31.01.2016

DER NEUE DEUTSCHE SONDERWEG


Stand früher das wichtigste "zwischen den Zeilen", so geht es heute darum, offizielle Verlautbarungen zu verstehen, und zwar nach Möglichkeit richtig. Wenn Angela Merkel sagt, sie sei gerade "ein wenig enttäuscht" von Europa, so ist das zumindest verwunderlich, denn "enttäuscht sein" ist keine politische Kategorie, sondern eine psychologische und vielleicht noch philologische. Eine Enttäuschung ist nämlich erstmal das Ende einer Täuschung, und enttäuscht ist man, wenn Erwartungen nicht erfüllt wurden.

Was waren nun die Erwartungen unserer Bundeskanzlerin? Auch wenn man genaues nicht weiß, so darf doch vermutet werden, dass sich Angela Merkel das mit den Flüchtlingen etwas anders vorgestellt hat, insbesondere hatte sie wohl gehofft, dass andere europäische Staaten ihr einige abnehmen würden, was sich immer mehr als Illusion herausstellt, und weswegen sie wahrscheinlich seit gestern davon spricht, dass die Mehrheit der Flüchtlinge bitte irgendwann in ihre Heimatländer zurückkehren soll.

Wenn man so will, war das Angela Merkels Plan, der bei ihr immer nur "Wir schaffen das" hieß, und bei dem niemand wusste, was genau geschafft werden soll, und vor allem von wem. Dieser Plan ist nun offensichtlich gescheitert, daran haben selbst Androhung von juristischen Konsequenzen und finanziellen Einbußen gegenüber den anderen europäischen Ländern nichts ändern können, was unter Partnern nun auch nicht gerade die "feine englische Art" ist.

Vielleicht hätte Angela Merkel, anstelle beispielsweise nach Indien zu fliegen (und wo sie noch alles war), aber vor allem vor irgendwelchen Drohungen, einfach mal ihre Partner und deren Länder besuchen sollen, die da wären: Ungarn, Serbien, Mazedonien, Griechenland, Slowenien, Kroatien, Österreich, Polen, Slowakei, Tschechische Republik, Frankreich, Italien und wegen mir auch noch Spanien. Damit hätte sie genug zu tun gehabt, und geschadet hätte es sicherlich auch nicht, sich selbst ein Bild von der Lage zu machen, und mit den Verantwortlichen vor Ort nach Lösungen zu suchen.

Leider ist das nicht passiert und nun ist es, wie es aussieht, zu spät. Ich bin mir nicht sicher, ob es sich dabei nur um ein "Versäumnis" unserer Kanzlerin handelt, oder ob man bereits von einem "Neuen Deutschen Sonderweg" sprechen kann, der möglicherweise bereits mit der "Griechenlandrettung" begann. Auf jeden Fall hat es etwas von Arroganz, die jetzt, nicht ganz zu Unrecht, bestraft wird.

DAS QUIZ BEI TAXIBERLIN


Sowohl das letzte als auch das vorletzte Zitat war von Oscar Wilde. Das heutige Quiz wird wieder etwas schwerer, weswegen ich einen Hinweis gebe: Das Taxigewerbe ist nicht gemeint! Wer als erster weiß, vom wem folgende Frage stammt, dem winkt wie immer eine Kurzstrecke.

"Wann werden die Spekulanten unser Gewerbe wieder verlassen?"

30.01.2016

WENDEZEITEN


Es sind wahrlich Wendezeiten, wo auch das, was ich schreiben werde, wahrscheinlich gar nicht mehr das ist, was ich eigentlich schreiben wollte. Zum Taxifahren komme ich schon lange nicht mehr, was mir aber keine Sorgen macht. Einerseits verpasse ich da draußen nichts, und andererseits sind Wendezeiten dafür bekannt, dass kaum jemand arbeitet. Ich spreche da aus Erfahrung. Party machen - ja, aber auf keinen Fall ackern!

Bisher berichten nur wenige Medien darüber, das wird sich im Laufe des Abends noch ändern, und zwar dass unsere Bundeskanzlerin davon ausgeht, dass die meisten Flüchtlinge, ähnlich denen aus Jugoslawien, wieder in ihre Heimat zurückkehren werden. Damals in den Neunzigern sollen das immerhin 70% gewesen sein. Im Originalton liest sich das so:

"Wir müssen {...} dem Menschen auch sagen, es ist ein temporärer Aufenthaltsstatus. Und wir erwarten, {...} dass ihr auch wieder mit dem Wissen, das ihr Euch erworben habt, in eure Heimat zurückkehrt."

"Nationale Kraftanstrengung", "Demographischer Wandel", "Fachkräftemangel", bis hin zu "billigen Arbeitskräften", der ein oder andere erinnert sich - alles Schnee von gestern! Was aus den "Sprachkursen", der "Integration" und dem "Wohnungsbau" wird, ist noch unbekannt, und auch, was mit den Fehlern ist, die man seinerzeit bei den "Gastarbeitern" gemacht hatte, und aus denen man lernen wollte ...

"SIND DIE DEUTSCHEN VERRÜCKT?"


"Sind die Deutschen verrückt?" ist der Titel der aktuellen ZEIT, unter dem Angela Merkel mit einer Schwarz, Rot, Goldenen Fahne in der Hand auf einen Abgrund zuläuft. Ich kenne weder die Antwort auf die Frage, noch weiß ich, ob das Bild mit der Kanzlerin und dem Abgrund in Ordnung geht. Immerhin erinnerte sich mein Fahrgast, der mir am Flughafen Tegel mit genannter Zeitung aus Köln/Bonn kommend ins Taxi stieg, dass da mal was mit einer solchen Fahne war, und zwar auch in der ZEIT, allerdings schon in der vom 27. Dezember 2013. Da hat ein mir unbekannter Herr Gröhe eine ebensolche Fahne in der Hand, woraufhin die Frau Merkel zu ihm eilt, ihm diese aus der Hand nimmt und in ein anwesendes Publikum reicht. Der mir unbekannte Herr Gröhe soll deswegen damals ganz schön verdutzt gewesen sein, einerseits weil es eine harte und unfreundliche Geste in einer ausgelassenen Situation war, und andererseits weil die Frau Merkel ihn, also den mir unbekannten Herrn Gröhe, danach noch ziemlich BÖSE angeschaut hat. Was Fahrgäste so alles wissen ...

29.01.2016

FAHRGÄSTE FRAGEN - TAXIBERLIN ANTWORTET


Meiner neuen Serie "Fahrgäste fragen - TaxiBerlin antwortet" liegen in der Regel etwas längere Fahrten zugrunde (mitunter aber auch nur eine Kurzstrecke), bei denen die kleinen und manchmal auch die großen Probleme des Lebens bei mir im Taxi besprochen worden, und entweder der Fahrgast mir, meist aber ich dem Fahrgast, was auch damit zusammenhängt, aber nicht nur, dass ich stets nüchtern bin, der Fahrgast aber oft nicht, etwas mit auf den Weg geben konnte.

Frage: Muss man eine Freundschaft beenden, die keine ist?

Antwort: Nein. Man kann nichts beenden, was nicht da ist.

27.01.2016

UMVERTEILUNG JETZT! - WIR SIND SCHON ZWEI


To-do-Liste für Samstag

"Du brauchst keinen Wettermann, um zu wissen, woher der Wind weht" übertragen auf unsere Zeit, heißt, dass du keine Studie brauchst, um zu wissen, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Und deswegen ist die Party am Samstag abgesagt. Es gibt wahrlich wichtigeres zu tun als Party zu machen. Eine Zeitenwende steht an - diesmal allerdings eine richtige!

"Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen" ist gut an-, aber eben nicht zu Ende gedacht, denn richtig muss der Satz lauten: "Die Geschichte der menschlichen Gesellschaft ist die Geschichte von Umverteilungen", was von mir ist.

Die Geschichte sagt auch, dass die Dinge sich in der Regel nicht von alleine umverteilen. Selbst das so genannte "Bedingungslose Grundeinkommen" ist, auch wenn viele das denken, nicht die Lösung, und das nicht nur, weil alle es bekommen, egal ob arm oder reich.

Wesentlich effektiver ist da ein "Lastenausgleich", wie es ihn 1952 in Westdeutschland gegeben hat, wo sämtliche erheblichen Vermögen, insbesondere Immobilien, mit einer Abgabe von 50% belegt wurden, die auf bis zu 30 Jahre verteilt in den von der Regierung Adenauer (CDU) geschaffenen Ausgleichsfond eingezahlt werden musste.

Darüber und über vieles andere haben der Kollege TaxiMetrow und ich heute mittag heiß diskutiert, und zwar bei mir in der Küche, wo sich der Kollege vom Balkan auch als Vorsitzender der neuen Partei mit dem Arbeitstitel "Umverteilung Jetzt!", die an diesem Samstag um 12 Uhr gegründet werden soll, ins Spiel gebracht hat, was mir mehr als nur Recht ist, auch weil ich lieber die Strippen im Hintergrund ziehe.

Wie gesagt, im Moment sind Kollege TaxiMetrow und ich nur zu zweit in der sich am Samstag in Berlin gründenden Partei, die aber das Potential zu einer landesweiten Bewegung hat, das dürfte jedem klar sein, der auch nur bis drei zählen kann. Apropos, du kannst natürlich auch mitmachen. Du brauchst nur zu wissen, wohin mit dem ganzen Geld, das in den neuen Ausgleichsfond fließen wird. Zwischen 1952 und 1982 waren es alleine im Westen 115 Milliarden DM, was knapp 60 Milliarden € sind, nur damit du schon mal eine "Hausnummer" hast.

