31.10.2016

MOBILE LEBENSBERATUNG


Dass ich mehr kann als "nur" Menschen von A nach B zu bringen, ist weitgehend bekannt. Aber was genau es ist, das ich darüber hinaus anbiete, darüber herrscht nicht so rechte Klarheit, auch bei mir selbst nicht. Klar, es gibt bei mir im Taxi gute Musik. Aber das ist nun wahrlich nichts Besonderes. Gute Musik kann jeder hören - wenn er denn will. Nein, es muss schon etwas mehr sein, was ich meinen Fahrgästen anbiete, und das ist es auch. Es ist, der Titel des Beitrags verrät es bereits, eine komplette Lebensberatung, mobil - versteht sich. Wobei mobil nicht bedeutet, wie eine Fahrgästin gestern Abend vermutete, dass ich zu den Leute nach Hause gehe, um sie dort zu beraten. Mobil heißt in dem Fall, dass die Leute zu mir, genauer zu mir ins Taxi kommen, und dass wir, das ist das Wichtigste an der Geschichte, gemeinsam durch die Gegend fahren. Ansonsten trifft Beratung das "Produkt" so ziemlich auf den Punkt, denn schließlich will ich mit diesem Beitrag auch mein Profil schärfen. In der Praxis sieht das dann so aus, dass ich neben dem Fahren als Medium fungiere, dem der Fahrgast (also auch du - wenn du willst) alles sagen kann, was er sich sonst niemandem zu sagen traut, und ich mir das alles anhöre, während ich fahre. Das mit dem Fahren ist deswegen wichtig, weil ich mich dann besser auf das, was du mir sagst, konzentrieren kann. Keine Sorge, du lenkst mich dadurch nicht vom Fahren ab, sondern im Gegenteil, das Fahren hilft mir den Kern deiner Aussage herauszufiltern. Du willst natürlich wissen, was dir das bringen soll, und ich möchte es dir sagen, weil es auch meine einzige Bedingung ist. Ich will kein Geld von dir, ausser dem Fahrpreis, das ist klar. Das einzige, was ich will, ist, dass du mir aufmerksam zuhörst, was ich dir nicht nur als Fahrer, sondern vor allem als dem Medium, das alles von dir Gesagte aufnimmt und in eine für dich verständliche Sprache übersetzt, zu sagen habe.

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NOCHMAL KURZSTRECKE


Dass Fahrgäste die Kurzstrecke gut finden, ist keine Überraschung. Dass auch ein Taxifahrer sie gut findet, dann schon. Mit Kurzstrecke kann, wer will, etwas Geld sparen. Eine kurze Fahrt (maximal zwei Kilometer) kostet dann fünf und nicht sieben Euro nochwas. Natürlich willst du wissen, wieso ein Taxifahrer die Kurzstrecke toll findet. Es war etwas schwierig, es aus ihm herauszukitzeln, auch weil er alle anderen Taxifahrer doof oder besser gesagt geistig minderbemittelt findet, die Kurzstrecke nicht gut finden. Die Antwort ist so einfach wie naheliegend: er schaltet bei Kurzstrecke einfach die Uhr nicht ein. Die fünf Euro für die Kurzstrecke wandern direkt und vollständig in seine eigene Tasche, wogegen nichts einzuwenden ist. Das kann man machen, muss man aber nicht. Was man, wenn man es macht, auf keinen Fall tun sollte, ist, die Kollegen für doof erklären.

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30.10.2016

FAUL UND FEIGE


Ausgerechnet am Vorabend zum Reformationstag versucht mir einer zu erklären, dass es die ANGST VORM GESCHRIEBENEN WORT wirklich geben würde und dies sogar wissenschaftlich bewiesen sei. Um es gleich ganz klar zu sagen: Es interessiert mich die Bohne, was wissenschaftlich bewiesen ist, denn die Erfahrung sagt, dass es heute DIES ist und morgen JENES. Jedenfalls und zum Glück litt LUTHER nicht unter der ANGST VORM GESCHRIEBENEN WORT, sonst hätten wir möglicherweise heute noch keine gemeinsame Schrift/Sprache. Ein Meinungsbildendes Magazin, dessen Leser angeblich mehr wissen, nennt LUTHER ganz und gar DEN ERSTEN WUTBÜRGER. Manch einem wünscht man diese ANGST VORM GESCHRIEBENEN WORT regelrecht an den Hals, insbesondere denen, die nicht wissen was sie schreiben. NIETZSCHE meinte, dass es in Zeiten der Langeweile, also heute, weniger Anhänger der WAHRHEIT gibt als in Krisenzeiten, was ich bestätigen kann. Dass all die Anhänger der WAHRHEIT von früher heute unter der ANGST VORM GESCHRIEBENEN WORT leiden, erscheint logisch, muss aber deswegen noch nicht stimmen. Möglich ist auch, dass sie einfach nur FAUL UND FEIGE geworden sind, oder es schon immer waren, was vielleicht DAS WAHRSCHEINLICHSTE ist.

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29.10.2016

TRAU KEINEM DER NIE ZU SCHNELL FÄHRT


Das mit dem "unemphatisch" von gestern will mir einfach nicht aus den Kopf gehen, wahrscheinlich weil ich es wirklich so meine und ich mir gleichzeitig sicher bin, dass du es mir nicht abnimmst. Deswegen auch der heutige Titel, den ich ganz Ernst meine. Es ist im Prinzip die Geschichte mit dem ersten Stein, den nur der werfen soll, der ohne Sünde ist. Das meinte zumindest Jesus, der, aber das nur nebenbei, viel bei Buddha, nein, nicht abgeschrieben, geschrieben haben sie beide nicht, sie haben schreiben lassen, sondern abgeguckt hat. Diese Verbindung zwischen dem Nahen Osten, wie wir ihn heute nennen, und dem fernere Osten gab es damals wirklich schon. Sich zu verbinden ist keine Erfindung von Facebook! Doch zurück zum Thema. Kennst du auch nur einen, der immer nach Vorschrift fährt? Also ich nicht, weswegen ich jedem, der dies behauptet, mit größter Vorsicht begegne, denn er ist, das darf an dieser Stelle gesagt sein, ein Lügner. Und lügen, auch das ist die Wahrheit, ist letztendlich genauso schlimm wie rasen. Der Lügner selbst denkt natürlich, dass er besser wäre als der Raser. Und das ist genau das, was ich mit "unemphatisch" meine, auch (nicht nur!) weil es nicht stimmt. Ich gehe aber noch weiter und behaupte, dass Lügner schlimmer sind als Raser, was aber noch nicht die Frage beantwortet, ob man Raser vor Blitzern warnen soll oder nicht. Das muss dann doch jeder für sich entscheiden.

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"YOU WANT IT DARKER"




"DU WILLST ES DUNKLER" von Leonhard Cohens aktuellem Album ist definitiv ein MUSS für alle Nachtfahrer und nicht nur für die, die (so wie ich) bereits in ihren Lebensabend eingetreten sind. Zugegeben, der Chor nervt ein klein wenig, aber dafür ist das "ICH BIN BEREIT MEIN HERR" vom Kollegen Cohen, der immerhin auch schon 82 ist, nur schwer zu toppen. Höchstens vielleicht von den "MILLIONEN RUNTER GEBRANNTER KERZEN - FÜR DIE LIEBE, DIE NIE KAM". Bevor ich es vergesse: "DU WILLST ES DUNKLER? DANN MACH DAS LICHT AUS!"

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28.10.2016

DAS TICKET


Das Ticket, um das es geht, ist nicht das, was man bekommt, weil man, wie letzte Nacht berichtet, zu schnell gefahren ist und deswegen fotografiert wurde. Das Ticket, was hier gemeint ist, ist das, was der Taxifahrer ausstellt, und zwar dem Fahrgast, über die Höhe der Summe, die dieser mit ihm Taxi gefahren ist - Insider sagen auch Quittung oder Receipt dazu. Ausstellen soll der Taxifahrer das Ticket am Besten noch bevor er das Fahrgeld vom Fahrgast angenommen bzw. gewechselt hat. Am Allerbesten wäre es, ginge es nach dem Fahrgast, wenn das Abkassieren komplett unter den Tisch fallen würde, denn immerhin durfte der doofe Taxifahrer schon vorm Inter-Conti vorfahren. Leute, es ist mir egal, ob es sich, wie in diesem Fall, um blöde Russen handelt. Es nervt einfach. Außerdem heißt es Quittung oder wegen mir noch Receipt aber nicht Ticket.

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VON TEUREN BILDER UND HINTERFOTZIGEN KOLLEGEN


Kaum sind die Herbstferien vorbei, werden wieder Fotos gemacht. Keine Ahnung, wie das in anderen Städten ist - in Berlin ist das so. Hier hat das Tradition. Es war also keine Überraschung, dass mir heute im Taxi permanent das Display vollgeknallt wurde, und zwar mit Straßennamen und Fahrtrichtungen, wo die teuren Bilder gerade gemacht werden. Vermutlich ist der Fotograf mehrfach umgezogen. Auch so ein Berliner Hobby, also das Umziehen, was aber im Aussterben begriffen ist, spätestens seitdem bei jeder Neuvermietung kräftig zugelangt wird. Doch zurück zum Thema. Dass Informationen über Blitzer weitergegeben werden, ist nicht selbstverständlich. Es soll sogar Taxifahrer geben, die dagegen sind, weil sie es gut finden, wenn zu schnell fahrende Kollegen aus dem Verkehr gezogen werden. Ich finde das ehrlich gesagt bedenklich. Denn es hat doch schon etwas hinterfotziges. Vielleicht werde ich aber auch einfach nur alt. Ich meine, wer kann sich schon, so wie ich, noch daran erinnern, dass man einmal mittels Lichthupe vor Geschwindigkeitskontrollen gewarnt wurde? Weiß überhaupt noch jemand, was Lichthupe ist? Gibt es das denn noch auf dem Smart-Phone? Das Wort "hinterfotzig" gibt es übrigens wirklich. Es kommt aus dem Süddeutschen und bedeutet "hinterlistig" bzw. "hinterhältig". Jetzt, wo ich darüber nachdenke, würde ich es lieber durch ein anderes Wort ersetzen. Hm, lass mich überlegen. Ist schon etwas spät. Oder eben früh - je nachdem. "Asozial" ist etwas zu hart. "Unkollegial" passt auch nicht wirklich. "Unemphatisch" trifft es, denke ich, irgendwie am Besten. Ganz nach dem Motto: Der andere ist mir egal. Soll er zusehen, wo er bleibt. Sind sowieso schon viel zu viele auf der Straße unterwegs. Und überhaupt: Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.

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26.10.2016

DAS SCHWARZE BRETT VOM FLUGHAFEN TEGEL


So sieht es auch

Ich bin mir nicht sicher, ob man heute noch "Schwarzes Brett" sagt zu einer Wand, wo Nachrichten hinterlassen werden können. Das "Schwarze Brett" für Taxifahrer am Flughafen Tegel gleich neben der "Pilotenbude", auch nur für Taxifahrer, ist auch kein schwarzes Brett, sondern eine Metallwand. Man muss also Klebeband mitbringen, will man dort etwas anbringen. Im Notfall kriegt man das Klebeband von einer der netten Damen, einen netten Herren gibt es da auch, die die "Pilotenbude" betreiben. Hat man nichts zu schreiben dabei, kann man dort auch einen Kugelschreiber und einen Zettel bekommen. So ist es wohl Erdem, dem Autor obiger Zeilen ergangen, der seine Nachricht auf dem Klassiker, einem Pappteller für Wiener Würstchen (meist aus Schweinefleisch, es gibt aber auch welche aus Pute), hinterließ. Erdem hatte, so erfahren wir, einen Unfall mit einem türkischen Taxifahrer. Keine Ahnung, ob er das denn verraten darf, aber es geht auch gar nicht um den Unfall, sondern um Erdems Fahrrad, mit dem er den Unfall hatte. Das ist weg, was keine soo große Überraschung ist, denn man erfährt aus Erdems Zeilen auch, dass er es nach dem Unfall nicht angeschlossen hat, entweder weil er unter Schock stand, oder einfach nur weil Erdem gar kein Schloss dabei hatte. Nun möchte Erdem, dem es "soweit gut" geht, gerne seine Fahrrad "Farbe Blau" zurück haben. Leider kann ich Erdem, zumindest was sein Fahrrad angeht, nicht weiter helfen. Gerne leite ich aber Informationen und auch sachdienliche Hinweise über den möglichen Verbleib seines Fahrrads an ihn weiter. Wo ich dem Erdem weiterhelfen kann und auch möchte, das ist seine Grammatik. Ich will sie jetzt nicht schlechter machen, wie sie ist. Sie ist eigentlich gar nicht soo schlecht. Nur hier und da könnte Erdem noch etwas pfeilen, wobei ich ihm gerne helfen würde. Zeit genug hätte ich, das Ganze am Besten direkt am Flughafen Tegel bei einer Tasse Tee an der "Pilotenbude" gleich neben dem "Schwarzen Brett" nur für Taxifahrer.

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25.10.2016

EIN NACHTRAG ZUR DURCHLÄSSIGEN SACKGASSE


Richtgeschwindigkeit: 5 Kilometer pro Stunde und Person

Gestern haben wir gelernt, dass es "Durchlässige Sackgassen" wirklich gibt, aber, vielleicht das Wichtigste, dass sie nur für Fußgänger durchlässig sind und beispielsweise nicht für Taxen. Betrachtet der geneigte Leser und Fußgänger das Schild einmal genauer, sieht er, dass er da nicht einfach so durchgehen kann durch die durchlässige Sackgasse. Nein, noch herrscht Ordnung, auch wenn diese in Auflösung begriffen ist, um einer allgemeinen Balkanisierung Platz zu machen. Deswegen sind die für den Fußgänger erlaubten fünf Kilometer pro Stunde und Person auch nicht, wie sonst üblich, mit einem Zusatzschild ausgeschildert, sondern in die stilisierte schwarze Fußgängerperson weiß aufgetragen, oder genauer: ausgelassen. Da das Verkehrsschild für Fußgänger einen blauen Grund hat, ist davon auszugehen, dass es sich um eine Richtgeschwindigkeit handelt. Zumindest ist über eventuelle Geschwindigkeitskontrollen in der für Fußgänger durchlässigen Sackgasse (noch) nichts bekannt geworden.

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24.10.2016

VON DURCHLÄSSIGEN SACKGASSEN UND UNECHTEN EINBAHNSTRASSEN


Kurfürstendamm Ecke Fasanenstraße
früher Charlottenburg / heute Charlottenburg-Wilmersdorf

Das Hotel Kempinski in der Fasanenstraße ist gerade ein Geheimtip, allerdings nur für die, die auch mal über ihren Tellerrand hinaus gucken und nicht nur die eine alte Halte kennen, zu der sie immer wieder zurück fahren, wahrscheinlich weil sie sonst verloren gehen würden in der Stadt, was aber keiner wirklich will. Das Hotel Kempinksi, für alle interessierten Leser und Kollegen, ist deswegen ein Geheimtip, weil nun auch dort gebaut wird und man es nur von einer Seite anfahren kann oder besser muss. Der erfahrene Taxifahrer weiß: Das war schon immer so, nur dass sich diesmal die Fahrtrichtung geändert hat. Man erreicht das Kempinski im Moment nur vom Ku'damm aus, was bis dato nicht ging, weil die Fasanenenstraße dort eine Einbahnstraße war, weswegen es von der anderen Seite, also von der Kantstraße anzufahren war. Die Einbahnstraße ist aufgehoben. Aber nicht nur das. Die Fasanenstraße wird in Höhe des Kempinskis zur Sackgasse, so dass man direkt vor dem Hotel wenden muss, was nicht immer einfach ist, weil da natürlich meist viele Fahrzeuge rumstehen. Zur nötigen Ortskenntnis gesellen sich also noch gewisse Fahrkünste, und möglicherweise sind sie der Grund, warum vorm Kempinski neuerdings nie Taxen stehen, was sehr ungewöhnlich ist, weil das Kempinkski einmal das erste Haus am Platz war - die Betonung liegt auf WAR. Ich weiß es aber nicht genau, also warum da im Moment nie Taxen davor stehen. Was ich weiß, ist, dass man als Fußgänger an der Baustelle vorbei zur Kantstraße durchkommt. Das ist an sich nichts besonderes, weil das ging ja schon immer, zumindest für Fußgänger. Was in dem Zusammenhang, zumindest für mich, neu ist, das ist obiges Verkehrsschild. Es heißt, das habe ich gegoogelt, "Durchlässige Sackgasse für Fußgänger", was mich auf "Unechte Einbahnstraßen" bringt. Auch die gibt es wirklich. Ich werde bei Gelegenheit mal über sie schreiben. Vorausgesetzt nicht auch ich fange an, nur noch an einer Taxihalte rumzulungern, allerdings altersbedingt - versteht sich.

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DIE STRASSE WEISS DIE ANTWORT


Problemankündigung

Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Man kann viel lernen von der Straße! Beispielsweise die Ankündigung eines Problems. Wo gibt es das sonst? Etwa bei dir zu hause? Aber nicht nur das! Auch die Dauer eines Problems kann, die Straße beweist es, ziemlich genau angegeben werden. Nur mit Grammatik, das haut nicht hin. Denn wenn ick "ab jetze" sare, dann muss ick aba och "jibtet een" saren.

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20.10.2016

TAXIBERLIN ALS ECO-TAXI


Ökologischer Qualitätsaufkleber - hält auch bei Regen

Ich bin dafür bekannt, dass ich jeden Unsinn mitmache. So ist es also keine Überraschung, dass ich nach dem VIP-Taxi das Eco-Taxi für mich entdeckt habe. Aber ähnlich wie beim VIP-Taxi, wo bei mir im Taxi nicht der Fahrgast sondern ich der VIP bin, geht es beim Eco-Taxi nicht darum, dass mein Taxi ökologisch ist, sondern der Fahrgast. Das wird gerne mal unterschätzt, und zwar die Umweltbelastung, die von dicken Menschen ausgeht. Es ist natürlich viel einfacher, die Pupse und Rülpser der Kühe für den Klimawandel verantwortlich zu machen, die können sich schließlich nicht wehren. Und da immer mehr Menschen Soja-Milch anstelle von richtiger Milch trinken, dürften die Tage der Kuh, wie wir sie kennen, auch gezählt sein, was aber den Klimawandel nicht stoppen wird. Denn da gibt es ja noch die Dicken, die pupsen und rülpsen bekanntlich auch nicht zu knapp. Hinzu kommen ihre zahlreichen anderen Ausdünstungen, die, rechnet man alles zusammen, den Dicken in Sachen Umweltbelastung auf Platz zwei gleich hinter den Kühen kommen lässt. Als Betroffener willst du natürlich wissen, was der Eco-Taxifahrer dem Übergewichtigen empfiehlt. Um ehrlich zu sein: Ich habe zwar die Weiterbildung besucht, aber alles schon wieder vergessen. Was geht's mich an, wie du dein Gewicht reduzieren kannst. Im Taxi jedenfalls nicht, so viel kann ich nach vielen Jahren in demselben schon mal verraten.

