31.07.2016

HEUTE JEDOCH NICHT ...


Ich wollte nur kurz bescheid sagen, dass ich heute zu keiner Demonstration fahre und auch nicht live zugeschaltet werde.

Text TaxiBerlin

30.07.2016

TAXIBERLIN ALS TEETRINKER


Milchzapfsäule

Seit einiger Zeit trinke ich Tee. Man weiß ja nie, was noch kommt, und gegen die Vielweiberei habe ich schließlich auch nichts - ganz im Gegenteil. Wer das Eine will, muss das Andere mögen. Vorher habe ich wie jeder andere auch Kaffee getrunken. Den Kaffee haben die Türken nach Europa gebracht, als sie neulich Wien belagerten, was sie gleich zwei Mal taten. Einmal 1529 und dann noch einmal 1683. Beide Male war die Belagerung vergeblich. Beim zweiten Mal sah es besonders schlimm um Wien aus. Der Kaiser selbst hatte die Stadt gar schon verlassen, obwohl der Sultan ihn zuvor noch höflichst gebeten hatte zu bleiben: "Vor allem befehlen wir Dir, in Deiner Residenzstadt Wien uns zu erwarten, damit Wir dort Dich köpfen können."

Dass es nicht dazu gekommen ist, verdankt der Kaiser und vielleicht ganz Europa den Polen. Das musst Du dir mal vorstellen - ausgerechnet denen! Obwohl, bei aller Ehre, ganz alleine waren die Polen nicht. Sie hatten noch ein paar Litauer im Schlepptau. Die Türken mussten dann ganz schnell weg aus Wien und haben dabei ihren Kaffee liegen lassen, den sie damals tranken und den auch Du heute trinkst. Das Kaffee trinken hat den Türken später Atatürk, der Vater aller Türken, verboten. Seither trinken sie Tee. Jener Atatürk hat übrigens auch das Kopftuch verboten, aber das nur nebenbei. Selbst hat Atatürk "Raki", den türkischen Anisschnaps, getrunken.

Doch zurück zu mir: Meinen Tee trinke ich am Liebsten englisch, also mit Milch. Diese Freiheit nehme ich mir. Und da, also in Sachen Milch, gibt es etwas Neues zu berichten, deswegen überhaupt dieser Beitrag. Da unsere Bauern keinen Bock mehr haben, ihre gute Milch zum Schleuderpreis zu verkaufen, hat der erste von ihnen jetzt einen Milchautomaten in der Tankstelle meines Vertrauens aufgestellt. Jeden Morgen kommt er nun mit seiner Kuh "Marie" vorbei, setzt sich hinter den Automaten, um sie dort zu melken. Abends kommen die beiden dann noch mal, aber da sitze ich bereits im Taxi. Vor dem Automaten gibt es immer eine lange Schlange, denn es hat sich schnell herumgesprochen, dass da endlich mal einer richtige Milch anbietet. Man soll die Milch, und damit möchte ich für heute zum Schluss kommen, auch noch für den Kaffee nehmen können.

Foto&Text TaxiBerlin

29.07.2016

DIE TAXIFAHRER HALSABSCHNEIDER


Neue Nachrichten erreichen uns gerade aus China, und natürlich, wie sollte es anders sein, keine guten. Obwohl, so neu sind die schlechten Nachrichten nun auch wieder nicht. Es geht einmal mehr um Uber, dem Taxi-Halsabschneider aus Amerika, der sich in China mit dem chinesischen Konkurrenten "Didi Chuxing" einen erbarmungslosen Preiskampf liefert. Opfer ist, wie sollte es anders sein, mal wieder der Taxifahrer, wenngleich der chinesische - noch! Allerdings wird das, was heute in China angesagt ist, übermorgen auch hierzulande Mode sein. Einen kleinen Vorteil hat die Sache mit China: Der neueste Scheiß aus Amerika stinkt sonst immer gleich "next day" auch bei uns.

Text TaxiBerlin

JETZT NEU: TAXI VIEW


Heißer Scheiß aus Amerika

Alles, was es heute in Amerika gibt, wird es morgen auch bei uns geben, beispielsweise einen Trump als Kanzlerkandidaten. Das ist nicht schön, aber die Wahrheit. Bevor es so weit ist, gibt es erstmal "Taxi View" im Taxi. Wie in allen New Yorker Yellow-Cabs schon seit langem, so geht neuerdings auch in einigen Berliner Taxen ein Monitor direkt vor der Nase des Fahrgastes an, wenn er in ein Taxi einsteigt. Was es auf dem Monitor zu sehen gibt? Natürlich Werbung! Was sonst? Im Unterschied zu New York hat die Werbung in Berliner Taxen zwar keinen Ton, kann dafür aber auch nicht abgeschaltet werden. Das ist insbesondere Nachts, wenn der Fahrgast nur noch seine Ruhe haben möchte, ärgerlich und nervig. Es sollen sich auch schon Fahrgäste darüber beschwert haben, natürlich beim Fahrer, obwohl der am allerwenigsten dafür kann. Selbst der Fahrer kann die Werbung nicht stoppen, zumindest versicherte mir das ein Kollege gestern am Flughafen Tegel. Ich selbst habe kein "Taxi View" im Taxi und würde meinem Chef auch davon abraten. Da mein Chef meist auf mich hört, ist davon auszugehen, dass es auch in Zukunft in seinen Taxen keine sinnlose Werbung zu sehen geben wird, selbst wenn er dadurch auf eine kleine Nebeneinnahme verzichtet. Ich weiß, es gibt jede Menge Leute, auch unter den Kollegen, wohl eher "Kollegen", die für Geld oder kleine Geschenke alles tun. Das macht die Sache nicht besser, ganz im Gegenteil. Die Kohle, die ein Taxiunternehmer kassiert, weil sich Fahrgäste in seinen Taxen Werbung ansehen müssen, steht, und damit möchte ich für den Moment enden, eigentlich auch nicht dem Unternehmer sondern dem Fahrgast zu, und zwar als Schmerzensgeld.

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AM ANFANG WAR DAS GEDICHT


Gut, am Anfang war das Wort. Aber dann kam schon das Gedicht und das war von Böhmi. Danach kam der Putsch und der war so schlecht wie das Gedicht. Was jetzt kommt, interessiert uns nicht wirklich, denn wir hatten unseren Spaß und schließlich hält uns der Verrückte die Flüchtlinge vom Hals. Was wir aus der Geschichte lernen sollten, ist, dass schlechte Gedichte verheerende Wirkungen haben können.

Text TaxiBerlin

28.07.2016

MIT DEM TAXISCHEIN AUF DER ÜBERHOLSPUR


Leider verpasst ...

Immer wieder kommt mir zu Ohren, dass Taxifahrer wie die Idioten fahren sollen. Da ich kaum Taxi fahre, also als Fahrgast, kann ich das leider nicht beurteilen. Ich selbst fahre mein Taxi wie ein Rentner, so dass sich die Leute eher darüber beschweren, dass ich zu langsam als zu schnell fahre. Das Wort Idiot ist, jetzt wo ich darüber nachdenke, in dem Zusammenhang auch schon mal gefallen. Das ist aber lange her und seitdem bin ich eher noch langsamer geworden. Das war auch der Grund, warum meine Begleitperson und ich den freien Eintritt zur Rennbahn in Hoppegarten letzten Sonntag verpasst haben, obwohl mich das Rennen interessiert hätte. Jetzt nicht das von den Pferden, sondern das von den Kollegen, wohl eher "Kollegen", in der "Fastlane".

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27.07.2016

DAS WAHRHEITSTAXI (EINE SERIE)


Stinkt trotzdem

Bei mir im Taxi, ich erwähnte das bereits, darf jeder alles sagen, sogar die Wahrheit. Das hört sich erstmal wenig spektakulär an, ist aber nicht unbedingt selbstverständlich. Ich will ein Beispiel machen, damit es klarer wird. Neulich meinte ein Fahrgast, ich weiß gar nicht mehr, wie wir darauf kamen, ist aber auch egal, dass die Linken jetzt eine ganz neue Zielgruppe hätten. Dazu muss man erstmal wissen, was denn die ursprüngliche Zielgruppe der Linken war. War es das Proletariat? Das Präkariat? Die Arbeiter? Oder die Arbeitnehmer, die eigentlich die Arbeitgeber sind? Oder vertreten Linke mittlerweile die Interessen der bürgerlichen Mitte, nachdem sich die Sozialdemokratie von ihr abgewandt hat? Das sind alles sehr komplexe Fragen, auf die man erstmal eine Antwort haben muss. Meinem Fahrgast war's egal. Er war sich sicher, dass sich die Linken von heute einer völlig neuen Zielgruppe zugewandt haben, was ich erstmal "spannend" finde. Das mit dem "spannend" meine ich übrigens ernst. Die Zeiten sind zum Glück vorbei, wo jeder alles "spannend" fand, und man sich vor dem inflationären Gebrauch von "spannend" kaum retten konnten. Also was mein Fahrgast über die neue Zielgruppe der Linken zu berichten wusste, ist auf jeden Fall richtig "spannend". Ob es auch wahr ist, das weiß ich nicht. Ich bin noch dabei, auf mich wirken zu lassen, dass die neue Zielgruppe der Linken die Gendermainstreamer_innen sind. Das soll daran liegen, dass es bei denen noch jede Menge zu tun gibt. Denn jetzt mal ehrlich, wer hat schon die "Salafist_innen", das "Elter" oder die "Mitgliederin" auf dem Schirm, oder bei wem gehören diese Worte gar zum aktiven Wortschatz, meinte zumindest mein Fahrgast.

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26.07.2016

BALLERMANN BERLIN


Nach "Be-Berlin" nun "Malle an der Spree"

Mir als Taxifahrer war es ja schon lange klar, schließlich habe ich sie Tag für Tag, besser: Nacht für Nacht bei mir an Bord - unsere Partyhelden. Nun ist es auch offiziell, dass Berlin einen Zusatznamen bekommt. Leider ist "Stadt der Helden" bereits vergeben, der ein oder andere erinnert sich, dass Leipzig schon so heißt. Aber "Malle an der Spree" passt auch irgendwie viel besser zu Berlin. Schade ist es aber schon, dass die jungen Leuten von heute nur noch zwei Sachen können: immer nur "Party machen" und das ewige "Chillen danach". Dabei sind doch auch heute aller guten Dinge immer noch drei ...

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25.07.2016

"FREUNDLICH, UNAUFFÄLLIG UND NETT"


Mit "freundlich, unauffällig und nett" würde ich die meisten meiner Fahrgäste beschreiben, und wahrscheinlich hätte keiner von ihnen etwas dagegen, genau so beschrieben zu werden. Möglicherweise gehörst auch Du zu den Menschen, die es gerne hören, wenn andere sie als "freundlich, unauffällig und nett" bezeichnen. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden. Obwohl, wenn ich's mir recht überlege, vielleicht doch. "Seien Sie richtig gemein, dann sind Sie wahr!" - Wer riet gleich nochmal dazu? Ich komm gerade nicht drauf. Weißt Du es? Vielleicht weißt Du dann auch, wer wem die "verlogene Fratze der Wohlanständigkeit" vom Gesicht reissen wollte? Auch das will mir partout nicht einfallen. Was ich mit Sicherheit weiß, ist, dass der Attentäter von Ansbach "freundlich, unauffällig und nett" war, selbst wenn er nie bei mir im Taxi gesessen hat.

DAS WORT ZUM MONTAG



oder Das Ende der Grammatik

Die von mir schon vor einigen Tagen empfundenen merkwürdigen Schwingungen scheinen nun Realität zu werden, wenngleich an anderen Orten, etwas weiter im Süden. Ähnlich ist es mit der Suche, auf der ich mich gerade befinde. In der Auszeit, die demnächst beginnt, ist man ohne eigenes Fahrzeug ein Nichts. Nur deswegen suche ich eins. Fündig wird man auch hier heute meistens im Internet. Vor dem Internet hat man auch Fahrzeuge gefunden, aber das nur nebenbei. Mit dem Internet ist es nun so, dass jeder alles schreiben kann, oder zumindest fast. Beispielsweise "Zahnrim", "Stosdämpfer", "Lauft super", "Mit nummer Schilder" und, ein kleines Highlight: "Bremen neu". Alles kein Beinbruch. Und sicherlich nicht das Ende der Welt. Aber mit Sicherheit das Ende der Grammatik.