Foto&Text TaxiBerlin

EIN SAMARITER IM TAXI


Die meiste Zeit im Taxi (irgendwas zwischen 2/3 und 3/4) fährt man keine Fahrgäste durch die Gegend, sondern steht irgendwo rum, auf Fahrgäste wartend. Zeit, die ich zum Lesen, Schreiben, Nachdenken, Musik hören, Fotografieren und manchmal auch zum Schlafen nutze. (Letzteres geht aber nur am Flughafen, weil man dort seine Ruhe hat, nicht ständig vorrücken muss und notfalls, also wenn es weiter geht, von den Kollegen geweckt wird. Um bei der Wahrheit zu bleiben, ist es eher ein Einnicken als richtiges Schlafen, auch um nicht unnötig Schläfer zum Flughafen zu locken.)

All das ist aber nichts Neues. Wer sich halbwegs auskennt mit dem Taxifahren in Berlin, weiß das oder sollte es wissen. Neu ist, dass ich neben dem Lesen, Schreiben, Nachdenken, Musik hören, Fotos machen und gelegentlichem Einnicken am Flughafen auch viel an andere Menschen denke. Aber nicht an irgendwelche, nein, das sind schon besondere Menschen, an die ich denken muss. Um genau zu sein, sind es Menschen, die mir leid tun, oder ganz genau: Menschen, die mein Mitleid erregen.

Ich weiß, ich stehe mit dieser Eigenschaft ziemlich alleine da. Die meisten Menschen denken ja nur an sich, was an sich auch richtig ist, weil wenn jeder an sich denkt, an alle gedacht ist. Und eigentlich mache ich das natürlich auch, also an mich denken, aber trotzdem bleiben da immer noch genug Zeit, aber vor allem genug Menschen übrig, die mein Mitleid verdienen, das kannst du mir glauben. Nach reiflichen Nachdenken komme ich immer mehr zu dem Schluss, dass ich gar kein Taxifahrer, sondern ein Samariter im Taxi bin.

26.01.2016

JEDEN TAG EINE NEUE WAHRHEIT (EINE SERIE)


Die Wahrheit des gestrigen Tages war die einer Frau in den besten Jahren, wie man so schön sagt, bei mir im Taxi, und zwar dass in eine Ein-Liter-Flasche eben nur ein Liter reingeht.

KURZSTRECKE ZUM SOHO HOUSE? - ZU TEUER!


(Die Fahrt fiel leider aus ...)

24.01.2016

ZICKENALARM IM TAXI


Letzte Nacht war es mal wieder so weit: Extremster Zickenalarm bei mir im Taxi. Dabei waren die beiden nur zu zweit, was für einen Zickenalarm aber mehr als genug ist. Ich weiß gar nicht mehr, worum es ging. Mit Sicherheit war es irgendeine Banalität. Um mehr geht es ja heute kaum noch. Mich würde das auch nicht stören, wenn es nicht wissenschaftlich erwiesen wäre, dass man nicht absichtlich weghören kann. Das ist so, auch wenn viele das nicht wissen. Es war also Notwehr, dass ich irgendwann "Jetzt einfach mal Klappe halten!" dazwischen brüllte. Das war gar nicht so einfach, da den richtigen Moment zu finden, das kannst du mir glauben. Genau genommen habe ich was anderes gebrüllt, und zwar "Schnatt ab!", was heute aber kaum noch jemand versteht, weil keiner mehr "Schnatterinchen" kennt, so auch die beiden Zicken bei mir im Taxi. Dabei gibt es "Schnatterinchen" auch heute noch - "Kannste glooben!", und zwar im Fanartikelladen von ARD (öffentlich/rechtlich - also auch von deinem Geld!) am Reichstagufer. Und obwohl die beiden Tanten weder "Schnatterinchen" noch "Schnatt ab" kannten, hat das Brüllen gewirkt. Im Prinzip ist es auch egal, was man brüllt - Hauptsache laut!

PS: Überlege mir "Schnatterinchen" für mein Taxi zu kaufen. Kann mich nur nicht entscheiden ob einmal das große Modell für 14,99€ (statt 15,95€!) oder besser zwei kleine für je 6,99€ (statt 7,95!).

Text TaxiBerlin

23.01.2016

IM TAXI MIT TAXIBERLIN


Bei den meisten Themen waren wir einer Meinung, der junggebliebene Endvierziger, der mir am Alex einstieg und nach Tegel zum Flughafen wollte, und ich, beispielsweise die enttäuschende allgemeine Verflachung sämtlicher Medien (Bücher inclusive) und auch der Musik in den letzten Jahren. Einiges habe ich von ihm gelernt, unter anderem dass besagte Verflachung leider auch unsere Gefühle betrifft. Zum Schluss konnte ich ihm dann noch mit auf seinen Weg nach München geben, dass eine Enttäuschung aber auch immer das Ende einer Täuschung sei. Mehr kann man von einer Taxifahrt nicht verlangen. Na gut, vielleicht noch so viel, dass man am Ende nicht nur den Flughafen findet, sondern sich dort auch zurecht findet, was aber eigentlich - Verflachung hin oder her - selbstverständlich sein sollte.

DAS QUIZ BEI TAXIBERLIN (EIN NACHTRAG)


Rein zufällig habe ich in einem "Unabhängigen Gesellschaftsmagazin" mit dem schönen Titel JE SUIS DUMMY ein weiteres Zitat desselben Autors gefunden, nach dem ich bei meinem letzten Quiz gefragt habe, was vielleicht dem ein oder anderen hilft, auf seinen Namen zu kommen, denn immerhin winkt eine Kurzstrecke.

"Wenn du Leuten die Wahrheit sagen willst, bring sie zum Lachen, sonst bringen sie dich um."

Quiz  TaxiBerlin

22.01.2016

DIE LETZTEN TAGE VON ANGELA MERKEL


Prognosen sind schwierig, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen. Trotzdem war sich mein Fahrgast aus dem Freistaat sicher, dass die Tage von Angela Merkel gezählt wären. Aber nicht deswegen, weil sie keinen Plan hätte, denn einen Plan hätten Politiker in der Regel nie, außer vielleicht den, im Amt zu bleiben, sondern weil sie diesmal die einhundertachtzig Grad Kehrtwende, für die sie und ihre Politik bekannt sind, nun nicht mehr hinbekommen würde. Das würde ihr keiner mehr abnehmen, nicht nur in Bayern nicht. Und das sei wirklich Schade, hier musste ich meinem Fahrgast zustimmen, weil sich das auch mit meiner Lebenserfahrung deckt, denn was nach Angela Merkel kommt, wird auf keinen Fall besser sein.

Text TaxiBerlin

21.01.2016

VON EINEM, DER ZURÜCK RUDERT


Die Rede ist von Claus Kleber, der neulich noch Zweifler in einem Atemzug mit Fremdenfeinden und Nationalisten nannte. Das war offensichtlich ein Fehler, für den sich der Moderator bereits vorgestern entschuldigt hat. Ein normaler Vorgang in Wendezeiten, die diesmal Zeitenwende heißt. Schließlich will Claus Kleber auch morgen noch Moderator beim ZDF sein. Auch deswegen ist es immer besser, gleich noch zuzugeben, dass er, also Claus Kleber, selbst auch ein Zweifler sei. Fehlt eigentlich nur noch, dass er dazu sagt, dass er es schon immer gewusst habe ...

PS: Ihre Anzahl in Zentral- und Nordeuropa ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Das könnte sich demnächst ändern.

Text TaxiBerlin

DAS QUIZ BEI TAXIBERLIN


Das letzte Quiz war so leicht, das kannte sogar Google, ist also gar nicht so "Abseits", wie vom Autor angenommen. Das heutige Zitat ist im Gegensatz dazu vergleichsweise schwer, weswegen ich zwei Hinweise gebe. Im Original ist es nicht auf Deutsch, und der, der es gesagt hat, war schwul bzw. homosexuell. (Seitdem ich erfahren habe, dass selbst Fritz J. Raddatz der Unterschied nicht klar war, schreibe ich immer besser beides.) Ansonsten bleibt alles beim Alten. Wer zuerst weiß, vom wem folgendes Zitat ist, dem winkt wie gehabt eine Kurzstrecke.

"Die Geschichte der Frau ist die Geschichte der schlimmsten Tyrannei, die die Welt je gekannt hat. Der Tyrannei der Schwachen über die Starken. Der einzigen Tyrannei, die alles überdauert."

Quiz TaxiBerlin

20.01.2016

WIDERSPRÜCHLICHES


Piloten, die Nachts nicht fliegen können, weil sie von der Beleuchtung im Cockpit ihres Flugzeugs geblendet werden. In die Jahre gekommene (Ex?-) Terroristen, die Geldtransporter überfallen und dabei leer "ausgehen". Ein Taxifahrer, dessen Bank nun auch einen Automaten hat, in den er Geld einzahlen kann, das er aber nicht hat. Ein Taxi, in dem neuerdings eine Leselampe (Foto folgt) leuchtet, die man beim Fahren besser ausschaltet, insbesondere Nachts.

Text TaxiBerlin

16.01.2016

IM TAXI MIT ADOLF HITLER


Das Deutsche Urheberrecht besagt, dass nach einer Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Autor die Rechte an seinem Werk frei sind. Im Falle von Hitlers "Mein Kampf" wäre das ziemlich genau jetzt, wenn das Gesetz Anwendung finden würde, was es aber nicht tut, weil das bayrische Finanzministerium etwas dagegen hat. Dieses vertritt die Auffassung, dass ein Nachdruck auch nach Erlöschen des Urheberrechts als Verbreitung verfassungsfeindlicher Propaganda sowie als Volksverhetzung strafbar sei, was zumindest verwunderlich ist, denn der Besitz, Kauf und Verkauf antiquarischer Exemplare des Buches sind nicht strafbar, mit der Begründung, dass das Buch älter als die Bundesrepublik Deutschland ist, und sich somit nicht gegen ihre Verfassungs- und Rechtsordnung richten kann.

