30.03.2016

WAS VON FACEBOOK BLEIBEN WIRD


Menschen verbinden - es geht auch einfacher ...

Obwohl Prognosen schwierig sind, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen, wagte mein Fahrgast eine. Das lag daran, so seine Begründung, dass sich Geschichte ab einem bestimmten Alter eigentlich nur noch wiederholt. Beispielsweise Facebook. Das ist ja an sich keine neue Erfindung. Das gab's schon früher. Nur hieß das damals anders, und zwar Deutsch-Sowjetische-Freundschaft.

Der Unterschied ist, dass die Leute früher in die Deutsch-Sowjetische-Freundschaft, deren Ziel ganz genau dasselbe war wie das von Facebook heute, nämlich Menschen zu verbinden, sozusagen hineingeboren worden. Facebook treten die Leute freiwillig bei (keiner muss das), um sich sogleich über Facebook zu beklagen, wie schlimm die da alle sind und wie doof dieser Zuckerberg ist, obwohl sie selbst mindestens genauso dumm (wenn nicht dümmer) sind, denn ein Verein kann niemals blöder sein als seine Mitglieder.

Mit den Mauern, die auch heute noch gebaut werden, egal ob in Amerika, Israel oder Europa, wäre es ganz ähnlich, meinte zumindest mein Fahrgast, gleichzeitig aber auch wieder ganz anders. Früher wurden die Leute eingemauert, heute lassen sie sich einmauern, und das auch noch gerne. Das Irre ist, dass heute, wo es viel einfacher wäre, sich für die Freiheit zu entscheiden, viel mehr Leute vorziehen, nicht nur eingemauert zu sein, sondern es auch bleiben.

Doch zurück zu Facebook und der Frage, was von Facebook bleibt. Mein Fahrgast war sich sicher, dass es das Wort "Entfreunden" sein wird. Erst einmal, und das leuchtet sogar mir ein, weil hierzulande gerne mehrere Wörter oder ganze Lebenskonzepte in einem Wort zusammengefasst werden (Beispiel: Lebenskünstler, Weltschmerz, etc. ....) . Und wer will schon noch "mit einem Freund brechen" oder "eine Freundschaft beenden" sagen, wenn es "Entfreunden" gibt?

Außerdem, und hier bin ich mir nicht sicher, ob sich mein Fahrgast nicht doch etwas zu weit aus dem Taxifenster herausgelehnt hat, hätten sich die Menschen vom wichtigsten sowieso schon "entfreundet", und das sogar ganz freiwillig, allerdings ohne es zu merken (auch das kommt vor), und das sei ihre Freiheit. Sie ziehen es vor, sich kontrolliert kontrollieren zu lassen, ganz offiziell, von ...

Foto&Text TaxiBerlin

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