01.05.2016

NICHTS IST TÖDLICHER ALS DIE LANGEWEILE


Berliner Polizei gegen Langeweile *

Ich weiß nicht, ob ich es schon mal erwähnt habe, aber ich fahre vor allem deswegen Taxi, weil ich die tödliche Langweile, die uns alle im täglichen Leben umgibt, nicht ertragen kann. Das war auch der Grund, warum mich nichts an irgendeiner Uni halten konnte, obwohl ich einige von innen gesehen habe, und nicht nur die Mensa. Eine Universität hierzulande ist, wenn man so will, die institutionalisierte Langeweile, weswegen der gemeine Student alles (also wirklich alles!) spannend findet. Ein Mantra, mit dem er versucht, sich selbst vom Gegenteil zu überzeugen, um der Langweile zu entkommen.

Die Langeweile ist längst zu einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen geworden. Schau dir zum Beispiel die Bundesliga an. Dort steht bereits seit Wochen, ach was sage ich, seit Jahren fest, welche Mannschaft die Meisterschaft gewinnen wird. Früher nannte man das Fünfjahresplan, glaube ich. Ich weiß es aber nicht genau, da ich mich weder mit Fussball noch mit Fünfjahresplänen auskenne. Aktuell will der BFC-Dynamo der Bundesrepublik den Kapitän von Dynamo Dresden kaufen, der sich auch gerne kaufen lassen möchte, um den nächsten Fünfjahresplan vom BFC-Dynamo der Bundesrepublik zu erfüllen, wogegen ein paar Fans von Dynamo Dresden etwas haben.

Genau diese Dynamo Dresden Fans, die etwas dagegen haben, dass der BFC-Dynamo der Bundesrepublik ihren Kapitän kaufen will, der sich auch gerne kaufen lassen möchte, sollen jetzt plötzlich die Bösen sein, obwohl sie doch nichts anderes tun, als gegen die tödliche Langweile zu demonstrieren, die jetzt sogar den Fussball erreicht hat. Wie gesagt, ich sage das als jemand, der mit Fussball nichts am Hut hat. Genau genommen geht mir Fussball am Hastunichtgesehn vorbei. Was ich aber mehr als verstehe, ist, wenn jemand was gegen Langeweile hat, selbst wenn es nur Fussball-Fans sind, um die ich sonst, zumindest mit demTaxi, eher einen großen Bogen mache.

* Die Berliner Polizei blitzt (Wetter = Blitzer) seit einiger Zeit aus normalen Polizeiautos heraus.

Foto&Text TaxiBerlin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen