31.08.2016

ERSTES BERLINER ESELTAXI


Erster Fahrer (Icke) mit letzter Eselin (Maria)

Jetzt, wo die Idee „in trockenen Tüchern“ ist, wie man so schön sagt, oder es zumindest zu sein scheint (beim Bulgaren weiß man nie!?!), kann ich auch darüber schreiben. Es geht um den Grund für meine häufigen Aufenthalte in dem kleinen Land am Rande Europas, wofür ich bisher den Begriff „Auszeit“ verwendet habe, was natürlich Quatsch ist, weil ich auch hier arbeite, und wie! Auf jeden Fall bin ich nicht zum „Party machen“ hier, das kannst du mir glauben, und schon gar nicht zum „Chillen danach“, sondern wegen einer neuen Geschäftsidee. Ich würde sogar so weit gegen und behaupten, dass ich gerade mal wieder dabei bin, einen neuen Trend zu „setten“, und zwar für Berlin. In Bulgarien selbst ist es extrem schwer ein Trendsetter zu sein, wenn nicht gar unmöglich, weil die Leute hier alle viel zu kreativ sind und ein jeder sozusagen sein eigener Trendsetter ist.

Nun ist es also amtlich: Ich werde das Erste Berliner Eseltaxi anbieten, und zwar am Brandenburger Tor – wo sonst?! Dort treffen sich schließlich sämtliche Esel aus aller Herren Länder, also warum sollte nicht auch ich dort mit meinem Eseltaxi stehen!? Der einzige, der ernsthaft etwas dagegen haben könnte, wäre der Eiserne Gustav (bitte selbständig informieren, wer mit dem Eisernen Gustav nichts anfangen kann!), der von dort, also vom Brandenburger Tor aus, mit seiner Pferdedroschke (= Pferdetaxi) nach Paris gestartet ist. Aber der Eiserne Gustav ist lange tot, weswegen er sich auch nicht über die Eselkonkurrenz beklagen kann, und sein Gaul, dessen Name mir gerade nicht einfallen will, mindestens genauso lange. Und wenn am Brandenburger Tor darüber hinaus auch noch die ganzen Fahrradrikscha rumstehen, die von noch weiter weg sind, und zwar aus Indien, warum sollte dort nicht auch Platz sein für mein Eseltaxi. (Übrigens: Niemand muss nach Indien fahren! Eine Reise an den Rand Europas reicht oft vollkommen aus, aber das nur nebenbei.)

Warum das mit dem Ersten Berliner Eseltaxi so lange gedauert hat, insgesamt arbeite ich jetzt im siebenten Jahr daran, liegt daran, dass die Uhren auf dem Balkan etwas anders ticken als in Berlin, obwohl (oder vielleicht gerade deshalb?!) man hier der Berliner Zeit eine Stunde voraus ist. Der Punkt, der die ganze Geschichte letztendlich positiv entschieden hat, ist der, dass es selbst am Rande Europas kaum noch Esel gibt, denn die meisten von ihnen haben das Land bereits vor langer Zeit verlassen. Das Erste Berliner Eseltaxi ist somit nicht nur ein neuer Trend, und auch nicht nur eine Geschäftsidee, sondern an erster Stelle ein Artenschutzprojekt, das von niemand geringerem als dem letzte Esel Bulgariens, der Eselin Maria, gezogen wird.

Dementsprechend hoch waren die Anforderungen an den Arbeitsschutz, welche die Verhandlungen mit den hiesigen Eselbeauftragten so in die Länge gezogen haben. (Geld ist nicht geflossen, falls das jemanden interessieren sollte.) Allerdings musste ich als erster und bisher einziger Fahrer des Ersten Berliner Eseltaxis die obligatorische Schulung „Sicheres Fahren mit dem Eselwagen“ besuchen. Mindestens genauso wichtig ist die Arbeitsschutzbekleidung, für die dann schon die Deutsche DIN-Norm gilt, und die für den Fahrer einen Blaumann mit den Taxitypischen gelben Applikationen und darüber hinaus ein gelbes T-Shirt vorschreibt.

Möglicherweise habe ich mal wieder das wichtigste vergessen, aber so ist das bei einem so bedeutenden Projekt wie das Erste Berliner Eseltaxi, mit dem ich, wenn man so will, Neuland betrete. Eine Auflage für die Genehmigung des Ersten Berliner Eseltaxis war von bulgarischer Seite, dass der letzte Bulgarische Esel einen original Eselwagen (auch „Karuza“ genannt) vom Balkan hinter sich herzieht. (Eigentlich sollte der „Karuza“ noch eine hiesige Steh-Toilette beherbergen, was das Projekt und v.a. meine finanziellen Mittel gesprengt hätte.) So bleibt es „nur“ beim Einbau von Sitzen mit Sicherheitsgurten, womit sich gerade im Moment drei Meister beschäftigen, und dann kann es auch schon losgehen mit dem Ersten Berliner Eseltaltaxi. Ich vergaß, ich muss ja irgendwie noch von Bulgarien nach Berlin kommen, natürlich mit dem Eseltaxi, so viel Zeit muss sein. (Wie lange das nun wieder dauern wird?) Ich würde mal sagen: Mit etwas Glück startet das Erste Berliner Eseltaxi vorm Brandenburger Tor am Tag der Deutschen Einheit am 3.Oktober ...

 mit Karuza (Eselwagen)

Foto&Text TaxiBerlin

Kommentare:

  1. Aber wieso willst du einer armen alten Eselin vom Balkan den weiten Weg antun, wenn doch die Gegend rund um das Brandenburger Tor vor Eseln nur so strotzt?!

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