17.12.2015

"DIE STRASSE - MEINE UNIVERSITÄT" (TEIL ZWEI)


Als Taxifahrer fühle ich mich allen Menschen verbunden, die auf der Straße ihr Geld verdienen, egal ob das Prostituierte, Straßenmusiker, Bettler oder, wie in diesem Fall, Straßenverkäufer sind. Die Rede ist vom 62 Jahre alten Giorgos Dimou, der, weil er Maronen ohne Lizenz verkauft hat, nicht nur sechs Monate ins Gefängnis muss, wenn er dies noch einmal versuchen sollte, sondern darüber hinaus 10.000 Euro Strafe aufgebrummt bekommen hat. Dass die Geschichte letzten Freitag in Griechenland passiert ist, spielt dabei nur eine Nebenrolle.

Ich habe ähnliches auch schon in meiner Auszeit auf dem Balkan erlebt, wo immerhin vier Polizisten, nicht zwölf wie bei Giorgos in Griechenland, eine alte klapprige Gemüseverkäuferin aufforderten, ihre Sachen einzupacken, die vor ihr auf einer kleinen Decke lagen. Es waren Kräuter, ein paar Tomaten und Gurken, vermutlich von ihrem Balkon, durch deren Verkauf am Straßenrand sie ihre bescheidene Rente aufbessern wollte. Sie hatte, im Vergleich zu Giorgos, Glück, denn mit dem Einpacken der Ware hatte es sich für die Beamten erledigt, es folgte kein Prozess und auch keine Strafe.

Sicherlich, es geht hier um Klein- oder besser um Kleinstbeträge, wenngleich nicht für Giogos in Griechenland und auch nicht für die Alte in der Auszeit. Dass ein Staat deswegen einen solchen Aufwand betreibt (was hätten die zwölf oder auch nur vier Beamten in dieser Zeit für große Fische fangen können), beweist einmal mehr, dass wir, wenn man so will, in einer Diktatur leben, und zwar der des Geldes, in der es aber nicht, wie einige hofften, ums große Geld in Palästen oder Banken geht, sondern an erster Stelle um die Einschüchterung des kleinen Mannes und auch der kleinen Frau auf der Straße.

PS: Giorgos soll übrigens, das nur nebenbei, bei seiner Verhaftung ohnmächtig geworden sein, was sein Bürgermeister lapidar mit "Der Händler sollte einen Job im Theater bekommen" kommentierte.

Foto&Text TaxiBerlin

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