28.10.2016

VON TEUREN BILDER UND HINTERFOTZIGEN KOLLEGEN


Kaum sind die Herbstferien vorbei, werden wieder Fotos gemacht. Keine Ahnung, wie das in anderen Städten ist - in Berlin ist das so. Hier hat das Tradition. Es war also keine Überraschung, dass mir heute im Taxi permanent das Display vollgeknallt wurde, und zwar mit Straßennamen und Fahrtrichtungen, wo die teuren Bilder gerade gemacht werden. Vermutlich ist der Fotograf mehrfach umgezogen. Auch so ein Berliner Hobby, also das Umziehen, was aber im Aussterben begriffen ist, spätestens seitdem bei jeder Neuvermietung kräftig zugelangt wird. Doch zurück zum Thema. Dass Informationen über Blitzer weitergegeben werden, ist nicht selbstverständlich. Es soll sogar Taxifahrer geben, die dagegen sind, weil sie es gut finden, wenn zu schnell fahrende Kollegen aus dem Verkehr gezogen werden. Ich finde das ehrlich gesagt bedenklich. Denn es hat doch schon etwas hinterfotziges. Vielleicht werde ich aber auch einfach nur alt. Ich meine, wer kann sich schon, so wie ich, noch daran erinnern, dass man einmal mittels Lichthupe vor Geschwindigkeitskontrollen gewarnt wurde? Weiß überhaupt noch jemand, was Lichthupe ist? Gibt es das denn noch auf dem Smart-Phone? Das Wort "hinterfotzig" gibt es übrigens wirklich. Es kommt aus dem Süddeutschen und bedeutet "hinterlistig" bzw. "hinterhältig". Jetzt, wo ich darüber nachdenke, würde ich es lieber durch ein anderes Wort ersetzen. Hm, lass mich überlegen. Ist schon etwas spät. Oder eben früh - je nachdem. "Asozial" ist etwas zu hart. "Unkollegial" passt auch nicht wirklich. "Unemphatisch" trifft es, denke ich, irgendwie am Besten. Ganz nach dem Motto: Der andere ist mir egal. Soll er zusehen, wo er bleibt. Sind sowieso schon viel zu viele auf der Straße unterwegs. Und überhaupt: Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.

Text TaxiBerlin

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