13.10.2015

MEIN TAXIWOCHENENDE IM RÜCKSPIEGEL


Pullern ohne Drehkreuz - so geht es auch

Mein Taxiwochenende, ich schrieb bereits darüber, begann ganz klar mit einem Fehlstart, was daran lag, dass die Taxe, die ich an meinem ersten Wochenende nach meiner Auszeit fuhr, nicht die Taxe war, die ich sonst immer fahre, sondern eine andere, welche darüber hinaus noch völlig versifft war, so dass ich, bevor ich überhaupt starten konnte, erstmal drei Stunden für die Grundreinigung aufbringen musste, was wiederum auch damit zu tun hatte, dass sowohl an der Waschanlage als auch beim Staubsaugen Hochbetrieb herrschte, was an einem Freitagnachmittag passieren kann, aber nicht muss.

Ich musste, wenn man so will, raus aus meiner ganz persönlichen Komfortzone, auch über diese schrieb ich bereits, musste drei Stunden ein fremdes Auto reinigen, putzen und saugen, und konnte somit keine Geld verdienen, aber Geld ist bekanntlich nicht alles, denn das ist das Karma, was man hat oder eben nicht, und das schlimmste was einem in einer solchen Situation passieren kann, ist, dass man ein schlechtes Karma bekommt, was so weit gehen kann, dass das gesamte Taxiwochenende im Arsch ist.

Um dem vorzubeugen, wollte ich erst meinen Chef anrufen, um ihn über den Zustand des Taxis, welches ich sonst nicht fahre, aber eben an diesem Wochenende, in Kenntnis zu setzen, da fiel mir gerade noch rechtzeitig ein, dass er im Urlaub ist, was ich wusste, weil ich kurz zuvor mit ihm telefoniert hatte, dazu gleich mehr, weswegen ich es vorzog beim Techniker der Firma anzurufen, der sich auch mehrfach bei mir wegen dem Zustand des Wagens entschuldigte, er aber nicht wusste, wie der aussieht, weil er, also der Wagen, immer von irgendwelchen Alten gefahren wird, die er jetzt mal darauf hinweisen wolle, dass man Taxen auch mal reinigen muss.

Mehr kann man in einer solchen Situation nicht machen, selbst fürs Karma nicht, auch wenn man weiß, dass die Alten auch in Zukunft kaum mehr Wagenpflege betreiben werden wie in der Vergangenheit, denn das haben die schon immer so und nicht anders gemacht, in dem Fall eher nicht gemacht, und überhaupt lernen Alte sowieso nicht mehr dazu, das ist bekannt, wo heute bereits viele Junge schon nicht mehr lernfähig sind, aber das ist ein anderes Kapitel.

Kurz zu dem warum, warum ich meinen Chef kurz zuvor angerufen habe, den ich sonst nie anrufe, einfach weil es dafür keinen Grund gibt, er mir im klassischen Sinne auch nicht weisungsberechtigt ist, weil ich ja viel besser weiß als er, wie, wann und wo ich zu fahren habe. Ich rief ihn auch nicht an, um mich aus meiner Auszeit zurückzumelden, so ein Typ bin ich nicht, sondern ich rief ihn an, weil sich das Fernsehen bei mir gemeldet hatte, die mich eine Woche lang begleiten wollten, wozu sie natürlich ein Taxi brauchten, weswegen ich versprach mit meinem Chef zu sprechen.

Der wiederum wusste schon vom Fernsehen, allerdings nicht von mir, sondern von einem anderen Fahrer, der, so wie ich, unter die letzten Drei gekommen war, die für den Job im Fernsehen in Frage kommen, und hatte sogar schon mit dem Fernsehen wegen Geld, auch für den Fahrer, verhandelt. Ich erzähle die ganze Geschichte hier, weil auch sie viel mit Karma zu tun hat, und zwar in dem Sinne, dass man, bevor man überhaupt über Geld spricht, sich erstmal anhört, worum es dem anderen, in dem Fall dem Fernsehen, geht, um zu entscheiden, ob es für einen, in dem Fall für mich, in Frage kommt oder nicht, oder genau: ob es mit dem eigenen Karma kompatibel ist.

Das mit dem Geld ergibt sich dann, wenn die Frage mit dem Karma geklärt ist, von ganz alleine, das weiß ich aus Erfahrung, und so war es letztendlich auch hier, mein Chef hat, weil auch er Erfahrungen mit Film und Fernsehen hat, ein sehr vernünftiges Angebot gemacht, und die Leute vom Fernsehen müssen sich jetzt nur noch entscheiden, welchen Fahrer sie nehmen, mich oder den Kollegen, aber unabhängig davon werde ich sobald ich Zeit habe mal über meinen Kontakt mit dem Fernsehen schreiben, auch weil man daraus eine Menge lerne kann, beispielsweise fürs eigene Karma.

Nun zum eigentlichen Thema, meinem ersten Wochenende im Taxi nach zwei Monaten Abstinenz, das wie gesagt mit einem Fehlstart begann, so dass ich erst mit drei Stunden Verspätung mit dem Taxifahren starten konnte, wobei mein erster Weg zum Flughafen führte, der immer noch, weil Freitagabend, aktuell war, ich aber gar nicht bis zum Flughafen kam, weil bereits am Saatwinkler Damm eine junge Frau winkte, an der bereits einige leere Taxen vorbeigefahren waren, wohl weil sie vermuteten, dass die junge Frau es nicht weit hat, es nicht weit haben kann, wenn sie da am Saatwinkler Damm winkt, weswegen sie sich lieber hinten am Flughafen anstellten.

Doch so nicht ich - ich hielt - und wurde belohnt mit einer Fahrt nach Marzahn, wer hätte das gedacht?! Gut, jetzt nicht unbedingt meine Traumdestination, aber immerhin weit und, was noch wichtiger war, ich musste mich nicht hinter allen anderen Taxen am Flughafen anstellen, aber auch das letztendlich nicht wichtig, nur das Karma ist wichtig, und genau das war durch den Fehlstart leicht angeschlagen (Immerhin weiß ich jetzt, dass ich mir nach meiner nächsten Auszeit für meine erste Schicht besser keinen anderen Wagen andrehen lasse.), aber welches sich, also mein Karma, als wir beide leicht angeflirtet in Marzahn ankamen, bereits vollständig erholt hatte.

Jetzt konnte es also losgehen, mein Wochenende im Taxi, und das tat es dann auch, und zwar richtig, mit einem Rekordumsatz von knapp tausend Euro, aber das nur nebenbei, denn wie gesagt, das wichtigste ist das Karma, und nicht das Geld, und die Erfahrungen, die man macht, von denen ich einige hier weitergeben möchte, in der Hoffnung, dass jemand was damit anfangen kann, an erster Stelle geht es aber um mich, denn es sind meine Erfahrungen, und überhaupt, Erfahrungen sind nicht vermittelbar, entweder man macht sie, oder man lässt es bleiben und bleibt in seiner Komfortzone.

Als erstes eine Sache, die von allgemeinem Interessieren sein dürfte und von der ich bereits vor meiner Auszeit gehört hatte, und zwar den Blitzern in ganz normalen Polizeiautos, die gibt es da wirklich, ich habe einen von ihnen dort am Wochenende mit eigenen Augen gesehen, und die es bisher nur in zivilen Autos, in der Regel Kombis, gab, was nur folgerichtig ist, und was ich auch nie verstanden habe, was für eine Verschwendung, da gibt es schon Polizeiautos, aber sie können keinen Raser blitzen, da wurde jetzt nachgebessert, ich vermute allerdings des Geldes und nicht des Karmas wegen.

Natürlich durfte auch ein Fahrgast aus der Auszeit nicht fehlen, von ihnen gibt es in Berlin bekanntlich jede Menge, bekannt ist auch, dass sie Vize-Weltmeister beim Rauchen sind, mein Fahrgast aber erst am Fahrziel feststellte, dass ihm seine Zigaretten ausgegangen waren, was auch daran lag, dass ich eine andere Strecke als von ihm erwartet gefahren bin, was ihn offensichtlich überraschte und ihn nicht mehr ans Rauchen denken ließ, was wiederum dazu führte, dass wir, eigentlich bereits am Ziel, noch mal los mussten, wegen den Zigaretten, es aber Sonntag war und die meisten Lotto- und Tabakläden geschlossen hatten, wir also eine größere Runde drehen musste, wofür das Taxameter alleine noch mal fünf Euro aufrief.

Ein älteres Paar von einer Busreise zurückkehrend war völlig irritiert, dass ich die kleine Eckkneipe kenne, neben der sie wohnen, und das bereits seit fünfzig Jahren, angeblich ohne jemals in ihr drin gewesen zu sein, was mir sehr unglaubwürdig vorkam, was aber mehr mit mir als mit den Alten zu tun hatte, weil ich genau in dieser Eckkneipe schon mal drin war, und das, obwohl ich gar kein Kneipengänger bin, wofür, also dafür, dass ich die Eckkneipe kannte, es von den Alten gleich noch was obendrauf gab, also auf den Fahrpreis.

Bevor ich es vergesse, sei sogleich kurz erwähnt, dass ich dann doch noch irgendwann am Flughafen Tegel (TXL) landete, wo ich eine Beobachtung machte, die ich kurz beschreiben möchte, ohne jemanden damit anschwärzen zu wollen, das liegt mir fern, denn das ist auch nicht gut fürs Karma. Es geht um die Toilette für Taxifahrer, vor der es seit einiger Zeit ein Drehkreuz gibt, an dem man dreißig Cent bezahlen muss, um hereingelassen zu werden, durch das man aber nicht durch muss, wenn der Toilettenmann den Notausgang öffnet, wie am Wochenende. Bezahlen muss man allerdings trotzdem, und zwar direkt beim Toilettenmann.

Keine Ahnung, warum und seit wann das Interconti am Lützowufer plötzlich Sheraton heißt, ich nehme es einfach mal zu Kenntnis, mehr kann ich nicht tun, was auch besser für mein Karma ist. Auf jeden Fall stiegen mir dort fünf Farbige ein, die zum Flughafen wollten, aber nicht wussten, zu welchem, das sollte ich herausfinden, was ich aber nicht konnte, weswegen ich einem anderen Fahrzeug, einem schwarzen Maserati, folgen sollte, in dem die anderen der farbigen Gang saßen, was ich aber ebenfalls nicht konnte, weil der Maserati sich nicht von der Stelle rührte, vermutlich aus der selben Unklarheit das Fahrziel betreffend, weswegen sich nun wiederum meine Fahrgäste, warum auch immer, auf Schönefeld einigten.

So konnte es also losgehen, wobei zwischendurch immer wieder die Frage auftauchte, ob ich nicht vorher mal kurz am Flughafen Tegel vorbeifahren könne, nur zur Sicherheit, versteht sich. Die zahlreichen Telefonate, die auf dem Weg, jetzt doch nach Schönefeld, geführt wurden, brachten uns auch nicht weiter, ganz einfach weil keiner der Angerufenen wusste, welcher Flughafen der richtige war. Immerhin entnahm ich den Gesprächen, dass irgendwie Geld vorhanden war, aber immer bei den anderen und nicht bei meinen Fahrgästen, die chronisch im Minus zu sein schienen, was mich ein schlimmes Ende der Fahrt nach Schönefeld erwarten ließ, und ich mich bereits (Nein, nicht ums Geld!) um mein Karma zu sorgen begann.

Meine Vermutung sollte sich leider bewahrheiten, denn keiner meiner Fahrgäste hatte Geld, das sei im Maserati, der sich, wahrscheinlich wohlweißlich, von uns abgesetzt hatte, oder einfach sich nicht traute, in den nur für Taxen vorgesehen Bereich vorzufahren, wer weiß das schon so genau. Als nächstes wurde die einzige Frau unter meinen Fahrgästen von dem Auto hinter uns, einem PKW aus Rostock, angefahren, weil der Fahrer keine Ahnung von Automatik hatte, Polizei musste her, und irgendwie in dem Zusammenhang kam dann auch das Geld für mich zusammen, nachdem ich es, wenn ich ganz ehrlich sein soll, eigentlich bereits abgeschrieben hatte.

Zwei Frauen, obenrum nur mit BH bekleidet, tummelten sich vorm "Prince Charles" am Moritzplatz. Sie taten mir leid, weil es doch schon so kalt war, aber was konnte ich tun, wenn sie nunmal kein Taxi brauchten, außer zu warten, und zwar auf den jungen schwulen Mann, von dem ich auch erfuhr, dass es im Club 'ne Nacktparty gibt, was immerhin die leichten Bekleidung der beiden Frauen erklärte, und mit dem es gleichmal zum Geldautomaten ging, ich schrieb bereits darüber. Am nächsten Morgen sollte ich sein iPhone in meinem Taxi finden, am Abend meldete er sich deswegen, und so konnte ich es ihm sozusagen zum Wochenendausklang noch zurückbringen, wobei ich nicht darüber nachdachte, was er mir dafür geben soll, dafür war er mir, obwohl schwul, viel zu sympathisch, und außerdem war ich mir sicher, dass er selbst am besten weiß, was es ihm wert ist, wenn ihm jemand sein iPhone zurückbringt, was auch besser fürs Karma ist - und so kam es dann auch ...

Foto&Text TaxiBerlin

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