08.01.2016

ANGST, SORGE UND ZWEIFEL


Ich weiß nicht, woran es liegt, aber "besorgte Bürger" scheint es nicht zum Unwort des Jahres 2015 zu schaffen, das Mitte des Monats bekanntgegeben wird. Immerhin, eines ist erreicht, "sich Sorgen zu machen" oder auch nur "sich zu sorgen" gilt seit einiger Zeit als uncool, wenn nicht gar als unakzeptabel.

Auch Menschen mit Angst sind im Moment bestenfalls wohlgelitten. Angst, so Angela Merkel, ist ein schlechter Ratgeber, womit sie ohne Frage Recht hat. Sie empfiehlt gegen die Angst, mal wieder einen Gottesdienst zu besuchen, in der Kirche ein Bild zu erklären und vor allem nicht hochmütig zu sein.

Am schlimmsten ergeht es aber derzeit zweifellos dem "Zweifler", der von Claus Kleber vom ZDF, ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender mit Bildungsauftrag, finanziert von Geldern "besorgter Bürger", in einem Atemzug mit Fremdenfeinden und Nationalisten genannt wird, und der auf die Straße bringen würde, was "Hilfsbereitschaft, Empathie und Willkommen in den Schatten stellen."

Um es ganz klar zu sagen: Angst, Sorge und Zweifel sind menschlich. Wer sie klein redet, banalisiert oder gar kriminalisiert, handelt unmenschlich und menschenverachtend. Das ist die Wahrheit. Auch ich habe Angst, Sorge und Zweifel, aber vor allem Zweifel. Ich halte es da mit Karl Marx, der gesagt hat: "An allem ist zu zweifeln", und bin deswegen weder Fremdenfeind noch Nationalist.

Mal wieder zum Gottesdienst zu gehen und in der Kirche ein Bild zu erklären sind absolut ernstgemeinte Tips von Angela Merkel, auch unter dem Aspekt, dass sich keiner darüber beklagen möge, wenn ein Moslem seinen Koran besser kennen würde als unsereiner die Bibel. Also ich habe mich noch nie beklagt, wenn jemand mal ein Buch gelesen hat, ich möchte nur nicht ständig damit belästigt werden, mehr erwarte ich nicht von denen, die mich regieren.

Wie es aussieht, ist aber genau das schon zu viel verlangt. Gut, ein solcher Fall ist nun auch nicht ganz neu. Bereits Bertolt Brecht empfahl seiner Regierung, doch einfach das Volk aufzulösen und ein anders zu wählen, als dieses seinerzeit das Vertrauen der Regierung verscherzt hatte. Überhaupt ist vieles gerade ein Déjà-vu, ich schrieb bereits darüber. Vielleicht sollte noch erwähnt werden, dass die Regierenden damals nicht mehr lange die Regierenden waren.

So weit die Oberfläche. Geht man etwas tiefer, kommt man zu der Frage: Warum werden Angst, Sorge und Zweifel von den Regierenden nicht Ernst genommen, banalisiert und abgewehrt? Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht, habe aber den Eindruck, dass die uns Regierenden wirklich glauben, sie könnten damit durchkommen, und dass keiner ihr menschenverachtendes Tun als solches erkennen würde.

Viele Menschen mögen einfach sein, was nicht automatisch dumm ist, und die meisten verfügen über einen gesunden Menschenverstand, auch wenn einige sich das nicht vorstellen können, und manch einer ihnen diesen sogar neidet, bewusst oder unbewusst, das spielt keine Rolle. Ich weiß aus unzähligen Gesprächen bei mir im Taxi: Menschen spüren, wenn man ihnen nicht die Wahrheit sagt. Die meisten Menschen wissen beispielsweise, dass letztendlich alle Männer potentielle Vergewaltiger sind. Auch das ist die Wahrheit.

Nachdem sich die Kölner Oberbürgermeisterin mit ihrer "Armlänge" neulich kurz selbst in die Schussbahn gebracht hatte, scheint nun wieder die Polizei das Bauernopfer bringen zu müssen. Und sicherlich, es ist ungeheuerlich, dass man bei der Polizei zu glauben scheint, darüber entscheiden zu müssen, was den Menschen zuzumuten ist und was nicht. Ingeborg Bachmann wusste es. Aber auch das ist nicht neu und letztendlich auch wieder nur Oberfläche. Die Fragen müssen lauten: Woher kommt diese Anmaßung bei der Polizei? Kommt sie aus dem Inneren der Polizei selbst, oder wird sie von außen an sie herangetragen, und wenn ja, von wem?

Das wäre interessant herauszufinden, denn es ist nämlich nicht so, wie gelegentlich behauptet wird, dass die meisten Menschen von Hause aus Nazis oder Rassisten sind, auch wenn in jedem von uns ein kleiner Nazi und Rassist steckt, weswegen wohl auch nicht unterschieden wird, sondern uns allen, ohne Ausnahme, eben immer nur so viel erzählt wird, von dem man ausgeht, dass die Masse keinen Kontrollverlust erleidet. Das ist aber eine Projektion, in dem Fall von der Polizei auf die Bürger und nicht umgedreht! Das dumme ist, die Menschen spüren das, und es stört sie, mehr als die Wahrheit sie stören würde. Deswegen sind sie auch misstrauisch, was man ihnen erzählt, selbst und gerade wenn es, wie im Fall Köln, die Polizei ist.

Mir ist egal, woher welcher Täter kommt. Ich habe auch nichts gegen einen Kodex, der verbietet, die Nationalität eines Täters zu nennen, nur muss dieser für alle gelten. Es kann nicht sein, dass ich bereits am nächsten Tag deren Namen kenne, wenn sie Holger oder Peter heißen. Ich sage das als jemand, der weder Peter noch Holger heißt, sondern im Gegenteil einen Namen trägt, der sofort als nicht von hier zu erkennen ist. Wer Holger oder Peter heißt, darf deswegen aber keinen Nachteil haben, selbst wenn er eine Straftat begangen hat.

Auch wenn mein Name nicht von hier ist, und ich selber auch "nur" zur Hälfte von hier bin, so ist es doch auch mein Land, das mir aber, so wie es ist, nicht gefällt. Ich halte es da mit Erich Fried, der frei interpretiert gesagt hat, dass: "Wer will, dass dieses Land so bleibt, wie es ist, der will nicht, dass es bleibt." Ich jedenfalls möchte in keinem Land leben, in dem Angst, Sorge und Zweifel abgetan, banalisiert und lächerlich gemacht werden. Das ist die Wahrheit.

PS: Frau Merkel, verraten sie uns ihren Plan!

Text TaxiBerlin

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