleistungsgesellschaft total geil, wenngleich ich sie nicht wirklich verstehe. Ich meine, die Dienstleistungsgesellschaft verstehe ich schon, nur die Trennung zwischen Dienstleistungsgesellschaft und wie hieß gleich noch mal die andere Gesellschaft? (Gulag?), diese Teilung verstehe ich nicht. Aber egal, Hauptsache ich weiß, was ich nicht will, und das ist arbeiten. Deswegen bin ich für den Erhalt unserer schönen aber langweiligen Dienstleistungsgesellschaft, und zwar radikal und total.

Und so kam es dazu, dass ich heute spontan ein Taxi gerufen habe, was schon ewig nicht mehr passiert ist. Taxifahrten finden bei mir sonst nur gut geplant und mit einem dementsprechenden zeitlichen Vorlauf statt. Mein Fahrer war ein junger Mann von vielleicht Mitte dreißig, der seit dreizehn Jahren Taxi fährt. Sein Daimler Kombi war wie er gepflegt, nur ein eingeschalteter mittelgroßer Monitor mit vieler bunter Werbung im Hochformat, weil zwischen den beiden Vordersitzen, ich saß hinten, irritierte mich nicht nur, nein, er störte mich, und zwar sehr. Das Problem war rasch gelöst, der Stecker einfach gezogen, so dass wir uns ohne größere Ablenkung, sah man mal vom Verkehr ab, unterhalten konnten.

Nachts führen nur Verrückte, meinte mein Fahrer, weswegen er nur am Tage Taxi fährt, und damit auch das so bleibt, widersprach ich ihm nicht. Auch weil wir uns auf den Kompromiss einigen konnten, dass es Idioten überall und zu jeder Zeit gibt. Natürlich willst du, der du mir bis hierhin mit dem Lesen gefolgt bist, wissen, wohin die Reise mit dem Kollegen ging. Keine große Sache ehrlich gesagt, was ich aber auch so angekündigt hatte, auch das sei nicht vergessen. Es war mein obligatorischer Kiezspaziergang, den ich nach längeren und auch kürzeren Abwesenheiten als eines der ersten Dinge nach meiner Rückkehr absolviere, diesmal eben im Taxi.

Nach gut zehn Minuten standen wir wieder vor meiner Tür. Alles so weit in Ordnung bei mir im Kiez und auch mit der Taxifahrt: Zehn Euro plus zwei Euro Trinkgeld. Das war es mir Wert, etwas gegen meine Angst getan zu haben, irgendwann wieder richtig arbeiten zu müssen. Wir haben es schließlich selbst in der Hand, ich sagte es bereits, das Zauberwort heißt: Konsum! Ich weiß natürlich auch, dass im Leben nichts sicher ist. Im dümmsten Fall bringt uns dieser verfluchte Kapitalismus wieder dazu, richtig zu arbeiten, oder gar richtig zu denken, das wär' doch mal was, aber wie bereits gesagt, eine Garantie gibt es dafür nicht ...

Text TaxiBerlin

25.01.2017

ALTERNATIVE FAKTEN? - IST (AUCH) VON MIR!


Wer mich kennt, der weiß, dass ich es nicht nötig habe, mich größer zu machen, als ich bin. Aber jetzt, wo es einmal raus ist, kann ich es auch zugegeben: Alternative Fakten, ganz bewusst ohne Anführungszeichen geschrieben, ist (auch) von mir. Und zwar sind das die unwahren Geschichten aus dem wahrem Leben eines Berliner Taxifahrers - der Untertitel dieses meines Berliner Taxifahrer Blogs.

Text TaxiBerlin

24.01.2017

"MIT GOLD KANNST DU DIR SELBST DEN PRÄSIDENTEN KAUFEN."


... ist von ihm !

"Ich suche unwillkürlich an jeder Hügelkette (...) ein kleines Preisschildchen. Diese Preisschildchen sucht man auch an Menschen." Das hat Bertolt Brecht "nur" über Hollywood gesagt, und es war bereits das Jahr 1941. "Mit Gold kannst du dir selbst den Präsidenten kaufen." ist älter und soll für ganz Amerika gelten, möglicherweise sogar für die ganze Welt. Um genau dies herauszufinden, weile ich gerade in den USA, denn was heute hier aktuell ist, wird morgen auch bei uns sein. Sofern es dieses morgen morgen noch gibt, werde ich Anfang Februar, ich hatte es an dieser Stelle bereits angekündigt, auf drei Lesungen darüber berichten. Mehr kann und möchte ich im Moment nicht verraten. Vielleicht noch so viel: "Mit Gold kannst du dir selbst den Präsidenten kaufen." ist aus dem Jahre 1893. Es ist das Jahr der Weltausstellung in Chicago, zu der Aleko Konstantinow aus dem fernen Bulgarien anreiste, um darüber seine so genannten "Reisenotizen" zu verfassen (möglicherweise sogar in einem "composition book" - who knows?), die zu einem Klassiker der bulgarischen Literatur werden sollten. "Nach Chicago und zurück", so der Titel der "Reisenotizen",  die bereits vor Jahren ins Englische übertragen worden, wo sie "To Chicago an Back" heißen. Seit Neuestem liegen Konstantinows "Reiesenotizen" nun auch auf Deutsch vor, liebevoll aus dem Bulgarischen übersetzt von Ines Sebesta, lektoriert u.a. von meiner ehemaligen Hochschul-Dozentin Jana Haase, und "last but not least" herausgegeben von mir beim Wieser-Verlag im österreicherischen Klagenfurt. Aus ihnen, Aleko Konstantinows "Reisenotizen" "Nach Chicago und zurück", werde ich im Februar (2x in Berlin, und zwar im Prenzlauer Berg und in Charlottenburg, sowie 1x im  Landgasthof "Moritz" in Rädigke bei Bad Belzig im Fläming) lesen, und aus ihnen ist auch obiges Zitat (Titel).

