21.12.2016

BERLIN STORNO


Während manche auf der Jagd sind (immerhin sind 100.000 Euro Belohnung für den vermeintlichen Attentäter ausgesetzt) und viele noch in sicherer Deckung verharren um erstmal zu sondieren, was gerade gesagt werden darf und was besser nicht (ganz Mutige rufen zur Mäßigung auf), haben die ersten Stornos bereits die hiesigen Hotels erreicht. Die Menschen haben, das kann man denke ich, ohne sich in irgendeiner Weise verdächtig zu machen, sagen, im Moment weiß Gott Besseres zu tun als nach Berlin zu kommen, so wie unsereiner demnächst mit Sicherheit nicht nach Istanbul reisen wird. Auch in den Buchgeschäften sind Berlin Reiseführer derzeit nur schwer an den Mann und schon gar nicht an die Frau zu bringen.

Das Weihnachtsgeschäft ist mehr oder weniger gelaufen und Silvester werden uns wahrscheinlich noch einmal die heimsuchen, die uns zu Silvester immer heimsuchen. Spätestens im neuen Jahr wird es dann aber mau aussehen mit den Besuchern und Touristen, und das auch im Taxi. Dort ist der Berliner, das wissen viele nicht, seit langem eine aussterbende Spezies. Fahrten, so wie früher, von der Oranienburger, der Amüsiermeile in Mitte, nach Marzahn, der Schlafsiedlung am Stadtrand, gibt es schon ewig nicht mehr. Meist sitzen einem Nicht-Berliner im Taxi, die mal kurz vom "Grill Royal" zum Gendarmenmarkt wollen, und die dürften spätestens im neuen Jahr dann wegbleiben.

Da ich für Anfang nächsten Jahres sowieso etwas anderes als Taxifahren geplant hatte, betrifft es mich nicht persönlich. Ich bin, wenn man so will, ein Profiteur der Globalisierung, weil ich heute hier und morgen dort sein kann. (Das können nicht alle. Kannst du es?) Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir deswegen Sorgen machen soll, Gedanken mache ich mir auf jeden Fall, aber nicht um die fehlenden Fahrgäste, das wäre nun wahrlich ein Luxusproblem, sondern um einen möglichen Ausnahmezustand in Berlin. Im benachbarten Frankreich gibt es ihn immerhin schon seit über einem Jahr.

Text TaxiBerlin

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