03.12.2015

WARUM ICH TAXI FAHRE


Die meiste Zeit zum Glück alleine

Nun bin ich schon so lange auf der Straße unterwegs und weiß ehrlich gesagt immer noch nicht so recht, warum eigentlich. Sicherlich, ich muss nicht in irgendein dummes Büro und auch in keine blöde Fabrik. Bei mir steht auch kein Chef mit der Uhr. Ich bin sogar draußen unterwegs und trotzdem vom Wetter geschützt - irgendwie.

Ich sehe, wie die Stadt sich verändert und auch die Menschen, wenngleich nicht zu ihrem Vorteil. Aber immerhin haben sie ein Ziel, dem sie hinterherlaufen, oder zumindest so tun. Ich habe ständig neue Ziele, mal ist es Charlottenburg, mal ist es Mitte. Es sind aber auch nicht meine Ziele, sondern immer die der anderen.

Immerhin bezahlen sie mich. Aber nicht für die Beförderung, das wird mir immer klarer. Sie bezahlen mich dafür, dass ich sie ertrage. Sie und ihre dummen Sprüche, ihren schlechten Geschmack, ihre Oberflächlichkeit, auch ihren Sarkasmus und sogar ihren Zynismus.

Ich weiß, Sarkasmus und Zynismus sind wichtig heutzutage, vielleicht sind sie sogar das wichtigste. Aber sie strengen eben auch an. Und nicht nur das Opfer, sondern auch den Täter. Wer wüsste das besser als ich, der sich im Moment mit diesen Zeilen quält?!

Zum Glück bin ich im Taxi die meiste Zeit alleine, und wenn ich nicht alleine bin, läuft die Uhr, oder besser das Taxameter, was, wenn ich's mir recht überlege, das beste am Taxifahren ist: Die laufende Uhr, die natürlich immer zu langsam läuft, aber immerhin.

Foto&Text TaxiBerlin

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