Foto&Text TaxiBerlin

23.01.2017

HOW I MAKE AMERIKA GREAT AGAIN


Schreiben heißt komponieren

Schon vor Trump ("not my diktator!") habe ich die wenige Kohle, die mir als Taxifahrer zur Verfügung steht, meist im Ausland ausgegeben, oft auch in den USA. Ich bin, ich sagte das schon in meiner Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" vor Weihnachten auf Pi-Radio (es war bereits die sechste) ein totaler "commercial guy". Ich muss das aber auch sein, weil mir, ich erwähnte das eben bereits, kaum finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, und mich ein gewisses Ehrgefühl vom Betteln und Flaschensammeln zurückhält, auch sind da andere bedürftiger.

In Amerika, wo ich mich gerade aufhalte, sind die meisten, so wie ich, "Zugezogene", die Mehrheit aus Europa, aber auch aus Asien, Südamerika und, nicht zu vergessen, Afrika. Die "native american" oder auch Indianer (man nennt sie hier gelegentlich auch "indien"), weil man ja eigentlich Indien entdecken wollte, sind so gut wie ausgestorben. Aber nicht, wie viele vermuten, weil sie von den "Zugezogenen" aktiv ausgerottet wurden, sondern weil sie den vielen Krankheiten zum Opfer fielen, die die "Zugezogen" mitgebracht haben, aber auch ihrem Essen, weswegen man da aufpassen muss.

Trotz aller Vorsicht kann es passieren, dass sich selbst hier in Amerika, dem "Land der Freien" und dem "Zu hause der Mutigen" plötzlich Kopfweh einstellt. Dann ist es gut, selbst wenn man, so wie ich, ansonsten Pillen verabscheut, etwas Acetylsalicylsäure im Haus hat. Nach Möglichkeit das Original und nicht irgendeinen billigen Nachbau, denn das macht wirklich einen Unterschied. Aber geh du mal in eine Apotheke beispielsweise in Berlin. Klar, da gibt es das Original, aber die Verpackung ist zehnmal so groß wie die Pillen, und der Preis gleich hundertmal so hoch wie die überhaupt Wert sind.

Worauf ich hinaus will: Die wenigen Pillen, die ich brauche, kaufe ich nicht in der Berliner Apotheke, und auch nicht im Internet (das fehlte noch), sondern da, wo ich hinreise. Genauso verhält es sich auch mit meinen Notizbüchern, die hier in Amerika "composition book" (Foto) heißen, was auch viel sinnvoller ist als "Notizbuch", weil es sich bei Geschriebenem generell um Kompositionen handeln sollte. Das "composition book" heute ist natürlich nicht mehr "Made in USA" sondern in "India", hat Zeilen und keine Notenlinien, und verfügt, das macht den Unterschied, über einen kartonierten Einband, was ganz wichtig ist bei Notizbüchern, weil man sie ja überall dabei haben muss, wenn man alle Gedanken, die man so hat, notieren will.

Klar, man kann sich auch die guten Notizbücher holen, die auch schon Chatwin benutzt haben soll. Die haben einen kartonierten Einband, sind aber in der Regel teurer als die Gedanken der meisten Menschen wert sind. OK, es gibt ein paar ganz schlaue, die machen vorm Schreiben eine Marktanalyse, aber wer will das morgen noch lesen, wo es doch heute schon niemanden mehr interessiert. Deswegen kann ich jedem, der kein Thomas Bernhard ist, das "composition book" aus Indien nur wärmstens empfehlen. Du bekommst es, genauso wie die 140 Tabletten Aspirin, überall in Amerika im "Dollar Store", und es kostet dort, wie der Name schon sagt, nur einen lumpigen Dollar plus Steuer, also sagen wir besser einen Dollar und zehn Cent oder so.

PS: Im "Dollar Store" gibt es auch Lebensmittel, mit denen man aber, wie eingangs erwähnt, sehr vorsichtig sein sollte. Aktuell gibt es dort "Real Mayonnaise" von "Hellmann's", die zweifellos eine der besten Mayonnaisen der Welt ist. Das liegt, komischerweise muss man sagen, vor allem daran, dass sie kaum Zucker enthält, wie sonst bei anderen Mayonnaisen absolut üblich. Zucker ist aber, das wissen viele nicht, neben Alkohol, das Grundübel der westlichen Zivilisation. Daran lag es also nicht, dass ich von der feinsten "Hellmann's Mayonnaise" besser die Finger gelassen habe. Der Grund war das "best before febr. 2017" auf der Verpackung, auch wenn das nur ein Richtwert ist, aber für ein Kilo Mayonnaise brauche ich dann doch etwas länger ...

