29.02.2016

FLÜCHTLINGE HEUTE GESTERN UND FRÜHER


Tagebuchaufzeichnungen 1945 bis 1948

Das ist mal wieder typisch: Alle haben eine Meinung über sie, aber keiner kennt einen. Gut, der eine hat einem von ihnen auf der Straße schon mal Feuer gegeben, und der andere wurde von ihnen auch schon mal nach dem Weg gefragt. Aber das war's dann auch schon. Die Rede ist von Flüchtlingen, mit denen es sich verhält wie mit manchem Buch: Man diskutiert darüber, aber hat es nicht gelesen.

Wenn ich es richtig verstanden habe, werden gerade die Flüchtlinge von heute mit den Ostdeutschen von gestern verglichen, die damals, nach Maueröffnung, in den Westen gegangen sind, und sich dann dort nicht benehmen konnten. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich von diesem Vergleich halten soll, vielleicht so viel, dass die Angst vor dem Fremden offensichtlich nichts typisch Sächsisches ist.

Keine Ahnung, woran das liegt, wahrscheinlich am Krieg in Syrien, aber ich verbinde mit den heutigen Flüchtlingen eher die von nach dem Zweiten Weltkrieg. Deswegen möchte ich auch aus den Tagebüchern von Ruth Andreas-Friedrich zitieren, die den Krieg und auch die ersten Jahre danach in Berlin verbrachte und hier der Widerstandsgruppe "Onkel Emil" angehörte, die unter anderem jüdischen Mitbürgern half, in unserer Stadt unterzutauchen.

Ich weiß, es passt nicht ins Weltbild mancher Leute, dass es hierzulande einen Widerstand gab (dessen Mittel zugegeben äußerst bescheiden waren), denn das waren ja damals alles Nazis. Und doch gab es ihn wohl, und zu ihm gehörte besagte Ruth Andreas-Friedrich und ihr Freund Frank, der am 14. Juni 1945 erstmals auf den Flüchtlingstross auf dem Osten stieß und dazu folgendes sagte:

Machen wir uns doch nichts vor. Dass wir Mitleid empfinden und Tränen vergießen, bedeutet gar nichts. Würden wir etwa jubeln, wenn man in unsere überfüllte Trümmerwohnung eine pommersche Flüchtlingsfamilie einquartierte? Es ist verdammt leicht, von Nächstenliebe zu reden, solange man sie nicht üben muss. Doch übe sie erstmal. Mit acht Quadratmetern Wohnraum pro Person. Mit durchlöcherten Wänden und undichten Türen. Wo jeder jedem auf dem Hals sitzt und jeder jedem auf die Nerven fällt. Du brauchst dir's bloß vorzustellen, dieses Idyll in der Pökeltonne. Du willst ins Badezimmer - besetzt! Du gehst in die Küche - dort trocknet man Windeln. Du findest in dein Zimmer - da dreht der Nachbar das Radio auf. Man hasst sich schließlich, weil man sich nicht ertragen kann. Man wird böse wie ein Teufel und zänkisch wie eine Xanthippe. Du wirst es erleben. (Ruth Andreas-Friedrich, "Schauplatz Berlin")

Text TaxiBerlin

27.02.2016

TAXIFAHREN OHNE FAHRGÄSTE


Schützt vor Schmerzen

Mit dem Taxifahren ist es wie in allen anderen Branchen auch - schöner ist es ohne Kundschaft. Wer's nicht glaubt, fragt einfach mal jemand, der im Hotel, im Restaurant oder wegen mir in 'ner Kneipe arbeitet. Der Mensch hat am liebsten seine Ruhe, insbesondere von anderen Menschen, und denen geht es letztendlich ganz genauso.

Leider gibt es keinen Job, oder zumindest ist mir keiner bekannt, sieht man mal vom Taxifahren ab (wo man von einer Stunde immerhin eine Dreiviertel seine Ruhe hat), in dem man komplett für's Ruhe haben bezahlt wird. Denn selbst beim Taxifahren ist es mittlerweile die Regel, dass Wartezeiten offiziell als Pausenzeiten gelten.

(Einschub: Falls jemand einen solchen Job kennt, sollte er mir unbedingt bescheid geben, denn ich komme langsam in ein Alter, wo 45 Minuten Ruhe in der Stunde nicht mehr ausreichen.)

Bis heute bin auch ich gezwungen, meine Haut Tag für Tag (oder besser: Nacht für Nacht) zu Markte zu tragen, mich von anderen Menschen benutzen zu lassen, mich zu prostituieren. Ich weiß, Prostitution ist ein hartes Wort. Aber wenn du wüsstest, was ich mir alles anhören muss in meinem Taxi, meinem Büro und Wohnzimmer zusammen, dann würdest auch du anders denken, glaub's mir!

Auch ich bin nur ein Mensch, und der hat bekanntlich Ohren, und die haben ein Trommelfell, auf dem sicherlich, der Name sagt es bereits, auch mal getrommelt werden darf, aber bitte sehr keine Vergewaltigung! Andererseits, auch das ist bekannt, gehen Prostitution und Vergewaltigung Hand in Hand, sind sozusagen zwei Seiten ein und derselben Medaille. Auch das ist die Wahrheit.

Neulich zum Beispiel, da hat es einer geschafft, auf der Fahrt vom Flughafen in Tegel nach Mitte dreizehn Leute anzurufen. Dreizehn (13!) Leute! Das musst du dir mal vorstellen! Ich meine, alleine die Zahl ist ja schon bescheuert. Hinzu kam dann aber noch der ganze Unsinn, der dabei abgesondert wurde, von dem ich (zum Glück?) weil in Mono, nur die Hälfte mitbekam - der reinste Sondermüll.

Als ich, ausgehend von der eingangs erwähnten Ruhe, die ich brauche, bis hin zu dem Umstand, dass zur Umweltverschmutzung noch die Körperverletzung hinzu kam, meinen Fahrgast kurz vor unserer Ankunft in Mitte (ungefragt natürlich - das wäre ja sonst noch schöner!) genau darauf hinwies, war auch mal Ruhe bei mir im Taxi.

Zum Schluss gab es, und das war jetzt wirklich überraschend, selbst für mich, der ich schon einige Jahre auf der Straße unterwegs bin, ein Trinkgeld nahezu in Höhe des Fahrpreises. Je mehr ich, in aller Ruhe - versteht sich, darüber nachdenke, desto mehr komme ich allerdings zu dem Schluss, dass es gar kein Trinkgeld war, sondern Schmerzensgeld, und dafür auch noch zu wenig ...

Foto&Text TaxiBerlin

13.02.2016

ICH BIN DANN MAL WEG ...



Foto TaxiBerlin

12.02.2016

TAXIBERLIN ALS PETZE


Toilette mit Taxi, Drehkreuz und Notausgang / Flughafen Tegel

Petze ist nicht ganz richtig. Eigentlich habe ich nur eine Frage, die ich mich bisher nicht zu fragen getraut habe. Was passiert eigentlich mit dem ganzen Geld (Trinkgeld nicht inclusive!), das unser Toilettenmann am Flughafen Tegel von den Taxifahrern kassiert, die er durch den Notausgang, zu dem er offensichtlich den Schlüssel hat, und nicht durch die kostenpflichtige Drehtür, die eigentlich dafür da wäre, in seine Toilette lässt, die sich übrigens direkt neben der "Pilotenbude" befindet, wie der kleine Imbiss ebenfalls nur für Taxifahrer von Insidern genannt wird, falls das jemand interessiert.
Andererseits soll es auch Taxifahrer geben, die sich für kleine und kleinste Geldbeträge interessieren, und nicht nur Toilettenmänner.

Foto&Text TaxiBerlin

10.02.2016

KENNT JEMAND JOSEF JOFFE?


Schrieb ich gestern noch über gute Bücher bei mir im Taxi, sieht es mit den hiesigen Gazetten schon ganz anders aus, beispielsweise der "Tagesspiegel". Da fragt sich ein gewisser Josef Joffe von der "Zeit", was denn die Welt so macht, um die Antwort sogleich in Form seiner Meinung dem Berliner Leser aufzudrücken. Diesen Montag ging es in Josef Joffes "Tagesspiegel" Kolumne "Was macht die Welt?" (natürlich auf Seite 1) um Edward Snowden in Moskau. Woher Josef Joffe weiß, dass Edward Snowden in Moskau ist, verrät er dem geneigten Leser zwar nicht, dafür aber, was von Edward Snowden bleiben wird, und zwar der Schaden, den er angerichtet hat. Wie gesagt, das ist nur die Meinung von Josef Joffe, aber wie schnell wird aus einer Meinung der Mainstream. Dabei hätte es gerade Josef Joffe besser wissen können, wenn er mal die "Zeit" gelesen hätte, für die er eigentlich arbeitet, denn dann wüsste er, warum Edward Snowden in Moskau (oder doch eher Russland?) festsitzt. Immerhin, einen Verräter hat Josef Joffe Edward Snowden (noch) nicht genannt, aber vielleicht ja schon in seiner nächsten "Tagesspiegel" Kolumne, wer weiß ...

09.02.2016

UND, WIE WAR DEIN TAG?


Spar dir die Frage, ich antworte trotzdem: Ein paar wenige, dafür kurze Fahrten. Einiges an schlechtem Essen. Dafür 'ne Menge guter Bücher. Zum Schluss hatte ich fast noch den Varoufakis an Bord, der heute in der Volksbühne eine neue Bewegung gegründet hat. Es war aber nur ein weiblicher Fan von ihm, der darüber hinaus noch seine Mutter hätte sein können. Immerhin weiß ich von ihr, dass Varoufakis sinngemäß folgendes gar nicht so Dummes im Roten Salon gesagt haben soll, und zwar dass sich unsere Zeit u.a. dadurch auszeichnet, dass die Bürger immer durchsichtiger, ihre Regierungen aber immer undurchsichtiger werden. Letzteres traf, ich erwähnte es eingangs, auch auf das Taxigeschäft am heutigen Dienstag zu.

THOMAS BERNHARD GESCHENKT


Neue Leselampe in "mein Taxi" - nicht "my Taxi" !

Anlässlich seines 85. Geburtstages gibt es heute "Meine Preise" von Thomas Bernhard geschenkt (naja, fast), was ganz in seinem Sinne gewesen wäre (oder auch nicht), denn Thomas Bernhard war kein Freund von irgendeiner Förderung und wahrscheinlich auch nicht vom bedingungslosen Grundeinkommen, was es aber seinerzeit noch nicht gab, denn Thomas Bernhard verstarb bereits im Jahre 1989.

Keine Förderung künstlerischer Belange! Es muß sich alles selber erhalten. Auch große Institutionen gehören nicht subventioniert. Da gehört ein kaufmännisches Prinzip: "Friß oder stirb". Dadurch ist ja hier alles Kulturelle kaputt, weil alles unterstützt wird. So groß kann der Blödsinn gar nicht sein, den einer macht, daß ihm nicht die Subventionen hinnen hinein g'steckt werden, und ihn ruinieren.

(aus "Thomas Bernhard - Eine Begegnung", von Krista Fleischmann, Seite 111)

Foto&Text TaxiBerlin

"IST HEUTE SONNTAG?" - "JA, TOTENSONNTAG!"


Diesen kurzen Dialog habe ich heute am Montag (jetzt schon gestern) an der "Pilotenbude", wie der kleine Imbiss nur für Taxifahrer am Flughafen Tegel von Insidern genannt wird, mitgehört, und er beschreibt die Situation sowohl auf den Berliner Straßen, als auch in den Berliner Taxen, ganz zutreffend. Apropos tot: Der Rentner, der neulich auf dem Tauentzien mit seinem Geländewagen umgenietet wurde, ist zwar immer noch tot, dafür fährt Marvin, einer der beiden Raser, die ihn umgefahren haben, und der noch bei seiner Mutter wohnt, schon wieder Auto, wenn auch nur als Beifahrer. Trotzdem ist Vorsicht geboten, egal ob Totensonntag oder nicht, denn nach dem Crash ist bekanntlich vor dem Crash, und den erkennt man laut Taxifahrer daran, dass kurz zuvor "zwei Pfeile vorbeiblitzen" - dann ist es aber meistens schon zu spät.

