15.06.2017

NICHT MAL EINSTURZGEFÄHRDET



trotz stundenlangem Brand

Gestern ist ein Radfahrer in Berlin nach einem Unfall an seinen Kopfverletzungen verstorben, nachdem ihm genau das passierte, was mir vor einigen Jahren auch passiert ist. Die Tür eines parkenden Autos wurde unvermittelt aufgerissen, er/ich konnte nicht mehr ausweichen und fuhr dagegen. Das Auto war weder bei ihm noch bei mir ein Taxi (bei ihm soll es ein Diplomatenwagen gewesen sein). Wie gesagt, der Radfahrer ist jetzt an seinen schweren Kopfverletzungen verstorben. Ich war damals immerhin eine Woche im Krankenhaus und durfte danach noch zwei Monate mit Gehhilfen durch die Gegend laufen. Ich schreibe dies, weil mir sowohl der Tod des Fahrradfahrers in Berlin, als auch die Opfer des Nochhausbrandes in London nicht egal sind. Trotzdem ist es erlaubt, sich bei letzterem einmal etwas genauer mit dem Brand an sich zu beschäftigen. Das tut auch Dieter Räsch, immerhin Vorstandsmitglied der Bayrischen Ingenieurkammer-Bau, der sich verwundert über das Ausmaß des Brandes zeigt, sich aber sicher ist, dass ein solcher Brand hierzulande "eher nicht zu erwarten" wäre, was mich ungemein beruhigt. Die viel wichtigere Frage ist sowieso: Warum stürzt das Hochhaus nicht ein, nicht einmal teilweise? Bis zum Schluss waren Feuerwehrleute in dem brennenden Gebäude, um möglichst viele Menschen zu retten, und bis jetzt ist es "entgegen ersten Befürchtungen nicht einsturzgefährdet."

Video YouTube
Text TaxiBerlin

14.06.2017

ES IST ZUM VERRÜCKT WERDEN



aktuell in der britischen Hauptstadt

Es ist zum verrückt werden: Ständig brennen irgendwelche Hochhäuser, wenn auch nicht in Berlin, so aktuell doch immerhin in London, und das nicht nur so ein bisschen, sondern richtig - aber sie wollen einfach nicht einstürzen, noch nicht einmal teilweise ...

PS: Am 11. September 2001 sind nicht nur die beiden Zwillingstürme eingestürzt, sondern noch ein drittes Gebäude, das so genannte WTC 7 mit 47 Etagen, in das kein Flugzeug hinein geflogen war. Allerdings fielen Trümmer auf das Gebäude und es hat auf sechs Stockwerken sieben Stunden lang gebrannt. Dass das WTC 7 "einstürzen" würde, anerkannte Experten vermuten eher eine kontrollierte Sprengung, wurde bereits 20 Minuten vor seinem "Einsturz" von der BBC in London "vorhergesagt". Aktuell wird ein Einsturz immerhin "befürchtet".

Video YouTube
Text TaxiBerlin

13.06.2017

IN THE FOOTSTEPS OF TAXIBERLIN: UBER-CHEF KALANICK


Keine 24 Stunden nachdem ich bekanntgegeben habe, dass ich reif für eine Auszeit bin, folgt mir kein geringerer als Uber-Chef Kalanick, der Feind aller ehrlichen Taxifahrer, in eine ebensolche, wobei man ganz klar sagen muss, dass seine Auszeit mit meiner Auszeit nichts zu tun hat. Klar hat auch Kalanick persönliche Probleme - aber wer hat die nicht?! Das eigentliche Problem von Kalanick ist aber, wenn man so will, genau das Gegenteil von meinem Problem. Während ich überlege auch noch den Cent durchzusägen, um irgendwie über die Runden kommen, hat Kalanick vor allem eines: Geld! Was ihm fehlt, ist der Erfolg, weshalb sein "Versprechen", welches er via e-mail seinen Mitarbeitern gab, sich in seiner Auszeit zu der Art Chef zu entwickeln, "den diese Firma verdient und den Ihr verdient", an erster Stelle als Drohung zu verstehen ist. Auszeit ist eben nicht gleich Auszeit, weswegen man auch nicht jede Auszeit gutheißen kann, außer sie hätte, zumindest im Fall Kalanick, kein Ende.

Text TaxiBerlin

12.06.2017

ZEIT FÜR EINE AUSZEIT


Die schönsten Dinge im Leben sind immer für ... jeden

Im meinem letzten Beitrag hatte ich es bereits angedeutet, wie es um mich bestellt ist. Dabei darf man nicht vergessen, dass selbst der unbekannteste Herausgeber immer auch ein Produkt seiner Umwelt ist. Dagegen ist kein Kraut gewachsen, und schon gar nicht das nicht vorhandene auf den Berliner Straßen, auf denen ich seit viele Jahre mit meinem Taxi unterwegs bin. Neulich zum Beispiel, da fing ich an mein Geld zu zählen, obwohl da gar nichts zu zählen ist, oder gerade deswegen - wer weiß das schon so genau? Gestern war es nun so weit, da wurde mir klar, dass ich wirklich reif für eine Auszeit bin, denn da hatte ich die Idee (und ich weiß selbst, dass sich das völlig verrückt anhört, aber was hat man nicht alles für Ideen, die eigentlich total bescheuert sind?!) den letzten Cent durchzusägen, nur um irgendwie über die Runden zu kommen. Da ich nun in einem gewissen Alter bin und einige Erfahrungen auf der Straße gemacht habe, kann ich nur jedem, den ähnliche Gedanken quälen, eine Auszeit ans Herz legen.

Foto&Text TaxiBerlin

11.06.2017

DAS SIND DIE SCHLIMMSTEN


Die unbekannten Herausgeber (Quelle: Amazon)

Hatte ich gestern noch behauptet, die so genannten Kiiieeenstler (allen voran die bekannten) wären die Schlimmsten, muss ich mich heute bereits korrigieren. Am allerschlimmsten sind die unbekannten Herausgeber. Ich zum Beispiel, den nun wirklich keine Sau kennt, nenne mich gleich mal als Mit-Autor, und das sogar noch vor dem eigentlichen Autor. Dem ist das zum Glück egal, denn der lebt nicht mehr, und als er noch lebte, lebte er nach der Devise: "Lieber ein unzufriedener Mensch, als ein zufriedenes Schwein!" Von dem droht also keine Gefahr. Ich schreibe diesen Beitrag auch nur, weil sich am Erscheinungsdatum was ändern wird. Genau genommen ist es so: Wann immer das Ende eines Monats auftaucht, ist immer das Ende des Jahres gemeint. In unserem Fall kann man von Glück reden, dass aus Ende September "nur" Ende Dezember wird. Zum Schluss noch ein Satz zur kostenlosen Lieferung: Die gibt es selbstverständlich nur in Verbindung mit einer Taxfahrt, wobei noch nicht ganz klar ist, ob Kurzstrecken davon ausgenommen sind, einfach weil der Verkauf und die Herausgabe des Wechselgeldes viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Mein Vorschlag zur Güte wäre, den Gesamtpreis vom Buch (11,95 €) plus der Kurzstrecke (5 €) einfach auf 20 € aufzurunden, vorausgesetzt dass das denn auch mit EU-Recht vereinbar ist.

Foto&Text TaxiBerlin

10.06.2017

KIIIEEENSTLER


Mit den Jahren finde ich so genannte Kiiieeenstler immer merkwürdiger. Anfangs dachte ich noch, es beträfe nur die unbekannten. Heute weiß ich: Umso bekannter sie sind, desto merkwürdiger sind sie auch. Am merkwürdigsten sind die ganz bekannten Kiiieeenstler, die regelrecht durchgeförderten, vom Kunstbetrieb seelisch abhängigen, weswegen sie auf ihre täglichen Verwöhneinheiten nicht mehr verzichten können. Wenn sie die nicht bekommen, dann können die ganz doll auftreten mit dem Fuß und "Manno" dazu schreien, wie neulich bei mir im Taxi. Das hörte sich richtig radikal an. Am Ende der Fahrt war dann schon wieder alles in Ordnung mit meinem Kiiieeenstler. Das nächste Stipendium war nun doch bewilligt und die Hochzeit, mit der er ausgesorgt hat, auch noch nicht abgesagt. Nur meine arme Fußmatte, die hat jetzt 'ne Delle.

Text TaxiBerlin

08.06.2017

TAXIBERLIN ALS VORPRODUZENT


"hoffentlich auf bald im Taxi" - Ingo Schulze

Was andernorts einfach nur eine Aufzeichnung ist, heißt bei "Pi-Radio", wo ich alle vier Wochen meine Show "Hier spricht TaxiBerlin" habe, "Vorproduktion" - man gönnt sich ja sonst nichts. Eine solche, genau genommen gleich zwei, also zwei Sendungen, habe ich gestern für den Sommer "vorproduziert". Einerseits deswegen, weil es bei "Pi-Radio" dieses Jahr keine Sommerpause gibt und ich traditionell genau dann meine Auszeit vom Taxifahren nehme. Andererseits auch, weil einer meiner Gäste Freitags nie kann, wenn die Sendung live "produziert" wird. Gestern bei meinen "Vorproduktionen", es waren wie gesagt zwei, hatte ich nämlich zwei Gäste. Einer saß mir im Studio, den anderen rief ich an. Der mit mir im Studio saß, war der Autor Ingo Schulze, der u.a. "33 Augenblicke des Glücks", "Simple Storys" und "Neue Leben" geschrieben hat, und der auch einmal Taxifahrer in Berlin werden wollte, wie ich gestern beim "vorproduzieren" erfuhr. Aus dem Taxischein ist nichts geworden (warum, erfährst du in der Sendung) und im Taxi hat mir Ingo Schulze auch noch nicht gesessen, obwohl er das gerne mal machen würde, um mir aus seinem neuesten Roman "Peter Holtz" vorzulesen. In meinem Taxi saß mir dafür schon einmal der Psychiater, Psychoanalytiker und Buchautor Hans-Joachim Maaz aus Halle an der Saale, von dem u.a. "Der Gefühlsstau" und "Die narzisstische Gesellschaft" sind, mit dem ich ganz "vorproduktiv" am Telefon sprach. Es ging um sein im März erschienenes Buch "Das falsche Leben", in dem er beispielsweise ganz richtig feststellt, dass Navigationsgeräte orientierungsblöd machen, was ich nach vielen Jahren auf der Straße nur bestätigen kann. Der Psychiater und Psychoanalytiker diagnostiziert unserer narzisstischen Gesellschaft eine Normopathie, ein Begriff, den mein Schreibprogramm zwar nicht kennt, der aber immer mehr an Bedeutung gewinnt. Hans-Joachim Maaz aus Halle an der Saale sagt darin nicht nur, dass der Begriff "Lügenpresse" ein Vorwurf gegen "normopathische" Berichterstattung ist, sondern erklärt darüber hinaus auch, was dagegen hilft, und zwar mit wirklich allen Menschen zu reden, so weit dies denn möglich ist. Genau das praktiziere ich seit langem in meinem Taxi, weswegen ich mich auch zu einem Extrem-Zuhörer entwickelt habe. Bei mir im Taxi kann jeder alles sagen, sogar die Wahrheit, weswegen Ingo Schulze auch gerne mal bei mir einsteigen würde. Das möchtest natürlich auch du. Aber du möchtest mehr, und zwar meine "Vorproduktionen" für "alle und keinen" hören. Wenn nichts dazwischenkommt, werden diese am 18. August und am 16. Spetember jeweils ab 21 Uhr ausgestrahlt. Das ganze auf "Pi-Radio", was in Berlin die 88.4 ist, in Potsdam ist es die 90.7, und weltweit im Internet als Live-Stream.

Foto&Text TaxiBerlin

07.06.2017

EINE FRAGE DER EHRE - EIGENTLICH


Eigentlich wollte er selber fahren, und zwar seinen großen Audi, aber da er heute etwas getrunken hatte, was er wegen seinem Glauben eigentlich gar nicht darf, fährt er Taxi. Mehr lässt sich über meinen Fahrgast eigentlich nicht sagen, ausser vielleicht noch, dass es kein Trinkgeld gab, obwohl es an meiner Dienstleistung eigentlich nichts auszusetzen gab - ganz im Gegenteil. Aber das müsse ich verstehen, entschuldigte er sich ganz ungefragt, denn schließlich lebe er von Sozialhilfe - eigentlich. Und der eingangs erwähnte Audi gehöre ihm, ein Mann von Ehre, ich schwör's dir, gar nicht - ebenfalls eigentlich.

Text TaxiBerlin

06.06.2017

FKK-CLUB ARTEMIS NOCHMAL


Ganz neu und leider geil

Warum sollte es ausgerechnet im bekannten FKK-Club Artemis an der Halenseestraße gleich um die Ecke vom Kurfürstendamm anders sein als im Rest der Welt. Wobei, wenn ich mich recht erinnere, steht das große F bei FKK-Club für "frei", oder? Ach so, du kannst mit der Abkürzung FKK so rein gar nichts anfangen? Dann musst du wohl "googeln", oder "den Gockel fragen", wie Fahrgäste neulich meinten. Doch zurück zum FKK-Club Artemis an der Halenseestraße gleich um die Ecke vom Kurfürstendamm. Dort hat man jetzt ganz aktuell nicht nur einen künstlichen Strand mit dazugehöriger Bar (Foto) eröffnet (das wäre noch nichts besonderes), sondern darüber hinaus auch einen VIP STRIPTEASE SALON (nochmal Foto) eingerichtet. Gut, "frei" war der FKK-Club Artemis an der Halenseestraße gleich um die Ecke vom Kurfürstendamm noch nie, aber doch irgendwie (immerhin sind dort alle mehr oder weniger nackt unterwegs) "gleich". Damit ist nun Schluss - Dank dem VIP STRIPTEASE SALON im FKK-Club Artemis an der Halenseestraße gleich um die Ecke vom Kurfürstendamm.

Foto&Text TaxiBerlin

05.06.2017

AUTOBAHNPRIVATISIERUNG - NEIN DANKE!


Bald "Land unter" auf der Bundesautobahn?
Bundesautobahn BAB 100 , "Rudolf-Wissell-Brücke"
früher Charlottenburg, heute Charlottenburg-Wilmersdorf

Wer immer noch denkt, die neoliberale Wirtschaftspolitik hätte sich mit der Bankenkrise erledigt, wird spätestens mit der aktuell beschlossenen Autobahnprivatiserung eines besseren belehrt. Auch wenn wir als Taxifahrer nur wenig auf den Bundesautobahnen unterwegs sind, meist fahren wir auf kommunalen Straßen, gibt es in Berlin doch mehrere Teilstücke der Bundesautobahn. Genau die, also die dem Bund gehörenden Autobahnen, sollen jetzt verkauft werden, und zwar an Banken und Versicherungsgesellschaften, damit wir sie, denen sie heute noch gehören, morgen schon von ihnen zurückkaufen können. Als nächstes dürfte dann der ausschließlich bargeldlose Zahlungsverkehr kommen, um an unsere Kohle ranzukommen, womit wir endgültig gläsern werden, was schlimm genug wäre. So gut wie sicher sind dann aber auch sowohl Gebühren als auch Negativzinsen, damit die Bank mit unserem Geld arbeiten kann, weil wir es ihr, Dank ausschließlich bargeldloser Zahlung, nicht mehr entziehen können. Alles natürlich nur wegen dem Schwarzgeld - das ist klar.

PS: Sahra Wagenknecht hat am Mittwoch noch eine bewegende, weil entlarvende Rede zur Autobahnprivatisierung gehalten, in der sie am Schluss sagt, dass ihre Partei dagegen stimmen wird, was sie im Bundestag wohl auch tat. Im Bundesrat wurde der Privatisierung bereits am Freitag schon auch durch die LINKE zugestimmt.

Text TaxiBerlin

THEMA TOILETTE NOCHMAL


Dixi-Klo (Detail)

Das ich immer wieder auf das Thema Toilette zurückkomme, ist kein böser Wille, ganz im Gegenteil. Auch ein Taxifahrer hat Bedürfnisse (wie jeder andere Mensch auch), und da die meisten keine Toilette bei sich im Taxi haben, bleibt oft nur das Dixi-Klo, von denen es, ich hatte neulich darüber berichtet, Dank der zahlreich vorhandenen Baustellen in Berlin so einige gibt. Jetzt habe ich mir diese  Dinger mal etwas genauer angesehen und musste feststellen, dass das Dixi-Klo nicht nur mobil ist, sondern auch variabel, was das Geschlecht angeht. Es kann wahlweise als Männer- oder als Frauentoilette benutzt werden. Man muss dazu nur den schwarzen Sichtschutz (Foto Mitte) nach links oder eben nach rechts schieben. Ich frage jetzt nicht, warum es überhaupt noch nach Geschlechtern getrennte Toiletten gibt, wenn das Geschlecht sowieso ein soziales Konstrukt ist. Mich interessiert nur, was das Loch in dem Sichtschutz (nochmal Foto Mitte), der das jeweils andere Geschlecht verdeckt, soll?

Foto&Text TaxiBerlin

04.06.2017

DIE EVENTISIERUNG VON BERLIN


Gestern Abend, es war gegen Zehn, gab's mal wieder ein Feuerwerk. Also nichts besonderes, wenn mich mein Fahrgast nicht gefragt hätte, was denn der Grund dafür wäre. Ehrlich gesagt, ich konnte es ihm nicht sagen, obwohl es doch (auch) meine Stadt ist. Wahrscheinlich war es eine Abschiedsfeier, möglicherweise auch 'ne Hochzeit oder vielleicht saß auch nur jemandem ein Pups quer. Ich persönlich tippe auf letzteres, aber das ist wie gesagt eine Vermutung. Was man mit Sicherheit sagen zu können scheint, ist, dass auch diese unnötig verbreitete Unruhe unter obiger Überschrift zu verbuchen ist.

Text TaxiBerlin

03.06.2017

DAS RAD MAL WIEDER NEU ERFUNDEN


Lass dir nichts einreden!

Schwer zu sagen, ob bei obiger Werbung die Betonung auf NUR oder auf BESITZ liegt, was aber nicht so wichtig ist. Was mit Sicherheit festzustehen scheint, ist die Tatsache, dass die 90er Jahre nicht nur lange her, sondern MEGAOUT sind. Heute wird GESHARED, wie TEILEN jetzt heißt, wogegen nichts einzuwenden wäre, wenn das TEILEN wirklich neu wäre, was es gar nicht ist, denn TEILEN ist älter als die Werbung uns glauben lassen möchte. Wahrscheinlich ist TEILEN so alt wie die Menschheit. Bleibt die Frage, warum BESITZ ausgerechnet von einer Gesellschaft, die auf BESITZ aufgebaut ist, genauer gesagt aufs immer mehr BESITZEN, mittels Werbung jetzt für OUT erklärt wird.

Foto&Text TaxiBerlin

02.06.2017

DAS FINANZAMT-QUIZ


Neulich am oben angegebenen Ort

Manchmal befördere ich meine Fahrgäste nicht nur von A nach B, sondern begleite sie dann noch z.B. zum Arzt oder auch zum Amt. Meistens sind es es ältere Menschen, die etwas wacklig auf den Beinen sind oder mit dem Internet nicht klarkommen, ohne das oft gar nichts mehr geht, oder beides. Neulich war es nun so, dass mein Fahrgast und ich uns im Amt, es war das Finanzamt, in das ich ihn, einen Herrn in den Achtzigern, hinein begleitet hatte, gleich wieder getrennt haben, einfach damit es schneller geht. Wer als erster weiß, wer von uns vom Finanzamt-Flur aus nach links und wer nach rechts abgebogen ist, der gewinnt wie gehabt eine ganze Kurzstrecke.