Foto&Text TaxiBerlin

22.01.2017

MAPS ARE MY RELIGION


Karten sind meine Religion

Karten sind meine Religion, ich kann das nicht oft genug wiederholen. Und auch das: Leute, macht euch nicht von Navis und Smartphones abhängig. Solche Sachen machen nur blöd. Damit dies nicht passiert, werden nicht nur bei mir im Taxi, sondern auch in meiner Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" regelmäßig Straßen vorgelesen. Dazu sind wir als Taxifahrer verpflichtet. Wir haben als öffentliches Verkehrsmittel nicht nur die Beförderungspflicht, was die meisten von euch noch wissen, sondern auch den Bildungsauftrag. In Sachen Karten, die, wie ich eingangs erwähnte, meine Religion sind, gibt es jetzt etwas Neues (Foto) zu berichten, und das kommt wie so oft aus Amerika. Ich bin mir nicht sicher, ob wir es schaffen werden in der nächsten Sendung, es ist immerhin schon die achte, alle 26 Adressen vorzulesen, wo man in einer amerikanischen Hauptstadt seinen Stoff bekommt, beginnend mit 1841 El Camino (nochmal Foto). Sicher ist, dass unsere nächste Sendung am 3.Februar ab 21Uhr in Berlin unter der 88.4, in Potsdam unter 90.7 und im Internet als Live-Stream zu hören sein wird.

Foto&Text TaxiBerlin

20.01.2017

EINE BALKANISCHE BAUERNREGEL


Wie bereits erwähnt, befinde ich mich gerade in Amerika, um alte Balkanische Bauernregeln auf ihre Allgemeingültigkeit zu prüfen. Bei meiner Recherche bin ich darauf gestoßen, dass vor ziemlich genau 750 Jahren ein Bauer bulgarischer Zar war. "Ivailo der Schweinehirt" ist sein Name, er hatte zuvor erfolgreich einen Bauernaufstand, den ersten in Europa, geleitet, um danach Maria, die Frau des vorherigen Zaren, zu heiraten. Seine Regentschaft, so die Geschichte, dauerte zwei Jahre, und zwar von 1277 bis 1279. Es gibt also allen Grund zur Hoffnung, auch an einem solchen Tag wie heute, vorausgesetzt dass Balkanische Bauernregeln auch heute noch ihre Gültigkeit besitzen.

Text TaxiBerlin

STELL EINEN ESEL AUF UND ER WIRD GEWÄHLT!


Aber stimmt es wirklich?

Der wahre Grund, warum ich gerade als Gastarbeiter auf Maggies Gulag aushelfe, sind weder die fehlenden Taxifahrgäste in Berlin, nicht mein Bademantel Modell "Zigeuner", in dem ich gereist bin, auch nicht UBER, dessen Headquarter in San Francisco ich einen Besuch abstatten wollte, und schon gar nicht Trump, der, so wie es aussieht, heute in sein Amt eingeführt wird. Der wahre Grund für meine Gastarbeitertätigkeit in Amerika ist, alte balkanische Weisheiten auf ihre Allgemeingültigkeit zu prüfen. Dass Trump sich selbst aufgestellt hat, ändert, so denke ich, nichts an der Gültigkeit der alten balkanischen Bauernregel: "Stell einen Esel auf und er wird gewählt!" - ganz im Gegenteil. Ist es doch vielmehr "Das selbe Lied mit neuer Stimme", was ebenfalls eine Weisheit vom Rande Europas ist. Anfang Februar schon werde ich auf gemeinsamen Lesungen mit dem von mir geschätzten Balkanexperten, Übersetzer, Autor, Kollegen und Freund Thomas Frahm über meine Reise Bericht erstatten. Jeder, der auch einmal den Westen durch die balkanische Brille betrachten möchte, sollte sich jetzt bereits den 9., den 10. oder wegen mir auch den 11. Februar frei halten. "Save the date" for our unique crazy and funny show "Sofia - Berlin - Chicago" - more details comming soon.