07.02.2016

DAS QUIZ BEI TAXIBERLIN


Graffito auf Werbung / früher Friedrichshain
heute Friedrichshain-Kreuzberg

Nachdem das letzte Quiz erraten wurde, wird es Zeit für ein neues. Das heutige Zitat "korrespondiert" (auch ein schönes Wort) mit meinem letzten Beitrag. Ansonsten bleibt alles wie gehabt: Wer als erster weiß, wer folgendes gesagt hat, dem winkt eine Kurzstrecke.

"Dieser ging wie ein Held auf Wahrheiten aus, und endlich erbeutete er sich eine kleine geputzte Lüge. Seine Ehe nennt er's."

PS: An den- bzw. diejenige, der/die das letzte Quiz richtig gelöst hat: Bitte noch bescheid sagen, wann und wo die Kurzstrecke winken soll.

Foto&Quiz TaxiBerlin

06.02.2016

IRGENDWANN IST IMMER DAS ERSTE MAL


Es war noch nicht mal Eins, als er sie mir bei "Clärchens" ins Taxi setzte, obwohl sie eigentlich noch tanzen wollte. Er hatte sich schon per Pedes auf seinen Weg gemacht, da überlegte sie immer noch, sich von mir nur einmal um den Block fahren zu lassen, um dann weiter zu tanzen, entschied sich aber für die Heimfahrt. Komischerweise überholten wir auf der dann noch einmal ihren Freund, der sie ins Taxi gesetzt hatte und mit dem sie demnächst zusammenziehen will, weswegen sie sich auch für die Heimfahrt entschieden hatte, und den ich auf ihren Wunsch hin kurz "anhupte". Der guckte daraufhin ungläubig, fast so, als hätte er den selben Plan, den sie auch hatte.

Dass ihr Freund im Vorbeifahren ziemlich ungläubig geguckt hat, war nicht nur mir aufgefallen, sondern auch ihr, meinem Fahrgast, einer ausgesprochen attraktiven Potsdamerin mit Wohnsitz in Wilmersdorf, die nun doppelt froh war, dass sie sich für die Heimfahrt entschieden hatte. Gar nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn sie zurück zu "Clärchens" gefahren wäre, um dort ihren Freund, der sie ins Taxi gesetzt hatte, auf der Tanzfläche wiederzutreffen. Dann hätte sich das mit dem Zusammenziehen vielleicht von selbst erledigt.

Was die andere Sache angeht, also den Mann an sich, da konnte ich die junge Frau aus Potsdam, die wie gesagt in Wilmersdorf wohnt, absolut beruhigen. Die meisten Männer, das will Mutter Natur so, brauchen in Sachen Frauen einfach die Abwechslung, ohne dass sie mit der dann gleich zusammenziehen wollen. Das ist, wenn man so will, der Fundamentalunterschied zwischen Mann und Frau. Daran ändert auch das Zusammenwohnen und selbst eine Heirat nichts.

In dem Moment vergaß ich allerdings, und deswegen überhaupt dieser Beitrag, die hübsche Potsdamerin auf Esther Vilars Buch "Heiraten ist unmoralisch" hinzuweisen, das ich neulich mal wieder gelesen habe, und wo das alles erklärt ist. Immerhin brachte ich das Beispiel, dass es nur bestimmte Häuser für Männer gibt und nicht für Frauen, und wo meiner Meinung auch eine gewisse Gleichberechtigung angebracht wäre. Also ich hätte prinzipiell nichts dagegen, mich zur Abwechslung für Sex auch mal bezahlen zu lassen. Hängt natürlich auch von der Frau ab, aber die Frauen müssen ja auch nicht mit jedem Mann.

