27.02.2016

TAXIFAHREN OHNE FAHRGÄSTE


Schützt vor Schmerzen

Mit dem Taxifahren ist es wie in allen anderen Branchen auch - schöner ist es ohne Kundschaft. Wer's nicht glaubt, fragt einfach mal jemand, der im Hotel, im Restaurant oder wegen mir in 'ner Kneipe arbeitet. Der Mensch hat am liebsten seine Ruhe, insbesondere von anderen Menschen, und denen geht es letztendlich ganz genauso.

Leider gibt es keinen Job, oder zumindest ist mir keiner bekannt, sieht man mal vom Taxifahren ab (wo man von einer Stunde immerhin eine Dreiviertel seine Ruhe hat), in dem man komplett für's Ruhe haben bezahlt wird. Denn selbst beim Taxifahren ist es mittlerweile die Regel, dass Wartezeiten offiziell als Pausenzeiten gelten.

(Einschub: Falls jemand einen solchen Job kennt, sollte er mir unbedingt bescheid geben, denn ich komme langsam in ein Alter, wo 45 Minuten Ruhe in der Stunde nicht mehr ausreichen.)

Bis heute bin auch ich gezwungen, meine Haut Tag für Tag (oder besser: Nacht für Nacht) zu Markte zu tragen, mich von anderen Menschen benutzen zu lassen, mich zu prostituieren. Ich weiß, Prostitution ist ein hartes Wort. Aber wenn du wüsstest, was ich mir alles anhören muss in meinem Taxi, meinem Büro und Wohnzimmer zusammen, dann würdest auch du anders denken, glaub's mir!

Auch ich bin nur ein Mensch, und der hat bekanntlich Ohren, und die haben ein Trommelfell, auf dem sicherlich, der Name sagt es bereits, auch mal getrommelt werden darf, aber bitte sehr keine Vergewaltigung! Andererseits, auch das ist bekannt, gehen Prostitution und Vergewaltigung Hand in Hand, sind sozusagen zwei Seiten ein und derselben Medaille. Auch das ist die Wahrheit.

Neulich zum Beispiel, da hat es einer geschafft, auf der Fahrt vom Flughafen in Tegel nach Mitte dreizehn Leute anzurufen. Dreizehn (13!) Leute! Das musst du dir mal vorstellen! Ich meine, alleine die Zahl ist ja schon bescheuert. Hinzu kam dann aber noch der ganze Unsinn, der dabei abgesondert wurde, von dem ich (zum Glück?) weil in Mono, nur die Hälfte mitbekam - der reinste Sondermüll.

Als ich, ausgehend von der eingangs erwähnten Ruhe, die ich brauche, bis hin zu dem Umstand, dass zur Umweltverschmutzung noch die Körperverletzung hinzu kam, meinen Fahrgast kurz vor unserer Ankunft in Mitte (ungefragt natürlich - das wäre ja sonst noch schöner!) genau darauf hinwies, war auch mal Ruhe bei mir im Taxi.

Zum Schluss gab es, und das war jetzt wirklich überraschend, selbst für mich, der ich schon einige Jahre auf der Straße unterwegs bin, ein Trinkgeld nahezu in Höhe des Fahrpreises. Je mehr ich, in aller Ruhe - versteht sich, darüber nachdenke, desto mehr komme ich allerdings zu dem Schluss, dass es gar kein Trinkgeld war, sondern Schmerzensgeld, und dafür auch noch zu wenig ...

Foto&Text TaxiBerlin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen