26.04.2016

TAXIBERLIN ALS HERAUSGEBER


"Autoren-Bild"

Es werden zwei Bücher von mir erscheinen, das eine in diesem Jahr, und das andere im nächsten. Keine Angst, ich habe keins von Beiden geschrieben, ich bin nur der Herausgeber. Herausgeber sein ist nicht schwer, man nennt sich einfach Herausgeber, das kann jeder, der Begriff ist nicht geschützt, und dann ist man einer - ganz simpel. Schwerer wird es, wenn man als Herausgeber wirklich ein Buch herausgeben will. Am Schwersten ist es, wenn das Buch, was man herausgeben will, eines von der Sorte ist, das die Leute lesen sollen. Alle anderen, also die nur das herausgeben, was die Leute lesen wollen, sind sowieso keine Herausgeber. Das meinte zumindest Kurt Wolff, der ein bekannter Herausgeber war, und der auf die Frage, wie man ein kleines Vermögen macht, geantwortet haben soll: "Man nimmt ein großes Vermögen und gründet einen Verlag."

Das mit dem Verlag gründen ist mir zum Glück erspart geblieben. Wäre auch gar nicht gegangen, ganz einfach weil mir das genannte "große Vermögen" fehlt. Wie ich es geschafft habe, dass der Kelch der Verlagsgründung an mir vorüberging, verrate ich ein andermal. Erstmal freue ich mich, dass meine Bemühungen einen Verlag zu finden, letztendlich von Erfolg gekrönt waren. Gleichzeitig kann ich jedem nur abraten, Bücher herauszugeben. Es ist einfach ein zu trauriges Unterfangen, zumindest wenn sie, also die Bücher jetzt, nicht kompletter Nonsens sind. Aber selbst wenn sie es sind, stehen die Chancen zwar etwas besser, sind aber auch nicht wirklich gut. Und wer damit Geld machen will, geht besser in ein Spielkasino.

Obwohl, das mit dem dem Geld im Sinne von Profit machen, stimmt so auch wieder nicht. Es ist, wenn man so will, sogar genau das Problem. Heute soll jedes Buch Rendite bringen, und zwar mindesten zehn, besser fünfzehn Prozent. Das war früher, es ist schon etwas her, noch anders. Da wurden auch Bücher gemacht, wo von vornherein klar war, dass sie keine Gewinne abwerfen werden. Sie wurden trotzdem gemacht, weil, wie eingangs erwähnt, der gute Verleger wollte, dass der Leser sie ließt, finanziert übrigens aus den Gewinnen anderer Bücher. Das gibt es heute in dem Sinne nicht mehr, und deswegen gibt es in den Buchläden genau die Bücher, die es dort gibt. Um das herauszufinden, hat es sich gelohnt, Herausgeber zu werden.

PS: Was die Bücher angeht, die ich herausgebe, so sage ich bescheid, wenn es so weit ist. Für den Moment "nur" ein Graffito vom Autor.

Foto&Text TaxiBerlin

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