30.07.2016

TAXIBERLIN ALS TEETRINKER


Milchzapfsäule

Seit einiger Zeit trinke ich Tee. Man weiß ja nie, was noch kommt, und gegen die Vielweiberei habe ich schließlich auch nichts - ganz im Gegenteil. Wer das Eine will, muss das Andere mögen. Vorher habe ich wie jeder andere auch Kaffee getrunken. Den Kaffee haben die Türken nach Europa gebracht, als sie neulich Wien belagerten, was sie gleich zwei Mal taten. Einmal 1529 und dann noch einmal 1683. Beide Male war die Belagerung vergeblich. Beim zweiten Mal sah es besonders schlimm um Wien aus. Der Kaiser selbst hatte die Stadt gar schon verlassen, obwohl der Sultan ihn zuvor noch höflichst gebeten hatte zu bleiben: "Vor allem befehlen wir Dir, in Deiner Residenzstadt Wien uns zu erwarten, damit Wir dort Dich köpfen können."

Dass es nicht dazu gekommen ist, verdankt der Kaiser und vielleicht ganz Europa den Polen. Das musst Du dir mal vorstellen - ausgerechnet denen! Obwohl, bei aller Ehre, ganz alleine waren die Polen nicht. Sie hatten noch ein paar Litauer im Schlepptau. Die Türken mussten dann ganz schnell weg aus Wien und haben dabei ihren Kaffee liegen lassen, den sie damals tranken und den auch Du heute trinkst. Das Kaffee trinken hat den Türken später Atatürk, der Vater aller Türken, verboten. Seither trinken sie Tee. Jener Atatürk hat übrigens auch das Kopftuch verboten, aber das nur nebenbei. Selbst hat Atatürk "Raki", den türkischen Anisschnaps, getrunken.

Doch zurück zu mir: Meinen Tee trinke ich am Liebsten englisch, also mit Milch. Diese Freiheit nehme ich mir. Und da, also in Sachen Milch, gibt es etwas Neues zu berichten, deswegen überhaupt dieser Beitrag. Da unsere Bauern keinen Bock mehr haben, ihre gute Milch zum Schleuderpreis zu verkaufen, hat der erste von ihnen jetzt einen Milchautomaten in der Tankstelle meines Vertrauens aufgestellt. Jeden Morgen kommt er nun mit seiner Kuh "Marie" vorbei, setzt sich hinter den Automaten, um sie dort zu melken. Abends kommen die beiden dann noch mal, aber da sitze ich bereits im Taxi. Vor dem Automaten gibt es immer eine lange Schlange, denn es hat sich schnell herumgesprochen, dass da endlich mal einer richtige Milch anbietet. Man soll die Milch, und damit möchte ich für heute zum Schluss kommen, auch noch für den Kaffee nehmen können.

Foto&Text TaxiBerlin

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