Foto&Text TaxiBerlin

18.01.2017

ALS GASTARBEITER AUF MAGGIES GULAG



Der "Maggies Gulag" Song

Ich bin nicht nur wegen dem Bademantel Modell "Zigeuner" in Amerika, auch nicht wegen UBER und schon gar nicht wegen Trump. Ich bin als Arbeiter in Amerika, auch wenn ich offiziell gar nicht arbeiten darf hier. Deswegen nennen wir das Ganze besser "Erfahrungsaustausch", was es auch irgendwie trifft. Wer meinen Blog regelmäßig ließt, weiß, dass ich nicht nur Taxifahrer, sondern auch Gulagmanager bin. Meist ist mein Taxi mein kleiner Gulag, am Rande Europas habe ich noch einen großen. Nun ist es so, dass es immer gut ist, einmal die andere Seite kennenzulernen. So suchen wir beispielsweise noch einen bekennenden Taxihasser oder zumindest jemanden, der viel Taxi fährt, damit er uns in unserer Radiosendung (die nächste ist am 3.Februar) einmal darüber berichten kann. Ich bin jetzt gerade dabei und mache die Erfahrung, wie es ist, wenn man selbst in einem Gulag arbeitet. Schön ist das nicht, das kannst du mir glauben. Arbeit gibt es, das sage ich meinen Leuten auch immer, für das ganze chinesische Volk. Immerhin gibt es regelmäßig zu essen. Manchmal werden wir auch durch die Gegend gefahren, meist zum Baumarkt, um Material zu kaufen. Und diese Fahrten sind für mich ehrlich gesagt das Größte. Aber nicht etwa, weil es auf dem Baumarkt auch mal andere Frauen zu sehen gibt. Nein, es ist deswegen das Größte, weil Maggie, die unseren kleinen Gulag leitet und eigentlich Virginia heißt, eine verdammt gute Fahrerin ist, und es nichts Größeres für einen Taxifahrer gibt, als einmal von einer verdammt guten Fahrerin durch die Gegend gefahren zu werden.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

16.01.2017

CALL OR TAKE BUT NOT A TAXI


Ein Fossil von vorgestern

Nachdem man mich gestern bei UBER nicht reingelassen hat, habe ich viel Zeit, beispielsweise zum Fernsehen. Und da habe ich mir gestern Abend einen unmöglichen Film angesehen, mit unwahrscheinlich schlechten Schauspielern und einer schier unglaublichen Story. Es ging irgendwie ums Heiraten, was an sich mein Ding ist, gerade in Amerika. Die jungen Leute im Movie hatten aber, wie nur allzuoft die jungen Menschen heutzutage, keinen Plan. Der angehende Bräutigam wusste zum Beispiel nicht, dass seine Braut in Spe gar nicht von ihm, sondern von seinem besten Freund, den er natürlich zu der Hochzeit eingeladen hatte, entjungfert wurden war. Ich frage mich, worüber junge Leute heute noch sprechen, insbesondere vorm Heiraten, wenn das Wichtigste im Leben unausgesprochen bleibt. Wahrscheinlich, welches dumme Tattoo sie sich als nächstes auf ihre blöden Körper stechen lassen. Auf jeden Fall, und darum geht es in meinem Leben, wurde in diesem bescheuerten Film auch Taxi gefahren. Und wie das in Amerika so ist, geht hier keiner zum Taxistand, weil es den nämlich gar nicht gibt, außer vielleicht am Flughafen und vor den größeren Hotels. In Amerika, und das war das einzig Interessante an dem ansonsten total beknackten Film, ruft man heute kein Taxi mehr. Nein, meine lieben Landsleute und guten Europäer, ich muss es euch leider sagen, in Amerika ruft man heute ausschließlich ein UBER.

Foto&Text TaxiBerlin

14.01.2017

ZU BESUCH BEI UBER


UBER-Headquarter, SanFran, Market Str.

Was gestern die Blume im Haar war, ist heute der Bademantel, den man unbedingt tragen sollte, wenn man nach San Francisco kommt. Das kann ich ohne Übertreibung sagen. Im Bademantel zu fliegen ist wahrlich nichts Besonderes mehr. Wer lange nicht geflogen ist, dem beschreibe ich kurz meine Mitreisenden im eidgenössischen Flieger: Hinter mir saß ein junger Mann im Muskel-Shirt, vor mir ein Pärchen im Schlabber-Look mit Jogging-Hose und neben mir eine nur mit einem BH bekleidet Dame. Letztere animierte mich wohl dazu, kurz vor der Landung den von mir entwickelten Hodenhalter anzulegen. Das führte wiederum dazu, so vermute ich zumindest, dass ich gleich mal meine Fingerabdrücke abgeben durfte (sowohl den Bademantel als auch den Hodenhalter konnte ich anbehalten). Fingerabdrücke, das sei noch hinzugefügt, musste nicht nur ich, sondern auch viele andere abgeben. Amerika ist hier Europa weit hinterher ...

Jetzt, wo sie meine Fingerabdrücke haben, kann mir nichts mehr passieren. Das muss man auch mal so sehen. Deswegen bin ich auch gleich direkt zum UBER-Headquarter in die Market Str. in SanFran. Ich denke, es ist wichtig, seine Feinde zu kennen. Außerdem schadet es nie, jemandem, den man man nicht leiden kann, auch zu sagen, dass man ihn nicht leiden kann. Aber wer mag das schon? So auch UBER! Zuerst dachte ich noch, dass es am Bademantel lag, den ich noch trug und auch immer noch trage, warum mich ein Migrant wie ich vom UBER-Eingang fernhielt. Fotos dürfte ich mache. Was ich nicht sollte, war, dem UBER-Gebäude zu nahe zu kommen. Und das lag wiederum daran, dass es sich um Privatgelände handelt, was, wenn man so will, in "Stein gemeißelt" ist, woraufhin mich wiederum der Migrant am Eingang hinwies. Hier scheint uns nun Amerika weit voraus zu sein:

