30.06.2016

DIES UND DAS VOR DER SOMMERPAUSE


Vor der Sommerpause noch dies und das und vielleicht auch noch jenes - mal sehen. Ich beginne mit gestern, der dritten Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin". Oz regelte mal wieder wie ein wilder Spanier den Verkehr im Studio und stecke alle gleich an mit seinen positiven Vibrationen. Diese wurden noch positiver, so dass wir aufpassen mussten, dass der Zauberer nicht abhebt und uns abschwirrt, als sich herausstellte, dass Oz und unserer gestriger Gast Carsten sich aus den verrückten Neunzigern kennen, sich aber viele Jahre nicht gesehen hatten. "Hier spricht TaxiBerlin" bringt, genauso wie Taxifahren allgemein, die Menschen zusammen - mehr kann man von einem Job und auch von einer Radiosendung nicht verlangen.

Eine andere Möglichkeit zum Zusammenkommen sind Geburtstage. Neulich war auch ich zu einem eingeladen, und ich bin sogar hingegangen, obwohl ich solche Menschenansammlungen sonst meide. Ich hatte ein Gespräch mit einem jungen smarten Berliner Verleger, der aber auch nicht mehr wusste als ich. Immerhin hoffte auch er, dass es nicht unbedingt Uwe Tellkamp ist, der an zeitgenössischer deutscher Literatur bleiben wird. Von Michel Houellebecq, das war zu erwarten, hielt der junge Verleger gar nichts. Den Grund, warum er von Houellebecq nichts hielt, den fand ich nun wiederum interessant. Der Michel, den er wohl lange nicht gesehen hat, ist ihm zu eitel.

Was nicht bleiben wird, sind die meisten Blogs im Internet und überhaupt sämtliches seichtes Geseiere, das ist leider so. Auch die, die vor dem Schreiben eine Marktanalyse machen, haben keine gute Prognose, genauso wie die, die ihre Bücher nach Leserwunsch umschreiben. Überhaupt sollte man Schreiben und Geld verdienen trennen. Gottfried Benn, ja genau "der mit den Nazis", hat seinen Lebensunterhalt als Arzt und nicht mit seinen Büchern verdient. Auch andere mussten sehen, wo sie blieben. Erich Kästner zum Beispiel hat unter Pseudonym sehr viel und vor allem sehr erfolgreich für die Unterhaltungsindustrie der Nazis geschrieben. Interessant wäre in diesem Zusammenhang zu erfahren, was aus einem Thomas Mann geworden wäre, hätten die Nazis nicht seine Bücher verbrannt ... ?

PS: In der dritten "Hier spricht TaxiBerlin" Sendung ging es um die Frage, ob man den Taxischein machen sollte: JA oder NEIN. Mein früherer Chef Christoph, der die Sendung weil er auf Reisen ist nicht hören konnte, hat sich per e-mail wie folgt zu Wort gemeldet: "Man sollte ihn (den Taxischein) unbedingt machen, weil es andere Jobs, die einen auf zugegeben niedrigem Niveau so unabhängig und frei belassen kaum gibt und man sich immer wieder in den Wind des realen Lebens begeben kann, auch wenn man ansonsten andere und qualifizierte Beiträge für die Gemeinschaft leisten kann ..."

28.06.2016

HIER SPRICHT TAXIBERLIN # 3


So selten wie ein gelber Koffer im Taxi

Morgen ist es wieder so weit! Da gibt es, nein, nicht Radio im Taxi, das gibt es jeden Tag, sondern Taxi im Radio, und das bereits zum zweiten Mal in diesem Monat, was so selten ist wie ein gelber Koffer im Taxi - mindestens! Dementsprechend wird unser Gast auch ein ganz besonderer sein. Er gehört dieser extrem raren Spezies an, die ein Leben lang darüber nachdenkt, ob sie nun endlich den Taxischein machen oder es weiterhin bleiben lassen soll. In unserer Sendung werden Layne, die Taxikollegin aus New York, und ich als TaxiBerlin zusammen mit unserem Gast alle Pro und Contras in Sachen Taxischein beleuchten und möglicherweise zu einer definitiven Antwort JA oder NEIN kommen oder auch nicht. Dabei wird es wie immer drunter und drüber gehen, weswegen der Zauberer Oz alias Dorfkind mal wieder den Verkehr regeln muss im Studio. Du kannst auch mitmachen und uns anrufen. Die Telefonnummer wird morgen, Mittwoch 29. Juni 2016, in der Sendung zur absoluten Prime-Time ab 20 Uhr auf Pi-Radio verraten, in Berlin auf der Frequenz 88.4, in Potsdam 90.7 oder im Internet als Live-Stream. Verpass es nicht!

Foto&Text TaxiBerlin

NEULICH IM BORDELL oder MÄNNER GESUCHT


Gilt im Taxi und auch im Bordell
(in letzterem aber nur, wenn die Kohle stimmt)

Neulich war ich mal wieder im Bordell. Berufsbedingt - das ist klar. Sonst würde ich da nie hingehen. Aber was will ich machen, wenn meine Fahrgäste da hin wollen? Ich muss schließlich auch an mich denken! Denn genauso wie Unfälle sichere Nebeneinkünfte von Taxiunternehmern sind, sind es Bordelle für Taxifahrer. Natürlich nicht alle! Da muss man unterscheiden. Es gibt da so'ne und so'ne.