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19.10.2016

IM TAXI MIT ANDY (ENGLISCHE AUSSPRACHE)


"Klein- und Kleinstbeträge"

Am Donnerstag, den 11. September 1980, ist Andy mit Bob und Diana zum Dinner gefahren, Diana trug dabei ein schönes Kleid von Valentino, das Taxi kostete zwei Dollar. Über eventuelles Trinkgeld ist nichts vermerkt. Und das, obwohl Andys Tagebuch ansonsten voll von Angaben über Geld ist. Nur eine Woche später etwa hat Andy einen Streit mit Carole, die in seinem Büro Briefumschläge weggeschmissen hat, die angeblich nur 35 Cent kosten. Andy konnte Carole aber beweisen, dass sie zwei Dollar, also genauso viel wie das Taxi eine Woche zuvor, gekostet haben. Dazwischen, genau am Montag, den 15. September 1980, ist Andy zum Jüdischen Museum gefahren, wo ein Magazin Fotos von ihm gemacht hat. Das Taxi hat diesmal schon drei Dollar und zehn Cent gekostet. Billiger wird es dann nur noch am Sonntag, den 12. Juni 1983, als Andy mit der U-Bahn für ein Dollar fünfzig unterwegs war. Andy, übrigens mit englischer Aussprache, ist kein Taxifahrer, auch wenn seine Affinität zum Schreiben über Geld dies vermuten lässt. Andy, der eigentlich Andrej Warhola heißt, ist Künstler, und zwar alleine deswegen, weil er oft genug behauptet hatte, Künstler zu sein. Im Gegensatz zu Andy gelingt es einigen Taxifahrern wirklich Künstler zu sein, aber nicht etwa, weil sie dies immer wieder behaupten, sondern indem sie einfach aus dem Taxifahren eine Kunst machen. Den meisten geht es aber, wie bereits erwähnt, genauso wie dem armen Andy. Diese Taxifahrer reden (manch einer schreibt auch) am Liebsten über Klein- und Kleinstbeträge, weil sie darüber hinaus nichts zu sagen hat.

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18.10.2016

BERLIN RADIKALISIERT


Wen nicht, mit dem stimmt was nicht ...

Glaubt man den Medien, soll sich Dschaber al-Bakr in Berlin radikalisiert haben. Ausgerechnet hier, wo wir doch nur am Party machen sind, und am Chillen danach, das darf bei aller Eile nicht vergessen werden. Ob es wirklich so war, wissen wir nicht, können wir nicht wissen, denn der 22-jährige Syrer ist nicht mehr am Leben. Komischerweise, wenn dieses Wort in diesem Zusammenhang denn erlaubt ist, hat sich Dschaber al-Bakr in Leipzig, also in Sachsen, das Leben genommen. Für uns in Berlin stellt sich nun die Frage: Radikalisiert Berlin und wenn JA: WIE?

Um es kurz zu machen: Die Antwort lautet JA! Sie lautet alleine schon deswegen JA, weil in Berlin immer und überall viel mehr Leute auf engstem Raum zusammenkommen, als dem Menschen zuträglich ist. Das führt dazu, dass du, der du dich, warum auch immer, Tag für Tag oder auch Nacht für Nacht, das ist egal, in dieses Gewimmel stürzen musst, gar nicht mehr voran kommst, was daran liegt, weil dir permanent ein anderer im Weg steht. Dem, der dir da im Weg steht, ist das auch noch egal. Nicht nur, dass er dir im Weg steht, was schlimm genug ist, nein, es juckt ihn noch nicht einmal.

Zu dieser, nennen wir es beim Namen, völligen Empathielosigkeit, gesellen sich in Berlin noch jede Menge rote Ampeln, die dir ebenfalls alles andere als wohlgesonnen sind, egal ob du als Autofahrer, Fahrradfahrer oder Fußgänger unterwegs bist. Dabei, das ist nicht neu, macht ROT aggressiv, und das nicht zu knapp. Das weiß auch der, der noch nie einem Stierkampf beigewohnt hat. Und trotzdem lässt es die meisten hier in Party-Town kalt, wenn unter ihnen ein junger Mann in der Blüte seiner Manneskraft aggressiv wird und sich radikalisiert. Ausser seinen Bruder - der hat Rache geschworen.

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17.10.2016

TRAU KEINEM DER NICHT FICKT !


Ich weiß, es heißt eigentlich "Trau keinem über dreißig!". Oder auch "Trau keinem der nicht trinkt!" Aber wer ist heute schon noch unter dreißig? (Es besteht allerdings Hoffnung. Die Geburtenrate ist aktuell auf 1,50 Kinder pro Frau gestiegen.) Und wer trinkt heute schon noch? Also ich nicht! Der ein oder auch die andere wird den Titel für übertrieben halten, was er auch ist. Aber wird es mit der Sexualität, mit der wir alltäglich zugeschüttet werden, nicht auch übertrieben? Jedenfalls verhält es sich mit dem real stattfindenden Sex genau reziprok zu der Sexualität, die uns allseits umgibt. Um es ganz offen auszusprechen: Der wirklich stattfindende Sex dürfte sich in einem sehr engem Rahmen bewegen beziehungsweise gegen Null tendieren. Deswegen ist "Trau keinem der nicht fickt!", was übrigens von mir ist, aber das nur nebenbei, durchaus ein geeigneter Navigator, vielleicht auch für dein Leben, meinte zumindest mein letzter Fahrgast ...

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14.10.2016

DU BRAUCHST KEINEN WETTERBERICHT UM ZU WISSEN WOHER DER WIND WEHT



Allen Ginsberg im Hintergrund

Eigentlich heißt es "you don't need a weatherman to know wich way the wind blows" und ist von Bob Dylan. Genau der, der gestern den Nobelpreis für Literatur gewonnen hat. Bevor ich gleich zu Bob, der eigentlich Robert Zimmermann heißt, komme, noch ein Wort zum Wetter. Das Thema Wetter ist bei mir im Taxi tabu. Aber jetzt nicht wegen Bob Dylan, sondern weil Wetter einfach ist und man sowieso nichts dagegen tun kann. Entschieden, in meinem Taxi nicht mehr über das Wetter zu reden, habe ich, nachdem mich Fahrgäste vor vielen Jahren einmal gefragt hatten, wie denn das Wetter in Berlin gewesen sei. Sie hätten in ihrem Urlaub vier Wochen Regen gehabt - in Berlin schien die ganze Zeit die Sonne.

Doch zurück zu Bob Dylan. Viele sind überrascht, dass ausgerechnet er den Nobelpreis für Literatur gewonnen hat. Ich nicht! Gut, seine Texte funktionieren als Gedicht weniger gut denn als Song. Das mag sein. Aber Bob ist nun mal, wie er selbst sagt, ein "Song & Dance Man". Und das ist genau der Punkt! Bob bringt, wenn man so will, das zusammen, was zusammen gehört, nämlich die Musik, die Nietzsche als die "dionysische Kunst" bezeichnet, und die Worte, die derselbe die "apollinische Kunst" nennt.