TaxiBerlin unerwünscht

Foto&Text TaxiBerlin

12.01.2017

IM BADEMANTEL NACH AMERIKA


"Über den Wolken ... "

Anfang Januar ist nicht nur im Taxi Tote Hose, sondern auch im Flugzeug. Da kann jeder mit den Schweizern fliegen, also auch ich, weswegen im Flieger selbst dann schon wieder ganz schön was los ist. Ich bin ja nun schon etwas älter, habe die gute alte Zeit noch selbst miterlebt, als Fliegen noch etwas exklusives hatte. Ich habe es mir also nicht ausgedacht. Diese Exklusivität von früher hat es heute nicht mehr, das kann ich ganz klar sagen, ausser man gibt sich selbst eine gewisse Exklusivität. Genau das versuche ich derzeit, ich hatte es auch angekündigt, nachdem meine Silvesterschicht im Bademantel ein so großer Erfolg war. Diesen Beitrag schreibe ich exklusiv aus dem Schweizer Flieger, der gerade über Grönland fliegt, das auf Englisch Greenland heißt, was aber ganz in Schnee gehüllt ist. Ich sitze hier ganz entspannt in meinem frisch gewaschenen Bademantel Modell "Zigeuner" und erfreue mich an Schweizer Schokolade und der üblichen Italienischen Tiefkühlpasta der Holzklasse. Die Schweizer, so viel kann ich verraten, sind nicht nur in Sachen Bademantel, aber auch da, total neutral. Gespannt bin ich, ein klein wenig Angst habe ich auch, was die Amerikaner zu meinem Outfit sagen, insbesondere seitdem ich neuerdings selber einer bin. "Davon später mehr."

Foto&Text TaxiBerlin

11.01.2017

BERLIN IST MEIN BÜRO


Außenwerbung

Genau genommen ist nicht Berlin mein Büro, denn Berlin ist bereits Mutter und Vater, sondern mein Taxi. Und da sieht es im Moment ziemlich leer aus, sieht man mal von meiner Wenigkeit ab. Mit leeren Räumen ist es so, dass sie meist größer wirken als sie sind. Das ist eigentlich schon die ganze Geschichte meiner neuen Außenwerbung. Bisher hat noch niemand ein Problem damit gehabt, wie denn auch, bei der erwähnten Leere im Taxi, also von Fahrgästen. Ich sehe sie aber schon bildlich vor mir, und zwar die, die immer irgendwas zu sabbeln haben, obwohl sie gar nichts zu sagen haben, und nicht eine Sekunde Ruhe geben, selbst wenn sie alleine sind, weswegen sie immer mit irgendjemanden quatschen müssen, und sei es mit ihrem blöden Smartphone. Das wird eine harte Zeit werden, wenn es denn irgendwann wieder los geht im Taxi, für meine Fahrgäste meine ich.

Foto&Text TaxiBerlin

09.01.2017

ICH BIN BREITSCHEIDPLATZ


Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, dass alle Welt "Charlie" sein wollte, um genau zu sein "Charlie Hebdo", die Satirezeitschrift aus Frankreich. Damals trugen nicht nur viele Leute ein T-Shirt mit dieser Aufschrift, sogar in Hollywood wurden welche gesichtet, sondern Hunderttausende gingen auf die Straße. Nach dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz haben diese Fünf dort demonstriert, wobei demonstriert nicht das richtige Wort ist. Sie haben nur demonstrativ fünf weiße Rosen dort abgelegt. Fünf weiße Rosen für zwölf Opfer. (Manche zählen auch den Attentäter zu den Opfern, dann wären es dreizehn.) Das war's. Keine Demonstration. Keine T-Shirts. Nichts.

Über den Attentäter wissen wir sehr viel. Dass er vierzehn Identitäten besaß, wie viele Geschwister er hat, wer seine Mutter ist und was sein Vater macht. Über die Opfer weiß man dagegen so gut wie nichts. Gut, dass das erste Opfer ein polnischer LKW-Fahrer war, daran erinnern sich die meisten noch. Aber wer weiß schon, dass unter den Opfern auch Personen mit tschechischer, ukrainischer, italienischer und israelischer Nationalität waren? Dass zwei der Opfer aus Brandenburg kamen? (Ein 32 Jahre alter Mann aus Brandenburg an der Havel und eine 53-Jährige Frau aus dem Landkreis Dahme-Spreewald.) Und wer weiß, ob Berliner unter den Opfer sind?

Für mich ist der Attentäter kein Opfer. Für mich ist er nur eine dumme und feige Drecksau, und ich hoffe, dass die 72 Jungfrauen seiner impotenten Seele keine Ruhe lassen im Paradies. Aber das wichtigste: Sollte einer dieser eierlosen Gesellen, die so gerne von Ehre reden, egal ob er aus dem Süden, Osten, Westen oder Norden kommt, oder von hier ist, in die Fußstapfen von Anis Arschloch treten wollen, so möge er sich vorher bei mir melden, damit wir das austragen können. Von Mann zu Mann. Wie es sich gehört. Ich hole dich auch mit dem Taxi von zu hause ab, wenn du keinen LKW hast.

