31.01.2016

DER NEUE DEUTSCHE SONDERWEG


Stand früher das wichtigste "zwischen den Zeilen", so geht es heute darum, offizielle Verlautbarungen zu verstehen, und zwar nach Möglichkeit richtig. Wenn Angela Merkel sagt, sie sei gerade "ein wenig enttäuscht" von Europa, so ist das zumindest verwunderlich, denn "enttäuscht sein" ist keine politische Kategorie, sondern eine psychologische und vielleicht noch philologische. Eine Enttäuschung ist nämlich erstmal das Ende einer Täuschung, und enttäuscht ist man, wenn Erwartungen nicht erfüllt wurden.

Was waren nun die Erwartungen unserer Bundeskanzlerin? Auch wenn man genaues nicht weiß, so darf doch vermutet werden, dass sich Angela Merkel das mit den Flüchtlingen etwas anders vorgestellt hat, insbesondere hatte sie wohl gehofft, dass andere europäische Staaten ihr einige abnehmen würden, was sich immer mehr als Illusion herausstellt, und weswegen sie wahrscheinlich seit gestern davon spricht, dass die Mehrheit der Flüchtlinge bitte irgendwann in ihre Heimatländer zurückkehren soll.

Wenn man so will, war das Angela Merkels Plan, der bei ihr immer nur "Wir schaffen das" hieß, und bei dem niemand wusste, was genau geschafft werden soll, und vor allem von wem. Dieser Plan ist nun offensichtlich gescheitert, daran haben selbst Androhung von juristischen Konsequenzen und finanziellen Einbußen gegenüber den anderen europäischen Ländern nichts ändern können, was unter Partnern nun auch nicht gerade die "feine englische Art" ist.

Vielleicht hätte Angela Merkel, anstelle beispielsweise nach Indien zu fliegen (und wo sie noch alles war), aber vor allem vor irgendwelchen Drohungen, einfach mal ihre Partner und deren Länder besuchen sollen, die da wären: Ungarn, Serbien, Mazedonien, Griechenland, Slowenien, Kroatien, Österreich, Polen, Slowakei, Tschechische Republik, Frankreich, Italien und wegen mir auch noch Spanien. Damit hätte sie genug zu tun gehabt, und geschadet hätte es sicherlich auch nicht, sich selbst ein Bild von der Lage zu machen, und mit den Verantwortlichen vor Ort nach Lösungen zu suchen.

Leider ist das nicht passiert und nun ist es, wie es aussieht, zu spät. Ich bin mir nicht sicher, ob es sich dabei nur um ein "Versäumnis" unserer Kanzlerin handelt, oder ob man bereits von einem "Neuen Deutschen Sonderweg" sprechen kann, der möglicherweise bereits mit der "Griechenlandrettung" begann. Auf jeden Fall hat es etwas von Arroganz, die jetzt, nicht ganz zu Unrecht, bestraft wird.

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