Foto&Text TaxiBerlin

01.06.2017

SCHÖNE NEUE TAXI WELT


Taxi Demo gegen UBER vorm LABO in der Putkamer

UBER, der Feind aller ehrlichen Taxifahrer, hat alleine im ersten Quartal diesen Jahres 708 Millionen Dollar Verlust gemacht. Und das, obwohl UBER-Fahrer ihre Dienste weit unter irgendeinem Mindestlohn anbieten. Vor allem in Amerika, wo man kein Taxi mehr fährt und auch keines mehr bestellt, sondern nur noch EIN UBER. Trotzdem ist man bei UBER angeblich zufrieden, was daran liegt, dass der Verlust im Quartal zuvor noch 283 Dollar höher gewesen sein soll. Darüber hinaus, und jetzt wird's richtig (ver)-lustig, wird UBER mit mehr als 70 Milliarden Dollar bewertet. Worin genau der Wert von UBER liegen soll, ist mir ehrlich gesagt nicht ganz klar. Es kann sich nur um eine Spekulation in die Zukunft handeln, in der UBER-Fahrer für lau arbeiten oder Geld mitbringen müssen, um für UBER zu fahren.

Foto&Text TaxiBerlin

31.05.2017

TAXIBERLIN ALS HERAUSGEBER


"Bai Ganju, unsere Liebe", Herzlich - Norbert Randow

Noch in diesem Jahr erscheint das zweite Buch vielleicht nicht des bedeutendsten, dafür hat er, der mit nur 34 Jahren einem Attentat zum Opfer fiel, nicht lange genug gelebt, aber mit Sicherheit des bekanntesten bulgarischen Autoren des 19. Jahrhunderts Aleko Konstantinow beim Wieser-Verlag im österreichischen Klagenfurt. Nachdem im letzten Jahr die erste deutsche Übersetzung seines Erstlingswerkes "Nach Chicago und zurück" das Licht der Welt erblickte, kommt nun sein wichtigstes Werk "Bai Ganju, der Rosenölhändler", das in viele verschiedene Sprachen und vier Mal alleine ins Deutsche übertragen wurde, erneut heraus, und zwar in, da sind sich die Fachleute ausnahmsweise einmal einig, der besten Übersetzung von Norbert Randow, zusammen mit Hartmut Herboth und Georg Adam. Das schmale Reclambändchen, das einmal eine Mark fünfzig der DDR gekostet hat und seit einiger Zeit nur noch antiquarisch für teuer Geld erhältlich ist, kann ab September für 11,95 Euro käuflich erworben werden. So ist es zumindest geplant.

Warum sollst du nun dieses Buch lesen, fragst du dich nicht ganz zu unrecht. Und vor allem: Was hat es mit Taxifahren zu tun? Letzteres ist leicht beantwortet: Der Autor Aleko Konstantinow wurde, wenn man so will, in einem Taxi erschossen, das seinerzeit noch eine Pferdekutsche war. Die Kutsche, in der unser Autor saß, war eine offene Kutsche, denn es war Ende Mai, wenn es in Bulgarien schon angenehm warm ist. Ob es an der offenen Kutsche lag oder daran, dass sein Mörder einfach ein guter Schütze war, lässt sich nach so vielen Jahren, das Attentat fand 1897 statt, nicht mehr herausfinden. Sicher ist, dass das durchschossene Herz des Dichters in seinem Geburtshaus, das heute ein Aleko-Konstantinow-Museum ist, im Ort Swischtow an der Donau in einem Glas mit konservierender Flüssigkeit zu bestaunen ist. Einer bekannten bulgarischen Karikatur zur Folge, hat "Bai Ganju", also die von Aleko Konstantinow geschaffene literarische Figur, seinen Autor auf dem Gewissen.

Natürlich kann auch in Bulgarien keine literarische Figur seinen Autor erschießen. Die Frage ist auch eher, ob "Bai Ganju" einen Grund gehabt hätte, dies zu tun. "Der mobile Rosenölhändler", wie er wegen seines Gewerbes auch genannt wird, ist sicherlich kein Sympathieträger, das kann man nun wirklich nicht sagen. Trotzdem liefert er genug Gründe, herzhaft über ihn zu lachen, beispielsweise wenn er sich in Prag bei Jirecek einzuquartieren versucht, nur weil der einmal Minister in Bulgarien gewesen ist. Bisher gab es zwei Erklärungsmuster, was es mit der Person "Bai Ganju" auf sich hat. Die einen sagen, dass er ein "bulgarischer Archetyp" ist. Andere wiederum sehen in ihm den bösen Kapitalisten. An beiden Sichtweisen ist sicherlich etwas dran, aber das entscheidende fehlt mal wieder. Ich meine damit den Umstand, dass in jedem von uns ein kleiner "Bai Ganju" steckt. Also jemand, der sich gerne von anderen einladen, sich gerne beschenken lässt oder auch einfach nur Komplimenten hinterher-rennt, -fährt oder auch -schreibt. Wenn du so willst, ist die Neuherausgabe von "Bai Ganju, der Rosenölhändler" eine Einladung an alle, den "Gemeinen Grabbler" in sich zu entdecken und zu feiern.

PS: Die Gefahr heute ist, nachdem sowohl der Autor als auch sein Mörder nicht mehr leben, dass ein Leser, der sich selbst, oder besser: seiner eigenen Natur, beim Lesen zu Nahe gekommen ist, den Herausgeber, also mich, um die Ecke bringen will. Dieses Risiko ist nicht neu für mich und ich gehe es gerne ein, und zwar deswegen, weil auch bei mir im Taxi jeder alles sagen darf, sogar die Wahrheit.

Foto&Text TaxiBerlin

30.05.2017

DAS QUIZ BEI "HIER SPRICHT TAXIBERLIN"


Wer meine Sendung am Freitag verpasst hat, der hat wirklich was verpasst. Ich war noch mal nach Tegel zum Flughafen gefahren, aber bis sie mir endlich einstiegen, war die Zeit knapp geworden, so dass ich sie nicht zum Hotel fahren konnte, sondern kurzerhand mit ins Studio nahm. Die Rede ist von Don und Ray aus Long Beach in Kalifornien, die meine ersten Fahrgäste im Studio überhaupt waren. Das hieß auch, dass ich die ganze Zeit über englisch und deutsch sprechen musste, obwohl ich eigentlich nur letzteres so halbwegs beherrsche. Um irgendwie die Zeit zu überbrücken, hatte ich ein kleines Musik-Quiz vorbereitet, bei dem es eine Berliner Kurzstrecke zu gewinnen gab. Das Quiz wurde nicht gelöst, weder von meinen Gästen im Studio, noch von meinen zahlreichen Zuhörern, was vermutlich daran lag, dass es zu schwer war. Vielleicht ist die kleine Melodie von Haydn aber auch bereits verboten, wer weiß das schon so genau. Die erste Strophe soll es wohl sein, wenn ich es richtig verstehe, aber ich hatte sowieso nur Instrumentalversionen dabei. Das Hotel von Don und Ray, also das eigentliche Fahrziel, befand sich übrigens in der Castingallee, wie die Kastanienallee auch genannt wird. Das ganze im Prenzlauer Berg - versteht sich. Da mussten sie dann aber hinlaufen, denn auch sie hatten das Quiz ja nicht gelöst.

Text TaxiBerlin

26.05.2017

HEUTE 21 UHR: HIER SPRICHT TAXIBERLIN # 12


TaxiBerlin in Tegel (TXL)

Es ist schon die 12. Sendung, wer hätte das gedacht, die da heute um 21 Uhr auf "Pi"-Radio startet. Das "Pi" steht übrigens für Pirat, weil der Sender irgendwann einmal ein Piratensender war, und nicht für "politisch inkorrekt", obwohl das sicherlich auch mal interessant wäre. Beispielsweise heute, wo ich, das muss aber unter uns bleiben, geplant habe, Fahrgäste ins Studio zu entführen. Wahrscheinlich vom Flughafen Tegel (TXL) aus, an dem ich Freitags immer stehe, und wahrscheinlich werden es Ausländer sein, weil Berliner selbst kaum noch Taxi fahren. Ich werde denen einfach sagen, dass sie den Auftritt in meiner Show gewonnen hätten und dafür die Fahrt nicht bezahlen bräuchten, dann werden die meisten weich. Bestimmt sind sie im Urlaub und haben demzufolge Zeit. Was soll auch immer diese Unruhe und Hast. Das führt doch zu nichts. Eine Stunde für Radio hat jeder, auch du! Stell einfach um 21 Uhr 88.4 ein, wenn du in Berlin bist, 90.7 für Potsdam oder klick hier für den Internet-Live-Stream.