Ich bin kein Jurist sondern Taxifahrer, und als solcher finde ich es merkwürdig, dass mir die Lektüre eines Buches, sagen wir mal, zumindest erschwert wird, denn verboten, wie viele denken, ist Hitlers "Mein Kampf" ja nicht, aber die Rechtslage dazu, wie oben beschrieben, zumindest unübersichtlich. Was mich daran an erster Stelle stört, ist die Bevormundung durch den Deutschen Staat, der offensichtlich der Meinung ist, entscheiden zu müssen, welche Bücher seine Bürger besser nicht lesen, was wiederum gut in unsere Zeit passt, wo oft und gerne über Bücher diskutiert wird, die kaum jemand gelesen hat. Doch zurück zur Bevormundung, die, schaut man sie sich etwas genauer an, auch Ausdruck eines Misstrauens des Staates gegenüber seinen Bürgern ist, möglicherweise, und das wäre nun wirklich fatal, vor allen Dingen deren Denkvermögen gegenüber.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, sich einer Quelle so weit es geht zu nähern, was bei Hitlers "Mein Kampf" wie beschrieben etwas schwierig aber nicht unmöglich ist. Was die Person Adolf Hitler angeht, die mit seinem Buch verbunden ist, sieht es etwas besser aus, aber auch nicht wirklich, sieht man sich "Er ist wieder da" an. Wer sich wirklich mit der Person Hitler beschäftigen möchte, dem empfehle ich "Anmerkungen zu Hitler" von Sebastian Haffner. Aber wem sage ich das, heute wissen ja alle über Hitler bescheid, beispielsweise auch der Polizist, der sich genau dieses Buch von Haffner, das bei mir im Taxi hinter der Windschutzscheibe lag, mindestens zehn Minuten ansehen musste, um ganz sicher zu sein, dass es auch wirklich kein verbotenes Buch ist, bevor er seinen eigentlichen Job fortsetzen konnte, nämlich Knöllchen schreiben.

Haffners Buch "Anmerkungen zu Hitler erschien erstmals 1978, wurde danach viele Male neu herausgegeben und hat folgende sieben Kapitel die Person Adolf Hitler betreffend: Leben, Leistungen, Erfolge, Irrtümer, Fehler, Verbrechen und Verrat. Beginnen wir, wie so oft im Leben, auch hier von hinten, und zwar mit dem Verrat, weil es, das ist meine Erfahrung, der Teil der Geschichte ist, der am wenigsten bekannt ist. Haffner sagt, und da hat ihm bisher niemand widersprochen, dass es Hitler spätestens ab Herbst 1944 nicht, wie viele denken, um einen "heroischen Endkampf" ging. Nein, Hitler ging es damals um etwas ganz anderes, und das formulierte er so:

"Ich bin auch hier eiskalt. Wenn das deutsche Volk einmal nicht mehr stark und opferbereit genug ist, sein Blut für seine Existenz einzusetzen, so soll es vergehen und von einer anderen, stärkeren Macht vernichtet werden. Ich werde dem deutschen Volk keine Träne nachweinen."

Das mit dem "keine Träne nachweinen" wiederholte sich 1989 noch einmal, und der, der das damals gesagt hat, ist heute auch nicht mehr, aber das ist eine andere Geschichte. Zurück zu Hitler, dessen letztes Ziel, so Haffner, die Vernichtung Deutschlands war, das er aber nicht ganz erreichen konnte. Erreicht hat er damit, so Haffner weiter, dass Deutschland sich am Ende von ihm lossagte. Nur, und das ist nach Haffner nicht gut, wissen das viele heute nicht mehr. Es gibt sogar einige, auch heute noch, die das, was Hitler am Ende seines Lebens plante, gut finden. Bewusst oder unbewusst, Geheim oder Insgeheim, spielt dabei keine Rolle. Nur, so Haffners Resümee, erfüllen sie damit Hitlers letzten Willen, und das ist ... Schade.

PS: Fällt mir gerade noch ein. Der mehrbändige Romanzyklus des norwegischen Bestsellerautors Karl Ove Knausgard heißt im Original "Min Kamp", was auf Deutsch ebenfalls "Mein Kampf" heißt.

Text TaxiBerlin

15.01.2016

TAXI GOURMET IS COMING HOME


Für sein eigenes Buch Werbung zu machen, ist mehr als peinlich und gehört eigentlich verboten. Mit dem Buch einer anderen Person verhält es sich anders, hoffe ich zumindest. Wie es ist, wenn die andere Person die Partnerin ist, muss jeder für sich entscheiden, möglicherweise indem er einfach das Buch liest, und zwar "Taxi Gourmet" von Layne Mosler. Es erscheint am 1. April 2016 (kein Aprilscherz!) auf Deutsch. Auf Englisch ist es bereits letztes Jahr erschienen, weswegen Layne neulich der BBC in London ein Interview gab, in dem sie erzählt, wie es dazu kam, dass sie sich in Berlin zu Hause fühlt, ob sie hier Taxi fahren wird, und welche Rolle "Tote Oma" dabei spielt. Um das Interview an der richtigen Stelle zu starten, drückst du einfach auf das Foto mit dem farbigen Mann.

PS: Hier gibt's das Interview noch einmal mit gelbem Taxi, allerdings ohne die typisch und klassisch Englische Introduction von der BBC.

Text TaxiBerlin

14.01.2016

"DIE HARTE ANTWORT DES RECHTSSTAATES"


Graffito / Baustellenzaun / Weserstraße
früher Friedrichshain / heute Friedrichshain-Kreuzberg

"Die harte Antwort des Rechtsstaates" - Wer hat sie gleich noch mal gefordert? Es fällt mir gerade nicht ein, ist aber auch egal, weil die Antwort bereits kam, und zwar gestern Abend, bei mir im Kiez, gleich um die Ecke, in der Rigaer Straße, hier im Friedrichshain. Mit den Antworten, das muss dazu gesagt werden, verhält es sich ähnlich wie mit den Wahrheiten. Man findet sie, ich schrieb darüber, allzu oft dort, wo man sie nie vermuten würde. Gleich 500 Polizisten wurden am gestrigen Abend aufgeboten, nachdem am Nachmittag ein Knöllchen schreibender "Kontaktbereichsbeamter" von "Autonomen" aufgefordert worden war, aus "ihrem Gebiet" zu verschwinden, woraufhin dieser sich die Ausweise zeigen lassen wollte. Daraufhin schlugen und traten die vier Männer, die auch noch vermummt gewesen sein sollen, auf den Polizisten, der keine Schutzkleidung trug, ein, und verletzten ihn leicht, so dass er seinen Dienst fortsetzen konnte, das Ganze wie gesagt in Friedrichshain.

In Neukölln ist man da schon weiter. Der ehemalige Bürgermeister schreibt in seinem Buch "Neukölln ist überall", dass er es zu einem gewissen Grad sogar verstehen kann, wenn ein Funkstreifenwagen an Verkehrsordnungswidrigkeiten vorbeifährt, als hätte er nichts gesehen, denn man kann nicht jedes Mal eine Straßenschlacht beginnen, wenn drei Autos falsch geparkt sind. Gewalt gegenüber Polizisten, das wissen viele nicht, gehört leider in Berlin zum Alltag, wenn auch nicht überall. Polizeihauptkommissar Karlheinz Gaertner meint dazu: "Für uns Polizeibeamte ist es inzwischen völlig normal, beleidigt zu werden. Aus Sicht unseres Klientel darf man das auch, denn Deutsche haben keine Ehre. Ungefähr 70% meiner Kollegen haben Gewalt gegen sich erlebt." Der Polizeihauptkommissar, der in Neukölln Dienst tut, sagt weiterhin, dass er bei einem beruflichen Neustart dort weder als Lehrer noch als Polizist arbeiten wolle.

Mich als Taxifahrer, da bin ich ganz ehrlich, stören falsch geparkte Fahrzeuge Null. Mich nerven nur in zweiter Reihe abgestellte. Dass sich darum in Zukunft jemand kümmern würde, glaube ich auch nach der gestrigen Nacht nicht. Aber man weiß es eben nicht, immerhin war auch schon, ich schrieb bereits darüber, von einer Zeitenwende die Rede, die, auch hier scheint es eine Parallele zur Wahrheit zu geben, manchmal dort beginnt, wo niemand mit ihr gerechnet hat.

Foto&Text TaxiBerlin

13.01.2016

WARUM RAINER BRÜDERLE WAHRSCHEINLICH DIE GANG BANG SILVESTER PARTY VERPASST HAT UND WAS TAXIMETROW DAZU SAGT ...


Weil TaxiMetrow, der Fahrgastzähler vom Balkan, der es irgendwann noch bis zum Fahrgastbeförderer schaffen will, das Ganze in Berlin, gerade wenig zu tun hat, kann er sich mehr mit anderen Dingen beschäftigen, was grundsätzlich gut zu heißen ist, betreffen sie doch seine neue Heimat, oder was TaxiMetrow dafür hält. Das mit der "Gang Bang Party" ist übrigens nicht von TaxiMetrow, sondern von Alice Schwarzer, bei der es ganz genau "Gang Bang Party rund um den Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht" heißt, so viel Zeit muss sein. In Berlin gab es so etwas früher auch einmal, lange ist es her, und es hieß hier auch anders, nämlich "umsonst & draußen".

Was Alice Schwarzer angeht, so ist sich TaxiMetrow sicher, dass er bei der Person immer und auch von sich aus auf die empfohlene Armlänge Distanz achten würde, was aber nicht bedeutet, dass er nicht auch mal was, was die Dame so schreibt, näher an sich heran lässt. Das mag uns widersprüchlich erscheinen, ist es aber keineswegs. Dazu muss man wissen, dass TaxiMetrow wegen seiner Herkunft vom Balkan nicht automatisch ein Macho oder Patriarch ist, der was gegen Feministinnen oder Schwule hat. Immerhin haben TaxiMetrows Landsleute neulich erst den selbsternannten "Super-Gay" Aziz auf Platz 21 der Größten aller Zeiten gewählt. Warum sollte er da keine Artikel der selbsternannten "Super-Emanze" Schwarzer lesen ...

