14.11.2016

BIG IN BULGARIA


Bulgarische Zeitung "Над 55"

War ich neulich noch "Big In Japan", bin ich es nun schon wieder in Bulgarien. Das liegt jetzt nicht daran, dass ein Vornamensvetter von mir gerade zum Präsidenten des Landes gewählt wurde, sondern, wenn ich es richtig verstehe, an dem Buch, das ich letztens herausgegeben habe. Bevor ich gleich nun doch was zum Inhalt schreibe, rasch noch etwas zum Taxifahren in Berlin. Das Berlin der "Alles ist möglich" Neunziger war meine Stadt, das Berlin von heute ist "nur noch" mein Büro - aber immerhin. Ich habe genug Zeit, um Projekte zu planen und auch zu realisieren. Bevor ich obiges Buch herausgebracht habe, bin ich mit einem Esel einmal quer durch Bulgarien gewandert. Meine Wanderung habe ich Aleko Konstantinow, dem Autor von "Nach Chicago und zurück", gewidmet, das nun erstmals auf Deutsch erschienen ist, und zwar in der kongenialen Übersetzung von Ines Sebesta. "Nach Chicago und zurück" ist nicht nur der erste Bericht eines Bulgaren aus der "Neuen Welt" überhaupt, sondern soll darüber hinaus auch dafür verantwortlich sein, dass es bis heute eine große bulgarische Gemeinde in Chicago gibt. Der Autor Aleko Konstantinow, einer der bekanntesten Autoren seiner Heimat und darüber hinaus eine multitalentierte Ausnahmepersönlichkeit, auf den beispielsweise der Tourismus in Bulgarien zurückgeht, beschreibt in seinem Roadmovie erfrischend aktuell seine Erlebnisse auf seiner Reise zur Weltausstellung nach Chicago im Jahre 1893. Aktuell auch deswegen, weil Konstantinow bereits damals die Mängel und Gefahren von amerikanischen Präsidentschaftswahlen erkannt hat, über die er sich in seinem Buch kritisch äußert. Aber auch in seiner Heimat Bulgarien hielt sich der Autor mit seiner Kritik an korrupten Politikern und gekauften Zeitungen nicht zurück. Auch wenn das Attentat auf ihn bis heute nicht vollständig aufgeklärt werden konnte, so ist es doch sehr wahrscheinlich, dass er genau deswegen mit nur 34 Jahren auf offener Straße erschossen wurde. Während Konfuzius noch meinte, dass derjenige, der die Wahrheit spricht, "nur" ein schnelles Pferd brauchen würde, weiß es der aus Bulgarien stammende Autor Ilija Trojanow in seinem letzten Roman "Macht und Widerstand" schon besser: "Du hast keine Überzeugung, wenn du nicht bereit bist, dafür zu sterben."

Foto "Над 55"
Text TaxiBerlin

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