Wir hatten einen kurzen Zwischenstop bei "Curry 36" eingelegt, als mich die interessierte Potsdamerin fragte, was Frau denn da tun könne. Hm, was sollte ich da nun wieder sagen? Ich versuchte es mit der Wahrheit. Vielleicht hat sie ja Glück, und ihr Angetrauter ist einer der wenigen braven Männer, die nichts machen. Dann besteht nur die Gefahr, dass ihr das irgendwann langweilig wird. Da müsse sie dann nur aufpassen, dass sie sich nicht gleich in den Neuen verliebt, wenn sie eigentlich den Alten behalten möchte, was Frauen viel häufiger passiert als Männern, also das mit dem Verlieben.

Ansonsten kann man nur versuchen, in diesem Punkt ehrlich zu sein und nach Möglichkeit offen darüber zu reden, dass es andere Frauen und natürlich auch Männer gibt, die einem gefallen, und mit denen man sich was vorstellen kann, was der schönen Potsdamerin auch sogleich einleuchtete. Dass man auch etwas zu dritt oder gar zu viert machen kann, einfach damit es nicht im Geheimen stattfinden muss, wie es meistens der Fall ist, davon hatte sie schon einmal gehört, konnte es sich aber für sich nicht vorstellen, was den meisten Menschen so geht, bis sie es tun. Ich konnte mir auch lange Zeit nicht vorstellen, mit attraktiven Frauen bei mir im Taxi solche Gespräche zu führen, hoffe aber trotzdem, dass ich ihr weiterhelfen konnte.

05.02.2016

IM TAXI MIT PRINZ CHARMING


Sie waren, wie man so schön sagt, in ihren besten Jahren, wobei er grob geschätzt doppelt so alt war wie sie. Kaum eingestiegen kuschelte sie sich sogleich an ihn heran und bedankte sich bei ihrem "Prinz Charming", wie sie ihn nannte, für den schönen Abend. Dann geriet, aus welchen Gründen auch immer, ich in den Fokus der überaus fraulichen Frau, die mir, sowas kommt vor, aufs Neue das bestätigte, was Fahrgäste bereits vor ihr herausgefunden hatten, und zwar dass ich nur der Weiber wegen Taxi fahren würde. Sie musste es wissen, denn sie war, was das Frau sein angeht, ein absoluter Profi, das war nicht zu übersehen. Das, also das ich nur wegen den Weibern Taxi fahre, sah ihr "Prinz Charming" ganz genauso, der die 7,90€ für die Fahrt gleich mal auf 20€ aufrundete, um danach das Taxi zusammen mit seiner "Teuersten" Richtung Hotel zu verlassen.

WEIBERFASTNACHT ODER MIT BURKA IM TAXI


Keine Ahnung, ob ich mich verguckt habe oder ob da gestern wirklich eine bzw. einer mit Burka am Steuer eines Berliner Taxis saß. An der Weiberfastnacht kann es nicht gelegen haben, denn die ist in Berlin unbekannt. Ich weiß auch gar nicht, ob Burkas als Faschingskostüm überhaupt erlaubt sind. Wovon ich neulich zumindest gehört habe, ist, dass es kein "Burka-Verbot" für Männer geben soll. Das wäre ja noch schöner!

04.02.2016

"WE ARE ONLY IN IT FOR THE MONEY"


Gestern, Heute und Morgen

"We're Only in It for the Money" heißt eine Scheibe von Frank Zappa, falls den noch jemand kennt, und ehrlich gesagt habe ich lange überlegt, ob das nicht auch der Grund ist, warum ich im Taxi sitze. Letzte Nacht kam es nun zur Lösung des Rätsels, und zwar bei mir im Taxi. Ich erwähnte bereits, dass Wahrheiten oft dort zu finden sind, wo kaum jemand sie vermutet, aber manchmal sieht man den Wald auch einfach vor lauter Bäumen nicht. Auch das ist die Wahrheit.