Ich schreibe jetzt mal über so'ne. Streng genommen sind es keine Bordelle und auch keine Puffs, weil da vorher, bevor es zur Sache geht, noch gestrippt wird, weswegen am ehesten der Begriff Club in Frage kommt. Das Strippen ist natürlich nicht umsonst. Welche Frau zieht sich für lau aus. Überhaupt ist nichts mehr umsonst heutzutage.

Fürs Ausziehen muss Mann bezahlen, das war schon immer so. In dem Fall sind es, sagen wir mal, dreißig Euro pro Nase. Das sage ich dem Mann natürlich vorher, wenn er es nicht sowieso schon weiß, damit es an der Tür keine Überraschung gibt. Inclusive der dreißig Euro sind ein oder zwei Freigetränke, je nach Laden.

Die dreißig Euro sind aber mehr als Freigetränke mit Striptease. In Striptease steckt übrigens das Wort "tease", also "necken", aber das nur nebenbei. In den dreißig Euros steckt auch die Möglichkeit auf mehr. Sie sind, wenn man so will, eine Option auf die Zukunft. Ich schreibe das nicht, weil ich mich damit auskennen würde, sondern damit du es verstehst.

Denn weil die dreißig Euro eine Option auf die Zukunft sind, bekomme ich als Fahrer nicht nur dreißig sondern fünfzig Euro pro Nase. Ich bin, wenn du so willst, nur ein kleiner mieser Spekulant. Das liegt aber nicht an mir, sondern an meinem Wissen, wenn du verstehst, was ich meine. Was kann ich dafür, dass ich weiß, wo man aus dreißig Euro fünfzig machen kann. Einfach so.

Wissen, das wissen viele nicht, ist im Prinzip der einzig wahre Goldesel. Das einzige, was ich noch machen muss, ist warten, bis meine Fahrgäste bezahlt und in den Laden gegangen sind. Dann kommt der Dorman zu mir oder ich gehe zu ihm und bekomme zweihundert Euro, obwohl die vier Typen selbst nur dreißig pro Nase, also zusammen hundertzwanzig bezahlt haben.

Da solche Fahrten wahre Glücksfälle sind, muss man seinem Glück etwas nachhelfen, wie man so schön sagt. Deswegen überhaupt dieser Beitrag. Ich suche Männer, die auch mal in einen solchen Club wollen, und zwar für umsonst. Die fahre ich dann da hin, für lau versteht sich, und gebe ihnen sogar noch die dreißig Euro für den Eintritt. Dann heißt es nur noch warten ...

27.06.2016

DAS GIBT'S NUR IN BERLIN


Vorsicht Flug- und Fahrgäste

Gemeint ist der Umstand, dass es am Flughafen in Tegel jede Menge Flug- und damit Fahrgäste, aber keine Taxen gibt. Das kommt wirklich vor, und in der Regel steckt kein böser Wille der Taxifahrer dahinter, auch das soll es schon gegeben haben, sondern es ist der enorme Verkehr auf dem privaten Flughafengelände, der das Vordringen der Taxis bis zum dem Ort, an dem der Ex-Flug- und jetzt Fahrgast wartet, erschwert wenn nicht gar unmöglich macht.

Sitzen sie einem dann endlich im Taxi, die Ex-Flug- jetzt Fahrgäste, dann passiert immer dasselbe. Da wird sich aufgeregt, dass das ja wohl nicht wahr sein könne, dass sie da jetzt drei Minuten auf ein Taxi haben warten müssen, das sei unglaublich, ganz schlimm sei das, und überhaupt: Das gibt's nur in Berlin!

Ein kluger und erfahrener Taxifahrer würde nun einfach dem Ex-Flug- und jetzt Fahrgast, der bekanntlich König ist, Recht geben, vielleicht sogar noch etwas mitschimpfen, mindestens bis zur Erschöpfung. Das Trinkgeld wäre gesichert und der Rest der Fahrt hätte er seine Ruhe, das wichtigste beim Taxifahren ist.

Auch ich würde so "verfahren", wenn ich nicht in letzter Zeit viel geflogen wäre, also mit dem Flugzeug, und meine Erfahrungen damit eher so sind, dass es das nicht nur in Berlin gibt, sondern auch in anderen Metropolen der Welt. Auch dort kann es einem passieren, dass man ankommt und kein einziges Taxi auf einen wartet, wahrscheinlich sogar häufiger als in Berlin.

Spätestens jetzt habe ich mein Trinkgeld verspielt, was mir egal ist, aber meine Ruhe habe ich auch nicht, zumindest vorerst nicht. Und da mir meine Ruhe eigentlich das wichtigste ist, muss mich schon ziemlich was reiten, wenn ich meinem Ex-Flug- und nun Fahrgast nicht nur nicht Recht gebe, sondern sogar noch nachlege:

Sie sind zwei Stunden vorher am Flughafen, warten am Schalter, um endlich ihr Gepäck abzugeben, dann warten sie noch einmal an der Sicherheitskontrolle. Endlich im Flugzeug warten sie auf den Abflug und kaum abgehoben warten sie bereits auf die Landung. Bevor der Flieger die Parkposition erreicht hat, warten sie darauf aussteigen zu können. Danach warten sie auf ihr Gepäck, wenn sie nicht vorher noch an der Passkontrolle gewartet haben. Endlich haben sie es geschafft, haben also alle Zeit der Welt und sind des Wartens auch kundig. Aber was machen sie? Sie haben nichts besseres zu tun, als in ein Taxi zu steigen und gleich erstmal den Taxifahrer anzuplerren.

Das gibt's nur in Berlin!

Foto&Text TaxiBerlin

VON LEHRERN UND LUDEN


Sie kamen gerade aus einer Lokalität im Friedrichshain, als sie mich heran winkten. Drei Typen im Anzug und um die Vierzig. Sie hatten mehrere Papiertüten, wie man sie im KaDeWe bekommt, und zwei Blumensträuße dabei, die sie im Kofferraum verstauten. Im Wageninneren wäre es mit den Sachen eng geworden, weil die drei mit den kurzen Haaren und Stiernacken auch noch kräftig gebaut waren. Sie sollten jetzt ihre Jacketts anbehalten, meinte der, der vorne neben mir Platz genommen hatte, zu den andern beiden, die hinten saßen, im Befehlston. Ich finde das ja gut, wenn selbst bei kleineren Gruppen einer die Hosen anhat. In dem Fall behielt auch er darüber hinaus das Jackett an. Die restliche Konversation unter den dreien verlief mehr oder weniger normal, was erwachsene Männer sich nach einem Abend im Lokal eben so unterhalten. Beim Aussteigen interessierte mich dann doch, wieso die drei Typen zwei Blumensträuße und diverse Papiertüten dabei hatten. Sie seien Lehrer und ihre Klasse hätte Abi-Abschluss gefeiert, war die Antwort. Die Blumensträuße und die Sachen in den Papiertüten wären Geschenke von ihren Schülern und Schülerinnen. "Also für mich seht ihr aus wie Luden!", sagte ich ihnen geradezu, was sie nicht nur positiv aufnahmen, sondern sich darüber hinaus bei mir für das gelungene Kompliment bedankten. Lehrer von heute! Und da sagt man immer, dass an unseren Schulen Hopfen und Malz verloren sei.

25.06.2016

"SIE HÄTTEN AUCH FÜNFZIG CENT ..."


Häufig nehmen Leute ein Taxi, wenn sie nicht mehr laufen können, und wenn du Pech hast, sieht das dann so aus: Du stehst am Bahnhof Friedrichstraße und denkst dir nichts böses, da kommen sie auch schon, zwei Frauen, könnten Mutter und Tochter sein, sind es aber nicht, schwer beladen mit zahlreichen Einkaufstüten, die sich damit in dein Taxi plumpsen lassen, weil sie es nicht mehr bis zu deinem Kofferraum schaffen. Du fährst los, da sagt die Tochter zu ihrer vermeintlichen Mutter, dass sie morgen noch ins "Kaufhaus des Westens" gehen können, worauf diese erwidert, dass sie bis dahin wohl wieder fit wäre. Als nächstes stehst du Ampelbedingt direkt vorm "Bocca di Bacco", einem Nobelitaliener, wo sie später noch hingehen würden. Sie könnten aber auch, meinte jetzt die Mutter zur vermeintlichen Tochter, ins blöde "Borchardts" gehen, das wäre gleich um die Ecke und auch "ganz nett". Dann bist du auch schon da, am "Mandala Sweet Hotel" und es stehen fünf Euro und siebzig Cent auf der Uhr. Jetzt wird das Portemonnaie gesucht, und zwar von beiden, was sich natürlich in der Handtasche ganz unten befindet. Danach wird überlegt, wieviel Geld man noch braucht für's "KaDeWe" und auch fürs "Bocca die Bacco" oder fürs "Borchardts", um noch einmal zu betonen, dass sie ja nur Taxi gefahren seien, weil sie nicht mehr laufen konnten, aber weil die Strecke nicht so weit wahr, dir jetzt sechs Euro fünfzig geben wollen. Sie hätten auch fünfzig Cent ...

IM TAXI MIT DEM BREXIT


Ich bin heute extra früh raus, um mit meinem Taxi möglichst nah an den Menschen und ihrer Meinung zu sein. Die Leute heute bei mir im Taxi hatten nur ein Thema, und das war das Wetter und die Frage, warum es ausgerechnet in Berlin so heiß ist und nicht in Stuttgart oder München. Eine Sache kam so gut wie gar nicht vor, und zwar der Brexit. Mein letzter Fahrgast, da war es schon etwas spät, meinte immerhin, dass der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union nur einen Schweinsteiger interessieren würde, weil der dann nicht mehr auf der Insel arbeiten dürfe. Ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich fand das irgendwie beruhigend, wenn sich da jetzt vielleicht nur einer nach 'nem neuen Job umschauen muss ...

24.06.2016

VON VERWEIGERTEN HANDSCHLÄGEN UND GRÜNEN RECHTSABBIEGEPFEILEN


Dass man ausgerechnet im Ostteil der Stadt auf die Verweigerung des Handschlags sensibel reagiert, ist keine Überraschung. Mit dem Handschlag verhält es sich wie mit dem grünen Rechtsabbiegepfeil. Beides kommt aus dem Osten, ist im wiedervereinigten Deutschland aber bestenfalls wohlgelitten. Das ist bekannt, und so gesehen hat die bilinguale Privatschule in Pankow bestenfalls ein Luxusproblem. Mein Problem ist auch nur, dass mir persönlich das Verbot, einer Frau die Hand zu geben, irgendwie rückwärtsgewandt erscheint, im selben Moment die erlaubte Vielweiberei aber wiederum fortschrittlich.