Beide, also Musik und Worte, waren einmal eine Einheit, wurden aber getrennt und kommen nun wieder zusammen. Das ist, so denke ich zumindest, die eigentliche Message des Nobelpreiskomitees. Und vielleicht noch folgendes: Du musst nicht wirklich singen können (Bob ist auch als der "Nicht-Sänger" bekannt) und auch auf der Gitarre kein Virtuose sein. Es zählt einzig, was du zu sagen hast (ob du überhabt etwas zu sagen hast) - der Rest ergibt sich von alleine ...

PS: "Man muss das Leben tanzen."
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12.10.2016

GOD IS A GERMAN


Methfesselstraße / früher Kreuzberg / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Wie ich nun wieder auf diesen Titel komme, fragst du dich jetzt sicherlich, und das nicht mal zu unrecht. Hm, wie erkläre ich es und vor allem: Wo fange ich an? Am Besten im Taxi, wo sonst?! Da saß mir neulich ein Bulgare, und da ich mich mit denen auskenne, war ich auf das Thema bestens vorbereitet. Wir kamen darauf, weil ich kein Navi benutze, was ja auch ein kleiner Computer ist. Es ging um die Frage, wer ihn, den Computer, erfunden hat. Dazu muss man wissen, dass der Computer neben dem Bacillus Bulgaricus (den gibt es wirklich!), der für den Joghurt zuständig ist, das Lieblingsthema aller Bulgaren ist. Du wirst dich jetzt vielleicht wundern, aber den Computer (ja, genau der, vor dem du gerade sitzt!) hat ein Bulgare erfunden, das meinte zumindest mein Fahrgast aus Bulgarien.

Den Computer, wirst du jetzt sagen, hat doch dieser Zuse aus Berlin erfunden. Das ist vollkommen richtig, und zwar im Mai 1941. Im Sommer 1941, nach bulgarischer Zeitrechnung gleichzeitig, nahmen aber auch zwei US-Amerikaner ihren ersten Computer in Betrieb. Und da einer von diesen zweien Atanasoff hieß und bulgarische Vorfahren hatte, er selbst wurde in den USA geboren, kommt der Computer ganz klar aus Bulgarien. Zumindest für Bulgaren ist das so, weswegen es auch ein großes Atanasoff-Denkmal in Sofia gibt, gleich neben der Post und hinter dem Fernmeldeamt.

Das wird den ein oder anderen überraschen, dass der Computer gar keine deutsche sondern eine bulgarische Erfindung ist. Und wer weiß, ob das Auto überhaupt auf uns zurückgeht. Gar nicht zu reden vom Bier, dem Buchdruck und der Curry-Wurst. Wer war da schon dabei, um bezeugen zu können, dass da niemand anders, beispielsweise ein Bulgare, seine Finger im Spiel hatte. Was man mit Sicherheit sagen kann, ist, das Gott, also was Wort, eine deutsche Erfindung ist. Und, damit möchte ich für heute schließen, die Soja-Wurst, die ist auch deutsch. Die hat Konrad Adenauer erfunden.

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11.10.2016

SO VIEL OBERFLÄCHE WAR NIE


Ich weiß nicht, wie es dir geht, und sicherlich hat es auch mit dem Alter zu tun, aber so viel Oberfläche (oder auch Irrlichter, wie mein Freund Dietrich sagen würde) war nie. Bunt ist sie, diese Oberfläche, und wie! Trotzdem sollte sie uns nicht daran hindern, intelligent zu sein und zwischen den Zeilen zu lesen, denn nichts anderes bedeutet Intelligenz. Intelligent ist heute natürlich jeder, das ist klar, deswegen bedient sich ein jeder auch so gerne Schubladen mit Etiketten drauf. Du machst dir Sorgen? Dann bist du ein "besorgter Bürger"! Du wirst lachen, aber das geht schneller als du denkst. Es ist wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, die zu hundert Prozent funktioniert. Du glaubst mir nicht? Dann probier es aus! Ich hab' leider gerad' keine Zeit. Ich muss mich mit Leuten unterhalten, beispielsweise bei mir im Taxi. Und da muss ich sagen, dass viele die Dinge ganz klar sehen. Klarer auf jeden Fall als die uns Regierenden, obwohl das nun wirklich keine besondere Leistung ist. Du möchtest ein Beispiel? Denk an den letzten Feiertag! War er nicht wie der letzte Republikgeburtstag? Die Herrschenden feiern abgeschirmt und abgehoben und haben völlig den Kontakt zu den Realitäten im Land verloren. Aber es kommt noch besser: Uns Regierende laufen bei Demonstrationen mit, die dem Land, das sie regieren, den Tod wünschen. Als wenn es nicht schon schlimm genug wäre, dass sie selbst als Kind nicht gemocht wurden. Nein, zur Strafe soll sich nun jeder von uns als  Erwachsener wie ein Stück Scheiße fühlen. Bertolt Brecht hatte eine einfache Lösung für dasselbe Problem. Er schlug seinerzeit den Regierenden vor, einfach das Volk aufzulösen und ein anderes zu wählen. Unser Land (es ist auch dein Land!) wollte Brecht noch "verbessern", "lieben" und "beschirmen". "Und das liebste mag's uns scheinen, so wie anderen Völkern ihrs." Komisch, dabei war Brecht doch Linker und Deutscher, oder nicht? Sicher ist, dass Brecht, was das weibliche Geschlecht angeht, kein Kostverächter war. Ganz im Gegenteil: Frauen hatte der ohne Ende! Wahrscheinlich, das ist jetzt aber nur eine Vermutung, hätten wir heute, wenn es mehr von seiner Sorte geben würde, auch keinen "demographischen Wandel".

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10.10.2016

ICH WOLLTE NICHT DARÜBER SPRECHEN ...