Foto&Text TaxiBerlin

25.05.2017

"DEPRESSION IS THE GERMAN WAY" - THUS SPOKE TAXIBERLIN



"Verzweiflung ist der Englische Weg" von 5:39 bis 5:53

Klar bin ich inspiriert von Pink Floyds "Desperation Is The Englisch Way" von ihrem unvergessenen Album "The Dark Side Of The Moon". Und doch hat die deutsche Depression noch einmal eine ganz eigene Komponente, die mit der Suche/Sucht nach Kontrolle und Ordnung einhergeht. Insbesondere letzteres, also die Ordnung, die sich auch gerne in Rechthaberei ausdrückt, hat es dem Deutschen angetan. Da er aber seine eigene Ordnung nicht kontrollieren kann (wer kann das schon?), wird er nur allzuoft depressiv. Also sprach TaxiBerlin

Video YouTube
Text TaxiBerlin

24.05.2017

"GERINGVERDIENER SCHLIESSEN ZUR MITTE AUF"


"Geringverdiener schließen zur Mitte auf" - so lautet der Titel eines Online-Artikels eines Magazins, das sich irgendwann einmal (viele Jahre ist es her) durch eine gewissen Anspruch an die Qualität ihrer Journalistischen Tätigkeit auszeichnete. Während ich mich (jeder hat eine zweite Chance verdient) noch ernsthaft frage, von welcher Mitte wohl die Rede ist (Berlin Mitte ist mit Sicherheit nicht gemeint), zu der die vielen in prekären Arbeitsverhältnissen aufschließen sollen (wahrscheinlich zu sich selbst), fällt mir (gerade noch rechtzeitig) der zweite des Teil Satzes ins Auge: "- aber die Spitze zieht davon." - Bei 8,50 € die Stunde keine Überraschung. Der Satz richtig lautet: Mittelschicht immer prekärer nach unten gezogen, weswegen es sie schon gar nicht mehr gibt, sondern nur noch Oben und Unten.

Text TaxiBerlin

UBER NOCHMAL


Der Vollständigkeit halber soll gesagt sein, dass in Berlin mehr Taxen mit Werbung für UBER durch die Gegend fahren, als, so wie gestern, mit Slogans gegen den Feind aller ehrlichen Taxifahrer. Das ist leider die Wahrheit. Wahr ist auch, das sagen mir die vielen Jahre, die ich auf der Straße zugebracht habe, dass insbesondere die, die gestern noch über UBER abgelästert haben und heute ganz stumm bleiben, morgen schon ein Hohelied auf den neuen Brotgeber singen werden, denn, das ist auch wahr: "Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing." Auch der Preis dafür ist bereits bekannt: "2-Tage-im-Taxi-sitzen."

Text TaxiBerlin

23.05.2017

BERLINER TAXI DEMO HEUTE


Ausnahmsweise - trotz "Facebook-Freier-Zone"

Knapp 100 Berliner Taxen erreichten hupend, wie es sich für ein richtiges Auto-Korso gehört, die P-Schein-Stelle, auch LABO genannt, in der Putkamer Straße in Kreuzberg, und das sogar noch pünktlich wie geplant um 14 Uhr. Der Grund war keine türkische Hochzeit, auch wenn viele türkische Kollegen mit von der Partie waren, sondern der Feind aller ehrlichen Taxifahrer, gegen den sich offensichtlich sogar schon eine Facebook-Fangruppe gebildet hat. Das lässt zumindest obiger Slogan vermuten, den ich, obwohl meine Seite normalerweise "Facebook-Freie-Zone" ist, einfach mal veröffentliche. Dazu muss man wissen, dass die ursprüngliche Kampagne "Gib Aids keine Chance", auf die "Gib Uber keine Chance" zurückgeht, ziemlich genau 30 alt ist und erst letztes Jahr in "Liebesleben. Es ist deins. Schütze es." umbenannt wurde. Mal sehen, was aus "Gib Uber keine Chance" und natürlich auch aus Uber&Co in 30 Jahren geworden ist.

Foto&Text TaxiBerlin

WENN DER FEIND BEKANNT IST ...


hat der Tag Struktur

Wenn der Feind bekannt wäre (und das ist er im Taxigewerbe), dann hätte der Tag Struktur, sagte neulich ein kluger Kopf, der den Satz von einem anderen klugen Kopf übernommen hatte, was ihn deswegen nicht falsch macht - ganz im Gegenteil. Der Feind des ehrlichen Taxifahrers, er ist seit langem bekannt bekannt, ist UBER aus dem sonnigen Kalifornien, genau genommen aus San Francisco. UBER ist deswegen der Feind, zumindest im Moment noch (das kann morgen schon wieder ganz anders sein), weil er, und damit liegt er wiederum voll im Trend, aus einem prekären Arbeitsverhältnis, und genau das ist Taxifahren, ein noch prekäreres machen möchte. Das ganze natürlich nur wegen der total geilen und vor allem ganz neuen Idee der "shared economy" (wann erfindet eigentlich mal jemand "shared money"?), die, also die "shared economy", allerdings nur einen noch reicher macht, und das ist UBER. Zugegeben, der Fahrgast spart auch den ein oder anderen Cent, und deswegen wird sich der Feind aus Amerika auch über kurz oder lang durchsetzen, denn es geht bekanntlich immer nur um den Konsumenten, der, wie wir alle wissen, König ist, und nicht UBER, wie man vermuten könnte. Gegen UBER ist nur die heutige Taxi-Demo. Sie beginnt Punkt zwölf Uhr, der Amerikaner sagt auch "high noon", am Saatwinkler Damm, was in der Nähe vom Flughafen Tegel ist, und endet um vierzehn Uhr in der Putkamer Straße in Kreuzberg vor der P-Schein-Stelle. Wer, so wie ich, um zwölf kein Taxi hat, um an dem Auto-Korso gegen UBER teilzunehmen, weil der Kollege Tagfahrer noch seinem prekären Arbeitsverhältnis nachgeht, um seine Familie zu ernähren, der kann trotzdem um Zwei in die Putkamer kommen, beispielsweise, ebenfalls so wie ich, mit dem Fahrrad. Denn noch gibt es einen gemeinsamen Feind, Gott sei Dank, der dem Tag Struktur gibt, was bereits morgen schon, ich erwähnte das, ganz anders sein kann.

Foto&Text TaxiBerlin

22.05.2017

DU HAST ES SELBST IN DER HAND


So oder nicht?

Berlin ist nicht nur reich an Baustellen, sondern auch an den obligatorisch dazugehörigen Toiletten. Keine Baustelle ohne Dixi-Klo, wie die Dinger hier heißen. Das lernt man auf der Straße, dazu muss man keine Bauverordnung studieren. Man muss auch nicht studiert haben, um zu wissen, dass obiges Dixi-Klo-Logo mit dem wirklichen Leben nichts zu tun hat. Oder hat schon mal jemand irgendwo einen Mann mit auch nur annähernd ähnlich gekreuzten Beinen rumstehen sehen? Wie bitte sehr soll das gehen, ohne dass sich der Mann dabei seine primären Geschlechtsmerkmale, für dessen optimale Funktionalität TaxiBerlin (das sei an dieser Stelle noch einmal erwähnt) den Hodenhalter entwickelt hat, zerquetscht. Meine Erfahrung nach vielen Jahren auf der Straße sagt mir, dass wenn überhaupt, nur Frauen mit gekreuzten Beinen irgendwo rumstehen, meist aus Unsicherheit, manchmal wohl auch zum Schutz. Schützen muss die Frau sich nicht wie ein Fussballer, der in der Mauer steht, wie uns ebenfalls obiges Logo suggeriert, und zwar einfach deswegen, weil wo nichts ist, auch nichts geschützt werden kann. Das ganze gilt natürlich nur, wenn wir von anatomischen Fakten reden und nicht von sozialen Konstrukten, aber das hat ja jeder selber in in der Hand ...

Foto&Text TaxiBerlin

21.05.2017

WAS ICH AUCH MAL GERNE MACHEN WÜRDE


Was ich auch gerne mal machen würde, ist, bevor ich aus meinem Auto aussteige, einen Schlägertrupp vorschicken, der alle, die etwas gegen mich haben, gleich mal zusammenschlägt. Das Problem ist, dass ich keinen kenne, der etwas gegen mich hat. Obwohl, wenn ich's mir recht überlege, gibt es wohl den ein oder anderen, der nicht gut auf mich zu sprechen ist, aber der wagt sich nicht aus der Deckung, was die eigentliche Sauerei ist. Um genau zu sein, bräuchte ich also eher jemanden, der alle die, die etwas gegen mich haben, erst aus ihrer Deckung prügelt und dann noch zusammenschlägt. Am Besten einen wie den hier, der auch vor Frauen nicht zurückschreckt. Früher nannte man solche Leute "Jubel-Perser". Heute sind es eher "Prügel-Türken", wobei die Nationalität keine Rolle spielt. Also, lange Rede - kurzer Sinn, wer Lust auf den Job hat, meldet sich einfach bei mir.

Text TaxiBerlin

GESTERN UM HALB ZEHN AM WISMARPLATZ


Heute um halb Zehn

Der Wismarplatz ist eine Taxihalte im Friedrichshain, was mein Wohnzimmer ist, wo ich ab und zu mal stehe. Daneben ist eine Bar, ich glaube sie heißt "Sheriff Teddy" oder so, wo die Leute gestern draußen saßen. Gegen halb Zehn Uhr abends tauchte dann das Ordnungsamt auf am Wismarplatz, zwei Frauen und ein Mann. Dazu muss man wissen, dass es hier in meinem Kiez seit einiger Zeit Parkraumbewirtschaftung gibt. Deswegen die drei vom Ordnungsamt, so dachte ich. Plötzlich ging ein Blitzlicht. Das Ordnungsamt fotografierte etwas, aber es war kein falsch geparktes Auto, sondern der Bürgersteig, und zwar der vorm "Sheriff Teddy". Danach, es war wie gesagt um halb Zehn Uhr abends, wurde das amtliche Bandmaß herausgeholt und abgemessen. Also die Leute, um genau zu sein die Fläche, auf der sie saßen, und die Ergebnisse notiert. Der Kollege hinter mir war ausgestiegen, stand an meinem Fenster und meinte, dass der, der schreibt, bekanntlich bleibt. Zum Schluss wurde noch einmal mit Blitz fotografiert, und zwar den äußeren Tisch, der hatte sich wohl zur Hälfte schon zum daneben liegenden "Gold Hotel" bewegt. Und dann ging es auch schon weiter, also mit mir und meinem Taxi. Ich bekam Fahrgäste. Das Pausenprogramm hatte es aber in sich gehabt, um halb Zehn Uhr abends am Wismarplatz.

Text TaxiBerlin

19.05.2017

QUALLE AUS MARZAHN NOCHMAL


Man sieht sich immer zweimal, und so war es auch mit Qualle aus Marzahn. Brachte er seinerzeit "nur" fünf Zentner auf die Waage, so sind es jetzt bereits zehn, was ich ihm vor gut einem Jahr auch schon vorhergesagt hatte. Diesmal war Qualle auf dem Weg zum Schneider, der wohnt zwar nur um die Ecke, aber wie sollte er das schaffen? Ich schlug "rollen" vor, wovon Qualle aus Marzahn natürlich nichts wissen wollte. Wozu er denn diesen Anzug brauchen würde, erlaubte ich mir nachzufragen, auch um die Fahrt irgendwie abbiegen zu können, denn leider haben wir als öffentliches Verkehrsmittel nicht nur den Bildungsauftrag, sondern auch die Beförderungspflicht. Bei dieser Frage kam Qualle ins Schwitzen. Genau genommen schwitzte er aber bereits, als er aus seinem Block kam. Im Taxi saß er mir noch nicht. Es ist auch nicht klar, ob er dort überhaupt reingepasst hätte. Denn Qualle entschied sich kurzerhand dann doch gegen die Idee mit dem Anzug. Wahrscheinlich auch, weil ich wissen wollte, was der denn kosten solle für jemanden, der zehn Zentner auf die Waage bringt. Dazu muss man wissen, dass Qualle nicht nur verdammt dick, sondern auch unglaublich geizig ist. Und das war mein Glück, also der Geiz von Qualle aus Marzahn, dass dieses dicke Ei, also die Fahrt um die Ecke, an mir vorüberging. Als beförderungspflichtiger Taxifahrer mit Bildungsauftrag schlage ich eine Diät und mehr Bewegung vor, bevor sich Qualle aus Marzahn endgültig ein Zirkuszelt schneidern lässt.

Text TaxiBerlin

BERLIN BRAUCHT KEINE START-UPS


Bald auch den "Konsum-Bauarbeiter"?

Um was genau es bei dem Start-Up geht, wo er neuerdings arbeitet, konnte mir mein Fahrgast nicht sagen, aber auf jeden Fall gäbe es einen Kicker, an dem er die meiste Zeit verbringt, was mich auf die Frage brachte, ob es sich bei den vielen Straßenbaustellen in unserer Stadt, auf denen es einfach nicht vorangehen will, möglicherweise ähnlich verhält. Da der junge Mann, kaum hatten wir das Fahrziel erreicht, es sehr eilig hatte zu seinem neuen Kicker-Arbeitsplatz zu kommen, wir hatten auf unserer Fahrt dahin auch viel Zeit mit der Umfahrung diverser Straßenbaustellen verloren, möchte ich das, was ich ihm mit auf den Weg geben wollte, auf diesem Wege nachholen: Berlin braucht keine Start-Ups - Berlin braucht Bauarbeiter!

Foto&Text TaxiBerlin

17.05.2017

BERLINER TAXI DEMO AM 23. MAI UM 12 UHR


Aushang / "Pilotenbude" / Flughafen Tegel (TXL)

Ob es jetzt wirklich "unsere letzte Chance" ist, wie in dem Aufruf geschrieben - wer weiß das schon so genau. Auf jeden Fall ist es eine Chance etwas gegen den letzten Versuch von Uber&Co, ich hatte an dieser Stelle darüber geschrieben, den Verdienst des ehrlichen Taxifahrers noch weiter nach unten zu schrauben, zu unternehmen. Langfristig, daran dürfte kein Zweifel bestehen, werden sich die Milliardenschweren Herren aus San Francisco wohl auch in Europa durchsetzen. "Nur" ein weiteres Mosaiksteinchen der allgemeinen Pauperisierung (auf Deutsch: Verarmung), bei der letztendlich jeder selbst sehen soll, wo er bleibt - auch "Teile und Herrsche" genannt - will er nicht auf der Strecke bleiben oder auf der Straße enden.

Foto&Text TaxiBerlin

16.05.2017

DRÜCKEN VERBOTEN


Jetzt auch im Taxi

Das dumme Gequatsche vieler Fahrgäste ist schon schlimm, und eigentlich könnte man vermuten, dass es schlimmer nicht werden könnte. Es gibt auch nicht viele Dinge, die schlimmer sind. Genau genommen bleibt nur der Körperkontakt, wobei mir persönlich der zu Frauen meist leichter fällt. Ich kann da aber nur für mich sprechen. Und vielleicht fühlen sich Frauen aufgrund der roten Farbe gerade angesprochen. Wobei man auch da vorsichtig sein muss heutzutage, wo mehr oder weniger alles ein soziales Konstrukt ist. Jedenfalls sorge ich mich ein klein wenig wegen dem Rot. Macht Rot nicht aggressiv? Vielleicht probiere ich das Schild erst einmal nachts aus.

Foto&Text TaxiBerlin

15.05.2017

A NEW KING IS BORN


Money is King

Gestern nach dem Kirchgang habe ich mich mal wieder unters Volk gemischt, wobei Volk nicht das richtige Wort ist. Es waren ganz genau Touristen, und zwar in der Castingallee, wo ich auf obiges Graffito stieß. Gut, dass Geld die Welt regiert, ist nun nichts wirklich Neues. Es soll aber immer noch Leute geben, die ernsthaft daran glauben, wobei glauben hier wiederum das richtige Wort ist, dass auch nur irgendjemand wegen dem Grundgesetz früh aufstehen würde.

Foto&Text TaxiBerlin

12.05.2017

IM TAXI MIT DEM AVOCADOBAUM


Vor der Fahrt

Seit einiger Zeit nehme ich, wann immer es geht, meinen kleinen Avocadobaum mit ins Taxi. Das ist wichtig bei Zimmerpflanzen, die ja sonst nie rauskommen, dass man ihnen auch mal etwas von der Welt zeigt, auch damit sie nicht wie manch Tier im Zoo enden. Nun habe ich erfahren, dass Avocado eine ganz gefährlich Pflanze sein soll, allerdings nicht der Baum, sondern die Frucht, die es bei meinem Avocadobäumchen zum Glück noch nicht gibt (sonst wäre ich in Gefahr), der immerhin aus dem Kern der Frucht von mir eigenhändig gezogen worden ist. Die Gefahr beim Avocado, das sei rasch noch erklärt, bevor ich gleich wieder zusammen mit meinem kleinen Avocadobaum ins Taxi steige (es ist ja Avocado-Show-Wetter), geht aber genau genommen nicht, wie man uns einzureden versucht, von der Frucht, sondern vom Menschen aus. Umso mehr müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht durch Avocados selbst ausrotten. Auch deswegen, wenn du so willst als Warnung, fahre ich ab sofort immer öfter mein selbst gezogenes Avocadobäumchen durch die Gegend.

Foto&Text TaxiBerlin

11.05.2017

ÜBERS HAND UND KÜSSCHEN GEBEN, KOFFER TRAGEN UND TÜR AUFHALTEN


Wenn küssen, dann richtig!

Das Erste, was mir im Westen auffiel, war, dass man sich nicht die Hand gibt. Warum man nun ausgerechnet dort, wo man sich bisher nicht mal die Hand gab, darauf besteht, dies zu tun, und darüber hinaus auch noch Küsschen auf die Wange einfordert, will mir nicht einleuchten. Das können meiner Meinung nach nur virtuelle, sprich Luftküsse sein, auf die ich gerne verzichte. Ich selbst gebe heute nicht jedem die Hand. Das ist ja auch eine Frage der Ehre. Frauen gebe ich eigentlich immer die Hand. Warum auch nicht. Manchmal trage ich sogar ihren Koffer oder halten ihnen die Tür auf, wobei ich mir nicht sicher bin, ob man das denn noch darf. Ich mach's einfach.

Text TaxiBerlin

10.05.2017

DIE RÄUMUNGSBOX VOM FLUGHAFEN TEGEL


So sieht sie aus

Die Räumungsbox gibt es wirklich, und zwar am Flughafen Tegel. Neulich, also vor zehn Tagen, da musste Tegel geräumt werden, und da war ich natürlich neugierig zu erfahren, was in der grünen, versiegelten Räumungsbox wohl drin wäre, die direkt von außen an den Security-Schalter am Gate E angeschraubt ist. Aber genau das konnten mir die Security-Mitarbeiter, die dahinter ihren wichtigen Dienst versahen, nicht sagen. Sie wissen nicht, was für eine grüne Box das ist, die von außen an ihren Schalter angeschraubt ist, geschweige denn, dass sie wüssten, was sich darin befindet, in so einer Räumungsbox, schließlich arbeiten sie nur hier, also hinterm Schalter.

Foto&Text TaxiBerlin

09.05.2017

"AHOI, HERR KAPITÄN!"


"Kapitän TaxiBerlin"

Als Taxifahrer mit "Chef" angesprochen zu werden, ist sozusagen der Klassiker, und eigentlich gibt es zum "Chef" auch keine wirkliche Alternative (sieht man mal von der einfallslosen Anrede "Herr Taxifahrer" ab), weil man ja wirklich der "Chef" im Taxi ist (oder auch "vont Janze", wie wir in Berlin sagen). Dass ich neulich mit "Ahoi, Herr Kapitän!" angesprochen wurde, war dann aber doch eine kleine Überraschung. Dazu kam es, weil ich (wohl auch wegen dem April-Wetter im Mai) meine alte Marine-Jacke noch einmal auftrug. Ja, genau die mit den Goldenen Knöpfen, und die müssen wohl einen tiefen Eindruck hinterlassen haben, was aber auch kein Wunder ist. Die Jacke ist nicht der Rede wert, aber die Knöpfe sind wirklich aus purem Gold, wie sich das für einen richtigen "Kapitän" gehört.

Foto&Text TaxiBerlin

08.05.2017

DAS SCHÖNE AN FACEBOOK


Vergiss Facebook

Das Schöne an Facebook, dass ich das einmal schreibe würde, hätte ich auch nicht gedacht, ist, dass man jetzt schön sehen kann, was für ein großer Quatsch Facebook ist, weil es seit einiger Zeit bestenfalls stagniert, im Normalfall sogar rückläufig ist. Irgendwann ist eben auch einfach die maximale Anzahl der Idioten erreicht, die dich gut finden. Auch hier gibt es offensichtlich eine Obergrenze, so weit dieses Wort noch verwendet werden darf. Was man noch kann, das ist zitieren, weswegen ich an dieser Stelle noch einmal den Kollegen Nietzsche zu Wort kommen lassen möchte, der seinerzeit bereits das Phänomen Facebook kannte, obwohl es Facebook noch gar nicht gab: "Was? du suchst? du möchtest dich verzehnfachen, verhundertfachen? du suchst Anhänger? - Suche Nullen! -

Foto&Text TaxiBerlin

07.05.2017

DU HAST DIE WAHL


Am Kühlregal

Wer lange nicht geflogen ist, weiß möglicherweise noch gar nicht, dass man keine vollen oder auch nur halb vollen Flaschen mit durch die Sicherheitskontrolle nehmen darf. Leere dafür schon. Dann hat man nur noch das Problem mit dem Auffüllen. An anderen Flughäfen gibt es dafür Wasserspender, oft sogar mit einem speziellen Hahn für Wasserflaschen. Nicht so in Berlin. Hier muss man auf die Toilette, will man etwas Wasser trinken. Wer schon einmal auf einer hiesigen Toilette war, macht da vielleicht noch sein kleines oder auch sein großes Geschäft, aber Wasser trinkt er dort mit Sicherheit nicht. Demjenigen bleibt nur noch übrig Wasser zu kaufen - die Flasche für drei Euro. Zum Glück gibt es hierzulande die Marktwirtschaft, die soziale, und die lebt bekanntlich von der freien Konkurrenz. Seit Neuestem muss man noch siebzig Cent drauflegen, um nicht nur einen Softdrink anstelle von Wasser zu bekommen, sondern sogar noch einen Riegel obendrauf. Du hast also die Wahl! Aber Vorsicht: Manchmal gibt es auch am Kühlregal "Hackerangriffe".

Foto&Text TaxiBerlin

06.05.2017

TAXIBERLIN - DER FAHRENDE WIDERSPRUCH


Beförderung ohne Internet

Habe ich gestern noch das Internet als Quelle der Information empfohlen, muss ich meine Empfehlung heute bereits einschränken. Bei mir im Taxi gibt es kein Internet. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. In meinem Taxi gibt es auch kein Mobilfunk. Alles zu seiner Zeit, das ist nur konsequent. Es ist auch nicht so, wie viele denken, dass ich das ganze Gequassel via Smartphone&Co bei mir im Taxi erdulden muss, nur weil ich Dienstleister bin. Das ist kein Quatsch, was ich schreibe, so ticken die meisten Fahrgäste heute. Aber das ist mir Scheißegal. Ich bin an erster Stelle Mensch!

Foto&Text TaxiBerlin

05.05.2017

MIT TAXIBERLIN NACH DRESDEN UND BAUTZEN



Vortrag in Bautzen

Wer würde schon freiwillig nach Dresden oder Bautzen fahren? Das ist doch im Osten, wo sowieso alle rechts sind! Selbständig denkende Menschen gibt es dort mit Sicherheit nicht. Zum Glück muss man heute nirgendwo mehr hinfahren, um seine Vorurteile zu pflegen, sondern nur den Fernseher einschalten. Einige wenige ärgern sich darüber. Ich sage immer: Ärgere dich nicht, schalt einfach ab. Scheiß auf die Zwangsabgabe! Mach dir dein eigenes Programm. Dann hast du die Chance, beispielsweise den Syrienkrieg zu verstehen, in dem seit Neuestem auch wir verwickelt ist. Unsere Flugzeuge betreiben dort eine Luftaufklärung und versorgen mit ihren Bildern auch Islamisten, vor denen auch die Flüchtlinge aus Syrien geflohen sind. Das sagt zumindest der Schweizer Historiker Daniele Ganser in seinem Vortrag in Bautzen. Es lohnt sich wirklich diese zwei Stunden ans Bein zu binden, du musst auch nicht nach Bautzen oder Dresden fahren.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

DIE LETZTE ABHOLUNG


Eben im Kiez

Heute morgen war es so weit. Der Nachbar war in letzter Zeit aber auch wirklich dick geworden. Was der Grund dafür war, dass der Nachbar so an Kilo zugelegt hat, lässt sich nicht genau sagen. Der nicht enden wollende Winter mit seinem ewig bedeckten Himmel mag eine Rolle spielen. Aber auch der Umstand, dass sich niemand mehr für ihn interessierte. Dabei hatte er so viele Freunde, wenn auch nur im Internet. Gründe gibt es am Ende immer genug (bei manch einem ist es auch einfach nur die schlimme Kindheit), sich gehen zu lassen und alles und jedes in sich reinzustopfen. Zum Schluss soll er sich schon selbst Briefe geschrieben haben, damit er überhaupt mal Post bekam. Das sagt zumindest die Postfrau, und die muss es wissen, denn sie hat seine Briefe am Vortag immer bei ihm abgeholt (einen Brief soll sie sogar selbst geschrieben haben, einen Liebesbrief - das musst du dir mal vorstellen! Aber Menschen machen sowas ...), um sie ihm bereits am nächsten Tag frankiert und abgestempelt in seine Wohnung zu bringen. Damit ist es jetzt vorbei. Gerade kam der Helikopter, ihn zu holen, der nicht mehr durch die Tür passte. Die Kinder fanden's toll, also den Helikopter, der extra zur Bergung eingeflogen war. Die Postfrau fand's Schade. Bestimmt hat sie immer was extra bekommen. Des einen Freud ist wirklich des anderen Leid.

Foto&Text TaxiBerlin

04.05.2017

SCHREIBEN ALS SUCHT


Graffito / Kindertagesstätte / Liebigstraße
früher Friedrichshain / jetzt Friedrichshain-Kreuzberg

Das ist jetzt aber wirklich das letzte, was ich noch schreibe. Wer kennt es nicht, diese typischen Symptome eines Abhängigen. Die letzte Zigarette. Das letzte Glas Bier. Der letzte Joint. Die letzte Linie. Wobei die letzte immer mindestens schon eine zuviel ist. Und genauso ist es auch beim Schreiben. Man denkt, das muss man aber jetzt noch unbedingt sagen, und dabei hätte man sich eigentlich schon das vorletzte sparen können. Beim Schreiben fällt das nicht so auf, weil heute jeder im Prinzip nur noch Dünnsinn von sich gibt, Liked und dieser ganze Quatsch. Viel Oberfläche, aber nichts dahinter. Einen wahren Freund erkennt man in der Not und nicht am Like. Du wirst noch an meine Worte denken, wurde uns als Kinder immer gesagt. Und sie sollten Recht behalten, die das damals gesagt haben. "Opi", die lebende Taxilegende aus der Schreinerstraße im Friedrichshain fasste diese Oberflächlichkeit neulich als mein Gast in "Hier spricht TaxiBerlin" mit nur einem Wort zusammen: SEELENLOS.

Foto&Text TaxiBerlin

03.05.2017

"4 BLOCKS" - VERSUCH EINER KRITIK


Toni Hamady alias Kida Ramadan möchte eingebürgert werden, so die offizielle Geschichte in dem am 8. Mai anlaufenden Neuköllner Sozialdrama "4 Blocks", damit er endlich aus seinem kleinen spießigen Leben in Neukölln ein offiziell spießiges wahrscheinlich in Zehlendorf machen kann. Das ganze geht mich deswegen etwas an, weil meine Familie zur Hälfte aus Neukölln kommt, und es zugleich auch ein echtes Problem ist, genau genommen ein Versäumnis, und das meine ich ernst. Denn ein Einwanderungsgesetz, das diesen Namen verdient, kennt man hierzulande nicht. Deswegen muss Toni alias Kida auch Drogen verticken, das ist klar. Dabei spricht er sehr gut deutsch, ist darüber hinaus noch intelligent, das muss man sich mal vorstellen. Das hätte alles so auch in einer Finnischen und sogar auch in einer Neuseeländischen Großfamilie passieren können, sagt zumindest Toni Hamady alias Kida Ramadan. Keine Ahnung, ob er das ernst meint. Im Gespräch fragt er weiter: "Wie geht man mit Menschen um?" Ich finde das eine gute Frage. Wie geht er mit Menschen um, denen er seinen Stoff verkauft? Die Jungs auf den Neuköllner Straßen sind jedenfalls stolz auf ihn, sagt er. Worauf jetzt genau? Auf seine neue Wohnung in Zehlendorf? Oder "nur" auf sein nächstes Drogenopfer in Neukölln?