Zusammengefasst: Wenn sie der Frau nicht die Hand geben wollen, wieso wollen sie dann gleich mehrere von ihnen haben?

23.06.2016

DIE WELT VON GESTERN (EINE SERIE)


Neusprech für Freudenhaus

Früher ist Mann einfach nur in den Puff gegangen und gut war. Später ging Mann ins Bordell und noch später in den "Club". Spätestens die Bezeichnung "Club" hätte Mann stutzig machen müssen, wenn nicht gar davor warnen sollen, dass das mit der Umschreibung immer noch steigerungsfähig ist. So ist es nämlich, und wenn nicht schon jemand das Wort erfunden hätte, müsste Mann es  spätestens jetzt tun.

Die Rede ist vom Orwellschen Neusprech.

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22.06.2016

DIE ZUKUNFT VON TAXIBERLIN: FERNWARTER


Fernwartung mit TaxiBerlin

Selbstfahrende Autos werden kommen und damit auch selbstfahrende Taxis, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Lange habe ich überlegt, ob ich mir deswegen Sorgen machen sollte. Nachdem ich unzählige Male hin und her gerechnet habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich diese Zeit wohl noch miterleben werde, denn sooo alt bin ich nun auch wieder nicht, und da will ich natürlich gewappnet sein. Deswegen besuche ich seit Neuestem eine Weiterbildung nach der anderen, und insbesondere die der Fernwartung hat es mir angetan. Selbstverständlich die Fernwartung von Taxen und nicht die von Automaten der Post (Foto), denn die ist total langweilig. Aber wenn ich erstmal Fernwarter der ersten selbstfahrenden Taxen bin, dann kannst du dich als Fahrgast auf was gefasst machen. Du Einfältiger weißt wirklich nicht was ich meine? Was ist denn ein Fernwartender ohne die in der Ferne Wartenden?

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21.06.2016

NOCHMAL VIELWEIBEREI


Sonntag auf'm Flohmarkt

So wird das natürlich nichts mit der Vielweiberei. Und Männers, denkt auch an Leonard Cohen. Bei dem war es aber nicht die Ex, sondern "nur" seine Vertraute und Managerin, die ihn um mehrere Millionen erleichterte, und weswegen er im hohen Alter von hastunichjehört noch mal auf Tour musste, einfach weil er so gut wie blank war ...

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20.06.2016

IM TAXI MIT MEINEM ALTEN EGO (EINE SERIE)


Alles hat seinen Preis

Ich weiß, ich weiß, es muss richtig "Alter Ego" heißen. Da ich aber mein "Alter Ego" nun schon so lange kenne, darf ich "Altes Ego" zu ihm sagen. Mein "Altes Ego" begleitet mich nicht nur privat sondern auch bei jeder Schicht im Taxi, was praktisch ist, weil ich sonst die meiste Zeit alleine wäre. So ist das beim Taxifahren. Man muss höllisch aufpassen, dass man nicht total vereinsamt. Das geht schneller als man denkt. Die wenigen Fahrgäste, die man pro Schicht so hat, die sind nicht der Rede wert. Mit den meisten will man sowieso nichts zu tun haben und sie auch nicht mit einem. Das ist leider auch wahr.

Mit meinem "Alten Ego" kann ich immer reden, vorausgesetzt es lässt mich auch mal zu Wort kommen. Dazu muss man wissen, dass mein "Altes Ego" gerne Monologe führt, was sehr ermüdend ist, auch weil mein "Altes Ego" immer dagegen ist. Egal was es ist: Smart-Phones, Selfies, Stockhiebe ... - mein "Altes Ego" ist dagegen. Nur neulich, da war das anders, da war mein "Altes Ego" plötzlich und unerwartet dafür. Worum ging es da gleich nochmal, lass mich mal überlegen ..., hm ..., ah ja ..., ich hab's. Es ging um die Vielweiberei. Da war mein "Altes Ego" auf einmal dafür. Das musst du dir mal vorstellen!

Gut, welcher Mann hätte sie nicht gerne, die vielen Weiber? Da hat mein "Altes Ego" schon irgendwie Recht. Andernorts soll sie sogar ganz legal sein: Die Vielweiberei. Warum Mann ausgerechnet im fortschrittlichen Westen so rückschrittlich ist, das verstehe wer will. Mein "Altes Ego" versteht das nicht. Immerhin gibt es generell auch die Möglichkeit der "Ehe auf Zeit", wobei Zeit bekanntlich relativ ist, und ein "Schäferstündchen" ist letztendlich auch Zeit. Nur, muss Mann sich die Vielweiberei auch wirklich leisten können? Wo bleibt denn da die Gleichberechtigung? Doch nicht etwa auf der Stecke?!? Das fragt mein "Altes Ego", nicht ganz zu Unrecht wie ich meine, das zwar jede Menge Lust und auch Zeit hätte, nur eben leider keine Kohle ...

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19.06.2016

"SEI SO WIE DU BIST ABER LASS ES DIR NICHT ANMERKEN"



Woran krankt unserer Gesellschaft?

"Sei so wie du bist aber lass es dir nicht anmerken" war ein kleines Highlight bei mir im Taxi. Es ist schon ein paar Tage her, dass einer meiner Fahrgäste diese tiefe Wahrheit aussprach. Es war aber nicht Hans-Joachim Maaz, Psychoanalytiker und Sachbuchautor, der dafür bekannt ist unbequeme  Wahrheiten auszusprechen und der auch schon mal bei mir im Taxi saß. Von ihm stammt beispielsweise: "Wer besonders freundlich ist wagt nicht seine Fratze zu zeigen." In einem aktuellen Interview, ausnahmsweise nicht bei mir im Taxi sondern in Halle an der Saale, beschäftigt sich Dr. Maaz darüber hinaus mit Mitläufern, den Alphas, Gammas und Omegas der Gesellschaft, der Inkompetenz der Regierenden und auch, ein heißes Eisen, mit Pegida und der AfD, und warum sie möglicherweise verteufelt werden.

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18.06.2016

KURZSTRECKE ZUM SOHO-HAUS


Auch wenn mein Taxi mein eigenes kleines Gulag ist, ist es nicht so, dass Fahrgäste bei mir nichts zu sagen hätten oder gar nichts sagen dürften. So ist das nicht, obwohl das meiste von dem, was so erzählt wird, auch im Taxi nicht der Rede wert ist. Was Fahrgäste auf jeden Fall kennen und auch nennen sollten, ist das Fahrziel, das ist klar. Und da war es so, das gestern Abend der bisher kürzeste Witz fast übertroffen wurde. Der bisher kürzeste Witz war "Kurzstrecke zum KaDeWe". Was daran der Witz ist, kann ich dir nicht erklären, dafür reicht leider die Zeit nicht, ist schließlich nur 'ne Kurzstrecke.

17.06.2016

SIE SEHEN AUS WIE IHRE EIGENE KARIKATUR


Sie sehen aus wie ihre eigene Karikatur und sind dementsprechend schwer zu fotografieren, weswegen es heute auch kein Foto gibt. Damit meine ich jetzt nicht meine Fahrgäste sondern die Menschen allgemein. Dabei müssten sie sich nur mal selbst zuhören, das würde schon reichen, da braucht man kein Beweisfoto mehr. Du musst das echt mal machen oder vielleicht besser machen lassen, weil wenn man's selber macht, achtet man natürlich darauf, was man sagt. Einfach mal aufnehmen oder wie gesagt besser aufnehmen lassen, was du den lieben langen Tag so sprichst, dann wirst du feststellen, dass neunzig Prozent davon völliger Unsinn ist, was noch optimistisch ist, meistens stimmt es gar nicht einmal, was du sagst, oder ist gar glatt gelogen. Das heißt jetzt nicht, dass es bei mir anders oder gar besser wäre. Das nicht! Mir fällt es nur auf, auch bei mir selbst, und das macht das Leben nicht gerade leichter, das kann ich dir sagen, und deswegen mein Tipp: Aufnahme statt Selfie!

16.06.2016

RUDELGUCKEN


Neue Wege gehen ...

Die Geschichte meiner neuesten Werbung (Foto) ist schnell erzählt, so dass vorher noch etwas Zeit bleibt, meine prinzipielle Bereitschaft hervorzuheben, trotz fortgeschrittenen Alters neue Wege zu gehen. Mit "Public Viewing", das wissen viele nicht, war ursprünglich einmal eine öffentliche Leichenschau gemeint. Um das gemeinsame Fussballschauen davon abzugrenzen, kam man irgendwann auf den Begriff "Rudelgucken", das seinerseits wiederum dem "Rudelbumsen" abgeguckt ist. Und wer da richtig hingeschaut hat, der weiß was dort das wichtigste ist, nämlich der "Schutz". Und so kam es zu meiner neuesten Werbung. War doch gar nicht so schwer, oder?

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15.06.2016

EIN GOLDESEL NAMENS TAXI


Nur Bares ist Wahres ...

Von seiner Hände Arbeit ist noch niemand reich geworden, das war schon immer so, und das wird wohl auch immer so bleiben. Möglicherweise ist das der Grund, warum manch Kollege, wohl eher "Kollege", darauf hofft, berühmt zu werden, und dafür bereit ist Alles, also wirklich ALLES, zu tun. Dabei ist das mit den Ruhm genauso wie mit dem Reich sein. Ist man es, wird man die Geister nicht mehr los, die man rief. Glücklich macht beides nicht. Gut, das macht Taxifahren auch nicht wirklich, vorausgesetzt man kann es überhaupt. Was man auf jeden Fall vom Taxifahren hat, ist Bargeld, und zwar sofort. Das ist auch der wichtigste Grund, warum die Fahrgäste lieber bar bezahlen sollen. Es geht da in Wirklichkeit nur um den Taxifahrer, der bekanntlich von der Hand in den Mund lebt, und der noch keine Kreditkartenabrechnung essen kann. Von daher ist das Märchen vom Dukaten scheissenden Goldesel gar nicht soo verkehrt, auch wenn das mit dem Gold etwas übertrieben ist, aber der Goldesel hat, wie man weiß, nichts "Bargeldloses" ausgeschissen.

