21.11.2015

DARF'S AUCH ETWAS WEITER SEIN?




Wer kennt das nicht, man steht beim Fleischer und möchte nur zweihundert Gramm Leberwurst, von der Hausmacher und natürlich Bio, versteht sich, da kommt plötzlich die Frage der Verkäuferin, ob es auch etwas mehr sein darf, und wer sagt da schon nein, wer lässt die zwölf Gramm, die da mehr dran sind an der Wurst, wirklich abschneiden? Gut, die Verkäuferin bedankt sich artig, was ja wohl das mindeste ist, obwohl in Berlin auch immer noch neu, denn "Bitte" und "Danke" gab es hier lange Zeit gar nicht, bis Ende der Neunziger würde ich sagen, und irgendwie kann ich mich gar nicht so richtig dran gewöhnen, wenn zum Beispiel auf dem Bahnsteig freundlich "Zurückbleiben, bitte!!!" durch die Lautsprecher schallt, anstelle des "ZURÜCKBLEIBEN!!!" von früher, laut und gebrüllt natürlich.

So viel Freundlichkeit ist mir ehrlich gesagt unheimlich, obwohl ich, beispielsweise was die Wurst angeht, auch nicht nein sagen kann, aber auch sonst tue ich nichts wirklich gegen die mir unheimliche Freundlichkeit, ganz im Gegenteil, auch ich versuche in der neuen Zeit, die gar nicht mehr so neu ist, irgendwie anzukommen, allerdings nur mit mäßigem Erfolg, das muss ich ehrlicherweise sagen, wobei nicht klar ist, an wem es liegt, an mir oder an den anderen; normalerweise liegt es immer an den anderen, aber auch hier unterscheide ich mich von den meisten, ich bin durchaus selbstkritisch, und darüber hinaus auch noch lernfähig, wer kann das schon von sich behaupten? Du etwa? Dann kannst du mir sicherlich auch verraten, was ich zu meinen Fahrgästen anderes sagen soll als Darf's auch etwas weiter sein? Oder fehlt vielleicht nur das Bitte?

Text&Stimme TaxiBerlin

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