Text TaxiBerlin

NATURAL FEELING BERLIN


Berliner Stillleben

Da verlasse ich einmal am Tag meine "Berliner-Boheme-Bude", über die ich noch gesondert berichten werde, und dann das: Eine leere Kondompackung "Naturel Feeling" neben einer Kapsel mit irgendwas. Mit den "Naturel Feelings" wird es da wohl nicht weit her gewesen sein, denke ich so bei mir, da fällt mir ein: Was weiß ich denn?!? Vielleicht sollte ich sogleich von meiner "Berliner-Bohemen-Bude" erzählen. Ich fange einfach mal damit an, dass ich neuerdings immer pünktlich um sechs Uhr geweckt werde: also für mich kurz nach dem Schlafen gehen. Die Bauen natürlich keine Straße direkt vor meiner Bude, ist was anderes. Da sind diverse Maschinen im Einsatz, die alle zwischen sechs und sieben ausprobiert werden müssen. Danach ist erstmal Ruhe - ungefähr bis Mittag. Diese Ruhe habe ich genutzt, um mir die Baustelle mal genauer anzusehen. Was genau gebaut wird (wie gesagt, eine Straße ist es nicht), konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Spricht ja keiner mehr Deutsch auf solchen Baustellen, was aber nicht damit zusammenhängt, dass kein Deutscher mehr auf dem Bau arbeiten möchte. Das halte ich für ein Gerücht. Es hängt wohl mehr mit der Bezahlung zusammen. Aber ich komme vom Thema ab. Mangels Gespräch sah ich mich ein wenig um, und was fand ich da? Genau! Obiges Stillleben. Das hab ich dann gleich mitgenommen in meine "Berliner-Boheme-Bude", über die ich wie gesagt auch noch schreiben werden, aber jetzt erstmal übers Stillleben, wenn schon nicht über das Bauvorhaben vor meiner Tür. Was es mit der Kapsel auf sich hat, kann ich nicht sagen. Vielleicht probiere ich sie einfach mal aus. Ihr werdet ja sehen, ob und wann ihr noch einmal von mir hört. Geschrieben in "Berliner-Boheme-Bude" am Geburtstag des Buddhas'.

Foto&Text TaxiBerlin

02.05.2017

NEULICH IN NEAPEL


Sanierungsbedarf ohne Ende

Neulich war ich in Neapel. Gut, das ist jetzt auch schon wieder ein paar Tage her, aber bevor es vollends in Vergessenheit gerät, wollte ich noch kurz darüber berichten. Warum Neapel, wird sich der ein oder andere fragen. Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht mehr. Ich glaube es war wegen der Pizza, die soll nämlich aus Neapel kommen. Am Ende haben wir aber meisten Fisch gegessen, Neapel liegt ja bekanntlich am Wasser. Touristen gibt es auch in Neapel, das muss ich leider zugeben. Die meisten sprachen allerdings italienisch und nicht englisch, wie bei uns in Berlin. Etwas anderes ist auch anders in Neapel: Obwohl es dort mindestens genausoviel zu sanieren gibt wie in Berlin, wird dort rein gar nichts saniert. Es geht also auch ohne. Und noch eine Sache war anders in Neapel: Die Taxen haben zwar ein Taxameter, aber niemand fährt nach Taxameter. Das war auch der Grund, warum ich mich gleich am Anfang mit dem Kollegen in die Haare bekam. Taxifahrer sind einfach die schlimmsten Fahrgäste - das ist leider auch wahr. Am Ende der Fahrt habe ich mich beim Kollegen entschuldigt. Es ist wirklich so, dass wenn der Taxifahrer in Neapel das Taxameter einschaltet, es nicht nur für den Fahrgast teurer kommt, sondern auch der Fahrer weniger hat. Kannste glooben!

Foto&Text TaxiBerlin

DER TRINKGELDLEUCHTER VON TAXIBERLIN


So sieht er aus!

Ich bin so ein Typ, wer mich kennt, der weiß das, dass ich mich wirklich von allem und jedem inspirieren lassen kann. Neulich zum Beispiel, da war ich in der Kirche, um genau zu sein in einer katholischen. Früher konnte man dort Kerzen stiften, der ein oder andere erinnert sich. Aber auch bei den Katholiken geht man mit der Zeit. Heute muss man nur einen Euro in den Leuchter werfen und sogleich geht eine elektrische Kerze für einen an. Und genau diese Idee möchte ich jetzt für einen Trinkgeld-Leuchter in meinem Taxi verwenden, und ich kann das auch nur allen empfehlen, die ständig über ihr Trinkgeld reden oder gar schreiben müssen, was so mit das schlimmste ist, was man als Taxifahrer machen kann. Wer nichts zu sagen hat, schreibt über's Trinkgeld. Das ist nun nicht mehr nötig – meinem von den Katholiken inspirierten Trinkgeld-Leuchter (mein neuestes Patent nach dem von mir entwickelten Eierhalter!) sei Dank.

Bild,Idee&Text TaxiBerlin

"HEIMAT NEU ENTDECKEN"


In Kreuzberg

Am 1. Mai fahre ich traditionell kein Taxi, sondern da mische ich mich unters Volk, so auch gestern. Dass der "Tag der Arbeit", wie der 1. Mai auch genannt wird, ein offizieller Feier- und damit arbeitsfreier Tag ist, geht übrigens auf die Nazis zurück, aber ich bin mir nicht sicher, ob man das noch sagen darf. Mich zieht es am 1. Mai immer nach Kreuzberg, und dort haben es mir die "Kurdischen Klänge" angetan. Das darf man, so hoffe ich, noch sagen. Für manch einen ist das noch "Heimat neu entdecken" (Foto Mitte). Für mich ist der Klang der Zurna und das Schlagen der Davul (Links im Bild) bereits Heimat. Es ist immer nur eine Frage der Zeit, bis auch ich mich in den Tanz einreihe (Foto Rechts). Als alter "Freestyler" fällt mir das nicht gerade leicht, und auch der Umstand, dass Frauen getrennt tanzen, ist für mich gewöhnungsbedürftig - ist aber auch nur einmal im Jahr.

Foto&Text TaxiBerlin

30.04.2017

ALSO SPRACH TAXIBERLIN (DIE DEFINITIVE SERIE)


Um manches auszusprechen, bedarf es ihrer ...

   Von allem Geschriebenem liebe ich nur das, was einer mit seinem Blute schreibt. Schreibe mit Blut: und du wirst erfahren, dass Blut Geist ist.
   Es ist nicht leicht möglich, fremdes Blut zu verstehen: ich hasse die lesenden Müßiggänger.
   Wer den Leser kennt, der tut nichts mehr für den Leser. Noch ein Jahrhundert Leser - und der Geist selber wird stinken.
   Dass jedermann lesen lernen darf, verdirbt auf die Dauer nicht allein das Schreiben, sondern auch das Denken.

Also sprach TaxiBerlin

29.04.2017

"AUSSER KONTROLLE"


Das Ende des Taxifahrens wie wir es kennen am Ostbahnhof

"Ausser Kontrolle" - so steht es auf der "Taxi Times", der Zeitschrift für das Berliner Taxigewerbe, vom April 2017. Und obwohl die Zeitschrift auch einen Preis hat, sie kostet 3,50 €, kann man sie an keinem Kiosk kaufen. Deswegen dieser Beitrag über den Leitartikel mit dem genannten Titel "Ausser Kontrolle". Ausnahmsweise sind mal nicht die Berliner Taxifahrer gemeint, die haben beim letzten Test sogar am Besten abgeschnitten, sondern es ist das Taxigewerbe, was einmal mehr "Ausser Kontrolle" geraten ist. Dahinter, da sind sich die Autoren einig, steckt UBER, der Feind aller ehrlichen Taxifahrer, der nun etwas weniger plump als in der Vergangenheit versucht das Taxifahren, wie wir es bisher kennen, auszulöschen. Auslöschen ist dabei keine UBER-treibung, in Amerika beispielsweise ruft niemand mehr ein Taxi, sondern alle bestellen und fahren nur noch UBER. Da UBERs Fake-Idee einer innerstädtischen Mitfahrgelegenheit, die nur dazu dient UBER noch reicher und die Fahrer noch ärmer zu machen als sie es bereits sind, immer wieder als das enttarnt wurde, was sie ist, nämlich ASOZIAL, und daraufhin verboten wurde, versucht man jetzt mittels Limousinen-Service den Fuß endlich in die Tür zu bekommen. Fahrzeuge eines so genannten Limousinen-Services haben den Vorteil, dass für sie kein Taxameter vorgeschrieben ist. Das ist insbesondere jetzt praktisch, wo alle offiziellen Taxis nicht nur über ein Taxameter, sondern sogar über ein Fiskaltaxameter verfügen sollen, welches alle Daten unveränderlich abspeichert, so dass Manipulationen, die bisher leider die Regel waren, ausgeschlossen sind. Aber nicht nur am Fiskaltaxameter wird beim Limousinen-Service gespart, sondern auch beim Personal. Eine Ortskundeprüfung muss nicht bestanden werden, warum auch, schließlich gibt es ja das Navi. Einen Haken hat die Sache mit dem Limousinen-Service, und das sind die Limousinen. Die müssen irgendwann bezahlt werden, und wenn es da mit rechten Dingen zugehen soll, kann UBER auf Dauer keine Preise anbieten, die wie bisher regelmäßig unter denen von offiziellen Taxen liegen, außer der Fahrer fährt ganz umsonst. Eine weitere Sache könnte noch zum Problem werden, und zwar dass sich Limousinen nirgendwo bereithalten dürfen, sondern nach jeder Fahrt zum Firmensitz zurückkehren müssen. Dieses Problem dürfte dank moderner Telekommunikation allerdings nur theoretisch existieren, die den Firmensitz einfach immer dahin verlagert, wo die Limousine sich gerade befindet. Für den, der sich mit der Materie auskennt, sind das keine wirklichen Neuigkeiten. Neu ist, dass in der aktuellen "Taxi Times", auf dessen Leitartikel "Ausser Kontrolle" ich mich beziehe, zum ersten Mal Ross und Reiter genannt werden. Alleine wegen dieser aufwendigen, ganzseitigen Grafik lohnt es sich, die "Taxi Times" vom April 2017 zu lesen. Da man sie nirgendwo kaufen kann, obwohl ein Preis drauf steht, empfehle ich, sozusagen als Geheimtip, einfach mal die TOTAL-Tankstelle in der Holzmarktstraße gleich neben dem Ostbahnhof anzusteuern. Mit etwas Glück liegt sie dort noch kostenlos zum Mitnehmen bereit. Falls dich jemand fragen sollte, sagst du einfach, du seist Taxifahrer (kein UBER-Fahrer!).

Text TaxiBerlin

28.04.2017

HEUTE 21UHR: HIER SPRICHT TAXIBERLIN #11


Kollegin Layne Mosler in ihrem New Yorker Yellow Cab

Um 21Uhr ist wieder so weit, da gibt es die elfte Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin", diesmal mit der Autorin und Kollegin Layne Mosler, besser bekannt als "TaxiGourmet", aus New York, aber eigentlich aus Kalifornien. Mit ihr spreche ich über die unterschiedliche Taxikultur in New York und in Berlin, und natürlich auch über ihr Buch "Driving Hungry", in dem neben Berlin und New York auch Buenos Aires eine Rolle spielt. Darüber hinaus kommen wir gemeinsam dem Bildungsauftrag nach, den das Taxi hierzulande als öffentliches Verkehrsmittel mit Beförderungspflicht hat. Dazu lesen wir den Stadtplan vor, was vor uns noch nie jemand getan hat. Das Ganze live aus einem Keller im Prenzlauer Berg und selbstverständlich völlig ohne Werbung, ausgenommen für Layne und ihr Buch "Driving Hungry", welches auf Deutsch und auch auf Polnisch genauso wie ihr Blog "TaxiGourmet" heißt. Du kannst dabei sein, in Berlin unter der 88.4, in Potsdam ist es die 90.7 oder im Internet Live Stream.

Foto&Text TaxiBerlin

23.04.2017

FREITAG 21UHR: HIER SPRICHT TAXIBERLIN #11


Anflug der Studiogäste auf den Flughafen Tegel (TXL)

Am Freitag den 28.April ab 21 Uhr ist es wieder so weit, da gibt es die elfte Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin". Du kannst dabei sein, wenn TaxiBerlin als einzig verbliebener aktiver TaxiBlogger nicht nur seine internationalen Gäste empfängt (wer das ist, wird noch nicht verraten), sondern darüber hinaus auch aus dem Berliner Stadtplan vorliest. (Das Telefonbuch haben schon viele vorgelesen - den Stadtplan vor TaxiBerlin noch niemand!) Denn, und das wissen viele nicht: das Taxi ist nicht nur ein öffentliches Verkehrsmittel mit Beförderungspflicht, sondern wir als Taxifahrer haben auch einen Bildungsauftrag. Diesem kommt TaxiBerlin Live und ohne lästige Werbeunterbrechungen auf "Pi-Radio" nach, in Berlin auf der 88.4, in Potsdam ist es die 90.7 und auch im Internet als Live-Stream.

Foto&Text TaxiBerlin

DER BESTE SEX FINDET IMMER IM KOPF STATT


Der beste Sex findet immer im Kopf statt, wer kennt ihn nicht, diesen Satz. Ich zumindest kannte ihn, als letzte Nacht jemand ihn bei mir im Taxi einfach mal gelassen aussprach. Was ich nicht wusste, war, dass der Satz weiter geht, zumindest laut meinem Fahrgast. Geht es nach ihm, und im Taxi geht es immer um den Fahrgast, wobei es auch da Ausnahmen gibt, die aber nur diese Regel bestätigen, na jedenfalls meinte ein Fahrgast letzte Nacht, dass der Satz vollständig so lautet: Der beste Sex findet immer im Kopf statt - immer mit jemand anders.

Text TaxiBerlin
Meinung FahrGast

21.04.2017

KRITIK DER KRITIK DER KRITIK


Maxim Biller, ein deutschsprachiger Autor mit jüdischen Wurzeln, beklagt sich in der Zeit, die ich aufgrund zahlreich vorhandener Zeit immer öfter bei mir im Taxi lese, in seinem Artikel "Zurzeit bin ich nicht so gerne jüdischer Schriftsteller in Deutschland" über seine Kritiker von der Süddeutschen, der Frankfurter Allgemeinen, der Zeit Online und vielen anderen mehr, die seinen "bisher jüdischten und persönlichsten" Roman Biografie kritisiert, oder, wie der Autor es sieht, nicht verstanden haben. Mir ist ehrlich gesagt egal, ob einer Jude, Moslem oder Christ ist, ich halte mich da an den Alten Fritz, dass jeder nach seiner Facon selig werden soll, wenn er denn ehrlich ist. Bestimmt gab es das schon mal, dass ein Autor seine Kritiker in einer Kritik kritisiert hat, mir will im Moment bloß partout keiner einfallen. Nachdem Biller seinen Kritikern Unverständnis vorwirft ("wurde von der Literaturkritik nicht im Ansatz verstanden"), stellt er sich die Frage, ob nicht noch mehr dahinterstecken könnte, beispielsweise böse Nazis, in dem Fall die Eltern der Kritiker, weswegen die Kritiker selbst einfach nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, "dass sie von jemandem geliebt wurden, der auch Hitler liebte". Das scheint dem ein oder anderen heute etwas weit her geholt, dabei ist es das gar nicht, denn schon "Die Unfähigkeit zu Trauern" von Alexander Mitscherlich beschäftigt sich mit genau diesem Thema, auch wenn das schon ein paar Jahre her ist. Ob die Kritiker aus diesem Grund zu Tätern wurden, indem sie das Buch von Maxim Biller kritisierten, lässt sich schwer sagen. Was man sagen kann, ist, dass es keine Kollektivschuld gibt. Schuld ist immer individuell. Doch nun zum Höhepunkt der Kritik der Kritik, und der ist erreicht, als Maxim Biller sich selbst mit Bob Dylan vergleicht, von dem, im Gegensatz zu ihm, auch keiner genervt sei. Da muss man Maxim Biller, der nicht auf dem neuesten Stand ist, nun wirklich mal kritisieren. Vielleicht hätte er es einfach 'ne Nummer kleiner versuchen und sich mit Wolf Biermann vergleichen sollen, der ebenfalls jüdischer Abstammung ist. Obwohl, wenn ich's mir recht überlege, sind von dem auch schone einige genervt, und zwar extremst. Dabei trägt er, genauso wie Bob Dylan, sein jüdisch sein gar nicht vor sich her, sondern versucht einfach nur ehrlich zu sein.

Kritik TaxiBerlin

18.04.2017

TAXIBERLIN ALS DEALER MIT BAUCHLADEN


Es stimmt wirklich: Ich bin ein totaler Comercial Guy. Ich denke immer nur ans Geld machen. Das Taxifahren ist dagegen etwas, was mich davon ablenken soll. So eine Art Therapie, wenn du so willst, die aber nicht richtig funktioniert, zumindest nicht bei mir. Das ist leider auch die Wahrheit. Und deswegen bin ich auf die irre Idee gekommen, und zwar jetzt zu Ostern, da hatte ich mal wieder viel Zeit in meinem Taxi, beides, also den Kommerz und das Taxifahren miteinander zu verbinden. Ich weiß, das hört sich im ersten Moment komplett bescheuert an, aber eben nur im ersten Moment.

Die Idee ist nicht neu, und sie ist auch nicht von mir. Die Idee habe ich vom "Eisernen Gustav" geklaut. (Auch das gehört immer zum "Geld machen" dazu - das "Klauen"!) Den "Eisernen Gustav" gab es wirklich, sein richtiger Name war Gustav Hartmann, er war ein Kollege aus Wannsee, und man nannte ihn deswegen den "Eisernen", weil er mit seiner Droschke am dortigen S-Bahnhof immer bis zur letzten Bahn durchgehalten hat, um auch die Fahrgäste aus dieser zusammen mit seinem Wallach "Grasmus" noch nach hause zu bringen. Damals wohnten die Menschen, die in Berlin lebten, noch zu hause.

Irgendwann hat es den "Eisernen Gustav" gereicht. Das war die Zeit, als immer mehr Taxen ein Automobil waren. Das fand der "Eiserne" und sein Wallach "Grasmus" nicht gut. Deswegen hat er mit seiner Pferdedroschke eine Protestfahrt gemacht: Von Berlin nach Paris und zurück. Gestartet ist er übrigens am Brandenburger Tor (wo sonst?), wo er auch gleich seine ersten selbstgemachten Postkarten verkaufte, mit denen er seine Reise nach Paris finanziert hat. Gustav Hartmann war, wenn man so will, auch ein totaler Comercial Guy. So wie ich. 

Denn mein Taxi ist neuerdings nicht nur ein Taxi, sondern auch ein kleiner Bauchladen. Mein wichtigstes Angebot dort sind, das ist keine Überraschung, Postkarten aus eigener Produktion. Hinzu kommen wechselnde Angebote wie Bücher, Mitschnitte meiner Radio-Shows, Papiertaschentücher (ganz wichtig!) und stilles Wasser (immer gut!). Das Basisangebot sind aber meine Postkarten, die gibt es immer. Im Moment sind es folgende von mir persönliche fotografierten 7 Motive, die alle eine eigene Geschichte haben. Wer nicht an den Geschichten interessiert ist, kann trotzdem die Postkarten kaufen. Er muss auch nicht Taxi fahren, sondern schreibt ganz einfach eine e-mail an: 

taxi.berlin(ät)gmx.de

"Die Schwanzlose Gesellschaft"

"Taxi Berlin #7"

"Taxi Berlin #1"

"Kindertagesstätte"

"Support"


"Das Ende"

Text&Angebot TaxiBerlin