Doch zurück zur Frage (Titel) und zu Rainer Brüderle, von dem auch TaxiMetrow spätestens seit dem 24. Januar 2013 weiß, und zwar deswegen, weil es in der Zeitung stand, aber auch, weil noch am selben Tag ein Aufschrei durchs Land ging, den TaxiMetrow bis heute nicht wirklich verstanden hat, das muss der Ehrlichkeit halber gesagt sein, denn es ist die Wahrheit, weswegen TaxiMetrow sich jetzt fragt, warum nun ausgerechnet Rainer Brüderle, der sein Interesse an knackigen Frauenkörpern bereits vor knapp drei Jahren, also rechtzeitig, öffentlich gemacht hatte, die "Gang Bang Party rund um den Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht" verpasst hat.

Erster möglicher und auch wahrscheinlicher Grund ist, da ist sich TaxiMetrow sicher, dass der Rainer nichts von der Party wusste. Weiterhin wahrscheinlich ist, dass es dem feinen Rainer zu kalt war, außerdem noch draußen, wo er doch lieber an der Hotelbar rumhängt. Mit Sicherheit spielt auch der Umstand eine Rolle, dass Übergriffe in der Regel im persönlichen Umfeld, beispielsweise von Politiker auf Journalistin oder auch umgedreht, stattfinden, was hier aber nicht gegeben war. Sehr wahrscheinlich ist auch, dass der Rainer auf den Karneval, wenn nicht gar auf das Oktoberfest wartet, bis er das nächste Mal zuschlägt, nicht zuletzt der Dirndl wegen.

Da, wo TaxiMetrow herkommt, werden das Alter und auch die Alten, wozu Rainer Brüderle ohne Frage gehört, ja noch geschätzt und auch geachtet, weshalb es TaxiMetrow schwer fällt, darüber zu sprechen, und doch muss es auch sein. Eine Brille hatte der Rainer ja schon damals, also vor drei Jahren, getragen, und möglicherweise braucht er nun auch noch ein Hörgerät, wer weiß. Was auf jeden Fall helfen würde, und hier sind TaxiMetrow und ich uns ausnahmsweise mal einig, dass wäre ein Aufschrei, der auch mal an die ältere Generation denkt, ihr den Respekt zollt, den sie verdient hat, und deswegen einfach früher kommt, am Besten, bevor irgendetwas passiert ist.

Text TaxiBerlin

12.01.2016

#ausnahmslos & WAS TAXIMETROW DAZU SAGT


"Es hätte alles viel schlimmer kommen können" sagt TaxiMetrow, der Fahrgastzähler vom Balkan (der seit einiger Zeit in Berlin seine Fahrgäste zählt und es noch bis zum Fahrgastbeförderer bringen will) - eine Lebensweisheit, die auch in unseren Breiten immer mehr an Bedeutung gewinnt, glaubt man TaxiMetrow, der gelesen haben will, dass es einen ähnlichen Fall, wie den in der Silvesternacht in Köln, bereits im Sommer 2014 in Schweden gab, und zwar beim Festival "We Are Stockholm", Europas größtes Jugendfestival, der von der dortigen, im Gegensatz zur Kölner, Polizei aber erfolgreich vertuscht werden konnte, und was der Schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven jetzt als "Doppelten Verrat" an den Frauen verurteilt hat. Gelesen haben will TaxiMetrow das, der gerade nur wenige Fahrgäste zu zählen hat, übrigens im Englischen Guardian, bis gestern noch eine eher linke Gazette, wobei keiner weiß, wie es morgen aussieht, meint zumindest TaxiMetrow, und fügt hinzu, dass sich der aktuelle Aufschrei, der sich diesmal "#ausnahmslos" nennt, mit nur zehn Tagen Verspätung, verglichen mit Schwedischen Verhältnissen, dagegen absolut "zeitnah" ausnimmt.

Meinung TaxiMetrow
Text TaxiBerlin

WAHRLICH KEIN SCHWULES BUCH


Auf dieses Weihnachtsgeschenk hatte ich mich ganz besonders gefreut, und ich wurde nicht enttäuscht, genau das Gegenteil ist der Fall, was wohl auch daran liegt, dass es eben "Kein schwules Buch" ist, wobei erstmal zu klären gewesen wäre, was das denn sein soll: "Ein schwules Buch". Weil es das aber nicht ist, muss es auch nicht geklärt werden, zum Glück, denn sonst hätte ich ziemlich alt ausgesehen. Ein wenig schwul geschrieben ist es aber schon, mit einigem Proseco und all dem "ach" und "hast du nicht gesehen", was man dem Autor aber nicht nur nachsehen kann, sondern sogar muss, denn er hatte in seinem Leben, wie er schreibt, mehr Männer als Frauen gehabt, obwohl ihm selbst, wie er ebenfalls schreibt, der Unterschied zwischen schwul und homosexuell auch nicht klar war. Die Rede ist von Fritz J. Raddatz, der nicht nur Berliner ist, sondern von sich selber behauptet, auch ein Intellektueller und Zweifler zu sein, und aus dessen "Tagebücher" ich den 27. September 2006 zitiere, vielleicht kommt ja noch jemand auf den Geschmack.

Fritz J. Raddatz beklagt sich dort darüber, dass Autoren wie Grass und Walser (Martin und nicht Robert!), wenn die noch jemand kennt, selbst ihr Rückgrat, auf das sie immer so stolz waren, vergessen oder zumindest verleugnen, nur um in aller Munde zu sein, was Fritz J. Raddatz nie und nimmer getan hätte, woraufhin sein Lebenspartner Gerd (nicht Schröder!) zu seinem Fritzchen sagt: "Darum bist du so unbeliebt", was Fritz J. Raddatz mit den Worten zusammenfasst: "Man ist also beliebt, wenn man sein Rückgrat krümmt. Wird wohl gar stimmen."

Wahrlich, lieber Fritz J. Raddatz (RIP): Kein schwules Buch!

Zitat Fritz J. Raddatz
Text TaxiBerlin

11.01.2016

ZUM TODE VON DAVID BOWIE


Auch ich war einmal ein Fan von David Bowie, der eine Zeit lang zusammen mit Iggy Pop in damals noch West-Berlin gelebt hat. Als er am 7. Juni 1987 vor dem Berliner Reichstag auftrat, traf ich mich mit Freunden, das Radio, dass das Konzert live übertrug, lief dabei im Hintergrund. Man soll nichts schlechtes über Tote sagen. Wie sie Dinge besser oder anders hätten machen können, ist aber erlaubt.

Letzte Woche, ich saß mal wieder beim Arzt, genau genommen bei meiner HNO-Ärztin, die wie gesagt ein Fan von mir ist, um mir von ihr den Rachen auspinseln zu lassen, da las ich im damals aktuellen "Spiegel" (Printausgabe), dass David Bowie einen seiner neuen Songs, der über zehn Minuten lang ist, um dreißig Sekunden oder so gekürzt hat, damit er im Internet gestreamt und verkauft werden kann.

Ich musste sogleich an Bob Dylan denken, der "Like A Rolling Stone" auch kürzen sollte, damit es auf eine Seite einer Single passt, was diese kleinen Schallplatten sind, die es damals gab, was der Meister aber ablehnte, und weswegen der Song auf beide Seiten der Single verteilt wurde, man als Hörer also, wollte man das Lied komplett hören, zwischendurch aufstehen und die Platte umdrehen musste. Das war im Jahre 1965, also vor mehr als fünfzig Jahre, das Lied ist bis heute immer genau sechs Minuten und dreizehn Sekunden lang.

PS: Komme gerade vom Rachenauspinseln, diesmal nicht durch die HNO-Ärztin, die ein Fan von mir ist, sondern von ihrer Tochter, die ebenfalls HNO-Ärztin ist und gerade dabei ist, die Praxis samt Patienten zu übernehmen, und von der ich meinerseits ein Fan bin. Obwohl ich immer, egal ob Mutter oder Tochter, sofort dran komme, hatte ich genug Zeit, kurz einen Blick in den "Spiegel" von letzter Woche zu werfen. Es war der Song "Blackstar", der eigentlich über elf Minuten lang ist, den Bowie auf neun Minuten und siebenundfünfzig Sekunden kürzte, weil iTunes keine Singles über zehn Minuten akzeptiert. Ich kenne den Song von Bowie ehrlich gesagt nicht, aber mit Sicherheit ist der Vergleich mit Dylans "Like A Rolling Stone" mehr als nur abwegig, weswegen das Kürzen absolut in Ordnung geht.

Dear David Bowie, Thank You For The Music & Rest In Peace!

Text TaxiBerlin

IM TAXI MIT "EL CHAPO"



Sean Penn & "El Chapo"

"El Chapo" heißt der mexikanische Drogenboss, also eigentlich heißt er Joaquin Guzmán Lore, der neulich erst spektakulär aus dem Knast ausgebrochen und letzten Freitag genau dort wieder eingefahren ist. Schuld daran ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Interview, dass er Sean Penn für den "Rolling Stone" gegeben hat. Ich komme drauf, nicht etwa weil ich Drogen nehme, nein, das nicht, sondern weil ich letzte Nacht geträumt habe, dass "El Chapo" mir, auf der Flucht sozusagen, ins Taxi springt und von mir nun erhofft, dass ich ihm irgendwie helfen könnte, seinen Häschern noch zu entkommen.

