12.07.2016

ME, AIRBNB & MYSELF


Es fing alles ganz harmlos an, so wie viele Dinge, aus denen dann später der Ernst des Lebens wird. Bei mir im Supermarkt an der Ecke tauchen seit einiger Zeit täglich neue Gesichter auf, im Gegensatz zu früher, wo dies nur alle Jahre mal geschah. Damals grüßten die Neuen auch noch freundlich, was wahrscheinlich daran lag, dass sie in der Minderheit waren. Ich will mich nun nicht darüber beklagen, dass die täglich neu auftauchenden Gestalten heute gar keinen mehr grüßen (die kennen offensichtlich nur sich selbst) und auch nicht darüber, dass sie einem immer und überall im Weg rumstehen. Nun sieht es aber so aus, dass ich auch bedingt durch die vielen neuen Cafés auf dem Weg rein praktisch gar nicht bis zum Supermarkt durchkomme, weswegen meine Grundversorgung nicht mehr gewährleistet ist.

Genau darüber habe ich mich jetzt mit meinem Nachbarn, einem jungem Hipster aus Amerika, unterhalten. Wie nicht anders zu erwarten, kannte er sich aus mit der Materie. Des Rätsels Lösung heißt "AirBnB", und natürlich ist auch er mit von der Partie (wie praktisch jeder Zweite bei mir im Kiez), allerdings nicht des Geldes, sondern des "kulturellen Austausches" wegen, wie er sagte. Eine kleine Enttäuschung war das schon für mich, das muss ich ehrlich zugeben, dachte ich doch bis heute, dass er mit all den Frauen, die da täglich bei ihm ein und aus gehen, auch pennen würde, dabei schlafen die nur bei ihm, was er sich aber bezahlen lässt - immerhin.

Trotzdem hat mich die Idee des "kulturellen Austausches" überzeugt, klingt doch viel besser als "Untervermietung", oder? Jedenfalls will nun auch ich nicht länger bei der Seite stehen. Mein Plan ist es, das muss aber unter uns bleiben, die jungen Leute nicht nur bei mir übernachten zu lassen, sondern sie auch zum Einkaufen in den Supermarkt zu schicken. Das wäre nun wirklich mal ein "kultureller Austausch", der auch diesen Namen verdient. Ich habe es zwar noch nicht ausprobiert, bin aber prinzipiell skeptisch, ob sie überhaupt zum "Einholen" taugen. Im dümmsten Fall muss ich sie dabei begleiten, womit ich vielleicht das "Betreute Einkaufen" erfunden hätte, mir selbst aber letztendlich nicht weiter geholfen ist.

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