Ich wollte nicht darüber sprechen, aber jetzt muss es doch raus. Leider habe ich keinen Mitschnitt gemacht, den ich veröffentlichen könnte. Deswegen muss ich es, als wenn es nicht schon schlimm genug wäre, dass ich es mit anhören musste, nun auch noch aufschreiben. Also da hatte ich doch neulich zwei Typen bei mir im Taxi, die dieses verbotene F-Wort in den Mund nahmen, und das nicht nur einmal. Genau genommen beabsichtigten sie (wie gesagt: mehrfach!) irgendwelche Frauen zu ficken. Aber nicht nur das. Vorher wollten sie ihnen auch noch irgendwohin fassen. Möglicherweise auch danach, so genau weiß ich das nicht mehr. Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass die Fahrt ins Bordell ging. Ich meine so ein richtiges, also legales "Freudenhaus", das ordentlich seine Steuern bezahlt, damit beispielsweise unsere Straßen repariert werden können, weswegen ich jetzt doch Zweifel habe, ob es wirklich so klug war darüber zu schreiben. Ich meine, nicht dass es in Zukunft noch langsamer voran geht mit den Reparaturen dort. Obwohl, wenn ich's mir recht überlege: Noch langsamer geht ja wohl kaum. Oder?!?

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09.10.2016

"ES FÄLLT MIR VON TAG ZU TAG SCHWERER ... "


"Es fällt mir von Tag zu Tag schwerer, auf dem Niveau meines blauen Porzellans zu leben" - so weit Oscar Wildes (nennen wir es einmal) "Luxusproblem". Meine Probleme sind dagegen ganz reell, um nicht zu sagen existenziell. Es geht ums Taxifahren, was ich auch (nicht nur!) mache, um damit meine Rechnungen zu bezahlen - zumindest bis dato. Genau das fällt mir neuerdings von Schicht zu Schicht schwerer, wobei mir lange Zeit nicht klar war, woran das genau liegt.

Es liegt nicht, wie ich Anfangs dachte, an den vielen Berliner Baustellen, die sich traditionell zum Ende des Jahres vermehren wie der süße Brei. Es liegt auch nicht an den neuen, unübersichtlichen gelben Fahrbahnmarkierungen am Flughafen Tegel, auch nicht an der kompletten Straßensperrung vom Ostbahnhof und schon gar nicht daran, dass der neue Flughaben nicht fertig werden will.

Damit könnte ich als jemand, der die Improvisation mit der Muttermilch aufgesogen hat, leben, und zwar sehr gut. Der Grund, warum ich mich mit jeder Schicht schwerer tue, ist auch nicht der oft zitierte "innere Schweinehund", den es zu überwinden gilt - ganz im Gegenteil! Es ist nämlich genau dieser "innere Schweinehund", der mich zwingt, mich zu quälen, oder genauer: mich quälen zu lassen. So einen "inneren Schweinehund" gibt es auch!

Du willst wissen, was oder besser: wer mich da quält? Ich will es dir sagen: Quälen tuen mich vor allem meine Fahrgäste. Sie quälen mich an erster Stelle mit ihren geistigen, aber auch mit ihren körperlichen Ausdünstungen. (Das herauszufinden war nicht einfach. Es in Worte zu fassen, bereits eine Quälerei.) Wobei Qualen die körperlichen Schmerzen, die mir meine Fahrgäste bei jeder Schicht bescheren, nur völlig unzureichend beschreibt. Aber wie sollte ich es sonst nennen?

Das weißt du natürlich auch nicht. Die Frage ist auch eher rhetorisch gemeint. Aber wie solltest du, rhetorisch hin oder her, auch wissen, wie ich meine Qualen beschreiben soll, wenn du nicht mal weißt, wer diese Qualen verursacht? Das leuchtet selbst dir ein, oder? Oder bist du vielleicht einer von diesen Fahrgästen, die unter permanenter Logorrhoe leidend den lieben langen Tag nur Dünnsinn absondern?

PS: Ich hoffe ("Ey Bruder, auf jeden!"), dass ich meinerseits gleiche oder auch ähnliche Absonderungen vermeiden konnte. Das Verfassen dieser Zeilen, auf die ich größte Mühe verwandt habe ("Kennste Café Moskau?"), ist mir zugegebenermaßen nicht leicht gefallen ("Kannste glooben!"), genauer gesagt: ich habe mich gequält ("Geht Kurzstrecke vom Alex zum Zoo?"), wobei die erwähnten körperlichen Ausdünstungen ("muss totzen!") leider unberücksichtigt bleiben mussten, was aber dem Medium ("Scheiß Taxi!") geschuldet ist.

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08.10.2016

"NUR FICKEN IST SCHÖNER ..."


Keine Sorge, ich habe mich nicht mit Donald Trump (Was wohl Bill Clinton seinerzeit über Monica Lewinsky gesagt hat?), sondern "nur" mit meinem Chef unterhalten. Es geht auch nicht darum, einfach nur irgendeine Frau zu ficken (das wäre nun wirklich zu billig!), wenn das denn überhaupt noch erlaubt ist (weiß das jemand?), sondern darum, dass die Wagen meines Chefs alles andere als sexy sind, oder anders gesagt, ich zu sexy für seine Taxen bin, je nach "point of view".

Mein Chef, ein cleveres und auch kluges Kerlchen, gab mir, völlig unabhängig von besagtem "point of view", vollkommen Recht. Aber nicht nur das. Mein Chef regte darüber hinaus an, dass ich doch etwas dagegen tun solle, und er sogar die Kosten dafür übernehmen würde. Damit war nun wirklich nicht zu rechnen gewesen, weswegen ich immer noch, das Gespräch mit ihm war immerhin schon vorgestern, überlege, was genau ich denn tun könne, um mein Taxi "sexyer" zu machen. (Mich selbst weniger sexy zu geben, kommt nicht in Frage!)

Nachdem ich bereits die zweite Nacht darüber geschlafen habe, will ich jetzt gleich losmachen, um mir für den Anfang Aufkleber mit der Aufschrift "Nur ficken ist schöner ... " (als Taxifahren - versteht sich!) für mein Taxi machen zu lassen, und zwar auf Kosten meines Chefs. Ich bin gespannt, was mein Chef dazu sagt. Aber vor allem, wie die Frauen bei mir im Taxi darauf reagieren. Meine Antwort, auf welche Nachfrage auch immer, steht bereits fest: Alles muss klein beginnen!

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VORSICHT: FLUCHTENFAHRER !


Arbeitsschutz beachten !

Mit den Taxifahrern, ich kann das nicht oft genug wiederholen, ist es wie mit den Maurern. Da gibt es die vielen Fluchtenmaurer, die nur gerade Mauern errichten können, und den richtigen Maurer, der auch Ecken mauern kann, der rar gesäht ist. Die Fluchtenfahrer unter den Taxifahrern finden zwar den Flughafen, sich dort aber nicht zurecht, geschweige denn zurück. Deswegen ist es besser, dass Fluchtenfahrer immer direkt und ohne Fahrgäste zu der einen Taxihalte, das kann der Alexanderplatz, das Hotel Adlon oder auch der Ost-Bahnhof sein, zurückfahren, die sie kennen, einfach des Arbeitsschutzes wegen. Und natürlich auch zum Schutz der Fahrgäste - das ist doch klar.