PS: Mir ist es egal, wie du mich nennst. Es ist mir auch Schnuppe, ob Trauer und Wut gerade angesagt sind oder nicht. Berlin ist nicht nur meine Stadt - Berlin ist für mich Mutter und Vater. Und wer nicht traurig oder wütend ist, wenn im Schatten der Gedächtniskirche Unschuldige Opfer eines kranken Hirns werden, dann ist denen nicht mehr zu helfen und nicht mir. Nenn mich rechts, nenn mich Nazi. Pack mich in die Schublade, die dir gefällt. Du hast ja sonst nichts besseres zu tun. Es ist mir egal. I give a shit! Ich bleib so wie ich bin.

Text TaxiBerlin

07.01.2017

TOTE HOSE IM TAXI


Der Jahresanfang ist im Taxi nie der Hit, sieht man mal von Silvester ab. Meist hält sich das Geschäft noch eine Woche lang, dieses Jahr ist es direkt nach Neujahr abgebrochen. Gut, am Montag und auch am Dienstag sind noch drei oder vier Rentner aus dem Urlaub zurück gekommen. Ein oder zwei Mütter mit Kindern wurden noch im Taxi gesichtet. Das war's dann aber auch. Woran das liegt? Keine Ahnung!

Möglicherweise daran, wie die Feiertage dieses Jahr fielen, nicht nur Weihnachten sondern auch Silvester. Neujahr, offizieller Feiertag, fiel auf einen Sonntag, wo sowieso keiner arbeiten muss. Seit ein paar Tagen ist es Schweinekalt in Berlin, und trotzdem sind die Taxen leer. Die wenigen Leute, die sich auf der Straße rumtreiben, ziehen es vor zu laufen. Wahrscheinlich genießen auch sie den Winter mit seinen Minusgraden, auf die wir so viele Jahre verzichten mussten.

Das sind aber alles nur Vermutungen, die keiner beweisen kann. Klar dagegen ist, dass Putin höchst persönlich die Wahlen in Amerika manipuliert hat. Es gibt zwar keinen Zeugen und auch keine Beweise, trotzdem ist es so gewesen. Wie Putin, dieses kleine Männchen aus Moskau, Millionen von Wählern an die Wahlurne gebracht haben soll, die dort dann auch noch den verkehrten wählten, ist allerdings geheim. Das liegt vermutlich daran, dass Putin mit einer Kalaschnikow eingereist ist, die er den Leuten auf die Brust gelegt hat, was aber verboten ist, also die Einreise mit einer Kalschnikow.

Apropos Waffen: Werden denn nicht auch unsere Waffen nach Syrien verkauft (und nicht nur zum auf die Brust legen), und zwar von genau dem, auf den wir oft so stolz sind: "Dem Exportweltmeister"?!? Seit einiger Zeit verteilt der nun Pflaster, allerdings nur im Inland. Warum man die Pflaster nicht gleich mit den Waffen zusammen liefert, bleibt unklar. Es wird wohl die gleiche Geschichte wie mit dem Kinderüberraschungsei sein. Dass da Spielzeug drin ist, geht auch nur, weil es dafür eine Sondererlaubnis gibt, und die fehlt in diesem Fall.

Was hat das nun alles mit Taxifahren zu tun, fragst du dich völlig zu Recht. Ich will es dir sagen: Absolut nichts! Ich habe einfach zu viel Zeit. Im Taxi geht, wie eingangs beschrieben, im Moment gar nichts. Da bleibt viel Zeit zum Nachdenken. Konsumieren, was ich eigentlich sollte, kann ich nicht. Dazu fehlt mir die Kohle. Und genau das ist das Problem. Also jetzt nicht die fehlende Kohle, sondern die zahlreich vorhandene Zeit. Aber nicht deswegen, weil man sich da seine Gedanken macht. Nein, das ist normal. Das Problem ist, dass es oft die falschen Gedanken sind. Musst du mal drauf achten!

Text TaxiBerlin

06.01.2017

# 7 HIER SPRICHT TAXIBERLIN SPRICHT HIER 7 #


Heute im Studio

Auf der Straße ist gerade "Tote Hose". Die richtige Zeit also, um mal ins Studio zu gehen. Als Kollege Daniel, den ich bis dato nicht kannte, vor vier Wochen seinen Autoschlüssel abgab, um Dudelsack spielen zu lernen, konnte er nicht wissen, dass TaxiBerlin (also ich) einer der größten (wenn nicht gar DER größte) Manager von Dudelsackspielern in Berlin ist. Warum Daniel aufhört Taxi zu fahren und anfängt Dudelsack zu spielen, das erfährst du neben vielen anderem bei unserer ersten Probe, heute ab 21 Uhr auf Pi-Radio, in Berlin unter 88.4, in Potsdam auf der 90.7 und hier im Internet Live-Stream.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

