22.12.2015

DIE WELT, WIE WIR SIE KENNEN


"Es fällt mir von Tag zu Tag schwerer, auf dem Niveau meines blauen Porzellans zu leben." Oscar Wilde

Die Welt, wie wir sie kennen, das sind Jobs, von denen man leben kann, bezahlbare Mieten, öffentliche Transportmittel, die halbwegs nach Fahrplan fahren, Ärzte, die alle gleich behandeln, Behörden, bei denen man einen Termin bekommt und Renten, von denen man überleben kann. Ich weiß, genau genommen gibt es diese Welt schon heute nicht mehr, zumindest in der Realität. In unserer Vorstellung allerdings, da existiert diese "Welt von gestern" aber durchaus noch. Das ist nur menschlich, denn wer verschlechtert sich schon gerne. Verbessern? Ja! Aber bitte sehr keinen Abstieg.

Das blöde ist, dass ein Abstieg oftmals anstrengender ist als ein Aufstieg, dafür aber schneller vonstatten geht. Wer schon mal im Gebirge wandern war, weiß das. Das schöne an der gegenwärtigen Situation ist, dass immer mehr Menschen zu begreifen beginnen, dass genau diese alte Welt, die wir alle kannten, ein für alle mal Geschichte ist. Schön meine ich dabei gar nicht provokativ - ganz im Gegenteil. Ich denke wirklich, dass es schön ist, die Welt etwas klarer zu sehen, auch damit die Enttäuschung später nicht zu groß ist, denn eine Enttäuschung ist immer auch das Ende einer Täuschung.

Sicherlich, für viele, die heute noch Party machen, mag das hart sein. Keine Frage. Aber keine Party dauert ewig. Bisher konnte man sein Gewissen bequem damit beruhigen, dass man Probleme am anderen Ende der Welt löste. Das brauchen wir nun nicht mehr, denn die Probleme stehen bereits direkt vor unserer Haustür, und das finde ich gut. Das mag sich gemein anhören, ist es aber nicht. Ich denke, dass uns eine höchst interessante Zeit bevorsteht. Eine Zeit, in der sicher geglaubte Gewissheiten sich als Wunschträume herausstellen werden, aber auch eine Zeit, in der sich jeder von uns bewähren kann, viele zum ersten Mal in ihrem Leben. Das ist auch die Wahrheit.

Was da helfen kann? Gute Frage! Ich denke, ein Blick zurück kann nicht schaden. Du brauchst dabei gar nicht so weit zurückgehen. Ins letzte Jahrhundert reicht vollkommen aus. Da sind eine Vielzahl von Ländern, Reiche oder gar Imperien untergegangen, wo sich noch bis zum Vorabend des Untergangs kaum jemand vorstellen wollte, dass dies passieren könne. Mehr, als vorbereitet zu sein, kann man allerdings nicht tun. Immerhin erspart es einem später das ewige "Wenn ich das gewusst hätte ..." Das hält nur auf und stört beim Neuanfang. Ein Rat, der uns heute gerne gegeben wird, scheint allerdings wirklich richtig zu sein: Du musst flexibel sein!

Foto&Text TaxiBerlin

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