Video RoberWeber

24.07.2016

"MEIN FREUND"


"Alter", "Chef" oder wegen mir auch "Meister" - diese Ansprachen von Fahrgästen ist man als Taxifahrer gewöhnt. Von oben herab "Mein Freund" genannt zu werden, war mir bisher nicht untergekommen. Aber irgendwann ist halt immer das erste Mal. Dass ich mir meine Freunde aussuchen würde, überforderte die Dummfresse natürlich. Zum "Liken" bzw. "Unliken" ist er dann nicht mehr gekommen ...

23.07.2016

"GRUESSE VOM SAATWINKLER DAMM"


Unter der Hinckeldey Brücke

Kaum haben die Ferien begonnen, da werden bereits die ersten Postkarten verschickt. Ein beliebtes Motiv sind die "Grüße vom Saatwinkler Damm", genau genommen von unter der Brücke am Saatwinkler Damm. Aber nicht von Leuten, die unter der Hinckeldey Brücke wohnen, sondern von Menschen, die vom nahe gelegenen Flughafen Tegel in den Urlaub geflogen sind und nicht genug Geld für ein Taxi hatten, weswegen sie ihr Fahrzeug am Saatwinkler Damm parken mussten, und dem, also dem Fahrzeug, nun schon alle vier Räder fehlen. Doch Vorsicht ist geboten! Nicht alle Absender sind auch wirklich bedürftig. Oft ist es nur ein Trick - der Postkartentrick!

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DER KNOCHENPLATZ


Knochenplatzhinweisschild

Es gibt ihn wirklich, den Knochenplatz, nicht etwa in Leipzig, sondern hier in Berlin. Und obwohl er in keinem Stadtplan verzeichnet ist und auch noch kein Navi ihn kennt, gibt es am Knochenplatz bereits eine improvisierte Taxihalte mit eigenem Wartebereich. Keiner, der den Knochenplatz nicht kennt, muss sich deswegen jetzt Sorgen machen. Ich weiß vom Knochenplatz auch nur, weil ich als Straßendoktor gerade an meiner Habilitationsschrift zum Straßenprofessor arbeite.

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22.07.2016

TAXIFAHREN IST WIE FLASCHENSAMMELN


Wait & Watch (& Think!)

Ein wichtiger Grund, wenn nicht der wichtigste, warum ich Taxi fahre, ist die Ruhe, die ich die meiste Zeit dort habe. Gestern zum Beispiel, da stand ich zwei Stunden am Bahnhof Friedrichstraße, ohne dass irgendetwas passierte. Passiert ist da schon was, und das nicht zu knapp. Ich habe jede Menge viel Unruhe verbreitende Menschen gesehen. Ein Flaschensammler kam gleich drei mal vorbei, um im Mülleimer vor mir nach leeren Flaschen zu suchen. Alle anderen Flaschensammler, insgesamt waren es fünf, kamen jeweils nur einmal. Trotzdem haben sie und nicht der, der drei mal kam, die zwei leeren Flaschen eingesammelt, die in den zwei Stunden in den Mülleimer geworfen wurden. Ungefähr so funktioniert auch Taxifahren, dachte ich da bei mir. Viel Bewegung bringt nicht immer auch viel, es gehört auch Instinkt dazu. Was auf jeden Fall beim Taxifahren ganz genauso ist wie beim Flaschensammeln, ist "The Thing!", das es einzusammeln gilt - leere Flaschen oder auch Nullen.

Foto&Text TaxiBerlin

21.07.2016

"EINE PROGROMÄHNLICHE STIMMUNG"


Der Titel ist nicht von mir sondern vom RBB. Es geht um unsere türkischen Mitbürger und auch Kollegen, viele kommen aus der Türkei, die nicht mit dem einverstanden sind, was gerade in ihrer alten Heimat passiert. Möglicherweise mit ein Grund für die gegenwärtige leicht aggressive Stimmung in unserer Stadt. Beweisen lässt sich das allerdings nicht. Fakt ist, dass dazu aufgerufen wird, bestimmte türkische Geschäfte zu meiden, wenn nicht gleich deren Scheiben eingeworfen werden, bis hin zu Mordaufrufen.

PS: Das geschieht nicht irgendwo weit weg, sondern in unserer Stadt, vor unser aller Augen.

Text TaxiBerlin

GROSSSTADTSTIMMUNGEN


Permanentaufkleber gegen Visitenkartenverteiler

Seit einiger Zeit ist eine ganz merkwürdige Stimmung in der Stadt. Erst einmal sind die Straßen permanent dicht und die Taxis leer. Gut, solche Tage gibt es, aber nicht zwei Wochenenden hintereinander. Das schlimmste sind sowieso die aggressiven Vibrationen, selbst unter Fußgängern und Radfahrern, obwohl man denken könnte, dass die gar nichts zu melden hätten. Klar, so eine große Stadt mit viel zu vielen Menschen auf einem Haufen, das macht aggressiv. Der Mensch ist nicht dazu geschaffen, in Massen auf engem Raum zusammenzuleben. Das ist aber nichts Neues, das war schon immer so. Es muss also etwas anderes sein, was die Leute nervös macht. Der Sommer? Die Ferien? Möglicherweise. Aber so richtig überzeugen Sommer und Ferien nicht. Vielmehr kommt es einem so vor, als spürten die Leute, dass irgendetwas in der Luft liegt. Dazu muss man nicht wissen, was es genau ist, was da in der Luft liegt. Gefühle sind oft irrational. Und die Black Box des Menschen ist wie ein Eisberg im Meer, von dem man nur den Teil kennt, der aus dem Wasser ragt. Warum beispielsweise der Kollege, wohl eher "Kollege", noch im Tunnel zur Zufahrt zum Flughafen Tegel überholt, um vor dem Kollegen auf dem großen Parkplatz nur für Taxen zu stehen, weiß auch er selbst nicht. Obiger Aufkleber gegen die, die permanent ihre Visitenkarten an den Scheiben fremder Autos hinterlassen, soll sicherlich witzig sein. Aber ist er es wirklich? Armen Schweinen, nichts anderes sind die Verteiler der Visitenkarten zwecks billigem Autoaufkauf, mit 'nem Baseball-Schläger zu drohen, darüber kann ich nicht lachen. Der Aufkleber ist einfach nur dumm, gefühllos und Ausdruck geistiger Verrohung.

Foto&Text TaxiBerlin

20.07.2016

IM TAXI MIT BABA WANGA


"PokémonInnen Go" für Erwachsene
(Hardenbergstraße / Bus aus Großbritannien / Werbung)

Wer kennt sie nicht, die Oma Wanga? (Nicht verwechseln mit Baba Jaga, das ist eine andere Oma!) Es ist schon einige Zeit her, dass wir zusammen im Taxi gefahren sind, und es war auch nicht in Berlin, sondern in Bulgarien. Nun, da Oma Wanga zwanzig Jahre tot ist, fällt mir komischerweise ein, was sie für dieses Jahr vorausgesehen hat, und zwar nichts geringeres als das Ende Europas. Eigentlich hat sie noch viel schlimmere Sachen für 2016 vorausgesagt (ein Krieg war glaube ich auch dabei), die ich aber nicht im Detail wiedergeben will. Einerseits, weil Dank "PokémonInnen Go" die Kids endlich mal raus gehen, und da will ich sie nicht gleich wieder verschrecken. Andererseits ist mein bulgarisch alles andere als perfekt, so dass ich einiges durchaus missverstanden haben könnte, möglicherweise auch das mit dem Ende Europas, aber das werden wir ja bald sehen ...

19.07.2016

EINMAL ZUR NIETZSCHE STRASSE


Seit Tagen bin ich nun unterwegs, um sie zu finden. Von der Logik her sollte sie in Zehlendorf sein, gleich bei der Schopenhauer, den er einen Lehrer nannte. Aber dort ist sie nicht. Marx, ein Zeitgenosse von Nietzsche, hat eine Straße und noch 'ne Allee dazu! Jetzt dürfte es schwierig werden, eine Straße nach Nietzsche zu benennen. Warum? Na wegen der Quote! Obwohl, Frauen kannte der wohl. Nur, welche taugt für den Straßennamen. Vielleicht seine Schwester Elisabeth? Oder doch besser die Lou? Der soll er immerhin eine Zwei-Jahres-Ehe vorgeschlagen haben. Zwei Jahre deswegen, bevor es langweilig wird. Überhaupt kannte sich der Nietzsche aus mit der Liebe ("Wo man nicht mehr lieben kann, da soll man - vorübergehen! -"), auch wenn sich das heute kaum einer vorstellen kann. Aber was wissen sie schon: Die Leute von heute? Im besten Fall nichts! Ich meine, wer weiß denn nun, wo die Nietzsche Straße ist in Berlin?

AUFREGEN - ABER RICHTIG


Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich bin ein Typ, der sich leidenschaftlich gerne aufregt. Ich meine richtig aufregen - darauf kommt es an! Die meisten Menschen regen sich nur Pseudo auf, als ginge es gar nicht um sie. Man merkt das schon an der Wortwahl: "Nee, oder?" oder "Echt jetzt?". So, als hätte die Sache gar nichts mit ihnen zu tun. Aber mit wem denn dann? Sowieso regen sich Leute oft über Dinge auf, die sie noch nicht mal peripher tangieren. Das ist wie mit den Problemen! Am Liebsten werden die gelöst, die ganz weit weg sind, am Besten am anderen Ende der Welt, und nicht die eigenen. Dazu müsste man natürlich die eigenen Probleme als die eigenen erkennen, was sie aber nicht werden, denn Schuld sind bekanntlich immer die anderen. Eigenverantwortung? Fehlanzeige! Gerade auch hierzulande. Freie Menschen wollen sie sein! Ich sehe nur Unfreie und emotional Behinderte. Und überhaupt: Warum sollte man sich über etwas aufregen, ich meine so richtig aufregen, wenn man gar nicht schuldig ist. Ein Teufelskreis! Was heißt nun richtig aufregen? Hm, wie soll ich das nun wieder erklären? Vielleicht mit der Körpersprache, wenn die noch jemand kennt. Beobachte mal einen, der sich Pseudo aufregt. Sein Körper ist so ausdruckslos wie seine Sprache, die ist nicht mehr nur cool sondern schon tiefgefroren. Wie gesagt, ich rege mich leidenschaftlich gerne auf, und die gerade beschriebene Krankheit, jemand Kluges hat sie einmal als die "Emotionale Pest" bezeichnet, für die besonders der Deutsche empfänglich zu sein scheint, wäre eigentlich schon wieder ein Grund sich richtig aufzuregen, wenn sie mich denn betreffen würde ...

16.07.2016

SEX IM TAXI


Immer wieder werde ich gefragt, wie es denn mit dem Sex im Taxi aussehen würde. Das liegt daran, dass die Leute gerne und viel über Sex reden, was aber nicht heißt, dass sie ihn auch genauso häufig praktizieren würden. Das nicht - eher im Gegenteil! Wie oft jeder Sex hat, weiß ein jeder am Besten selbst. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet Sex ausschließlich sexuelle Handlungen zwischen zwei oder mehr Sexualpartnern. Selbstbefriedigung ist somit kein Sex, aber das nur nebenbei. Dass das Thema Sex überhaupt angeschnitten wird bei mir im Taxi, liegt vor allem daran, dass ich Nachts fahre, wenn die Leute nicht so zugeknöpft sind wie am Tage. Worauf ich hinaus will, ist, dass mir 'ne Menge Sachen über Sex im Allgemeinen und in einer Beziehung im Besonderen zu Ohren kommen. Ich kann gar nicht sagen, woran das liegt - ist einfach so. Meine Erfahrungen nach vielen Jahren Nachts im Taxi lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Sex in der Beziehung kommt selten und ohne eine Beziehung kommt Sex so gut wie gar nicht vor. Sex ist also eine Frage von Beziehungen. Was nun den Sex im Taxi angeht, denn um den ging es in diesem Beitrag, so ist der irgendwo dazwischen angesiedelt.

