02.01.2016

RÜCKFALL


Ich hatte bereits über meine Vorsätze fürs neue Jahr geschrieben, mal wieder zum Gottesdienst zu gehen, in der Kirche ein Bild zu erklären, aber vor allem nicht hochmütig zu sein, dabei den wichtigsten Vorsatz aber vergessen, und zwar etwas gegen meine Internetsucht zu tun, die mich regelmäßig zu Aufzeichnungen wie diesen treibt, die du jetzt gerade ließt.

Ich weiß, es ist ein heißes Eisen über seine Abhängigkeiten zu sprechen, die meisten Menschen tun sich zumindest schwer damit, und ich eigentlich auch. Andererseits habe ich vor nicht allzu langer Zeit, genau genommen ist es jetzt etwa vier Jahre her, meine Abhängigkeit vom Taxifahren in den Griff bekommen und auch darüber an dieser Stelle berichtet.

Ich bin zwar kein wirklich trockener Taxifahrer, was früher, zumindest was das Trinken angeht, unvorstellbar gewesen wäre. Das ist heute anders. Auch bei den Trinkern gibt es immer mehr Fälle, wo die Leute nicht völlig mit dem Trinken aufhören, sondern sozusagen kontrolliert weiter trinken, was aber, das soll nicht verschwiegen werden, auch eine Frage der Persönlichkeit ist.

Mit dem Taxifahren sieht es bei mir so aus, dass meine maximale, sowohl von meinem Körper als auch von meinem Geist akzeptierte, Dosis drei Schichten pro Woche sind. Hinzu kommt, dass ich regelmäßig eine Auszeit vom Taxifahren nehme und gelegentlich auch mal krankheitsbedingt aussetze, so dass jeder selbst ausrechnen kann, auf wie viele Schichten ich pro Jahr so komme.

Worauf ich hinaus will, ist auch nur, dass ich, was das Taxifahren angeht, hervorragend "eingestellt" bin, aber eben nicht was meine Internetsucht betrifft. Das ist deswegen fatal, weil meine Erfahrung ist, dass ich jegliche Reduzierung meiner Internetzeiten bzw. meiner Internetpräsenz sogleich anderweitig kompensiere, beispielsweise durch den Verzehr von Süßigkeiten.

Es ist, wenn man so will, ein Teufelskreis, in dem ich mich da befinde, und aus dem ich, das haben Teufelskreise so an sich, irgendwie nicht herausfinde, zumindest nicht aus eigener Kraft. Ob nun ausgerechnet das Internet das Mittel der Wahl ist, vom Internet loszukommen, da kommen mir gerade, wo ich darüber schreibe, immer mehr Zweifel.

Andererseits, und damit möchte ich zum Schluss kommen, ist es ja auch so, dass es mitunter der einzig gangbare Weg ist, den Teufel mit dem Teufel auszutreiben, wobei, und das sage ich als jemand, der sich gerade genau an diesem Punkt befindet, es dann aber oft nicht sofort zu einer Verbesserung des Zustands kommt, sondern erst einmal zu einer so genannten "Verschlimmbesserung".

Text TaxiBerlin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen