03.11.2015

IM TAXI MIT AZIS - EIN TAXIABENTEUER


Im Taxi vom Kollegen Aziz
Rosa Luxemburg Platz / früher Mitte / heute Neue Mitte

Ich hatte schon darüber geschrieben, dass ich Layne neulich bei einem ihrer Taxiabenteuer begleitet habe. Gestern hat Layne nun die dazugehörende Geschichte, oder zumindest deren Anfang, veröffentlicht, weswegen ich mir diese hier sparen und gleich zum Eigentlichen kommen kann, und zwar der Idee von Layne, die nicht nur ich gut finde, sondern auch viele andere, weswegen sie gerne und oft kopiert wird, allerdings ohne sie richtig zu verstehen.

Als Laynes Mann habe ich natürlich keinen objektiven "Point of View", was aber nicht automatisch heißt, dass er verkehrt ist. Vor allen Dingen darf ich trotzdem darüber schreiben, was das wichtigste ist. Bei Layne geht es nicht wie bei den meisten anderen "Food-Bloggern" nur um das Essen, sondern auch darum, wie Layne zu dem Essen kommt. Bei ihr, und auch da ist sie konsequent anders, sind es immer und ausschließlich Taxifahrer, die ihr kulinarische Tips geben.

Bei Laynes Taxiabenteuern geht es, wie gesagt, nicht nur ums Essen. Mindestens genauso wichtig ist ihr das Gespräch mit dem Fahrer, seine Geschichte. Oft geht es darum, wie die Person zum Taxifahren gekommen ist, wobei meist die damit verbundene Freiheit eine Rolle spielt. Manchmal erfährt Layne auch, wie beispielsweise bei Aziz, etwas über die Kinder und eine geschiedene Ehe.

Für mich als Taxifahrer ist das Alltag. Wenn es passt, unterhalte ich mich ausgesprochen gerne mit meinen Fahrgästen, und die schönsten Gespräche sind dabei für mich die, wo es so richtig zur Sache geht, wo kein Blatt vor den Mund genommen wird, wo, wie man so schön sagt, vom Leder gezogen wird, denn, und diese Erfahrung ist für viele vielleicht nicht neu aber zumindest ungewohnt: In meinem Taxi darf der Fahrgast rhetorisch alles - sogar die Wahrheit sagen!

(In meinem Taxi halte ich es mit dem von mir geschätzten Michel Houellebecq, der dem "Figaro Littéraire" in einem Interview empfahl: "Seien Sie richtig gemein, dann sind Sie wahr ...")

Mit der Wahrheit ist das, das ist bekannt, so eine Sache, und das nicht nur, weil jeder seine eigene hat. Damit könnten die meisten noch umgehen. Problematisch wird es, wenn unliebsame Wahrheiten nicht wahr genommen werden, was häufiger vorkommt als gedacht, denn schließlich sind wir nur Menschen, und ein jeder von uns hat seinen blinden Fleck oder "Blind Spot", wie der Amerikaner sagt. Dann kommt es darauf an, die Wahrheit richtig zu dosieren.

Ingeborg Bachmann hatte recht, als sie sagte, dass die Wahrheit dem Menschen zumutbar ist, aber eben nicht immer, und auch nicht überall. Was letzteres, also den Ort, angeht, da ist das Taxi ideal. Einen idealeren Ort gibt es nicht. Vielleicht noch der Beichtstuhl bei den Katholiken, der soll angeblich noch anonymer sein. Ich weiß es aber nicht genau, weil ich bisher immer nur im Taxi gebeichtet habe, und mein Blog im Grunde auch nur eine große Beichte ist.

Bei Aziz im Taxi ging es nicht ums Beichten sondern ums Abenteuer, und zwar das von Layne. Bei ihr, und das ist der Unterschied zur Beichte bei mir im Taxi, ist nichts geheim. Ganz im Gegenteil, Layne legt größten Wert darauf, den Taxifahrer, der ihr einen kulinarischen Tip gibt, bekannt zu machen, was aber nicht die Regel ist, sondern die Ausnahme. Die meisten sogenannten "Food-Blogger" leben davon, die Tips anderer Leute als ihre eigenen zu verkaufen.

Und wenn ich verkaufen sage, dann meine ich auch verkaufen. Es gibt wirklich jede Menge Leute - kein Scheiß! - die davon leben, dass sie, meist im Internet, manchmal auch im Fernsehen, dort die Tips anderer als die ihren ausgeben. Ich nenne sie, sowohl auf meinem Blog, als auch bei mir im Taxi: Medienhuren. Hört sich schlimmer an als es ist, schließlich prostituiere auch ich mich, und das auch noch auf der Straße. Noch weiter nach unten geht normalerweise nicht.

Dafür klaue ich niemandem die Idee. Bei mir ist das umgedreht. Selbst wenn jemand nicht weiß, wo er hin will oder muss, habe auch ich meist keine Idee, obwohl ich eigentlich am besten weiß, wo jemand hingehört in der Stadt. Überträgt man das auf die Medien, die immer irgendwas zu berichten haben müssen, kommt man zu dem, was heute an der Tagesordnung ist, insbesondere beim Fernsehen. Die Rede ist davon, dass die Macher bereits ein fertiges Skript haben, das ein Experte vor Ort, beispielsweise ein Taxifahrer, der die Stadt wie seine Westentasche kennt, dann nur noch abnicken soll.

Was ich nicht weiß, ist, wie man die nennt; es muss irgendeine Steigerung von Medienhure sein, vielleicht Mediensuperhure ...

Foto&Text TaxiBerlin

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