05.01.2017

IDENTITÄTEN


Manchmal mache ich mir Sorgen, weil ich zwei Identitäten habe (eigentlich drei, aber das muss unter muss bleiben.) Gerade habe ich erfahren, dass das überhaupt kein Problem ist, was mich enorm beruhigt. Ganz im Gegenteil, zwei (wie gesagt: eigentlich drei) sind eigentlich viel zu wenig. Je mehr Identitäten man hat, desto mehr kann man machen. Das klingt logisch, ist aber nicht jedem klar. Viele denken da nur ans Abgrabbeln, oder mit einem anderen Wort an Sozialbetrug. Das sind aber nur die kleinen Geister, auch Kleingeister genannt. Ich jedenfalls denke da in ganz anderen Dimensionen. Also eigentlich nicht ich, sondern eine meiner Identitäten. Das muss man auseinanderhalten. Das ist wichtig, wenn man irgendwann mal dafür belangt werden soll, weil irgendeine Identität Mist gemacht hat, was mehr als unwahrscheinlich ist. Sollte es wider erwarten doch einmal dazu kommen, soll einfach jemand anders dafür gerade stehen - ich glaube das geht. Auch damit das nicht TaxiBerlin ist, dessen Texte auch du so gerne liest (oder?), brauche ich noch mehr Identitäten.

Text TaxiBerlin

HIER SPRICHT TAXIBERLIN # 7



"It's a long way ..."

Morgen ist es wieder so weit, da sind wir wieder auf Sendung. Wir, das sind Layne alias TaxiGourmet (Autorin und TaxiKollegin aus New York), der Fotograf von Oz an den Reglern und ich als TaxiBerlin. Für unsere siebente Sendung haben wir uns einen ganz besonderen Gast eingeladen, und zwar den (noch) Berliner Taxifahrer Daniel, den ich bisher nur einmal in meinem Leben getroffen habe, und das war irgendwann Ende letzten Jahres, genauer gesagt vor drei Wochen, und zwar im Büro unserer gemeinsamen Firma im Wedding (jetzt Neue Mitte), wo er den Schlüssel abgegeben hat. Seinen Schlüssel (es war nicht der Löffel!) hat Daniel deswegen abgegeben, weil er aufhört mit dem Taxifahren, das Ganze nach 13 Jahren im Fahrersitz. Warum Daniel aufhört (ob vielleicht etwas dramatisches passiert ist in seinem Taxi) und was er nun tun wird (es war von einem exotischen Instrument die Rede, das er erlernen will), das wird uns Daniel (so Gott will) alles morgen ab 21 Uhr auf Pi-Radio verraten. In Berlin ist das die 88.4, in Potsdam die 90.7 oder hier im Internet Live-Stream.

Video YouTube
Foto&Text TaxiBerlin

04.01.2017

MEIN TAG DER BÜCHER (EIN NACHTRAG)


"Das Kuss-Experiment" (Werbung)

Das Wichtigste, das passiert mir nur all zu oft, habe ich gestern mal wieder vergessen, und zwar das Buch, das ich selbst gerade lese. Es geht da unter anderem um Lieder aus Persien, aber nicht nur. Das Thema des Buches ist, wenn ich es richtig verstehe, die Vielweiberei. Es heißt jedenfalls "Das Harem-Experiment" und geschrieben hat es eine Frau. Auf Seite 150 wird da nun dieses persisches Lied zitiert, das möglicherweise auch dich interessieren könnte: "Spricht einer schlecht von dir, so gib ihm den Ehrenplatz an deinem Hof; denn er ist der Anlass dafür, dass du dich bessern kannst. Ein Freund wird dir kaum die Wahrheit sagen; doch ein Feind hält sich nicht zurück."

Text TaxiBerlin

03.01.2017

MEIN TAG DER BÜCHER


Buch- und VHS-Spende am Flughafen Tegel

Heute war echt Tag der Bücher bei mir. Zuerst habe ich eins verschenkt (im Büro meiner Firma im Wedding, jetzt Mitte), dann eins am Flughafen Tegel gespendet (Foto), danach eins verborgt (an einen Kollegen am Bahnhof Friedrichstraße) und zum Schluss noch eins verkauft. Im Taxi, an eine junge Frau, aus Hamburg, die aber in Wien wohnt, weswegen sie genau die richtige für dieses Buch war. Ich hatte den Verkauf bereits hier angekündigt. Die Käuferin kannte den Autor, genauso wie sie wusste, wer gerade bei mir im Auto vom "Lost Highway" sang (Hank Williams), dieses Buch von Thomas Bernhard, das hatte sie aber noch nicht gelesen. Viel Spaß bei der Lektüre!

Foto&Text TaxiBerlin

BÖSE VORSÄTZE


Bei mir geht's anders lang!