Foto&Text TaxiBerlin

14.06.2016

DIE WELT VON GESTERN (EINE SERIE)


Heute im Angebot

"Die Welt von gestern" war bisher "nur" ein lesenswertes Buch von Stefan Zeig, und ist ab sofort auch der Titel einer neuen Serie auf diesem Blog. Stefan Zweig schrieb in seinem Buch, dass die Lage in unserem schönen Land zwar ernst aber nicht hoffnungslos sei. Das war vor knapp einhundert Jahren, soweit ich mich erinnere. Keine Ahnung, was er heute schreiben würde. Fakt ist, dass sich einiges zu früher verändert hat. Beispielsweise die klassische Schmalzstulle, wer kennt sie nicht, gibt es nicht mehr. Genausowenig das Sol-Ei und die eingelegte Gurke. Der Grund für das Verschwinden so einfacher wie guter Dinge ist aber nicht, wie gerne behauptet wird, dass sich die Geschmäcker verändert hätten. Das ist natürlich Blödsinn, weil es immer nur den guten und den schlechten Geschmack geben wird. Wahrscheinlicher ist, dass man mit Stulle, Ei und Gurke kein Geld mehr verdienen kann, und darum geht es bekanntlich im Leben. Von daher ist die Rückkehr der Stulle (Foto) einerseits zu begrüßen, andererseits aber auch kritisch zu hinterfragen. War sie, "Vollkorn" und "frisch belegt" hin oder her, nicht mal ein Pfennig-Artikel? Und wenn JA, wieso kostet der heute gleich mal fast fünf Mark?

Foto&Text TaxiBerlin

13.06.2016

FAHRGÄSTE GESTAPELT


Wo die Welt noch in Ordnung ist ...

Es gibt Ecken in Berlin, da ist die Welt noch in Ordnung. Dort wird das Gemüse noch gestapelt, wie es früher überall angeboten wurde. Wo das ist, wird nicht verraten. Es soll schließlich noch lange so bleiben, wie es einmal war. Wenn sich heute noch etwas stapelt, dann sind das Fahrgäste im Taxi. Nachdem sie stundenlang auf sich haben warten lassen, wollen sie dann plötzlich zu fünft oder gar zu sechst Taxi fahren. Überhaupt haben größere Menschenansammlungen es schwer, sich zu orientieren, weswegen ich sie auch meide. Vielleicht liegt das mit der mangelnden Orientierung auch einfach daran, dass manche wirklich nur bis drei zählen können, wer weiß. Viel mehr würde mich interessieren, wieso es ausgerechnet immer Frauen sind, die den Guide für größere Männergruppen geben, was an sich noch nicht schlimm wäre, wenn sie mit denen dann nicht immer ins "Golden Dolls", ein neues Strip-Lokal in der Potsdamer Straße, gehen würden. Ich meine, jetzt mal im Ernst, welcher Mann braucht einen Guide, egal ob männlich oder weiblich, wenn er in einen Strip-Club geht. Da stimmt doch was nicht, oder? Ich meine: Mit dem Mann!

PS: Frikadellen heißen in Berlin Bouletten!

Foto&Text TaxiBerlin

12.06.2016

DER GESPRÄCHSMÜLLEIMER


Am Flughafen Tegel (TXL)

Den Gesprächsmülleimer gibt es wirklich, und zwar am Flughafen Tegel, auf dem großen Taxiparkplatz, an seiner südöstlichen Ecke, wo seit einiger Zeit immer fleißiger Richtung Mekka gebetet wird, was mit dem Gesprächsmülleimer aber nichts zu tun hat. Den Gesprächsmülleimer gibt es schon länger. Man kann in ihm keine I-Phones und auch keine Smart-Phones und noch nicht mal ein altes Handy entsorgen. Nein, der Gesprächsmülleimer ist ausschließlich für ganze Gespräche da, womit er genug zu tun hat, denn mehr und mehr Gespräche sind praktisch Sondermüll. Obwohl der Gesprächsmülleimer extra rot und nicht wie sonst üblich orange angestrichen ist, findet nicht jedes Gespräch den Gesprächsmülleimer. Manch Gesprächssondermüll landet, wie man sieht, leider auch daneben. Schön ist das nicht, Gesprächssondermüll in Grünanlagen, aber immer noch besser als im Taxi.

Foto&Text TaxiBerlin

11.06.2016

NEUER TREND AM ARTEMIS


Letzte Nacht vorm Artemis

Neue Trends beginnen oft spontan und meistens an unerwarteten Orten, wie beispielsweise dem Artemis, wo es immerhin genug Platz gibt, nicht nur für die Sünde sondern auch für zwei Wohnmobile. Was genau den neuen Trend ausgelöst hat, und warum ausgerechnet zwei Wohnmobilen aus Polen, so viel Zeit muss sein, Polen ist schließlich groß, so dass man das erwähnen darf, ihn "setten", kann im Moment nur vermutet werden. Vielleicht liegt es daran, dass Polen katholisch ist, Mann und auch Frau es deswegen vorziehen, beim Sündigen lieber "zu Hause" zu bleiben. Möglicherweise waren es aber doch die Bullenwannen, die neulich noch an gleicher Stelle standen, die "Pate" gestanden für diesen neuen und wundervollen Berliner Trend.

