31.12.2015

GESTÖRTE KOMMUNIKATION - EIN DÉJÀ-VU


Einige Male habe ich im zu Ende gehenden Jahr davon geschrieben, dass ich gerade, was die Zeit angeht, in der wir leben, ein Déjà-vu habe, ohne dass ich selbst wusste, woran sie mich, also unsere heutige Zeit, denn nun genau erinnern würde, bis es mir heute endlich und pünktlich zum Jahresende klar geworden ist, wofür ich vor allem dem mauen Taxigeschäft der letzten Tage zu danken habe, das mir einmal mehr sehr viel Zeit zum Nachdenken bescherte, was aber keine Überraschung ist, denn die Jahresendzeit, oder auch "zwischen den Jahren", wie man heute sagt, ist traditionell eine Zeit des "in-sich-gehens" und des "inne-haltens", dem die nicht vorhandenen Fahrgäste letztendlich nur "Rechnung tragen".

Der Grundstein für dieses, ich nenne es einfach mal "zurück blicken", wurde, so viel Zeit muss sein, von meinem Vater gelegt, der eine Zeit lang regelmäßig die Serie "Vor vierzig Jahren" sah, die sich, für alle, die das nicht wissen, mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte. Das ganze übrigens auf Öffentlich/Rechtlich, also ARD und ZDF, die bereits damals einen Bildungsauftrag hatten, den es generell und völlig Zeit-unabhängig kritisch zu hinterfragen gilt, denn manchmal haben auch Marxisten recht, beispielsweise mit der Aussage, dass Geschichte immer Zwei (2x) Mal stattfindet - zuerst als Tragödie und später als Farce. Gesagt hat das kein geringerer als Karl Marx, der vielleicht einzige Marxist überhaupt, was aber ein anderes Thema ist.

Ich will bei der Wahrheit bleiben und kann deswegen nicht verschweigen, dass ich die Fernsehgewohnheiten meines Vaters nicht nur nicht verstand, sondern ausgesprochen seltsam fand, was nicht nur daran lag, dass er die Zeit des Zweiten Weltkrieges selbst als Jugendlicher miterlebt hatte, wenngleich auf dem Balkan. Heute verstehe ich meinen Vater, und nicht nur das, nein, heute sehe auch ich mir solche Sachen an, die komischerweise genau die Zeit betreffen, in der sich mein Vater "Vor vierzig Jahren" ansah, und in der ich nun meinerseits ein junger Erwachsener war. Die neuen Medien, einen Fernseher habe ich nicht, sind dabei nicht immer hilfreich, das muss ganz klar gesagt werden. Es ist immer besser, sich das Original anzusehen, so hab ich es getan, und aus dem zitiere ich:

"In unserem Land ist die Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft offensichtlich gestört. Belege dafür sind die weit verbreitete Verdrossenheit ... Die gestörte Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft lähmt die schöpferischen Potenzen unserer Gesellschaft und behindert die Lösung der anstehenden lokalen und globalen Aufgaben. Wir verzetteln uns in übelgelaunter Passivität und hätten doch wichtigeres zu tun für unser Leben, unser Land und die Menschheit. In Staat und Wirtschaft funktioniert der Interessenausgleich zwischen den Gruppen und Schichten nur mangelhaft. ... Um all diese Widersprüche zu erkennen, Meinungen und Argumente dazu anzuhören und zu bewerten, allgemeine von Sonderinteressen zu unterscheiden, bedarf es eines demokratischen Dialogs über die Aufgaben des Rechtsstaates, der Wirtschaft und der Kultur. Über diese Fragen müssen wir in aller Öffentlichkeit, gemeinsam und im ganzen Land, nachdenken und miteinander sprechen. Von der Bereitschaft und dem Wollen dazu wird es abhängen, ob wir in absehbarer Zeit Wege aus der krisenhaften Situation finden ..."

Meine Vorsätze fürs neue Jahr: Mal wieder zum Gottesdienst gehen, in der Kirche ein Bild erklären und vor allem nicht hochmütig sein.

Text TaxiBerlin

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