04.01.2016

FACEBOOK IST OUT


Facebook soll wirklich Mega-Out sein. Das entnahm ich einem Gespräch meiner Fahrgäste vorletzte Nacht. Ich weiß nicht, ob ich es schon erwähnt habe, aber man kann nicht absichtlich weghören. Das geht nicht. Das ist wissenschaftlich erwiesen. So kommt es, dass ich mir alles anhören muss, was sich meine Fahrgäste zu erzählen haben. Viele von ihnen scheinen das nicht zu wissen. Sonst würde einige bestimmt nicht das erzählen, was sie erzählen.

Gut, ich könnte jetzt Hinweisschilder im Taxi anbringen, das ginge bestimmt. Aber was soll da drauf stehen? "Taxifahrer hört mit!" vielleicht? Nein, das will ich dann doch nicht. Und mein Chef würde das auch nicht wollen, der hat nämlich studiert. Geschichte, glaube ich. Der Zahlencode von dem kleinen Wandsafe im Flur von unserer Firma, wo die ganzen Autoschlüssel drin sind, funktioniert nach einem historischen Code. Da niemand von euch weiß, für welche Firma ich arbeite, kann ich hier den Code verraten.

Der Zahlencode für den kleinen Safe im Flur von unserer Firma mit den ganzen Schlüsseln für die Taxen war letztes Jahr der Siebenjährige Krieg, und davon der Anfang. Dazu muss man wissen, dass mein Chef den Code jedes Jahr ändert. Vorletztes Jahr war der Zahlencode noch die Kaiserkrönung von Otto dem Ersten. Außerdem macht mein Chef noch irgendwas mit Kunst und den Hausverwalter. Ich weiß, es ist viel, aber irgendwie schafft er es.

Gestern habe ich meinem Chef, der sich sehr um seine Fahrer bemüht, von dem erzählt, was sich die beiden Mädels bei mir in seinem Taxi erzählt haben. Einfach so, damit er bescheid weiß. Das komische war, dass er es bereits wusste. Das hat mich dann doch überrascht. Ich meine, gut, mein Chef ist schon ziemlich helle, sonst würde er nicht auf die Idee mit den wechselnden Zahlencodes für die Schlüssel zu seinen Taxen kommen, oder?

Aber dass er nun, wie man so schön sagt, seiner Zeit voraus ist, wer konnte das wissen?! Er wusste nämlich nicht nur, was meine Fahrgäste wussten, sondern hatte sich sogar schon bei Facebook abgemeldet, und das bereits im letzten Jahr. Dass Facebook nicht mehr aktuell sei, ist ein neuer Trend, klärte er mich auf. Dieses Jahr werde sozusagen der Anfang vom Ende von Facebook.

Das ist wie mit der Tulpenkrise in Holland, damals, im Mittelalter, da ist sich mein Chef sicher. Tulpenzwiebeln brachten eine Zeit lang sehr viel Geld ein, und einige wenige sind mit ihnen sehr reich geworden. Über Nacht brach plötzlich der Markt zusammen. Keiner kaufte mehr Tulpenzwiebeln. Und genauso sei das gerade mit Facebook. Das meint zumindest mein Chef, der jetzt auch schon den Zahlencode fürs neue Jahr weiß.

Es ist das Jahr, das als Tulpenmanie, auch Tulpomanie, Tulpenwahn, Tulpenfieber oder Tulpenhysterie in die Geschichte eingegangen ist.

Text TaxiBerlin

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