04.08.2016

IM TAXI MIT GEORGE ORWELL


Auf den Sprachmüllhaufen mit ihm, ihr, es ... ?

Ein immer wiederkehrendes Thema bei mir im Taxi ist die Sprache, und zwar die deutsche, auch wenn vielen das erstmal als Anachronismus erscheinen mag, da bekanntermaßen immer mehr Menschen nach Berlin kommen, um hier, nein nicht deutsch, sondern englisch zu lernen. Nichts gegen englisch, immerhin die Sprache von Shakespeare, Oscar Wilde und auch von George Orwell. Letztgenannter hat "Farm der Tiere" und "1984" geschrieben, aber auch "Erledigt in Paris und London". Bis nach Berlin ist George Orwell nicht gekommen, dafür das Orwellsche "Neusprech" aus "1984", das heute unter dem Begriff "Geschlechtergerechte Sprache" firmiert. "Geschlechtergerechte Sprache" klingt erstmal gut, das tut "Neusprech" aber auch, wenn "Neusprech" nicht sogar besser klingt, weil "neu" immer besser ist, vor allem als "gerecht".

Hinter "Geschlechtergerechter Sprache" verbirgt sich nicht mehr, aber auch nicht weniger, als die Sprache "geschlechtsneutral" zu machen, jeder Hinweis auf welches Geschlecht auch immer soll nach Möglichkeit unterbunden werden. Ich will ein Beispiel machen, damit es klarer wird. Die Begriffe "Vater" und "Mutter" sind, das hat man neulich erst herausgefunden, ganz klar diskriminierend. Warum sie wen diskriminieren, das verstehen viele nicht, was daran liegt, dass sie alt sind und die Erkenntnis wie gesagt neu. "Vater" und "Mutter" heißen neuerdings, kein Scheiß jetzt, "Elter 1" und "Elter 2", wobei noch geregelt werden muss, ob der "Vater" "Elter 1" und die "Mutter" "Elter 2" ist, weil das wäre nun wirklich diskriminierend. Es wird also "spannend" bleiben, bescheuert ist es ja schon.

Als nächstes soll nichts geringeres als die "Heilige Schrift", also das "Wort Gottes" umgeschrieben werden. Was Gott dazu sagt, ist bisher nicht bekannt. Es ist davon auszugehen, dass er "not amused" ist. Ich meine, welcher Autor freut sich, wenn sein Buch umgeschrieben wird. Obwohl, jetzt wo ich darüber nachdenke, fallen mir sogleich ein paar ein, deren Bücher man besser umschreiben sollte, um sie überhaupt lesen zu können. Bei der Bibel geht es an erster Stelle um "Mann" und "Frau", die Gott nach seinem Ebenbild schuf, für die man neue Begriffe finden muss. Sicherlich keine leichte Aufgabe, und vielleicht hätte man erstmal mit was leichterem anfangen sollen. Beispielsweise mit den "Victory-Zigaretten" aus "1984", die es aber schon geben soll, wie ich gerade von meinem Fahrgast erfahre ...

Foto&Text TaxiBerlin

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