27.01.2016

EIN SAMARITER IM TAXI


Die meiste Zeit im Taxi (irgendwas zwischen 2/3 und 3/4) fährt man keine Fahrgäste durch die Gegend, sondern steht irgendwo rum, auf Fahrgäste wartend. Zeit, die ich zum Lesen, Schreiben, Nachdenken, Musik hören, Fotografieren und manchmal auch zum Schlafen nutze. (Letzteres geht aber nur am Flughafen, weil man dort seine Ruhe hat, nicht ständig vorrücken muss und notfalls, also wenn es weiter geht, von den Kollegen geweckt wird. Um bei der Wahrheit zu bleiben, ist es eher ein Einnicken als richtiges Schlafen, auch um nicht unnötig Schläfer zum Flughafen zu locken.)

All das ist aber nichts Neues. Wer sich halbwegs auskennt mit dem Taxifahren in Berlin, weiß das oder sollte es wissen. Neu ist, dass ich neben dem Lesen, Schreiben, Nachdenken, Musik hören, Fotos machen und gelegentlichem Einnicken am Flughafen auch viel an andere Menschen denke. Aber nicht an irgendwelche, nein, das sind schon besondere Menschen, an die ich denken muss. Um genau zu sein, sind es Menschen, die mir leid tun, oder ganz genau: Menschen, die mein Mitleid erregen.

Ich weiß, ich stehe mit dieser Eigenschaft ziemlich alleine da. Die meisten Menschen denken ja nur an sich, was an sich auch richtig ist, weil wenn jeder an sich denkt, an alle gedacht ist. Und eigentlich mache ich das natürlich auch, also an mich denken, aber trotzdem bleiben da immer noch genug Zeit, aber vor allem genug Menschen übrig, die mein Mitleid verdienen, das kannst du mir glauben. Nach reiflichen Nachdenken komme ich immer mehr zu dem Schluss, dass ich gar kein Taxifahrer, sondern ein Samariter im Taxi bin.

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