24.10.2015

IM TAXI MIT ILIJA TROJANOW


Auszeit Taxi mit Taxifahrer und Polizist

Dass ich neuerdings viel Zeit zum Lesen habe im Taxi, muss an den Ferien liegen. Vielleicht liegt es auch an mir. Ich weiß es nicht genau. Wenn es nicht läuft, ist es auf jeden Fall wichtig, keine schlechte Laune zu bekommen. Da hilft, zumindest mir, ein gutes Buch.

Das neue Buch "Macht und Widerstand" von Ilija Trojanow ist alleine deswegen schon ein gutes Buch, weil es sich mit der Auszeit beschäftigt, mit der sich sonst niemand beschäftigt, sieht man mal von Sibylle Lewitschroff und dem von mir geschätzten Thomas Frahm ab. Ilija Trojanow ist vielen noch wegen "Der Weltensammler" in Erinnerung, dabei ist er eigentlich gar kein Romanautor.

Ilija Trojanow ist, das dürfte einige überraschen, ein Dokumentarist, genauer ein Chronist, ganz genau DER Chronist der Auszeit. Wer mir nicht glaubt, dem sei Ilijas Buch "Hundezeiten" empfohlen, das später unter dem merkwürdigen Titel "Die fingierte Revolution" erschien.

Auch in "Macht und Widerstand", in dem übrigens jemand aus meiner Familie eine kleine Rolle spielt, und zwar auf Seite 414, wenngleich keine besonders gute, aber man kann nicht jeden von seiner Sippe kontrollieren, geht es um die sozialistischen Zeiten in der Auszeit.

"Macht und Widerstand" ist übrigens wieder ein Roman, obwohl Ilija eigentlich ein Dokumentarist ist, was ich von dem von mir geschätzte Thomas Frahm gelernt habe. Das größere Problem dürfte aber sein, dass viele Leute denken, dass Iljas neues Buch ein Buch über längst vergangene Zeiten ist und nichts mit uns heute zu tun hat.

Wer Ilija, der in der jüngeren Vergangenheit dadurch bekannt geworden ist, dass er sich gegen Überwachung, insbesondere der NSA, stark machte und dem deswegen auch schon mal die Einreise in die USA verweigert wurde, kennt, der weiß, dass dem nicht so ist.

Die Frage für mich war deswegen auch nur, wann und wie Ilija den Bogen zu uns hinbekommt. Zugegeben, er lässt sich Zeit, aber das hätte jeder so gemacht. Erst auf Seite 476 von 478 schließt sich der Kreis. Da sagt Konstantin, der ehemalige Konzlageristfolgendes:

Du hast keine Überzeugung, wenn du nicht bereit bist, dafür zu sterben.

Foto&Text TaxiBerlin

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