Gute Vorsätze - wer hat sie nicht, gerade jetzt zu Jahresbeginn. Aber wer hat schon böse Vorsätze? Dabei gibt es das Gute nur, weil es auch das Böse gibt. Ich habe böse Vorsätze, und zwar im Taxi, und nur da. Wer hier keine Ahnung hat, kriegt 'ne klare Ansage oder fliegt raus, oder beides. Dumm stellen gilt nicht mehr. Beispielsweise diese elenden Trinkgeldverweigerer aus dem Süden unseres schönen Kontinents. Die sollen sich einen Stadtführer kaufen, wozu gibt es sie schließlich. Dort steht genau drin, wie viel man gibt, wenn der Service gut war. Und wer trotzdem keins gibt, kann gleich zu hause bleiben. Noch können wir uns unsere Besucher aussuchen, oder? Und unsere Fahrgäste auch! Eins kann ich jetzt schon sagen, auch wenn das neue Jahre keine drei Tage alt ist: Böse Vorsätze tun richtig gut.

Foto&Text TaxiBerlin

02.01.2017

DER ERSTE SKANDAL


Ich finde es skandalös, das muss ich an dieser Stelle einmal in aller Deutlichkeit sagen, dass ich in der Silvesternacht nicht einmal kontrolliert oder zumindest ansatzweise überprüft wurde. Das liegt nicht nur daran, dass ich der Meinung bin, dass Taxifahrer prinzipiell öfters angehalten werden sollte. Es liegt vor allem daran, dass ich denke, dass alle Männer potentielle Vergewaltiger sind. So auch ich - nur dass das klar ist! Ich gehe aber noch einen Schritt weiter. Ich frage mich, warum nicht alle Menschen, also auch Frauen, nicht mal so richtig durchleuchtet werden, wenn sie es mittels Facebook&Co nicht schon selbst tun. Denn, und das muss auch einmal gefragt sein dürfen, sind denn nicht alle Menschen auch potentielle Mörder?

Text TaxiBerlin

DIE SILVESTERNACHT - EIN RÜCKBLICK


Es war ungefähr die zwanzigste (gefühlt mindestens die fünfzigste) Silvesternacht, die ich Taxifahrend auf den Berliner Straßen verbracht habe. Die Idee, dieses Mal dabei einen Bademantel zu tragen, entpuppte sich als wahrer Glücksfall, vor allem was das Trinkgeld angeht. Dazu später mehr. Erst einmal noch ein Wort zu meinem Bademantel, der kein einfacher Bademantel vom Flohmarkt ist, sondern ein edles Designer-Stück, Modell "Zigeuner", ich erwähnte es. Trotz der zahlreichen Fahrten, wie das in DER Nacht des Jahres zu erwarten war, kommentierten nur etwa ein Drittel der Leute mein Outfit, was an sich kein schlechter Schnitt ist, fällt mir gerade ein, wo ich es aufschreibe. Normalerweise kannst du ja neunzig Prozent komplett vergessen. Im Prinzip kann ich es kurz machen. Die dreißig Prozent waren das aussterbende Berliner Taxipublikum, der Rest Bloody Tourists. Ein Grenzfall zwischen beidem war das Paar aus Australien mit Wohnsitz in Charlottenburg. Der Mann riet mir, nach seiner Meinung zu meinen Plänen mit dem selben Bademantel nach Amerika zu reisen befragt, unbedingt Business-Class zu fliegen. Und so wie es im Moment aussieht, also Trinkgeldmäßig, ist ein solches zumindest monetär nicht zu unterschätzendes Vorhaben, nicht mehr völlig auszuschließen, auch wenn ich sonst für das selbe Geld eher Automobile, wenn nicht gar Immobilien erwerbe. Vorher werde ich aber, das empfahl mir gerade eben eine junge Frau aus meinem Kiez, die sich mit Werbung auskennt, noch eine Bademantelschicht im Sommer einlegen, bei der ich, im Gegensatz zu letzter Nacht, nichts drunter tragen soll, und über die ich selbstverständlich wie gehabt hier an dieser Stelle berichten werde. Ich freu mich drauf!

Text TaxiBerlin

01.01.2017

DER DIE ODER DAS ?


Ich weiß gar nicht mehr genau, wie wir drauf gekommen sind, aber irgendjemand meinte jedenfalls letzte Nacht, es hieße DER Klientel und ich DAS. Richtig ist aber DIE Klientel. Und zwar, weil Klientel feminin ist, und nicht etwa, weil es DIE üblichen Verdächtigen heißt.

Text TaxiBerlin

DURCH DIE TAXINACHT MIT DEM BADEMANTEL


Modell "Zauberer"

2017 hat noch gar nicht richtig angefangen, da realisiere ich bereits meine erste richtig gute Idee. Gut, die eigentliche Idee ist, in genau diesem Bademantel Modell "Zauberer" nach Amerika zu fliegen, also nach Kalifornien. Meine Silvesterschicht, die in wenigen Minuten beginnt, ist, wenn du so willst, "nur" die Generalprobe dafür. Aber auch in einer Silvesternacht im Taxi kann ein Bademantel von Vorteil sein. Worin dieser Vorteil genau bestehen soll, weiß ich allerdings noch nicht. Ich lasse mich überraschen, genauso wie von 2017.

Foto&Text TaxiBerlin