Um es ganz klar zu sagen: Ich sitze nicht des Geldes wegen im Taxi - das wäre zu billig. Ich fahre Taxi wegen den Frauen - und das stimmt! Dieses Gefühl hatte ich selbst schon eine ganze Weile, aber gestern wurde es mir von kompetenter Stelle bestätigt. Die genaue Wortwahl war aber nicht "Frauen", sondern "Tipsy Girls", so viel Zeit muss sein.

Herausgefunden hat das ein Fahrgast wie gesagt bei mir im Taxi, der alleine deswegen kompetent ist, weil weiblich. Die Fahrt ging übrigens zum "Felix", meinem "Lieblingsclub", und eigentlich sollte ich gleich noch mit zur "Business Party" kommen, und das sogar umsonst. Leider ging das nicht, denn mit Taxi konnte man mich nicht reinlassen und aussteigen wollte ich nicht. Morgen ist aber auch noch ein Tag.

Foto&Text TaxiBerlin

03.02.2016

DIE BESTEN BERLINER TOILETTEN (EINE SERIE)


Das Waschbecken 

Als Taxifahrer kommt man rum in der Stadt. Gut, nicht jeder, aber viele schon. Und wer rumkommt, der kennt sich aus, oder sollte es zumindest. Beispielsweise, wo es was zu essen und zu trinken gibt. Vor allem das Trinken ist wichtig. Ohne Essen kann man ein paar Tage aushalten, aber ohne Trinken wird's schwierig.

Ist das mit dem Essen und Trinken geklärt, mit anderen Worten: für die Grundversorgung gesorgt, kann es nie schaden, wenn man weiß, wo man den Scheiß auch wieder los wird. Früher, das wissen viele heute nicht mehr, war das in Berlin üblicherweise entweder der Bürgersteig oder zur Not auch die Straße.

Diese Zeiten sind lange vorbei. Manchmal macht ein Hund noch den Menschen von früher nach, und selbst das wird dann von seinem Herrchen von heute gleich weggeräumt. Aber dass Menschen das machen, also einfach auf den Bürgersteig pissen oder auf die Straße kacken, das gibt es heute nicht mehr.

Das liegt auch daran, dass es heute viel zu viele Menschen in Berlin gibt. Demnächst sollen es wieder vier Millionen werden, und dabei ist es jetzt schon eng, was aber vor allen an den Touristen liegt. Für die werden zum Glück täglich neue Hotels eröffnet, wo man heutzutage seine Notdurft verrichten kann, auch wenn man gar kein Gast dort ist. Man nennt das die Berliner Willkommenskultur.

Beispielsweise in diesem gestern eröffneten Hotel in der Neuen Mitte (Fotos). Dazu muss man wissen, dass die Toiletten immer etwas versteckt sind. Man will es den Touristen auch nicht zu leicht machen. (Übrigens, das muss aber unter uns bleiben, arbeite ich gerade einer App, die dem Besucher verrät, wo sich in welchem Hotel die Toilette befindet. Kostenlos natürlich, das ist klar.)

Fotos gibt es auch dazu, die kosten dann aber was. Das lohnt sich aber auch. Beispielsweise hier bei dieser Herrentoilette. Da kommt man rein, und es gibt gleich rechts dieses runde Handwaschbecken (Foto oben), was absolut in Ordnung geht. Sicherlich, runde Waschbecken sind erstmal gewöhnungsbedürftig, aber prinzipiell ist nichts gegen sie einzuwenden.

Das Pullerbecken

Im nächsten Raum wird's dann aber schon komisch, denn da gibt es, auch wieder rechts, viereckige Pullerbecken, die auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig sind. Die "Krönung" kommt dann aber linkerhand, dort sind die Boxen zum Kacken, und die dafür vorgesehenen Becken samt Brille zum drauf sitzen sind ebenfalls - viereckig.