TAXI ISTANBUL


Vor Hagia Sophia

Was machen eigentlich Taxis bei Ausgangssperre? Darüber wird mal wieder nicht berichtet, sondern nur was Flugzeuge und Panzer machen. Eigentlich die beste Zeit zum Taxifahren, wenn die Straßen mal frei sind, auch und gerade in Istanbul. Neulich, so erzählten mir Fahrgäste, seien Verkehrswissenschaftler aus Tokio in Istanbul gewesen, um herauszufinden, ob und wie man den Verkehr in der Metropole am Bosporus optimieren könne. Nach vielen Monaten des Forschens kamen die Japaner zu dem Schluss, dass man da in Istanbul nichts machen kann. Aber was wissen Wissenschaftler schon ...

Foto&Text TaxiBerlin

15.07.2016

ERSTES UNISEX TAXI BERLIN


TaxiBerlin wäre nicht TaxiBerlin, wenn TaxiBerlin nicht regelmäßig einen neuen Trend setzen würde, sozusagen im Vorbeifahren. Diesmal ist es das Unisex-Taxi, wo TaxiBerlin mal wieder als Erster am Start ist. Viele werden sich jetzt fragen, was ein Unisex-Taxi ist. Diese Frage ist nicht nur berechtigt, sondern auch völlig normal, weil das Unisex-Taxi etwas Neues und somit noch Unbekanntes ist. Einige werden enttäuscht sein, wenn sie erfahren, dass das Unisex-Taxi mit Sex erstmal nichts zu tun hat. Über Sex wird zwar viel gesprochen, aber wer hat ihn schon? Die Ehe, so meinte zumindest neulich ein Fahrgast, sei sozusagen der Garantieschein, dass es mit dem Sex vorbei ist bzw. bald sein wird. Das klingt nicht gerade rosig, wobei es außerhalb der Ehe nicht unbedingt besser um den Sex bestellt sein soll, vielleicht sogar schlechter, gab ich zu bedenken. Das ist zwar traurig, ändert aber nichts an der Tatsache, dass es beim Unisex nicht um Sex geht. Das wäre auch etwas viel verlangt. Unisex ist auch keine Universität für Sex. Das wäre ja noch schöner! Unisex bedeutet einfach nur, dass es für alle Geschlechter offen ist, und das ist es - das Erste Unisex Taxi Berlin - und das war es schon immer ...

14.07.2016

LÜGENWERBUNG


U-Bahnfof Frankfurter Allee

Mit "Späti", das fast so blöd wie "Juti" klingt, falls das noch jemand sagt, ist eine Spätverkaufstelle gemeint, die oft noch früh am Morgen aufhat oder schon wieder. "Spätis" in Berlin sind das, was früher Friseure, Tattoo-Studios und  ganz früher Drogerien waren: Vermeintliche Goldgruben, an denen alle teilhaben wollen und jeder eine aufmacht oder zumindest darüber nachdenkt. In Berlin gibt es "Spätis" an jeder Ecke und, das ist neu, nun wird auch für sie geworben, oder zumindest für einen von ihnen. Ich weiß das, weil ich neulich U-Bahn gefahren bin, was ich auch jedem nur empfehlen kann. Man lernt dort jede Menge Leute kennen, allerdings auch viel Volk, das man lieber nie getroffen hätte. Ein klein wenig wie im Taxi, nur viel größer und vor allem viel mehr. Dementsprechend ist auch die Werbung, wie sollte es anders sein. Oder: "Wie der Herr, so das Geschirr", wie man früher sagte. Für den Normalo sicherlich kein Problem, dem Taxifahrer bereitet manche Werbung allerdings körperliche Schmerzen, vor allem wenn es um die Ortskunde geht. "Friedrichshains größter Späti", womit übrigens eine Filiale der Supermarktkette "real" gemeint ist, befindet sich nämlich nicht wie behauptet im Friedrichshain, sondern in Lichtenberg. Das liegt daran, weil sich "real" im Ring-Center Zwei befindet. Wäre "real" in Ring-Center Eins, hätte es gestimmt. Dass "Friedrichshains größter Späti" täglich bis 22 Uhr geöffnet haben soll, ist die nächste Lüge. Wieso? Versuch mal am Sonntag zu "real" zu gehen!

Foto&Text TaxiBerlin

13.07.2016

RÄUMUNG RECHTSWIDRIG


Rigaer Straße 94 (Detail)

Jetzt ist es amtlich. Die Räumung, genauer: Die Teilräumung der Rigaer 94 war rechtswidrig. Der Grund: Der Hauseigentümer hatte vor dem Polizeieinsatz am 22. Juni weder einen Räumungstitel vorgelegt noch einen Gerichtsvollzieher bei der Vollstreckung mitgebracht. Das hat das Berliner Landgericht festgestellt und einige Mainstream-Medien haben bereits darüber geschrieben. Linke Linke und auch Gutmenschen dürfen sich also getrost aus der Deckung wagen, um nun auch ihre Unterstützung für einen Runden Tisch bekantzugeben.

"SCHREIEN SIE MICH NICHT AN!"


Er stieg mir ein ohne zu grüßen. Das bin ich gewöhnt. Grüßen gilt nicht gerade als cool. Zu fragen, ob es stört, wenn man telefoniert, auch nicht. Telefonieren konnte er nicht, weil er Kopfhörer aufhatte, allerdings nicht diese kleinen sondern die großen. Was soll's - jeder Fahrgast ist anders. Nur, wo wollte er hin? Nachdem ich ihn einige Male auf das Fahrziel angesprochen hatte, nahm er endlich seine blöden Kopfhörer vom Kopf. Als nächstes fragte er mich, ob ich mit ihm sprechen würde, was ich bejahte. Wenn es nicht weiter aus seinen Kopfhörern gedudelt hätte, wäre fast so etwas wie Stille im Taxi gewesen. Dann brüllte er mich unvermittelt an, ich solle ihn nicht anschreien. So richtig laut wurde es eigentlich erst danach ...

12.07.2016

ME, AIRBNB & MYSELF


Es fing alles ganz harmlos an, so wie viele Dinge, aus denen dann später der Ernst des Lebens wird. Bei mir im Supermarkt an der Ecke tauchen seit einiger Zeit täglich neue Gesichter auf, im Gegensatz zu früher, wo dies nur alle Jahre mal geschah. Damals grüßten die Neuen auch noch freundlich, was wahrscheinlich daran lag, dass sie in der Minderheit waren. Ich will mich nun nicht darüber beklagen, dass die täglich neu auftauchenden Gestalten heute gar keinen mehr grüßen (die kennen offensichtlich nur sich selbst) und auch nicht darüber, dass sie einem immer und überall im Weg rumstehen. Nun sieht es aber so aus, dass ich auch bedingt durch die vielen neuen Cafés auf dem Weg rein praktisch gar nicht bis zum Supermarkt durchkomme, weswegen meine Grundversorgung nicht mehr gewährleistet ist.

Genau darüber habe ich mich jetzt mit meinem Nachbarn, einem jungem Hipster aus Amerika, unterhalten. Wie nicht anders zu erwarten, kannte er sich aus mit der Materie. Des Rätsels Lösung heißt "AirBnB", und natürlich ist auch er mit von der Partie (wie praktisch jeder Zweite bei mir im Kiez), allerdings nicht des Geldes, sondern des "kulturellen Austausches" wegen, wie er sagte. Eine kleine Enttäuschung war das schon für mich, das muss ich ehrlich zugeben, dachte ich doch bis heute, dass er mit all den Frauen, die da täglich bei ihm ein und aus gehen, auch pennen würde, dabei schlafen die nur bei ihm, was er sich aber bezahlen lässt - immerhin.

Trotzdem hat mich die Idee des "kulturellen Austausches" überzeugt, klingt doch viel besser als "Untervermietung", oder? Jedenfalls will nun auch ich nicht länger bei der Seite stehen. Mein Plan ist es, das muss aber unter uns bleiben, die jungen Leute nicht nur bei mir übernachten zu lassen, sondern sie auch zum Einkaufen in den Supermarkt zu schicken. Das wäre nun wirklich mal ein "kultureller Austausch", der auch diesen Namen verdient. Ich habe es zwar noch nicht ausprobiert, bin aber prinzipiell skeptisch, ob sie überhaupt zum "Einholen" taugen. Im dümmsten Fall muss ich sie dabei begleiten, womit ich vielleicht das "Betreute Einkaufen" erfunden hätte, mir selbst aber letztendlich nicht weiter geholfen ist.

11.07.2016

SCHWABEN IN BERLIN UND WORAN DU SIE ERKENNST - NACHGEFRAGT


Schwaben in Berlin

Über fünf, fast sechs Jahre ist es her, dass ich über sie berichtet habe. Zeit, einmal nachzufragen, was denn aus ihnen geworden ist. Die Wahrheit ist, dass niemand mehr über sie spricht, obwohl sie des Hochdeutschen immer noch nicht mächtig sind. Manch einer findet das traurig. Mir ist es egal, solange ich das Fahrziel verstehe. Zur Not müssen sie es mir eben aufschreiben. Hochdeutsch schreiben können ja die meisten von ihnen, auch wenn der Fernsehturm bei ihnen auch schon mal Alexanderturm heißt, was aber ein anderes Thema ist.

Obwohl sie, wie gesagt, auch in Berlin des Hochdeutschen in der gesprochenen Sprache nicht mächtig sind, spricht nicht nur niemand mehr über sie, sondern fallen sie auch nicht mehr auf. Schwaben in Berlin haben sich, wenn man so will, assimiliert, besser: angepasst, was aber nicht bedeutet, dass sie deswegen Berliner geworden wären. Davon kann keine Rede sein. Die Schwaben in Berlin sind nur untergetaucht, oder mit anderen Worten: Sie haben sich getarnt.

Außen sind sie Grün geworden, nicht nur in ihrer Heimat, sondern auch in Berlin. Gegen Grün ist nichts zu sagen. Grün ist gut. Grün ist die Hoffnung. Natürlich Bio, die Werbung des Bio-Marktes meines Vertrauens, heißt auch: Natürlich Grün. Dass sich den, also den Bio-Markt, nicht jeder leisten kann, dafür können die Schwaben nichts, das ist klar, auch wenn sie Grün nur an der Oberfläche sind. Wer ein klein wenig an der Oberfläche kratzt, muss nämlich feststellen, dass sie nicht wirklich Grün sondern nur Grün lackierte Schwarze sind.


und woran du sie erkennst

PS: Dass dem Schwaben auch das Gemächt zugewachsen ist (siehe Foto oben), hat nichts zu bedeuten, zumindest nichts schlimmes, nur dass er nicht nur Grün sondern auch Gendergemainstreamt wurde.

Foto&Text TaxiBerlin

FRIEDRICHSHAIN HAT POLIZEI


Taxihalte am Wismarplatz

Da gehört schon was dazu, die Frankfurter Allee vom Ring-Center bis zur Pariser Kommune, dort heißt sie dann schon Karl-Marx-Allee, über Stunden komplett dicht zu machen, vor allem viel Polizei. 1.800 Beamte sollen im Einsatz gewesen sein, fast so viele wie Demonstranten. Woher ich das weiß? Na weil an der Taxihalte am Wismarplatz, der sozusagen mein Wohnzimmer ist, gestern der Auftakt und auch der Start zur Demo "Rigaer hat Polizei" unter der sowohl politisch korrekten als auch Gender konformen Überschrift "InvestorInnenträume platzen lassen" war. Ob diese nun geplatzt sind, lässt sich im Moment nur schwer abschätzen, ist ja schließlich fast noch Sonntag. Was man auf jeden Fall jetzt schon sagen kann, ohne sich dabei zu sehr aus dem Fenster zu lehnen, ist, so denke ich, dass es richtigerweise "Investor hat Polizei" hätte heißen müssen.