Foto&Text TaxiBerlin

10.06.2016

LAMMERT BEWUSST BELEIDIGEND


Keiner hat mal wieder gehört, was der Lammert gesagt hat, und doch soll es "bewusst beleidigend" gewesen sein, zumindest ist da schon wieder einer "bewusst beleidigt", wusste ein Fahrgast zu berichten.

DIE TÜRKEI GEHÖRT ZU DEUTSCHLAND


"Jetzt, wo die Türkei zu Deutschland gehört, müsse man gar nicht mehr hinfahren." - Das meinte heute zumindest einer meiner Fahrgäste vom Flughafen Tegel. Ich glaube, er kam drauf wegen der doch recht zahlreichen mit türkischen Fahnen geschmückten Autos auf den Berliner Straßen. Ich kann mich aber auch täuschen ...

09.06.2016

TAXIBERLINS FAHRGAST AKTIONSPLAN


Ärztehaus / Hohenschönhausen / Herrentoilette

"Wenn alle nur noch Gutes tun, wie soll man da noch individuell sein?" Das fragte mich mein Fahrgast ganz im Ernst, um sogleich die Antwort dazu zu liefern: "Ganz einfach: Indem man Böses tut!" Was genau das sein soll, wusste er zwar nicht, da ging es ihm wie mir mit obigem Aufkleber, den ich bis heute nicht wirklich deuten kann, obwohl ich ihn bereits letzte Woche fotografiert habe. Unabhängig davon hatte er sich aber schon so seine Gedanken gemacht, wer denn das Ziel des noch unbekanntem Bösen sein könnte: "Was ist beispielsweise mit diesen Typen, die einem permanent im Weg rumstehen, weil sie ständig mit ihrem Scheiß-I-Phone vor der Nase rumlaufen? Was suchen die überhaupt draußen, wenn sie sowieso ganz woanders sind? Kann man denen keinen Stubenarrest verpassen? Oder was ist mit denen, die immer und überall telefonieren müssen? Wären da nicht Sprechverbote sinnvoll? Und was ist mit den Kopfhörer tragenden Fahrradfahrern, die Asozialsten überhaupt! Kann man da nicht das Fahrrad konfiszieren wie nach dem Krieg?"

Foto&Text TaxiBerlin

07.06.2016

BERLIN BRAUCHT DICH NICHT !


"Berliner CaféHausBlick" / Neue Bahnhof- Ecke Sonntagstraße
früher Friedrichshain / heute Friedrichshain-Kreuzberg

BERLIN BRAUCHT DICH NICHT stimmt natürlich nicht ganz. Ein paar von euch brauchen wir schon, damit sie in den Cafés mit dem Baustellenausblick sitzen - der besondere Berliner Charme. Um die, die da immer rumsitzen und "in aller  Ruhe" frühstücken, was gestern noch brunchen hieß, und sich dabei "schön" anbrüllen müssen, muss sich niemand sorgen, denn  denen ist sowieso nicht mehr zu helfen, die sind sozusagen "perdu", "übern Jordan" oder einfach nur "bekloppt", wie der Berliner sagt. Das weiß ich, weil sie einem, wenn sie nicht im Café, im Taxi sitzen. Normale Fahrgäste, so wie früher, gibt es schon lange nicht mehr. Das sind heute durch die Bank so anstrengende Zeitgenossen, die eine dermaßene Unruhe verbreiten, dass auch hier mittlerweile der Spruch gilt: "Thomas Bernhard hätte geschossen!", obwohl der, also Thomas Bernhard, gar kein Taxifahrer war. Aber nicht nur das, Thomas Bernhard weilt auch gar nicht mehr unter den Lebenden, weswegen vor dem keiner mehr Angst haben braucht, also physisch meine ich, dafür aber vor TaxiBerlin, denn der ist "real", oder besser: "realy angry", und deswegen hört besser auf ihn: "Kommt nicht nach Berlin! Keiner braucht euch hier!" Obwohl, wenn ich's mir Recht überlege, auf der ein oder anderen Baustelle fehlt manchmal einer, zumindest haben die sich neulich noch gefreut, als ich einen von euch dort abgeladen habe ...

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IM TAXI MIT STEFAN ZWEIG


Don't miss the Donkeys!

Wenn ich's mir recht überlege, lese auch ich (und nicht nur die Amerikaner) gerne Stefan Zweig, und eben nicht Thomas Mann, von dem ich glaube, dass sein Stil bereits zu Lebzeiten antiquiert war. Warum Stefan Zweig bei den Amerikanern, bei denen er einmal neben Thomas Mann der meistgelesene deutsche Autor war, lange Zeit vergessen war, weswegen wohl auch der aktuelle Kinofilm "Vor der Morgenröte", den ich mir gestern angesehen habe, ein deutscher ist, kann ich nur vermuten. Dort, also im Kinofilm, war ein Journalist extra aus New York nach Buenos Aires gereist, um Stefan Zweig zu einem Statement gegen Hitler zu bewegen, was der aber nicht tat, weswegen ihm der New Yorker Journalist Feigheit vorwarf, obwohl Stefan Zweig ihm vorher erklärt hatte, warum er sich einem solchen Statement verweigere, aber so war das wohl mit den Journalisten damals schon, sie können einfach nicht zuhören. Stefan Zweig sagte, dies für alle interessierten oder Kinophoben Leser, dass ein solches Statement, wenn man selbst nicht im Epizentrum sondern weit weg in Sicherheit lebt, einfach nur billig und vor allem eitel sei. Verständlich zwar, aber für manch Schreiberling schwere Kost.

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Text TaxiBerlin

06.06.2016

IM TAXI MIT EINEM BONSAI


Nicht nur für Bonsais

Er hatte wirklich einen Bonsai dabei, der sogar älter als er selbst gewesen sein soll, aber wie sollte ich das kontrollieren, kleiner als mein Fahrgast, ein junger Mann um die Dreißig, war er auf jeden Fall, das haben Bonsais so an sich, und trotzdem hat er kaum ins Taxi gepasst. Vom Bonsai kamen wir auf Bio-Bauern, das liegt nahe, die, wie alle Bauern, ihren geregelten Tageslauf haben, im Gegensatz zu uns Städtern, meinte zumindest mein Fahrgast, weswegen wir Städter uns auch mehr unseren Gefühlen widmen könnten. Diese Theorie war mir neu, die hatte ich noch nie gehört, was vielleicht daran lag, dass mein Fahrgast, darauf legte er Wert, Wissenschaftler war, und eben kein Taxifahrer, so wie ich. Aber wir waren beim Gefühl, und da war er sich sicher, dass Gefühl und Verstand dasselbe wären, auch so eine neue These, oder vielleicht doch schon eine ganz neue Wahrheit, die uns erst übermorgen verkauft werden soll. Möglicherweise hatte mein Bonsai-Wissenschaftler da wirklich einen Wissensvorsprung, wer weiß? Bis heute gilt aber noch, und das sagte ich ihm auch nur deswegen, damit er es zumindest mal gehört hatte, dass Gefühl und Verstand nur für den dasselbe sind, der eins von beiden nicht kennen würde.

BERLINSTAMBUL


Gestern Nacht O-Straße in Kreuzberg: Zwei junge Männer, vielleicht Ende Zwanzig, beide mit knallrotem T-Shirt, wo wiederum Einstein drauf war, weswegen habe ich vergessen, weil wir sogleich auf ihren Tayyip zu sprechen kamen, sie kamen aus Istanbul, und ob ich den kennen würde. Naja, was soll ich sagen, nicht persönlich, sie auch nicht, das fand ich erstmal beruhigend, aber dann ging es auch gleich zur Sache, denn einer von den beiden wünschte ihm ganz schlimme Sachen, die ich hier nicht wiedergeben will, von denen der andere erst meinte, dass er das nicht machen könne, obwohl, wo er darüber nachdenke, sehe er es eigentlich ganz genauso, und deswegen wünschte auch er ihm, also dem Tayyip, nun ganz schlimme Sachen, die ich auch nicht wiederholen möchte, das würde zu weit führen.

Kaum waren die beiden draußen, begann mir der Tayyip leid zu tun, ganz im Ernst jetzt, da bin ich ganz emphatisch, wenn Leute nicht gemocht werden, da habe ich wirklich Mitleid mit denen, sind ja schließlich auch nur Menschen, denen andere meist was böses angetan haben, weswegen sie selbst böse geworden sind. Der Tayyip zum Beispiel, der ist böse auf die Angela, weil die ihm versprochen hatte, sich da neulich im Bundestag für ihn einzusetzen, und das glaube ich dem aufs Wort, dass das stimmt, nur war Angela an dem Tag gar nicht im Bundestag, weswegen sie sich weder für den Tayyip einsetzen noch für ihn abstimmen konnte, und das findet der Tayyip natürlich nicht in Ordnung, was ich sehr gut verstehen kann.

Doch zurück zu den beiden Türken aus Istanbul, die von mir, das vergaß ich eingangs, wissen wollten, was ich von unserer Angela halten würde. Hm, was sollte ich da nun wieder sagen, auch die kenne ich, genauso wie den Tayyip, ja nicht persönlich, immerhin haben mir die schlimmen Sachen der beiden, die sie dem Tayyip gewünscht hatten, Mut gemacht, jetzt, wo es um die Angela ging, mir mal so richtig Luft zu machen, weswegen ich "I don't like her!" sagte, mein türkisch ist nicht so gut, weswegen wir englisch sprachen, und was auf Deutsch heißt, dass ich sie nicht leiden kann, was sogar stimmt, das kann ich nun zugeben, nachdem ich erfahren habe, was sie mit dem Tayyip gemacht hat, und was man eben nicht macht, denn was man/frau verspricht, muss man/frau auch halten!

03.06.2016

DAS QUIZ BEI TAXIBERLIN


Kurz in sich gehen hilft - manchmal

Beim heutigen Quiz geht es nicht um die Frage, wer da auf dem Foto wie ein Schwein ins Uhrwerk schaut, denn beinahe wäre ich selbst das gestern gewesen, so viel kann ich schon mal verraten. Schuld war das Fahrziel meiner Fahrgäste, das mir im ersten Moment gar nichts sagte. Als Taxifahrer muss man aber nicht alles wissen, schon gar nicht sofort, sondern alles finden. Die Fahrt, die innerhalb Berlins blieb, ging nicht zu einem von diesen neuen Hotels, die die Welt nicht braucht. Das nur als Hinweis. Wer als erster weiß, was sich hinter "Eytschbeeff" verbirgt, dem winkt wie gehabt 'ne Kurzstrecke.

Foto&Quiz TaxiBerlin