Das Kackbecken

Aber was soll's, wir Berliner haben uns schon an so vieles gewöhnen müssen, warum also nicht auch an Klobecken mit vier Ecken. Es gibt wirklich schlimmeres, beispielsweise wenn es kein Papier dazu gibt. Das kann man sich, am besten vorher, von der Rezeption holen.

Fotos&Text TaxiBerlin

02.02.2016

SCHLECHTE NACHRICHTEN FÜR GELÄNDEWAGENFAHRER


Das sind wirklich schlechte Nachrichten für Fahrer von Geländewagen. Man ist in ihnen nicht sicher, das hat die letzte Nacht bewiesen, insbesondere nicht am Ku'Damm und seiner Verlängerung dem Tauentzien. Da kann die Ampel noch so grün sein und die Rennfahrer noch so "polizeibekannt" (auch ein schönes Wort), wenngleich "nur" wegen Betrugs, Nötigung und Diebstahls.

Nun sind die beiden Raser auch "allgemeinbekannt", naja, nicht ganz. Immerhin ihr Alter ist kein Geheimnis: 24 und 26. Das meiste weiß man über ihre Fahrzeuge: ein Audi und ein Mercedes - beide weiß. Der Jeep war übrigens lilafarben und sein Fahrer immerhin schon 69. Ein Taxifahrer soll bei dem Drama eine kleine Nebenrolle gespielt haben. Der Kollege will gesehen haben, wie sich die beiden weißen Fahrzeuge "pfeilschnell" annäherten - immerhin.

01.02.2016

TATORT TAXI ODER JEDER HAT DIE FAHRGÄSTE, DIE ER VERDIENT


"Jeder hat die Fahrgäste, die er verdient" stimmt vielleicht nicht immer, aber auf jeden Fall am Sonntag, was daran liegt, dass da die meisten Fahrten, zumindest bei mir, vom oder zum Flughafen gehen, also nicht diese ewigen Party People, die einem in Berlin sonst im Taxi sitzen und dort vor allem eines tun: Rumnerven.

Nein, meine Fahrgäste sind da ganz anders: gebildet, belesen und nicht auf den Mund gefallen, wie man in Berlin sagt. Gut, manch einem muss man die Dinge auch aus der Nase ziehen, insbesondere wenn es um Themen geht, die bestenfalls wohlgelitten sind. Aber wozu fahre ich nun schon über zwanzig Jahre Taxi?!

Gestern ging es nun in meinem "Tatort Taxi" um Jakob Augstein, der nicht der Sohn vom alten Augstein ist, sondern der von Martin Walser, und dessen Kolumne, in der er schreibt, dass Flüchtlings-Gegner eine "deutsche Sondermoral" ablehnen, gegen die er, also Augstein Junior, wenn ich es richtig verstehe, nichts einzuwenden hat.

Obwohl ich den Begriff "deutsche Sondermoral" gestern zum ersten Mal hörte, erinnerte er mich sogleich an den "deutschen Sonderweg", über den ich zuletzt geschrieben hatte. Mein Fahrgast, das war überhaupt der Punkt, war sich nicht sicher, ob im Umkehrschluss zur Augsteinschen Kolumne gilt, dass jeder, der eine "deutsche Sondermoral" ablehnt, automatisch ein Flüchtlingsgegner ist.

Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht. Was ich weiß, ist, dass ich kein Flüchtlingsgegner bin (mein Vater ist selbst ein Migrant), aber trotzdem einer "deutsche Sondermoral" mehr als kritisch gegenüberstehe. Meiner Meinung nach ist eine solche "deutsche Sondermoral" ein Irrweg und, das macht sie außerdem bedenklich, in gewisser Weise auch ein "deutscher Sonderweg".

Schuld, das sollte spätestens seit Sabine Bodes "Kriegskinder" jedem klar sein, ist immer individuell, und kann deswegen auch immer nur individuell und nie kollektiv abgetragen werden, und die gerade gerne praktizierte "Nächstenliebe" sei oft auch keiner "deutschen Sondermoral" geschuldet, sondern einfach nur der schlechten Liebe zu sich selbst ist. Das meinte zumindest mein Fahrgast.