Foto&Text TaxiBerlin

10.07.2016

HEUTE FINALE


Auch wenn wir raus sind, darf daran erinnert werden, dass heute das finale Fussballspiel ist, so hoffe ich zumindest. Letzte Gelegenheit übrigens, sich die Übertragung im Radio anzuhören, wo man knapp zehn Sekunden vorher über das informiert wird, was dann gleich im Fernseher oder auch im Internet passieren wird. Ein klarer Vorteil vom Medium Radio, was nicht nur seiner Zeit voraus ist, sondern, vom Fernsehen und Internet aus betrachtet, sogar in die Zukunft sehen kann. Warum wir nicht mitspielen, das nur nebenbei, liegt weiterhin völlig im Unklaren, zumal nicht nur Neuer, sondern die Wade von Boateng gehalten hat. Auch ich werde, und damit möchte ich für heute schließen, meinen "geschundenen Körper" wieder zu Markte tragen, allerdings auf den Straßen und Plätzen von Berlin, und nicht auf dem grünen Rasen, falls das irgendjemand interessieren sollte.

KREUZBERG KOLLATERAL


Einmal im Jahr fährt er aus dem schönen Prenzlauer Berg, wo er immerhin einen Plattenladen hat, wenn auch nicht alleine, nach Kreuzberg. Er hat also, wenn man soll, schon begriffen, dass Leben Beschränkung heißt, zumindest was seine Taxifahrten nach Kreuzberg angeht. Und trotzdem wurde genau diese eine Fahrt gestern zum Problem. Das lag daran, dass die kürzeste Strecke vom Prenzlauer Berg nach Kreuzberg nun mal über Friedrichshain verläuft, dort aber jede Menge Berliner Polizei mit schwerem Gerät wie Räumpanzer und Wasserwerfer unterwegs war. Keine Sorge, es war nichts Ernstes, sondern nur die ganz normale Berliner Vorwahlfolklore. Dass die nun ausgerechnet den Plattenladenbetreiber und ehrlichen Steuerzahler aus dem Prenzlauer Berg traf, der nur einmal im Jahr mit dem Taxi nach Kreuzberg fährt, war bestenfalls ein Kollateralschaden. Die Fahrt ging auch nur durch Mitte und nicht über Spandau.

09.07.2016

"BETREUTES FAHREN" (EINE FORTSETZUNG)


"Kollegen"-Nachricht vor Fußmatte

Nachdem nun auch mein Chef und Erfinder des "Betreuten Fahrens" dahinter gekommen ist, dass es nicht darauf ankommt, wie viele Taxen sondern was für Fahrer eine Firma hat, ist der Ton unter den Kollegen, wohl eher "Kollegen", rauer geworden. Es ist, wenn man so will, der "Brexit" im Kleinen. Es melden sich vor allem Fahrer zu Wort, die im Taxi und auf der Straße nichts gebacken bekommen. Ziel sind auch hier die Außenseiter der Firma, oder die dafür gehalten werden, weil sie keine "sauberen Fußmatten" hinterlassen, aber vor allem weil sie "so viel pupsen" würden. Wie der anonyme Kläger das mit dem Pupsen herausgefunden haben will, bleibt sein Geheimnis, zumindest vorerst, denn TaxiBerlin bleibt dran an der Geschichte ...

Foto&Text TaxiBerlin

HEILIGES TAXI BERLIN (EINE FORTSETZUNG)


"Du gehst zum Taxi? Vergiss die Peitsche nicht!", mit diesen Worten werde ich jeden Tag von meinem Weib, der Taxikollegin aus New York, zur Schicht verabschiedet. Lange hielt ich selbst dabei die Peitsche für ein Überbleibsel eines alten heidnischen Kultes, dem ich Aufgrund meiner Herkunft vom Balkan willenlos ausgeliefert bin. Dem ist nicht so! Mit der Peitsche verhält es sich wie mit den meisten heidnischen Relikten, sie wurden sozusagen in den christlichen Glauben "eingemeindet", und zwar in dem Fall durch den Heiland persönlich. Sicher erinnern viele noch die Szene, wie er die Händler aus den Tempel, heute Kirche, verjagte - es war ja erst vorgestern. Dass er dabei die Geldwechsler gleich mit rausschmiss, daran erinnern sich schon weniger. Und was er dabei in der Hand hielt, das weiß heute so gut wie keiner mehr, bis er mir ins Taxi steigt ...

08.07.2016

WARUM WIR RAUS SIND


Taxifahrer und Taxifahrerinnen Toilettenhaus in Tegel

Viele fragen sich jetzt, warum wir gestern beim Fussball ausgeschieden sind. Wir haben doch gut gespielt, und vor allem besser als der Gegner. Das weiß ich, obwohl ich das Spiel im Radio im Taxi und nicht vor irgendeinem Bildschirm und schon gar nicht auf der Fanmeile verfolgt habe. Der Vorteil beim Radio ist nicht nur, dass man, wenn die Moderatoren gut sind, und das sind sie, viel besser unterhalten wird, sondern das auch noch knapp zehn Sekunden bevor genau das, was gerade im Radio kommentiert wird, auf dem Bildschirm passiert. Wer es nicht glaubt, sollte es unbedingt ausprobieren. Auch das Finale am Sonntag wird live im Radio übertragen und nicht nur, zeitversetzt wie gesagt, auf der Fanmeile. Woran lag es nun, dass wir gestern verloren haben? Es lag nicht an den "geschundenen Körpern" unserer Spieler. Und auch nicht an dem ganzen Geld, was sie bekommen. (Ob sie es auch verdienen, ist eine andere Frage.) Dass wir gestern verloren haben, lag, das sage ich als Taxifahrer mit Jahrzehnten Erfahrung auf der Straße, an der Fahne am Flughafen Tegel. Die hing gestern, übrigens erstmals, hinter Gittern am Toilettenhäuschen nur für Taxifahrer und Taxifahrerinnen. Das war ein schlechtes Omen. So konnte das nichts werden ...

Foto&Text TaxiBerlin

"ALLE SITZEN DRAUSSEN UND SIND TRAURIG"


Jogis Toilettenpapier

Alle würden jetzt draussen sitzen und traurig sein, da war sich meine Fahrgästin sicher, als wir gestern Abend nach dem verlorenen Spiel die Schönhauser hochfuhren. Was mich angeht, so konnte ich sie beruhigen. Ganz im Gegenteil! Ich saß drinne und freute mich, dass unsere Spieler nun nicht länger ihre "geschundenen Körper" über den Rasen schleppen müssen - die "Ärmsten"!

Das Toilettenpapier von Jogi (Foto) ist übrigens nicht von meiner sondern von der Toilette meiner Firma. Ich erwähnte bereits, dass mein Chef sich sehr rührend um seine Fahrer kümmert (Stichwort: "Betreutes Fahren"), womit aber auch bald Schluss ist.

Foto&Text TaxiBerlin

07.07.2016

HEILIGES TAXI BERLIN (EINE SERIE)


Viele Menschen, und auch so einige Taxifahrer, fragen sich: Was ist denn so ein Taxi? Ist es nur Beförderungsmittel? Oder einfach nur ein Arbeitsplatz? Oder ist es Büro oder gar Wohnzimmer? Für mich, und ich kann da wirklich nur für mich sprechen, ist es ein heiliger Ort. Das merke ich bei jedem Schichtbeginn. Beim ersten Öffnen der Fahrertür strömt mir aus dem Taxiinneren ein ganz bestimmter Geruch entgegen, den ich nicht beschreiben kann, der aber sehr angenehm ist. Und dass, obwohl im Wagen selbst kaum etwas echtes ist. Und die meisten Menschen, die ich in der Nacht zuvor befördert sind, es auch nicht waren. Die meisten Menschen sind, das ist leider die Wahrheit, total künstlich. Richtige, echte Menschen muss man auch im Taxi suchen wie die berühmte Nadel im Heuhaufen. Es muss also an etwas anderem liegen, wenn ein Taxi heilig ist. Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht genau, aber ich denke es hängt mit der Mobilität zusammen. Mobile Menschen sind auch geistig mobil oder sollten es zumindest sein. Ich weiß, heute sind alle Menschen mobil und vor allem offen. Aber sind sie es wirklich? Meine Erfahrung ist, die meisten denken nur, dass sie es sind, und am wenigsten sind es die, die am meisten von ihrer Offenheit überzeugt sind.

06.07.2016

"BETREUTES FAHREN"


Firmen-Eingangstür mit Aufkleber, bald Ex-Aufkleber

Meinen Chef habe ich, wie sollte es anders sein, im Taxi kennengelernt. Dass es in seiner Firma "Betreutes Fahren" geben würde, glaubte ich ihm nicht nur sofort, sondern es machte mich auch neugierig. Also wechselte ich bald darauf zu seiner Firma und ich muss sagen: Es stimmt wirklich! Mein Chef kümmert sich rührend um seine Fahrer. Um genau zu sein, kümmert er sich zu viel um sie und zu wenig um seine Wagen. Doch damit nicht genug. Wie die meisten, die eine  Taxifirma besitzen, hängt auch er dem Irrglauben an, dass man nur immer mehr Wagen haben müsste, dann würde sich das mit dem Gewinn schon von alleine ergeben. Diese Rechnung ist allerdings ohne die zu betreuenden Mitarbeiter sprich Patienten gemacht, die selbst Neuwagen innerhalb von sehr kurzer Zeit extrem alt aussehen lassen. Jetzt gibt es da eine neue Entwicklung, und deswegen dieser Beitrag. Nachdem mein Chef in dieser Angelegenheit lange Zeit beratungsresistent war, setzt sich nun auch bei ihm die Erkenntnis durch, dass es nicht darauf ankommt, wie viele Fahrzeuge eine Firma hat, sondern was für Fahrer. Die Tage des Aufklebers am Eingang zu seiner Firma (Foto) dürften also gezählt sein ...

Foto&Text TaxiBerlin

04.07.2016

HAUPTSACHE HAARE AM SACK!


Sack mit Haaren

Der Flieger kam aus Istanbul, also aus der Türkei. Es war noch vor den Anschlägen, was aber hier keine Rolle spielt. Wichtig ist nur, dass ich verkehrt war, denn bei Fliegern aus der Türkei werden keine Taxen benötigt, weil alle abgeholt werden.        Aber ich hatte Glück im Unglück, wie man so schön sagt. Ein junges Paar, beide etwa Mitte Zwanzig, kam entschlossen auf mich zu. Ja, sie kommen aus Istanbul, aber eigentlich aus Neukölln. Dort sind sie geboren, und dort wollen sie jetzt auch hin, nur nicht mit mir. Mit mir wollten sie nur zu ihrem Fahrzeug. Das stand am Saatwinkler Damm, also gleich um die Ecke.

Pech trotz Glück im Unglück - das passiert. Aber was soll's, man muss das Beste draus machen. Da dafür nicht viel Zeit blieb, kam ich gleich auf den Punkt. Was machen sie, die offensichtlich hier sozialisiert sind, sie sprachen beide bestes Berlinerisch, in Istanbul? Es war die Arbeit, wie so oft, die sie in die Türkei trieb. Beide arbeiten sie für eine Firma, die sich mit Haartransplantation beschäftigt.        Jetzt musste ich laut lachen, was sowieso das heilsamste bei kurzen Fahrten ist. Der Grund für mein Lachen war, dass der Typ selbst kaum Haare auf dem Kopf hatte. Genau genommen waren es noch weniger Haare als auf meinem Kopf, was alleine schon eine Leistung ist.

Mein Lachen wurde immer unkontrollierter und irgendwann, also ziemlich bald, weil die Fahrt nicht weit war, genau genommen war sie schon zu Ende, denn wir standen bereits eine Weile neben ihrem Wagen mit Berliner Kennzeichen, da platzte es aus mir heraus: "Hauptsache Haare am Sack!"         Nun fingen auch die beiden Berliner Türken an zu lachen, was mich erstmal beruhigte, weil auch und gerade junge Türken heutzutage oft orthodoxer sind als ihre Vorfahren, was aber bei den Beiden zum Glück nicht der Fall war. Da sie sich beim Umsteigen vor lauter Lachen nicht mehr einkriegten, ich aber schnell zurück zum Flughafen bin, um mich wieder brav hinten an die Taxischlange anzustellen, hoffe ich nun, dass sie auch ohne Haare gut nach Hause, nach Neukölln, gekommen sind ...

Foto&Text TaxiBerlin