21.07.2016

GROSSSTADTSTIMMUNGEN


Permanentaufkleber gegen Visitenkartenverteiler

Seit einiger Zeit ist eine ganz merkwürdige Stimmung in der Stadt. Erst einmal sind die Straßen permanent dicht und die Taxis leer. Gut, solche Tage gibt es, aber nicht zwei Wochenenden hintereinander. Das schlimmste sind sowieso die aggressiven Vibrationen, selbst unter Fußgängern und Radfahrern, obwohl man denken könnte, dass die gar nichts zu melden hätten. Klar, so eine große Stadt mit viel zu vielen Menschen auf einem Haufen, das macht aggressiv. Der Mensch ist nicht dazu geschaffen, in Massen auf engem Raum zusammenzuleben. Das ist aber nichts Neues, das war schon immer so. Es muss also etwas anderes sein, was die Leute nervös macht. Der Sommer? Die Ferien? Möglicherweise. Aber so richtig überzeugen Sommer und Ferien nicht. Vielmehr kommt es einem so vor, als spürten die Leute, dass irgendetwas in der Luft liegt. Dazu muss man nicht wissen, was es genau ist, was da in der Luft liegt. Gefühle sind oft irrational. Und die Black Box des Menschen ist wie ein Eisberg im Meer, von dem man nur den Teil kennt, der aus dem Wasser ragt. Warum beispielsweise der Kollege, wohl eher "Kollege", noch im Tunnel zur Zufahrt zum Flughafen Tegel überholt, um vor dem Kollegen auf dem großen Parkplatz nur für Taxen zu stehen, weiß auch er selbst nicht. Obiger Aufkleber gegen die, die permanent ihre Visitenkarten an den Scheiben fremder Autos hinterlassen, soll sicherlich witzig sein. Aber ist er es wirklich? Armen Schweinen, nichts anderes sind die Verteiler der Visitenkarten zwecks billigem Autoaufkauf, mit 'nem Baseball-Schläger zu drohen, darüber kann ich nicht lachen. Der Aufkleber ist einfach nur dumm, gefühllos und Ausdruck geistiger Verrohung.

Foto&Text TaxiBerlin

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