Leider konnte ich "El Chapo", den Sean Penn als "ausgeglichen" und "charismatisch" beschreibt, nicht direkt weiter helfen, aber immerhin schon mal einen Tip für die Zeit nach seinem nächsten Ausbruch, möglichst vor der Auslieferung an die USA, mit auf dem Weg geben. Im Traum sagte ich zu "El Chapo", dass er erstmal selbst dran Schuld ist, an seiner erneuten Festnahme, weil er einfach zu eitel sei, und anstelle weitere Interviews zu geben, solle er in Zukunft an einem möglichst ruhigen Ort seine Memoiren schreiben. Ich würde sie lesen.

PS: Was ich vergessen habe, und hiermit nachhole, deswegen überhaupt dieser Beitrag, was ich aber im Traum nicht wissen konnte, weil ich obiges Video noch nicht kannte, ist, "El Chapo" zu sagen, dass ich das Dorf, wo das Interview gedreht wurde, für den idealen Ort halte, sieht man mal vom Hahn ab, der da ständig kräht. Da aber nun, nach "El Chapos" Festnahme, dieser Ort "verbrannt" sein dürfte, möchte ich noch hinzufügen, dass es in meiner Auszeit auf dem Balkan jede Menge geeigneter Dörfer gibt, wo "El Chapo" in Ruhe und mit oder ohne krähenden Hahn seine Memoiren schreiben könnte.

Traum TaxiBerlin

10.01.2016

DAS QUIZ BEI TAXIBERLIN


"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" geht nicht nur nicht, weil zu bekannt, sondern vor allem, weil so nie gesagt, wenngleich immerhin geschrieben. Gesagt hat er: "Ich glaube, Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren." In seinen Memoiren schreibt er, dass er gesagt hätte: "Das Leben verlangt mutige Entscheidungen. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben."

Deswegen für das heutige Quiz ein anderes Zitat, dessen Autor zwar etwas älter ist, dafür ist aber hundertprozentig verbürgt, dass er folgendes auch wirklich so geschrieben hat. Wer als erster weiß, von wem diese Aussage ist, dem winkt wie gehabt eine Kurzstrecke:

"Der Parlamentarismus, das heißt die öffentlich Erlaubnis, zwischen fünf möglichen Grundmeinungen wählen zu dürfen, schmeichelt sich bei jenen vielen ein, welche gern selbständig und individuell scheinen und für ihre Meinung kämpfen möchten. Zuletzt ist es aber gleichgültig, ob der Herde eine Meinung befohlen oder fünf Meinungen gestattet sind - Wer von den öffentlichen Meinungen abweicht und beiseite tritt, hat immer die ganze Herde gegen sich."

09.01.2016

"MERKEL IST VON ALLEN GUTEN GEISTERN VERLASSEN"


"Merkel ist von allen guten Geistern verlassen" ist von einem meiner Fahrgäste. Es ist allerdings schon etwas her, dass Hans-Joachim Maaz bei mir im Taxi saß, wenn ich mich recht erinnere, sind es jetzt fünf oder sechs Jahre, und sein Interview mit der "Thüringischen Landeszeitung", das genau denselben Titel hat, ist auch schon wieder ein paar Wochen alt. Es ist, um genau zu sein, vom 6. Oktober 2015, hat also mit den Ereignissen in der Silvesternacht nichts zu tun, und auch nichts mit dem Umstand, dass gerade mal wieder eine Wende ansteht, diesmal eine "Zeitenwende".

Hans-Joachim Maaz, der mir wie gesagt vor einigen Jahren im Taxi saß, den ich aber auch davor schon persönlich kannte und bis heute schätze, ist ein Psychiater und Psychoanalytiker, dem lange Zeit für seine Tätigkeit eine alte Villa auf dem Gelände des evangelischen Krankenhauses in Halle an der Saale zur Verfügung stand, und der seit einiger Zeit im Ruhestand ist, was aber nicht bedeutet, dass er sich zur Ruhe gesetzt hätte - eher im Gegenteil.

Grundsätzlich sagt Hans-Joachim Maaz das, was auch Angela Merkel sagt, und zwar dass wir an den Ursachen für Armut und Krieg schuldhaft beteiligt sind. Unabhängig davon dürfen, wenn gesagt werde "Wir schaffen das", aber "die berechtigten Sorgen und Ängste nicht weggewischt werden". Das sei sozusagen die erste Pflicht unserer Politiker und Medien, so Hans-Joachim Maaz.

Wer helfen will, und wer will das nicht, denn Menschen in Not muss geholfen werden, dem müsse man, so Hans-Joachim Maaz weiter, aber auch sagen, "wie weit diese Hilfe gelingen kann und welche Risiken provoziert werden." In dem Interview mit der "Thüringischen Landeszeitung" sagt Hans-Joachim Maaz außerdem, dass auch er Sorge und Zweifel habe. Das Ganze, wie gesagt, schon am 6. Oktober des vergangenen Jahres.

PS: Bereits am 18. Juni 2011 sagte Angela Merkel, die mir bisher noch nicht im Taxi saß, in ihrem Video-Podcast: "Wir müssen akzeptieren, dass die Zahl der Straftaten bei jugendlichen Migranten besonders hoch ist." Möglicherweise hat sich die Kanzlerin versprochen, oder ihr sind in dem Moment nicht die richtigen Worte eingefallen. Sie heißen "zur Kenntnis nehmen" oder vielleicht noch "anerkennen", aber mit Sicherheit nicht "akzeptieren".

Text TaxiBerlin

08.01.2016

ANGST, SORGE UND ZWEIFEL


Ich weiß nicht, woran es liegt, aber "besorgte Bürger" scheint es nicht zum Unwort des Jahres 2015 zu schaffen, das Mitte des Monats bekanntgegeben wird. Immerhin, eines ist erreicht, "sich Sorgen zu machen" oder auch nur "sich zu sorgen" gilt seit einiger Zeit als uncool, wenn nicht gar als unakzeptabel.

Auch Menschen mit Angst sind im Moment bestenfalls wohlgelitten. Angst, so Angela Merkel, ist ein schlechter Ratgeber, womit sie ohne Frage Recht hat. Sie empfiehlt gegen die Angst, mal wieder einen Gottesdienst zu besuchen, in der Kirche ein Bild zu erklären und vor allem nicht hochmütig zu sein.

Am schlimmsten ergeht es aber derzeit zweifellos dem "Zweifler", der von Claus Kleber vom ZDF, ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender mit Bildungsauftrag, finanziert von Geldern "besorgter Bürger", in einem Atemzug mit Fremdenfeinden und Nationalisten genannt wird, und der auf die Straße bringen würde, was "Hilfsbereitschaft, Empathie und Willkommen in den Schatten stellen."

Um es ganz klar zu sagen: Angst, Sorge und Zweifel sind menschlich. Wer sie klein redet, banalisiert oder gar kriminalisiert, handelt unmenschlich und menschenverachtend. Das ist die Wahrheit. Auch ich habe Angst, Sorge und Zweifel, aber vor allem Zweifel. Ich halte es da mit Karl Marx, der gesagt hat: "An allem ist zu zweifeln", und bin deswegen weder Fremdenfeind noch Nationalist.

Mal wieder zum Gottesdienst zu gehen und in der Kirche ein Bild zu erklären sind absolut ernstgemeinte Tips von Angela Merkel, auch unter dem Aspekt, dass sich keiner darüber beklagen möge, wenn ein Moslem seinen Koran besser kennen würde als unsereiner die Bibel. Also ich habe mich noch nie beklagt, wenn jemand mal ein Buch gelesen hat, ich möchte nur nicht ständig damit belästigt werden, mehr erwarte ich nicht von denen, die mich regieren.

Wie es aussieht, ist aber genau das schon zu viel verlangt. Gut, ein solcher Fall ist nun auch nicht ganz neu. Bereits Bertolt Brecht empfahl seiner Regierung, doch einfach das Volk aufzulösen und ein anders zu wählen, als dieses seinerzeit das Vertrauen der Regierung verscherzt hatte. Überhaupt ist vieles gerade ein Déjà-vu, ich schrieb bereits darüber. Vielleicht sollte noch erwähnt werden, dass die Regierenden damals nicht mehr lange die Regierenden waren.

So weit die Oberfläche. Geht man etwas tiefer, kommt man zu der Frage: Warum werden Angst, Sorge und Zweifel von den Regierenden nicht Ernst genommen, banalisiert und abgewehrt? Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht, habe aber den Eindruck, dass die uns Regierenden wirklich glauben, sie könnten damit durchkommen, und dass keiner ihr menschenverachtendes Tun als solches erkennen würde.

Viele Menschen mögen einfach sein, was nicht automatisch dumm ist, und die meisten verfügen über einen gesunden Menschenverstand, auch wenn einige sich das nicht vorstellen können, und manch einer ihnen diesen sogar neidet, bewusst oder unbewusst, das spielt keine Rolle. Ich weiß aus unzähligen Gesprächen bei mir im Taxi: Menschen spüren, wenn man ihnen nicht die Wahrheit sagt. Die meisten Menschen wissen beispielsweise, dass letztendlich alle Männer potentielle Vergewaltiger sind. Auch das ist die Wahrheit.

Nachdem sich die Kölner Oberbürgermeisterin mit ihrer "Armlänge" neulich kurz selbst in die Schussbahn gebracht hatte, scheint nun wieder die Polizei das Bauernopfer bringen zu müssen. Und sicherlich, es ist ungeheuerlich, dass man bei der Polizei zu glauben scheint, darüber entscheiden zu müssen, was den Menschen zuzumuten ist und was nicht. Ingeborg Bachmann wusste es. Aber auch das ist nicht neu und letztendlich auch wieder nur Oberfläche. Die Fragen müssen lauten: Woher kommt diese Anmaßung bei der Polizei? Kommt sie aus dem Inneren der Polizei selbst, oder wird sie von außen an sie herangetragen, und wenn ja, von wem?

