16.10.2015

IM TAXI MIT TAXIBERLIN


Ein schlimmer Fahrgast

Gestern war es mal wieder so weit, da habe ich mir ein Taxi bestellt, genau genommen haben meine Frau und ich ein Taxi bestellt, was daran lag, dass es regnete und wir spät dran waren. Hatte ich schon erwähnt, dass meine Frau überlegt den Taxischein für Berlin zu machen? Ich glaube nicht. Es ist auch nicht so wichtig, für sie an erster Stelle eine Erfahrung, die sie machen möchte, um diese mit ihren Erfahrungen als Taxifahrerin in New York zu vergleichen, wo ich sie mal bei einer ganzen Schicht mit meiner Kamera begleiten durfte.

Trotz schlechtem Wetter warteten wir bereits vor der Tür, als der Kollege pünktlich mit eingeschaltetem Taxilicht vorfuhr. Als ich ihm das Fahrziel nannte, war er, aus welchen Gründen auch immer, gerade mit seinem Smartphone beschäftigt, hörte also gar nicht richtig zu, weswegen ich ihm sicherheitshalber die Strecke ansagte, die ich dann noch einmal wiederholen musste, nachdem er sein Smartphone weglegen musste, weil auf seinem anderen Smartphone, dem von der Firma, weitere Aufträge für ihn eintrudelten, was daran lag, dass er sich dort nicht besetzt gemeldet hatte, weil er mit der freien Hand ständig versuchte sein Navigationssystem zu starten, was er aber gar nicht brauchte, weil ich ihm die Strecke gerade zum dritten Mal ansagte, und weswegen wir ins Gespräch kamen.

Krankenschwestern, das ist bekannt, sind die schlimmsten Patienten, und Taxifahrer, in dem Fall ich, sind die schlimmsten Fahrgäste, was unser Fahrer bestätigte und womit das Eis gebrochen war, er sich vor allen Dingen nicht länger mit seinen diversen technischen Geräten im Taxi beschäftigen konnte, weil er sich nun als nicht deutscher Muttersprachler auf unser Gespräch konzentrieren musste, und natürlich auch auf's Fahren, das ist klar. Der Kollege hat seinen Taxischein seit einem Monat und fährt, wie wir von ihm erfuhren, normalerweise nur mit Navi, weswegen er auch gerade überfordert war, weil sich das dumme Ding nicht starten ließ. Immerhin hat er unsere Adresse gefunden, nach nur einem Monat Taxifahren, ein klarer Pluspunkt für ihn. Da gibt es ganz andere "Kollegen" ...

Da meine Frau wie gesagt überlegt die Taxiprüfung für Berlin zu machen, erkundigte sie sich bei unserem Fahrer, wie die denn so sei. Die, so unser Fahrer, und das war die größte Überraschung der gesamten Fahrt, nehme jetzt die DEKRA ab, wovon ich schon gehört hatte, und sei dadurch einfacher geworden, was daran läge, dass die Prüfer der DEKRA keine eigentlichen Taxiprüfer seien, also von Ortskunde auch nicht mehr Ahnung haben wie du und ich, in dem Fall mehr wie du als wie ich. Das wiederum nahm ich dem neuen Kollegen "ungeprüft" ab, weil das ja auch nichts Neues ist, gerade auch im Taxibereich. Ich nenne da nur die unselige "Serviceoffensive" vom Flughafen Tegel vor einigen Jahren, von der heute nichts weiter übrig geblieben ist als die fünfzig Cent, die ich für jede Fahrt ab Flughafen für den Flughafen von meinen Fahrgästen eintreiben muss.

Mit der Ortskundeprüfung ist es, wenn man so will, genauso. Man war mit der alten Verfahrensweise und den Prüfern unzufrieden, wähnte darin sogar schon die Wurzel allen Übels, suchte nach etwas Neuem, fand es in der DEKRA, die, so vermute ich, nichts gegen das kleine Zusatzgeschäft hatte, und herausgekommen ist eine schriftliche Prüfung mit fünfzig Fragen von denen neun verkehrt beantwortet werden dürfen und man nur, weil Multiple Choice, die eine richtige Straße richtig ankreuzen muss, wo früher gerade mal drei von dreißig Fragen verkehrt beantwortet werden durften, das ganze schriftlich, und wo auch die unkorrekte Schreibweise von Straßen und Plätzen ein Fehler war, was nur folgerichtig und auch praktisch ist, wenn alle nur noch mit Navi fahren, denn da muss man, davon habe ich gehört, das Fahrziel orthografisch korrekt eingeben können.

Eine Nacht drüber geschlafen, muss ich heute sagen, dass die schleichenden Balkanisierung, von der ich bisher sprach, nicht ganz korrekt ist, und zwar deswegen, weil, sozusagen parallel zur schleichenden Balkanisierung, die sich in dem Fall dadurch ausdrückt, dass das Neue nicht wie geplant besser sondern ganz klar schlechter ist, eine Amerikanisierung stattfindet, die locker und flockig als "Multiple Choise", das tut keinem weh, sondern im Gegenteil, macht die Leute nur dümmer, daherkommt, wobei es hinter den Kulissen ums Geld, oder besser Pfründe, geht, egal ob diese "Serviceoffensive" oder "Prüfungsgebühren heißen, die es zu sichern gilt. Beide, Amerikanisierung und Balkanisierung, gehen Hand in Hand, oder mit anderen Worten, sind die zwei Seiten ein und derselben Medaille.

PS: Bei der mündlichen Prüfung übrigens, bei der der Prüfling zwei beliebige Punkte in der Stadt aus dem Kopf heraus auf dem kürzesten Weg miteinander verbinden muss, sollen sich die Prüfer der DEKRA, so der Kollege, einfach nur Google Maps bedienen.

Foto&Text TaxiBerlin

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