27.06.2016

VON LEHRERN UND LUDEN


Sie kamen gerade aus einer Lokalität im Friedrichshain, als sie mich heran winkten. Drei Typen im Anzug und um die Vierzig. Sie hatten mehrere Papiertüten, wie man sie im KaDeWe bekommt, und zwei Blumensträuße dabei, die sie im Kofferraum verstauten. Im Wageninneren wäre es mit den Sachen eng geworden, weil die drei mit den kurzen Haaren und Stiernacken auch noch kräftig gebaut waren. Sie sollten jetzt ihre Jacketts anbehalten, meinte der, der vorne neben mir Platz genommen hatte, zu den andern beiden, die hinten saßen, im Befehlston. Ich finde das ja gut, wenn selbst bei kleineren Gruppen einer die Hosen anhat. In dem Fall behielt auch er darüber hinaus das Jackett an. Die restliche Konversation unter den dreien verlief mehr oder weniger normal, was erwachsene Männer sich nach einem Abend im Lokal eben so unterhalten. Beim Aussteigen interessierte mich dann doch, wieso die drei Typen zwei Blumensträuße und diverse Papiertüten dabei hatten. Sie seien Lehrer und ihre Klasse hätte Abi-Abschluss gefeiert, war die Antwort. Die Blumensträuße und die Sachen in den Papiertüten wären Geschenke von ihren Schülern und Schülerinnen. "Also für mich seht ihr aus wie Luden!", sagte ich ihnen geradezu, was sie nicht nur positiv aufnahmen, sondern sich darüber hinaus bei mir für das gelungene Kompliment bedankten. Lehrer von heute! Und da sagt man immer, dass an unseren Schulen Hopfen und Malz verloren sei.

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