Das wäre interessant herauszufinden, denn es ist nämlich nicht so, wie gelegentlich behauptet wird, dass die meisten Menschen von Hause aus Nazis oder Rassisten sind, auch wenn in jedem von uns ein kleiner Nazi und Rassist steckt, weswegen wohl auch nicht unterschieden wird, sondern uns allen, ohne Ausnahme, eben immer nur so viel erzählt wird, von dem man ausgeht, dass die Masse keinen Kontrollverlust erleidet. Das ist aber eine Projektion, in dem Fall von der Polizei auf die Bürger und nicht umgedreht! Das dumme ist, die Menschen spüren das, und es stört sie, mehr als die Wahrheit sie stören würde. Deswegen sind sie auch misstrauisch, was man ihnen erzählt, selbst und gerade wenn es, wie im Fall Köln, die Polizei ist.

Mir ist egal, woher welcher Täter kommt. Ich habe auch nichts gegen einen Kodex, der verbietet, die Nationalität eines Täters zu nennen, nur muss dieser für alle gelten. Es kann nicht sein, dass ich bereits am nächsten Tag deren Namen kenne, wenn sie Holger oder Peter heißen. Ich sage das als jemand, der weder Peter noch Holger heißt, sondern im Gegenteil einen Namen trägt, der sofort als nicht von hier zu erkennen ist. Wer Holger oder Peter heißt, darf deswegen aber keinen Nachteil haben, selbst wenn er eine Straftat begangen hat.

Auch wenn mein Name nicht von hier ist, und ich selber auch "nur" zur Hälfte von hier bin, so ist es doch auch mein Land, das mir aber, so wie es ist, nicht gefällt. Ich halte es da mit Erich Fried, der frei interpretiert gesagt hat, dass: "Wer will, dass dieses Land so bleibt, wie es ist, der will nicht, dass es bleibt." Ich jedenfalls möchte in keinem Land leben, in dem Angst, Sorge und Zweifel abgetan, banalisiert und lächerlich gemacht werden. Das ist die Wahrheit.

PS: Frau Merkel, verraten sie uns ihren Plan!

Text TaxiBerlin

WAHRHEITEN UND WO SIE ZU FINDEN SIND


Warteraum / ArztInnen / Berlin

Oft finden sich Wahrheiten, wo niemand sie vermuten würden, was, und das ist die Wahrheit, der einzige Grund ist, offen zu sein. Einen anderen gibt es nicht! Denn wer offen ist, um einfach nur offen zu sein, oder auch nur weil alle es angeblich sind, der kann nicht ganz dicht sein, das ist bekannt. Neu ist, und da wiederhole ich mich gerne, dass wir Wahrheiten oft auch dort finden, wo wir sie nie vermuten würden.

So gesehen haben meine vielen Arztbesuche, ich berichtete darüber, auch etwas Gutes, sieht man mal vom Heilungsprozess ab, der natürlich im Mittelpunkt steht. Unabhängig davon lohnt es sich aber, wenn dies möglich ist, Augen und Ohren offen zu halten, was sozusagen Grundvorraussetzung fürs offen sein ist, um keine auch noch so kleine oder simple Wahrheit zu verpassen, die sich einem eben gerne dort auftut, wo niemand sie vermutet.

Obiges Foto hat übrigens ein Mitpatient gemacht, meine Kamera ist ja immer noch im Wandsafe von meinem Chef (hoffe ich zumindest), der, also der Mitpatient, mir das Bild dann freundlicherweise per e-mail hat zukommen lassen. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank dem lieben Mitpatienten, aber wozu hat man sie schließlich, außer dass sie ansonsten, also wenn sie keine Bilder für einen machen, bitte sehr diskret Abstand halten mögen.

Der Mitpatient hat das Foto aber nicht nur gemacht, damit ich endlich mal wieder eins veröffentlichen kann, so wichtig sind mir die Bilder nun auch wieder nicht, das ist auch die Wahrheit. Vielmehr ist es so, dass ich es als Vorlage für Hinweisschilder nutzen möchte, die ich, wenn ich denn eines Tages mal wieder mit dem Taxifahren anfangen sollte, bei mir im Taxi anbringen möchte, und zwar als Hinweis für meine Fahrgäste darauf, dass man nicht absichtlich weghören kann, auch hiervon berichtete ich.

Ob ich nun Mitpatienten durch Fahrer und Fahrgäste ersetzen werde, das weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Eigentlich gefällt mir das Schild, so wie es ist, ganz gut, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass ich von Computer und der neuen Technik allgemein keine Ahnung habe. Das ist leider auch wahr. Und mich deswegen nun in die Fänge eines "Spezialisten" zu begeben, das Risiko ist mir dann doch zu groß, auch weil ich gerade etwas auf meine Ausgaben achten muss.

Eine Sache, und damit komme ich zum Schluss, soll noch erwähnt sein, die mir gerade durch den Kopf geht. Auch hier bin ich mir nicht sicher, ob sie Aussicht auf Erfolg hat, aber das weiß man immer erst danach. Die Frage ist, ob man die Schilder eventuell auch außerhalb des Taxis anbringen sollte, und zwar als Hinweis auf die "mehr als eine Armlänge" Distanz. In dem Fall könnte man vielleicht doch am Text arbeiten, möglicherweise Mitpatient durch Mitbürger ersetzen, ich weiß es aber nicht genau, ist ja auch 'ne Frage des Budgets.

Foto MitPatient
Text TaxiBerlin

07.01.2016

ABGETAUCHT UND ABGEWARTET


Wie viele Tage hat es gleich noch mal gedauert, bis die ersten großen Zeitungen hierzulande über Köln & Co berichteten? Keine Ahnung, ist schon wieder so lange her. Ist auf jeden Fall jetzt auch dem Ausland aufgefallen. Seit heute liegt nun sogar ein offizieller Polizeibericht vor. (Wann gab es das schon mal, dass ein offizieller Polizeibericht veröffentlicht wurde? Ich kann mich an keinen erinnern.)

All das ist aber nicht wichtig. Wichtig alleine ist, dass jetzt auch die Kanzlerin ihre Empörung zum Ausdruck gebracht hat ("auch für mich persönlich unerträglich"). Seitdem kommen immer mehr aus ihren Löchern heraus gekrabbelt, in die sie sich abgeduckt hatten, weil sie erstmal abwarten mussten, in welche Richtung sich die öffentliche Meinung dreht, um nun auch ihre Empörung auszudrücken.

Schade

Text TaxiBerlin

JESUS UND DER VATERSCHAFTSTEST


Weihnachten, der Geburtstag von Jesus Christus, geboren im Zeichen des Steinbocks, ist vorbei, die fetten Braten verdaut, die Geschenke schon wieder verkauft, das ist der Moment, einmal aufzuschreiben, was zum Thema (Titel) vor dem Fest von Fahrgästen bei mir im Taxi diskutiert worden ist. Um es gleich vorweg zu nehmen: An die unbefleckte Empfängnis glaubte keiner von ihnen, was aber nicht bedeutet, dass es sie prinzipiell nicht gibt. Da muss ich mal wieder den Meister zitieren: "Don't criticize what you can't unterstand."

Was man auf jeden Fall sagen kann, wo auch niemand denke ich widersprechen wird, ist: Die unbefleckte Empfängnis ist nicht gerade der Normalfall. Das ist sozusagen der kleinste gemeinsame Nenner, auf den wir uns einigen können. Ich bin mir nicht sicher, ob der Umstand noch dazugehört, dass Kinder normalerweise Mutter und Vater haben, oder ob sich da schon was geändert hat, wovon neben mir auch meine Fahrgäste noch nichts genaues wussten.

Wie gesagt, diese Annahme, dass ein jeder von uns Mutter und Vater hat, kann morgen schon überholt sein, das muss man in Kauf nehmen, worauf man als Taxifahrer aber bestens vorbereitet ist, weil sich auf den Straßen und Plätzen ja auch ständig was ändert. Um es einmal ganz klar und in aller Deutlichkeit zu sagen: Niemand ist besser vorbereitet auf welche Veränderung auch immer, und auch völlig egal ob im Großen oder auch nur im Kleinen, als ein Taxifahrer!

Doch zurück zu Jesus, der neulich Geburtstag hatte, weswegen wir Geschenke verschenkt und Speisen verspeist haben (manche auch Menschen getroffen haben, die sie gar nicht treffen wollten), dessen Mutter Maria hieß, so viel ist sicher, aber dessen Vater nicht ihr angetrauter Joseph war, was schlimm ist, und zwar für Jesus, was ein jeder weiß, der keinen Vater hatte, also wir alle, das ist die Wahrheit. Das klingt alles nicht schön und auch nicht appetitlich, weswegen ich damit auch bis nach dem Fest gewartet habe.

Was macht man nun, wenn man keinen Vater hat? Man sucht ihn, ganz klar. Manche suchen auch ihre Mutter, oder gar Mutter und Vater, was aber letztendlich alles auf's gleiche hinausläuft. Jesus, so steht geschrieben, soll dabei den Vorteil gehabt haben, dass er zumindest wusste, wo er zu suchen hat, und zwar im Himmel, auch wenn dort davor und auch danach noch niemand seinen Vater gesehen hatte, und böse Stimmen später sogar behaupteten, dass er tot wäre, was immerhin voraussetzt, dass er irgendwann einmal gelebt hätte.

Heute gibt es für solche Fälle den Vaterschaftstest (der einem aber auch nicht sagt, wo der Vater zu finden ist - das ist auch wahr), der leider zu Jesus' Zeiten unbekannt war, weswegen es damals auch um die Frage ging: Kommt der Sohn nun nach dem Vater oder nicht, und da sind wir (nicht ich alleine!) bei mir im Taxi auf eine ganz andere, völlig neue Fragestellung gekommen, die ich gerne an meine Leser weitergeben möchte: Was ist eigentlich, wenn man/frau  im Moment der Zeugung/Empfängnis an eine ganz andere Person denkt, was öfters vorkommt, als gemeinhin gedacht, insbesondere bei der befleckten Empfängnis, meinten zumindest meine Fahrgäste, die aber auch nicht wussten, ob und was das eventuell für Auswirkungen haben könnte, jetzt nicht auf den Vaterschaftstest, sondern ob man wirklich ausschließen kann, dass das, was gerade gezeugt wird, nicht doch vielleicht nach der dritten (oder auch vierten / oder gar beiden) Person/en kommt, an die im Moment der Zeugung gedacht wurde.