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07.10.2016

"WOVON MAN NICHT SPRECHEN KANN ..."


"Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen", meinte zumindest Ludwig Wittgenstein. Ludwig Wittgenstein, für alle die ihn nicht kennen, war der Onkel von Wittgensteins Neffe. "Wittgensteins Neffe" wiederum ist ein Buch von Thomas Bernhard, das man gelesen haben sollte, weil es uns eines Besseren belehrt: Man kann darüber schreiben, wovon man nicht sprechen mag.

Ich bin mir nicht sicher, wie viel Widerstand gegen Wittgenstein in "Man kann darüber schreiben, wovon man nicht sprechen mag" liegt und wie viel Wahrheit. Dabei sollte ich es wissen, denn die Worte sind von mir. Dieses Problem hatte bereits Wittgenstein erkannt, der schrieb, dass, wenn er etwas aus Eitelkeit und nicht aus gutem Willen geschrieben haben sollte, er dies von ihm verurteilt wissen möchte.

Wie viel wird nun aus Eitelkeit geschrieben? Berücksichtigt man, dass wirklich Große wie Buddha, Jesus und Mohamed selbst gar nichts Schriftliches hinterlassen haben, dürfte der Anteil dessen, was aus Eitelkeit verfasst wird, ziemlich hoch sein. Aber wie hoch genau? Ich selbst neige ehrlich gesagt zu der Annahme, dass, sieht man mal von lästigen Formularen ab, alles Geschriebenen aus Eitelkeit zu Papier gebracht wurde und immer noch wird, diese Zeilen inklusive.

Man kann darüber schreiben, wovon man nicht sprechen mag. Aber muss man es auch?
Text TaxiBerlin

06.10.2016

"VERRECKE, DU MIESES STÜCK SCHEISSE !"


"Verrecke, du mieses Stück Scheiße" ist nicht von mir. Es ist auch nicht mein Duktus. Obwohl, wenn ich es mir recht überlege, manch Fahrgast hätte es wohl verdient, so etwas mal gesagt zu bekommen. Nein, mit dem Stück Scheiße, was da verrecken soll, ist unser schönes Land gemeint. Gut, damit kann ich leben, ich bin ja nur zur Hälfte von hier. Worüber ich mir ehrlich Sorgen mache, ist, wie dieses mieses Stück Scheiße, was da verrecken mag, "Wir schaffen das" soll?

Text TaxiBerlin

05.10.2016

NEULICH IN TEGEL


Endzeitstimmung

Knapp zwei Wochen ist es jetzt her, ganz genau war es Donnerstag der 22. September, da ging ab 18 Uhr eine Stunde lang gar nichts mehr am Flughafen Tegel (TXL). Die Leute mussten die letzten Kilometer rennen, wollten sie ihren Flieger noch erreichen. Das ganze hatte etwas von Endzeitstimmung, wie ich sie mag. Ich denke, es kann nicht schaden, schon mal Bekanntschaft mit ihr gemacht zu haben, bevor sie plötzlich vor der Tür steht. Dann ist das Geschrei wieder groß: "Äh, Endzeitstimmung? Kenn' ich nicht! Was will die denn? Und warum ausgerechnet von mir?" So in der Art ...

Bei mir im Taxi ist auch regelmäßig Endzeitstimmung angesagt. Und das auch in Tegel. "Warum ich hier stehe und nicht dort? Warum kein Taxi da ist, wenn sie gelandet sind? Was denn jetzt schon wieder los wäre am Flughafen?" Mit solchen Fragen muss ich mich rumschlagen, wo ich doch einfach nur meinen Job machen, also fahren will. Dabei haben meine Fahrgäste überall warten müssen. Erst am Schalter, dann im Flieger und zum Schluss noch mal am Gepäckband.

Am Besten wäre es, sie müssten nach Hause laufen. Oder rennen! Das wäre noch besser. Das möchte ich sehen! Wär' doch geil, oder? Auch als Einstimmung auf die Endzeitstimmung. Komischerweise ist am Donnerstag den 22. September keiner nach Hause gerannt. Warum eigentlich nicht? Was los war am Flughafen? Ein Auto ist nur einem anderen hinten rein gefahren. Keine große Sache. Aber endlich mal Zeit zum Nachdenken - über Endzeitstimmung und so ...

Foto&Text TaxiBerlin

04.10.2016

ASYL FÜR EINEN ALTEN BERLINER BÄREN


Auf Asylsuche

Anfangs sah alles nach einem normalen Umzug mit Kisten und so aus. Dann waren die Sachen in Bettlaken verpackt, und ein Umzugsmobil war immer noch nicht in Sicht. Bald darauf kamen die Ersten, die in den Kisten und auch in den Bettlaken nach Verwertbarem kramten. Irgendwann war alles weg, zumindest so gut wie, nur den Bären, den wollte keiner haben. Falls jemand einem Alten Berliner Bären Asyl gewähren will, der sollte sich beeilen. Es soll ja bald kalt werden, und ich kann ihn nicht auf Dauer mit mir im Taxi mitnehmen.

Foto&Text TaxiBerlin

03.10.2016

MAN HATTE MICH GEWARNT ...


Aleko Konstantinow in Sofia

Es ist nicht so, dass man mich nicht gewarnt hätte. Das nicht. Im Gegenteil, nicht nur eine Person sondern gleich mehrere Leute haben mich gewarnt. Dieses Buch KANN man, ich sollte besser sagen DARF man nicht ins Deutsche übersetzen, geschweige denn herausgeben. Trotzdem wurde es ins Deutsche übersetzt und wird in den nächsten Tagen erscheinen, wenngleich bei einem Verlag in Klagenfurt, also in Österreich. Es geht um "Nach Chicago und zurück" von Aleko Konstantinow, der uns in seinem als "Reisenotizen" getarnten "Roadmovie" mitnimmt auf eine rasante Fahrt von Paris (eigentlich von Sofia aus, doch das ist eine "derart freudlose Geschichte ... ") über den "Großen Teich", nach New York, weiter zu den Niagarafällen und schließlich zur Weltausstellung 1893 nach Chicago. Konstantinow ist der erste Bulgare, der aus der Neuen Welt berichtet und möglicherweise ist sein Buch der Grund dafür, dass es bis heute in Chicago eine große bulgarische Community gibt. Sicher ist, dass "Nach Chicago und zurück" Dank seines unvergleichlich leichten und ironischen Stils ein zeitloses Leseerlebnis ist, das über bloße Unterhaltung weit hinaus geht.

Genau dieses Erlebnis wäre dem geneigten Leser hierzulande beinahe durch die Lappen gegangen, wenn, ja wenn ich auf die gehört hätte, die wie gesagt der Meinung waren und möglicherweise noch sind, dass "Nach Chicago und zurück" nicht ins Deutsche übertragen werden sollte. Der Grund dafür sind die bereits auf Seite Eins (und dann nie wieder) auftauchenden "absonderlichen jüdischen Gestalten", die in der englischen Übersetzung "splendidly repulsive Jewish individuals" heißen, und die, wenn man das bulgarische Original 1:1 übersetzen würde, sogar "äußerst unangenehme jüdische Gestalten" heißen müssten. Man hatte mir nahe gelegt, das darf ich der Wahrheit wegen verraten, die "jüdischen Gestalten" (besser?) mit "Krämerseelen" zu übersetzen, weil der Autor zweifellos die gemeint hat. Nur, wo kommen wir hin, wenn Bücher nachträglich verändert oder auch "nur" anders übersetzt werden? Sind wir da schon bei Orwells "Neusprech"? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Was ich weiß, ist, dass in Oscar Wildes "Bildnis des Dorian Gray" noch ganz andere jüdische Gestalten vorkommen sollen. Die kann nun jeder selbst mit denen in Aleko Konstantinows "Nach Chicago und zurück" vergleichen, das fertig gedruckt ist und, so Gott will, in den nächsten Tagen im Internet erhältlich sein wird, wie ich gerade aus Klagenfurt, wo heute kein Feiertag ist, erfahren habe.

Aleko Konstantinow wurde, das sei bei aller Eile noch erwähnt, wenn man so will im Taxi ermordet. Genau genommen traf ihn eine Kugel, als er seinerzeit als Fahrgast in einer offenen Kutsche saß. Sein durchbohrtes Herz kann (kein Scheiß!) in dem Ort Swishtow an der Donau besichtigt werden, und zwar im Geburtshaus des Autors, das heute ein Museum ist.

Foto&Text TaxiBerlin

WAS WAR DENN GESTERN WIEDER LOS ?


"Es war verkaufsoffener Sonntag und wir tragen Sonnenbrillen ..."
(frei nach den "Blues Brothers")

Damit meine ich nicht die beiden dunkel gekleideten Männer mit den schwarzen Sonnenbrille, die gestern Nacht durch die Gegend gelaufen sind und eigentlich fahren wollten, aber dafür wohl kein Geld mehr hatten und deswegen (verständlicherweise!) aggressiv waren. Mich interessiert mehr, was gestern am Tage los war auf unseren Straßen und den Shopping-Meilen, und warum die Menschen immer blöder werden. Das gab's doch früher nicht! Oder kann sich jemand an so viele Bescheuerte vor zwanzig oder dreißig Jahren (in solchen Dimensionen muss man rechnen!) erinnern? Also ich nicht! So gesehen ist es gar nicht so schlimm, wenn der Deutsche ausstirbt, oder mit anderen Worten, dass seine Reproduktion ausgelagert wird, genauso wie er bereits die Produktion ausgelagert hat. Nur, was ist der Unterschied zwischen Auslagerung der Produktion und Auslagerung der Reproduktion? Gut, möglicherweise frage ich da den Verkehrten. Als halber Deutscher, der nur halb verblödet ist, will ich es dir sagen: Beides ist Menschenverachtend.

Foto&Text TaxiBerlin

01.10.2016

ZUM BUMSEN NACH BERLIN


Sie stieg mir am Flughafen ein und war überrascht, dass ich ihr sagen konnte, woher sie kommen würde. Dabei hatte ich nur einen kurzen Blick auf sie geworfen, und natürlich hatte ich nicht den Flugplan studiert. Das überlasse ich den Kollegen, die immer alles ganz genau wissen wollen und am Ende gar nichts wissen.

Normalerweise hätte ich der Frau bei mir im Taxi als nächstes erzählt, was sie für einen Job hat, aber sie tat es bereits von sich aus. Das hing wiederum mit dem ersten Eindruck zusammen, den ich von ihr hatte, weswegen ich wusste, woher sie kommt, und wogegen sie sich offensichtlich wehren musste. In ihrer Firma wären alle Spießer - außer ihr! Darauf legte sie großen Wert, und ich glaubte es ihr aufs Wort. Beim genaueren Hinsehen war sie nämlich gar nicht soo spießig gekleidet, zumindest nicht für dort, wo sie herkommt. Für Berlin allerdings schon.

Ich weiß das deswegen, weil ich mich neuerdings selbst spießig kleide, indem ich einfach ein Hemd anziehe. Bei mir hat, wenn man so will, die Hemden-Saison begonnen. Das hängt einerseits mit dem Alter zusammen, ist aber auch als eine Antwort auf die vielen schlecht gekleideten Kollegen hinterm Lenkrad zu verstehen. Manche fahren ganz und gar im Jogging-Anzug. Das musst du dir mal vorstellen! Meine Hemden sind an erster Stelle eine Provokation, aber auch eine Aufforderung an die Fahrgäste, Trinkgeld für weitere Hemden zu geben, weswegen es bei mir auch "Hemdengeld" heißt.

Doch zurück meinem Fahrgast, einer gutaussehenden Frau in den besten Jahren, wie man so schön sagt, wenn sie nur nicht dort herkommen würde, wo sie nun mal herkommt, obwohl sie, wie sie mir glaubhaft versicherte, eigentlich von ganz woanders herkommt, und die vor allem keine Spießerin ist, obwohl ihre Kleidung darauf schließen ließ. Zum Schluss wollte sie ausgerechnet von mir, dem Spießer hinterm Lenkrad, noch wissen, was denn der Grund wäre, dass sie nach Berlin käme, natürlich nur, um mein (Dank Hemd!) neues Selbstbewusstsein auf die Probe zu stellen.

Das (Titel des Beitrags) herauszufinden, war kein großes Ding. Dass es ausgerechnet ihr Ex ist, der sie kurz darauf anklingelte, weil er bereits im Hotelzimmer auf sie wartete, konnte ich nicht wissen. Dafür aber, dass der aktuelle Mann brav zu Hause sitzt, was dort ist, wo sie herkommt, und was ich ihr versprechen musste, auf keinen Fall zu verraten. Sie versprach mir immerhin aufzupassen, dass da nicht mehr passiert mit dem Ex, obwohl man (und insbesondere frau) das nie wissen kann, womit sie auch Recht wieder hatte.

Text TaxiBerlin