Foto&Text TaxiBerlin

06.01.2016

PHASE VIER


Jetzt wird es wirklich bizarr, aber auch das gehört zum Leben dazu, deckt sich dafür mit dem wenigen, was ich ausnahmsweise nicht auf der Straße sondern an der Uni für's Leben gelernt habe, und zwar die Tatsache, dass jedes Ding seine vier Phasen durchläuft, die da wären:

1. Euphorie (beispielsweise über ein neues Jahr)
2. Ernüchterung (manchmal auch erst Tage später)
3. Suche nach den Schuldigen (Stichwort: "Falsche Täter")
4. Bestrafung der Unschuldigen (findet gerade statt)

Die Unschuldigen Schuldigen sind in dem Fall Frauen, das behauptet zumindest eine Frau, und die muss es wissen, genau genommen die Oberbürgermeisterin von Köln, eine Frau Reker, die in der Silvesternacht eine zu große Nähe zu Menschen gesucht hätten, die ihnen fremd sind, denn "Es ist immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die mehr als eine Armlänge betrifft."

PS: Möglicherweise ist es aber auch schon Phase 4b, und zwar dann, wenn der gestrige Versuch unseres Innenministers, der Polizei den Schwarzen Peter zuzuschieben, als Phase 4a durchgeht.
Text TaxiBerlin

KRANK UND OHNE KAMERA


Der ein oder andere wird es bemerkt haben, im Moment gibt es keine Fotos bei mir auf dem Blog zu sehen. Das liegt daran, dass ich krank bin. Keine Ahnung, ob das heute immer noch krank sein heißt, ich sage es einfach, aus Gewohnheit sozusagen. Als ich das letzte Mal arbeiten war, ich weiß gar nicht mehr genau wann das war, aber wen das jetzt interessiert, der schaut einfach mal, wann ich das letzte Bild veröffentlich habe, dann weiß er, wann ich das letzte Mal arbeiten war, habe ich, und das wollte ich eigentlich nur sagen, vermutlich krankheitsbedingt meine Kamera im Taxi liegen lassen.

Seitdem ich krank und ohne Kamera bin, hatte ich das Vergnügen, jede Menge verschiedener Ärzte kennenzulernen, alle sehr sehr nett, das kann ich nicht anders sagen, auch wenn bei ihnen immer genau dann, wenn ich komme, wahnsinnig viel los ist, weswegen Wartezeiten von zwei bis drei Stunden absolut normal sind, was wiederum ein Grund ist, dass ich am liebsten zur HNO-Ärztin gehe. HNO steht übrigens für Husten und Niesen und so, falls das jemand nicht weiß. Meine HNO-Ärztin, das nur nebenbei, ist eine nette ältere Dame, ich will ihr nicht zu nahe treten, aber vermutlich schon im Rentenalter.

Und obwohl nicht mehr die jüngste, fertigt sie, meine HNO-Ärztin, langsam zwar, aber eben gekonnt, ihre vielen Patienten der Reihe nach ab, immer verbunden mit einem persönlichen Gespräch oder zumindest ein paar aufmunternden Worten, was vielleicht wichtiger ist, als irgendwelche Medikamente. Aber jetzt kommt das beste, denn aus welchen Gründen auch immer, ist meine HNO-Ärztin ein Fan von mir, weswegen ich, wenn ich komme, immer sofort vor kann, und zwar zum Rachenauspinseln mit Jod. Zugegeben, Rachenauspinseln mit Jod hört sich gruselig an, ich weiß, und ist es auch, noch dazu völlig von gestern, aber eben das einzige, was bei mir noch hilft, so weit ist das schon mit mir.

Eine Folge meiner zahlreichen Arztbesuche ist, dass ich ständig neue Briefe an meinen Chef schreiben muss, nämlich mit den immer neuen Krankschreibungen, was auch angesichts des gerade erhöhten Briefportos ganz schön ins Geld geht, das muss ich schon sagen, weswegen ich ihn, meinen Chef, gestern einfach mal angerufen habe, und wo er mir sogleich versicherte, dass er weiß, wenn ich sage, dass ich krank sei, ich auch wirklich krank bin, was so mit das beste ist, was ein Chef über einen sagen kann, das sage ich aus Erfahrung.

Außerdem sagte mein Chef noch, dass er meine Kamera aus seiner Taxe, mit der ich meine letzte Schicht gefahren bin, "sichergestellt" habe. Ich finde diese Polizeiwörter wie "sicherstellen" in unserer Alltagssprache einfach nur Klasse, beispielsweise auch den Begriff "Zugriffe", wenn es um die Besucherzahlen hier auf dieser Seite geht. Mein Chef hat meine Kamera aber nicht nur "sichergestellt", sondern sie darüber hinaus in dem kleinen Wandsafe im Flur von seiner Firma deponiert, wo ich euch neulich noch den Code von verraten habe, weswegen ich überlege, ob es nicht doch besser sei, die Arztbesuche einzustellen, auch das Rachenpinseln mit Jod bei meinem älteren weiblichen Fan sein zu lassen, und bald mal wieder Taxi zu fahren.

Text TaxiBerlin

05.01.2016

"WENIGSTENS HABEN SIE UNS NICHTS GEKLAUT"


Ich find' das Leben gerade herrlich, insbesondere im Moment, wo Dinge sich auch mal verändern, denn Leben heißt bekanntlich Veränderung. Beispielsweise dachte ich bis gestern, dass es auf jeden Fall besser sei, bei einem Überfall im Taxi zum Beispiel, lieber das Geld herzugeben und dafür körperlich unversehrt zu bleiben. Aber das war einmal, ist sozusagen "Old School". Heute ist Geld viel zu wichtig, wer weiß davon kein Lied zu singen, weswegen man es auch nicht einfach so hergibt, das ist klar. Lieber lässt man sich, besser aber Freundin oder Ehefrau, angrabschen, weil das ist, und das ist das Neue, viel weniger schlimm, als sich beklauen zu lassen.

PS: Komisch ist nur, dass die, die gestern noch so für Veränderung waren, heute schweigen.

Text TaxiBerlin

04.01.2016

EINER ZIVILPOLIZISTIN AM BAHNHOF IN DIE HOSE FASSEN - WAS TAXIMETROW DAZU SAGT ...


Ist das jetzt eine gute oder eher eine schlechte Nachricht ist, wenn jemand einer Zivilpolizistin in die Hose fasst, denn immerhin ist es in Köln passiert, allerdings nicht zum Karneval, sondern zu Silvester. Vielleicht war es der Beamtin gar nicht unangenehm, dass ihr mal jemand in die Hose fasst. Und überhaupt, was hat die gute Frau ausgerechnet in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof verloren, fragt sich seinen fast kahlen Kopf kratzend Kollege TaxiMetrow.

Die Tante solle nicht solche Wellen machen, es hätte alles noch viel schlimmer kommen können, meint TaxiMetrow, der Fahrgastzähler vom Balkan. So 'ne Lappalie habe noch keiner geschadet, damit kenne er sich aus. Wie oft träume er davon, dass ihm mal eine Frau in die Hose fasst, da hätte er auch gar nichts dagegen. Das würde er auch ganz für sich behalten, und es nicht an die große Glocke hängen, oder gar mit der Zeitung darüber reden, sagt TaxiMetrow.

Aber die Frauen hierzulande, die sind immer so kompliziert, das versteht TaxiMetrow gar nicht. Er ist doch nur ein Mann, und als solcher habe er nunmal Bedürfnisse. Das ist doch ganz normal. Wo ist da das Problem, fragt sich TaxiMetrow. Geld habe er keins, sonst würde er ins Bordell gehen, das ist doch klar. Nur wer kein Geld für's Bordell hat, der geht eben zum Bahnhof. Das ist auch bekannt. Das war schon immer so. Und überhaupt, man sagt doch nicht umsonst in Köln, dass alles immer noch gut gegangen wäre, meint TaxiMetrow.

Text TaxiBerlin

FACEBOOK IST OUT


Facebook soll wirklich Mega-Out sein. Das entnahm ich einem Gespräch meiner Fahrgäste vorletzte Nacht. Ich weiß nicht, ob ich es schon erwähnt habe, aber man kann nicht absichtlich weghören. Das geht nicht. Das ist wissenschaftlich erwiesen. So kommt es, dass ich mir alles anhören muss, was sich meine Fahrgäste zu erzählen haben. Viele von ihnen scheinen das nicht zu wissen. Sonst würde einige bestimmt nicht das erzählen, was sie erzählen.

Gut, ich könnte jetzt Hinweisschilder im Taxi anbringen, das ginge bestimmt. Aber was soll da drauf stehen? "Taxifahrer hört mit!" vielleicht? Nein, das will ich dann doch nicht. Und mein Chef würde das auch nicht wollen, der hat nämlich studiert. Geschichte, glaube ich. Der Zahlencode von dem kleinen Wandsafe im Flur von unserer Firma, wo die ganzen Autoschlüssel drin sind, funktioniert nach einem historischen Code. Da niemand von euch weiß, für welche Firma ich arbeite, kann ich hier den Code verraten.

Der Zahlencode für den kleinen Safe im Flur von unserer Firma mit den ganzen Schlüsseln für die Taxen war letztes Jahr der Siebenjährige Krieg, und davon der Anfang. Dazu muss man wissen, dass mein Chef den Code jedes Jahr ändert. Vorletztes Jahr war der Zahlencode noch die Kaiserkrönung von Otto dem Ersten. Außerdem macht mein Chef noch irgendwas mit Kunst und den Hausverwalter. Ich weiß, es ist viel, aber irgendwie schafft er es.

Gestern habe ich meinem Chef, der sich sehr um seine Fahrer bemüht, von dem erzählt, was sich die beiden Mädels bei mir in seinem Taxi erzählt haben. Einfach so, damit er bescheid weiß. Das komische war, dass er es bereits wusste. Das hat mich dann doch überrascht. Ich meine, gut, mein Chef ist schon ziemlich helle, sonst würde er nicht auf die Idee mit den wechselnden Zahlencodes für die Schlüssel zu seinen Taxen kommen, oder?

Aber dass er nun, wie man so schön sagt, seiner Zeit voraus ist, wer konnte das wissen?! Er wusste nämlich nicht nur, was meine Fahrgäste wussten, sondern hatte sich sogar schon bei Facebook abgemeldet, und das bereits im letzten Jahr. Dass Facebook nicht mehr aktuell sei, ist ein neuer Trend, klärte er mich auf. Dieses Jahr werde sozusagen der Anfang vom Ende von Facebook.

Das ist wie mit der Tulpenkrise in Holland, damals, im Mittelalter, da ist sich mein Chef sicher. Tulpenzwiebeln brachten eine Zeit lang sehr viel Geld ein, und einige wenige sind mit ihnen sehr reich geworden. Über Nacht brach plötzlich der Markt zusammen. Keiner kaufte mehr Tulpenzwiebeln. Und genauso sei das gerade mit Facebook. Das meint zumindest mein Chef, der jetzt auch schon den Zahlencode fürs neue Jahr weiß.

Es ist das Jahr, das als Tulpenmanie, auch Tulpomanie, Tulpenwahn, Tulpenfieber oder Tulpenhysterie in die Geschichte eingegangen ist.

Text TaxiBerlin

02.01.2016

RÜCKFALL


Ich hatte bereits über meine Vorsätze fürs neue Jahr geschrieben, mal wieder zum Gottesdienst zu gehen, in der Kirche ein Bild zu erklären, aber vor allem nicht hochmütig zu sein, dabei den wichtigsten Vorsatz aber vergessen, und zwar etwas gegen meine Internetsucht zu tun, die mich regelmäßig zu Aufzeichnungen wie diesen treibt, die du jetzt gerade ließt.

Ich weiß, es ist ein heißes Eisen über seine Abhängigkeiten zu sprechen, die meisten Menschen tun sich zumindest schwer damit, und ich eigentlich auch. Andererseits habe ich vor nicht allzu langer Zeit, genau genommen ist es jetzt etwa vier Jahre her, meine Abhängigkeit vom Taxifahren in den Griff bekommen und auch darüber an dieser Stelle berichtet.

Ich bin zwar kein wirklich trockener Taxifahrer, was früher, zumindest was das Trinken angeht, unvorstellbar gewesen wäre. Das ist heute anders. Auch bei den Trinkern gibt es immer mehr Fälle, wo die Leute nicht völlig mit dem Trinken aufhören, sondern sozusagen kontrolliert weiter trinken, was aber, das soll nicht verschwiegen werden, auch eine Frage der Persönlichkeit ist.

Mit dem Taxifahren sieht es bei mir so aus, dass meine maximale, sowohl von meinem Körper als auch von meinem Geist akzeptierte, Dosis drei Schichten pro Woche sind. Hinzu kommt, dass ich regelmäßig eine Auszeit vom Taxifahren nehme und gelegentlich auch mal krankheitsbedingt aussetze, so dass jeder selbst ausrechnen kann, auf wie viele Schichten ich pro Jahr so komme.

Worauf ich hinaus will, ist auch nur, dass ich, was das Taxifahren angeht, hervorragend "eingestellt" bin, aber eben nicht was meine Internetsucht betrifft. Das ist deswegen fatal, weil meine Erfahrung ist, dass ich jegliche Reduzierung meiner Internetzeiten bzw. meiner Internetpräsenz sogleich anderweitig kompensiere, beispielsweise durch den Verzehr von Süßigkeiten.

Es ist, wenn man so will, ein Teufelskreis, in dem ich mich da befinde, und aus dem ich, das haben Teufelskreise so an sich, irgendwie nicht herausfinde, zumindest nicht aus eigener Kraft. Ob nun ausgerechnet das Internet das Mittel der Wahl ist, vom Internet loszukommen, da kommen mir gerade, wo ich darüber schreibe, immer mehr Zweifel.

Andererseits, und damit möchte ich zum Schluss kommen, ist es ja auch so, dass es mitunter der einzig gangbare Weg ist, den Teufel mit dem Teufel auszutreiben, wobei, und das sage ich als jemand, der sich gerade genau an diesem Punkt befindet, es dann aber oft nicht sofort zu einer Verbesserung des Zustands kommt, sondern erst einmal zu einer so genannten "Verschlimmbesserung".

Text TaxiBerlin

VON HOBBY- UND DIPLOM-PSYCHOLOGEN


Als Taxifahrer und Hobby-Psychologe ist es wichtig, sowohl seinen Fahrgästen aufmerksam zuzuhören, und nicht nur was das Fahrziel angeht, sondern gelegentlich auch Diplom-Psychologen, selbst wenn sie einem nicht im Taxi sitzen. Immerhin hat man dann die Chance zu erfahren, dass Angst ein ganz normales Gefühl ist, das man sich nicht verbieten soll, dass es weiterhin eine völlig normale Reaktion ist, wenn einige von uns jetzt plötzlich vor Männern mit Bärten zurückschrecken, und außerdem, und das scheint mir das wichtigste zu sein, dass es jetzt nicht mehr so sei, dass man sich sicher fühlen könne, wenn man sich nicht kritisch über Muslime äußere.

Das komplette Interview mit dem Diplom-Psychologen findet der Taxifahrer und Hobby-Psychologe aber auch alle anderen hier.

Text TaxiBerlin

01.01.2016

MENSCHENANSAMMLUNGEN MEIDEN




Die Bürger sollen Menschenansammlungen meiden, rät die Polizei, verrät aber nicht, ab wie viel Personen man von einer Menschenansammlung reden kann, weswegen ich vorsichtshalber immer sofort aussteige, sobald auch nur eine Person in mein Taxi einsteigen will - sicher ist sicher. Überhaupt kommt mir der Rat der Polizei sehr zu pass, einmal grundsätzlich darüber nachzudenken, ob so eine große Stadt wie Berlin mit ihren vielen Menschen nicht doch eine Nummer zu groß ist für mich.

Irgendwo habe ich gelesen, ich glaube es war bei Thomas Bernhard, dass es entweder richtig Großstadt oder richtig Dorf sein muss, also keine Kleinstadt oder der ganze Quatsch dazwischen, was mir in dem Zusammenhang wieder einfällt und mir dadurch, dass es mir wieder eingefallen ist, erneut zu denken gibt. Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich fertig mit Berlin, was ja die einzige Großstadt ist, die wir haben, da wird mir, denke ich, keiner, der auch nur halbwegs bei Verstand ist, widersprechen.

Um genau zu sein, habe ich nicht nur fertig mit Berlin, sondern auch mit der Freiheit, für die auch ich irgendwann einmal auf die Straße gegangen bin, als noch keiner wusste, dass damit nur dieser blöde Kapitalismus gemeint war. Nils Heinrich sagt in seinem Lied "Mensch von früher", dass er exotische Südfrüchte essen wollte, von denen er gar nicht wusste, wie sie buchstabiert werden, und jetzt sei er allergisch dagegen. Besser kann ich es nicht formulieren.

Fällt mir gerade ein: Jetzt, wo Menschenansammlungen zwar (noch) nicht verboten aber immerhin zu meiden sind, die ich aber auch schon vorher gemieden habe, kann man wohl noch nicht mal mehr demonstrieren gehen, oder? Nicht, dass ich jetzt auf die Straße gehen wollte, Gott bewahre, und schon gar nicht heute, wo alle einen Kater haben oder aus anderen Gründen schlecht drauf sind.

War jetzt nur so 'ne Überlegung von mir. Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich noch mal zum Demonstrieren auf die Straße gehe? Da bin ich doch viel zu alt dazu! Ich gehe sowieso nur zu Sachen, wo außer mir keine Sau hingeht. Neulich, zum Beispiel, im Kino, da war ich ganz alleine. Ins Fitness-Studie gehe ich auch immer nur nach Mitternacht, wenn ich alle Geräte für mich alleine habe.

Die meiste Zeit bin ich ohnehin zu Hause im Internet, und das kann ich schließlich auch auf'm Dorf sein, dazu brauche ich Berlin nicht, wo auch ohne mich viel zu viele Menschen sind, und damit auch diese Menschenansammlungen, von denen selbst die Polizei nicht weiß, ob und ab welcher Größe sie gefährlich sind. Da ist das Internet sicher dagegen, und da weiß auch immer gleich jeder, wo ich gerade bin.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

AFFLUENZA


Die sieben Todsünden und die vier letzten Dinge / Hieronymus Bosch

Im neuen Jahr gilt es nicht nur, wie gestern geschrieben, mal wieder zum Gottesdienst zu gehen, in der Kirche ein Bild zu erklären und nicht hochmütig zu sein, weil der Hochmut neben dem Zorn, der Wollust, der Trägheit, der Völlerei, der Habgier und dem Geiz zu den sieben Todsünden gehört, sondern auch sich vor der Affluenza zu schützen, die, wie viele schlimme Dinge, auch aus Amerika kommt, und die man wohl am besten mit "Wohlstandsgrippe" übersetzt.

Foto WikiMedia
Text TaxiBerlin